TV-Premieren im August
und von den Wiederholungen nur das Beste
17.08.2026
11:20
HR
Fernsehfilm
Steve Windolf, Stephan Luca, Valerie Niehaus. Ein Wirrkopf kommt selten allein
Zwei Brüder teilen sich seit Jahren eine Frau – oder anders ausgedrückt: eine Frau hat zwei Männer, einen für die Ehe, einen fürs Bett. Der verheiratete Bruder weiß von nichts, hat bald aber auch eine Affäre, mit der Frau, wegen der sein Bruderherz seine Affäre beendet hat… „Drunter & Brüder“ ist ganz dem Lust-Prinzip verpflichtet. Motto: Sich treiben lassen durch absurde Szenen und abstruse Situationen, die mehr mit dem Genre als mit dem realen Leben zu tun haben. Der Irrwitz regiert. Tempo ist das Herzstück von Handlung und Dialog. Selten wurde der Screwball-Touch Hollywoods in die Fernseh(beziehungs)filmtradition stimmiger übersetzt. Top-Besetzung, kultverdächtige Beziehungsratschläge, ein Riesenspaß!
17.08.2026
13:00
SWR
Fernsehfilm
Benno Fürmann & Ulrike C. Tscharre. Ist das einfache Leben der neue Luxus?
Einen Mann auf der Überholspur des Lebens trägt es sprichwörtlich aus der Kurve. Aus dem Workaholic aus Leidenschaft wird ein Familienmensch, der sich Jungsträume erfüllt und der seine Familie gern vor vollendete Tatsachen stellt. „Weniger ist mehr“ erzählt vom „sozialen Abstieg“, der von den Protagonisten immer weniger als solcher wahrgenommen wird. Obgleich der Film mit dem familiären Konflikt das sozial relevante, mit Ängsten und Konflikten behaftete Thema abfedert, ermöglicht er ein Happy End ohne Bauchschmerzen. Top-Besetzung, gutes Tempo, alltagsnahe Dialoge, großartiger Independent-Soundtrack!
17.08.2026
20:15
ARD
Kinofilm
TV-Premiere
Christoph Maria Herbst, Bennett, Zehrfeld, Rogenhagen, Ngo The Chau. Menschen, die an Büchern schnuppern
„Der Buchspazierer“ (ARD / Wüste) ist eine überaus berührende Verfilmung des gleichnamigen Romans von Carsten Sebastian Henn mit Christoph Maria Herbst als Mitarbeiter einer Kleinstadtbuchhandlung, der seine Kundschaft persönlich mit jeweils passender Lektüre versorgt. Der Mann wirkt mit sich im Reinen, ist im Grunde jedoch einsam. Das ändert sich, als ihn eines Tages ein naseweises neunjähriges Mädchen auf seinen Touren begleitet. Nach und nach zeigt sich, dass dieser wunderschöne Familienfilm nur vordergründig eine Geschichte über eine wundervolle Freundschaft erzählt; in Wirklichkeit geht es um die Bewältigung von Trauer. Ngo The Chau (Kamera und Regie) hat die Handlung in ein zauberhaftes Licht getaucht.
17.08.2026
22:15
rbb
Reihe
Schönemann, Lohse, Reents, Schmidt/Holle. Trilogie eines angekündigten Todes
Acht Mal waren Tierarzt Hauke Jacobs, seine Assistentin Jule Christiansen & Dorfpolizistin Lona Vogt ein unschlagbares Team und begeisterten von Jahr zu Jahr ein größeres Publikum. Mit trockenem Witz, kluger Genre-Ironie und mit skurrilen bis lakonisch bösen Nebenfiguren emanzipierten sich die Geschichten von „Nord bei Nordwest“ (Degeto / Aspekt Telefilm) zunehmend vom gefälligen Provinzkrimi und dem anfangs auf fremdländische Schauwerte setzenden Donnerstagskrimi. Jetzt gibt es einen Einschnitt. Henny Reents steigt aus der Reihe aus, für sie sind es die letzten drei Filme. Die Autoren Holger Karsten Schmidt und Niels Holle haben alle drei Episoden in eine sehr emotionale Grundstimmung getaucht. Dieser Abgang auf Raten bestimmt in narrativer wie ästhetischer Hinsicht die neuen Episoden der NDR/Degeto-Koproduktion. So ist aus einer Notlage, dem Ausstieg einer Hauptdarstellerin, der bisherige Höhepunkt der Reihe geworden. Eine Trilogie des Todes, die sich Zeit nimmt für Lona Vogts Abschied und daraus für die Geschichte den größtmöglichen Nutzen zieht.
