Mutter und Tochter liegen erschossen im Wohnzimmer. Der Ehemann steigt in sein Auto und ist erst einmal Stunden unauffindbar. Nachdem er, ein unbescholtener Banker, wieder an seinem Arbeitsplatz aufgetaucht ist, bleibt er zunächst der Hauptverdächtige. Lannert und Bootz sind sich nicht im Klaren, ob dieser Mann schwer traumatisiert ist oder ob er der Polizei etwas vormacht. Ein seltsam panischer Freund lässt ihn über einen Anwalt auf freien Fuß setzen. Doch besonders dankbar scheint der verwirrte Mann nicht zu sein. Was die Kommissare währenddessen ermitteln: jener Marc Simon hat acht Jahre ein Doppelleben mit zwei Familien geführt. Eine emotionale, aber auch sehr kostspielige Achterbahnfahrt. Simon hatte ständig finanzielle Probleme, musste sich Geld leihen und geriet dabei offenbar an die falsche Adresse. Was die Polizisten nicht wissen: auch die zweite Familie des leichtsinnigen Bankers schwebt in Lebensgefahr.
Dieser „Tatort“ aus Stuttgart beginnt als Ermittlungskrimi mit vielen Fragezeichen um eine vermutete Familientragödie und entwickelt sich im zweiten Teil zu einem Thriller mit doppelter Geiselnahme. Dazu gibt es wohldosiert Verhöre und Familiengefühle, Tempo und Action, Nervenkitzel und einen „big trick“. Das Organisierte Verbrechen macht auch vor dem braven Schwabenländle nicht halt. Die Gegner sind überlebensgroß, also müssen Lannert und Bootz, die zwischenzeitlich alles andere als souverän wirken, sich besondere Mittel und Wege einfallen lassen, um das Böse in die Schranken zu weisen.
Das tragische Zentrum von „Blutgeld“ ist der sich in jeder Hinsicht verspekulierende Banker. Stephan Kampwirth spielt ihn gewohnt überzeugend als höchst Zerrissenen. „Marc Simons Tragik besteht darin, dass er die Menschen, die er am meisten liebt, nur enttäuschen und verletzen kann“, betont Autor-Regisseur Martin Eigler. Mag dieser wendungsreiche „Tatort“, bei dem auch Lisa Martinek einen starken Eindruck hinterlässt, auch überkonstruiert sein, was am Ende zählt, ist die äußere Spannung, der man sich nicht entziehen kann und die nicht unmaßgeblich mit der inneren Spannung der Episoden-Hauptfigur kurzgeschlossen wird: so nimmt der Zuschauer besonders nachdrücklich Anteil an der Achterbahnfahrt des verzweifelten Bankers.