17.08.2026
23:59
HR
Fernsehfilm
Steve Windolf, Stephan Luca, Valerie Niehaus. Ein Wirrkopf kommt selten allein
Zwei Brüder teilen sich seit Jahren eine Frau – oder anders ausgedrückt: eine Frau hat zwei Männer, einen für die Ehe, einen fürs Bett. Der verheiratete Bruder weiß von nichts, hat bald aber auch eine Affäre, mit der Frau, wegen der sein Bruderherz seine Affäre beendet hat… „Drunter & Brüder“ ist ganz dem Lust-Prinzip verpflichtet. Motto: Sich treiben lassen durch absurde Szenen und abstruse Situationen, die mehr mit dem Genre als mit dem realen Leben zu tun haben. Der Irrwitz regiert. Tempo ist das Herzstück von Handlung und Dialog. Selten wurde der Screwball-Touch Hollywoods in die Fernseh(beziehungs)filmtradition stimmiger übersetzt. Top-Besetzung, kultverdächtige Beziehungsratschläge, ein Riesenspaß!
18.08.2026
Wie ein Trickfilm, nur in echt: Die aberwitzige, äußerst originelle, famos gespielte, immer wieder überraschende und namhaft besetzte vierteilige tragikomische ZDF-Serie „Das Manko (Razor Film) handelt von einigen Angestellten, die eigentlich aussortiert werden sollen, aufgrund eines Missverständnisses aber in einer Fortbildung landen. Was die wie eine Schafherde inszenierte Gruppe nun erlebt, führt sie buchstäblich durch Himmel und Hölle. Der Humor erinnert an Monty Python, kommt jedoch weitgehend ohne Worte aus und erfreut stattdessen durch eine Vielzahl auch körpersprachlich perfekt umgesetzter clownesker Kleinodien, ohne je plump oder albern zu werden.
18.08.2026
00:15
ARD
Kinofilm
Christoph Maria Herbst, Bennett, Zehrfeld, Rogenhagen, Ngo The Chau. Menschen, die an Büchern schnuppern
„Der Buchspazierer“ (ARD / Wüste) ist eine überaus berührende Verfilmung des gleichnamigen Romans von Carsten Sebastian Henn mit Christoph Maria Herbst als Mitarbeiter einer Kleinstadtbuchhandlung, der seine Kundschaft persönlich mit jeweils passender Lektüre versorgt. Der Mann wirkt mit sich im Reinen, ist im Grunde jedoch einsam. Das ändert sich, als ihn eines Tages ein naseweises neunjähriges Mädchen auf seinen Touren begleitet. Nach und nach zeigt sich, dass dieser wunderschöne Familienfilm nur vordergründig eine Geschichte über eine wundervolle Freundschaft erzählt; in Wirklichkeit geht es um die Bewältigung von Trauer. Ngo The Chau (Kamera und Regie) hat die Handlung in ein zauberhaftes Licht getaucht.
18.08.2026
11:20
HR
Fernsehfilm
Christiane Hörbiger, Broich, Näter, Baxmeyer. Ausflug in eine unschöne Parallelwelt
Dieser Alptraum ist real: eine Frau, die ihr Leben 75 Jahre lang im Griff gehabt hat, plötzlich obdachlos, verschuldet, verzweifelt, ganz unten. In dem ARD-Fernsehfilm „Auf der Straße“ verkörpert ausgerechnet Christiane Hörbiger, bei vielen noch als Grande Dame in den Köpfen, jene Frau, die in die soziale Abwärtsspirale gerät. Nach Alkoholismus, Alzheimer und Altersarmut/Toleranz bleibt die Österreicherin dem Themenfilm treu. Mag die Realität auch komplexer sein und bevorzugt der moderne Film andere Realismuskonzepte, so hat doch eine solche Geschichte in einer solchen eher altmodischen Dramaturgie nach wie vor ihre Berechtigung. Die älteren Zuschauer werden es der ARD und Hörbiger danken.
18.08.2026
20:15
ZDFneo
Reihe
Loos, Florian Lukas, Karlström, Friedemann Fromm. Ein Hauch von Schießpulver
Formal entspricht die 16. Episode der ZDF-Reihe „Helen Dorn“ dem üblichen Schema: Der Film beginnt mit der Ermordung eines Immobilienmaklers, anschließend klappert die Kommissarin alle ab, die mit dem Opfer als Freund, Frau oder Geliebte verbandelt waren. Zu einem besonderen Krimi wird „Das rote Tuch“ (Network Movie) neben der jederzeit fesselnden Inszenierung, weil Autor Andreas Karlström gleich mehrere Geschichten erzählt, die durch die Ermittlerin miteinander verknüpft werden. Der Reiz resultiert dabei nicht zuletzt aus dem unerwarteten Verhalten der wichtigsten Beteiligten. Die Spur führt in die Hausbesetzerszene, was den Film um eine unverhofft romantische Ebene bereichert, weil Dorn gewisse Sympathien für den Wortführer (Florian Lukas) hegt. Neben den sehenswerten namhaften Mitwirkenden halten sich die jungen Ensemblemitglieder ganz vortrefflich.
18.08.2026
20:15
WDR
Reihe
Prahl, Liefers, Barthel, Manfred Stelzer & etwas deutsche Filmgeschichte am Rande
Ein einstmals heißer Feger ist ermordet worden, mit dem Boerne auch was am Laufen hatte… „Hinkebein“ vereint die Stärken und Schwächen, die dem Münsteraner „Tatort“ eigen sind. Die Story muss immer ein bisschen künstlich hingebogen werden, damit sich die Spielchen des ungleichen Duos entfalten können. Gute Besetzung, solide Regie, ein Schmunzelkrimi zum prima Weggucken, der für Filmgeschichtsliebhaber einige nette Anspielungen parat hält.
Foto: ZDF / Stefanie Leo
Foto: ZDF / Tobis Film
Foto: Degeto / Hager Moss Film / Oliver Vaccaro
Foto: ZDF / Thomas Kost
Foto: WDR / Wild Bunch German
Foto: ZDF und Michael Kötschau/ [M] Vielfein
Foto: ZDF, ORF / Felix Vratny
Foto: ZDF / Thomas Leidig Vergangene Ausstrahlungen im August
16.08.2026
14:20
One
Fernsehfilm
Jürgen Vogel, Sayat Demissie, Paula Kalenberg, von Schirach. Menschenfreundlich
Jürgen Vogel blüht als Bankräuber mit schwerer Kindheit in einem Dorf in Äthiopien auf, dank der Gastfreundschaft der Einheimischen und der Liebe zu einer schönen Witwe. In „Der weiße Äthiopier“ nach Ferdinand von Schirach ist Afrika weder Elendsort noch bloße Kulisse. Regisseur Tim Trageser inszeniert ein vielfältiges, realistisches Dorfleben, dennoch bleiben Klischees und Romantisierung zwiespältig. Als Gerichtsdrama präsentiert er ganz im Sinne von Schirachs das Ideal einer Justiz, das den Menschen in den Mittelpunkt stellt. Insgesamt ist die melodramatische Geschichte in der Vorweihnachtszeit sehr gut aufgehoben.
16.08.2026
20:15
NDR
Reihe
Sarnau, Hübner, Strauß, Busch, von Castelberg. Drama- statt Krimi-Dramaturgie
Bukow war wohl noch nie so locker, ausgeglichen und gleichzeitig bestimmt wie in diesem „Polizeiruf“. Die Kollegin indes steht weiterhin neben sich; ihre Falschaussage in einem alten Fall belastet sie noch immer. Nicht nur was die horizontale Erzählung angeht, wirkt „Söhne Rostocks“ wie eine Episode des Übergangs. Auch ermitteln die Kommissare eher unter ihrer normalen Betriebstemperatur. Überzeugend ist „Söhne Rostocks“ vor allem als Porträt eines Glücksritters, als ein Drama, das weitgehend ohne den Drive und die Dynamik anderer Filme der Reihe auskommt. Christian von Castelbergs Film nach dem Buch von Markus Busch steckt voller starker Augenblicke: mal sind es Spielszenen, realistische Miniaturen, in denen selbst Nebenfiguren eine große psychophysische Präsenz bekommen, mal sind es markante Bilder, die dem winterlichen Schmuddelwetter Farb- und Lichtmomente abtrotzen.
16.08.2026
20:15
WDR
Reihe
Behrendt, Bär, Besson, Barthel, Petri: Depressionen blühen auf Familiengräbern
Eine Frau ist vom Balkon gestoßen worden. Ihr Verlobter ist fassungslos. Eine Hand voll Verdächtiger gibt sich die Klinke in die Hand – und doch wirkt dieser „Tatort“ nicht wie ein Allerwelts-Whodunit, bei dem die möglichen Täter wie auf einer Kette aufgereiht werden. Die Verbundenheit aller Verdächtigen macht aus dem gut gespielten Krimi um Beziehungs-Probleme, Seitensprünge und Rosenkriege ein Drama der zerplatzten Lebensträume.
16.08.2026
20:15
3sat
Reihe
Thomas Kirchner, Torsten C. Fischer & die Wahrnehmung als Mittel der Erkenntnis
„Eine tödliche Legende“ überträgt das Krimi-Genre in die Sphären von Mythen, Märchen und Legenden. Die Suche nach dem Mörder wird im vierten ZDF-„Spreewaldkrimi“ zu einer Suche nach Geschichten, nach DDR-Realität, nach Biographie, nach archaischem Brauchtum. Ein tiefes Verständnis von Geschichtlichkeit prägt den Film. Bei Autor Kirchner schreibt sich die Vergangenheit umfassend in die Gegenwart ein, verbunden zu einem – auch filmästhetisch – magischen Ganzen. Starke Schauspieler, seltsame Wesen, ein Film aus einem Guss.
16.08.2026
21:45
3sat
Reihe
Redl, Wiesnekker, Kirchner, Wessel. MärchenLandschaft – magisch verschachtelt
„Mörderische Hitze“, der sechste und bislang beste ZDF-„Spreewaldkrimi“, rekonstruiert nicht nur einen Mord, sondern erzählt auch von einer Liebe, die lange den „Verhältnissen“ standhält, bevor sie sich von der Realität geschlagen geben muss. Ein bisschen sieht „Mörderische Hitze“ aus wie ein Wiedergänger des italienischen Neorealismus’: der Mensch in der Landschaft, das Soziale als Triebkraft der Seele. Doch Kai Wessels Film nach dem stimmungsvoll strukturierten Buch von Thomas Kirchner erzählt heutig: mit einer bizarren Montage, cooler amerikanischer Bildsprache & der Mythologie einer Zauberlandschaft.
15.08.2026
00:15
SWR
Reihe
Harfouch, Hanczewski, Nitsche, Hambalek, Loose. Schauspielerfilm & noch viel mehr
Nach dem Tod ihres Mannes ist eine Mittsechzigern wieder im Leben angekommen. Ihr neuer Lover ist so alt wie ihre Tochter, und er soll nicht nur Lover bleiben. Allerdings könnte er auch ein Betrüger sein. Die Tochter ist davon überzeugt und hat Beweise… sogar Beweise… Danach geht die Party in dem Drei-Personen-Drama „Der neue Freund“ (ARD / Hager Moss Film) von Dustin Loose nach dem klugen Drehbuch von Frédéric Hambalek im Luxushaus am See erst so richtig los. Trotz angespannter Stimmung kommt es nicht zur Dauerfehde, die gestörte Kommunikation wird nicht dramatisch, sondern angenehm alltagsnah und mit reichlich Ironie aufgelöst. Ein gefundenes Fressen für Corinna Harfouch und Karin Hanczewsk; aber auch Louis Nitsche macht sich als etwas unbedarfter Liebhaber gut. Seine Figur übernimmt dabei die Rolle eines Katalysators, der den jahrelang verdrängten Mutter-Tochter-Konflikt entflammen lässt. Ein absolut stimmig geschriebener und ästhetisch beeindruckender 90-Minüter ohne jeden Leerlauf trotz vergleichsweise wenig dramatischer Handlung.
15.08.2026
01:10
ARD
Fernsehfilm
Corinna Harfouch, Ulrich Matthes, Jörg Hartmann, Horst Sczerba. Prothesenleben
Eine brave, naive Frau, die aus Liebe sterben würde, damit ihr Mann überleben kann, und die bald ganz andere Seiten an sich entdeckt. Ein cooler Killer, der bei dieser Frau schwach und seinen Prinzipien untreu wird. Ein Mann, der keinen Ausweg mehr weiß, alle Skrupel über Bord schmeißt und seine aufopferungsvolle Frau fachmännisch töten lassen möchte, damit er die Lebensversicherung kassieren kann. Mit diesem ungewöhnlichen Personal und einer entsprechend superben Besetzung gelingt dem Autorenfilmer Horst Sczerba ein kriminalkomödiantisches Kabinett-Stückchen erster Güte, eine bitterböse Thriller-Komödie um enttäuschte Liebe, um das große Geld, um schmutzige Morde. „Die vermisste Frau“ (ARD Degeto / Letterbox) mit dem Film-Noir-liken Geschlechterkampf, dem Aufstand der Frauen, mit einer Lakonie in Bild und Dialog, mit coolen Genre-Codes & schwarzhumorigen Twists ist eine echte Rarität in Zeiten, in denen immer weniger Einzelstücke produziert werden.
15.08.2026
03:30
ZDF
Serie & Mehrteiler
Anna Maria Mühe, August Diehl, Lars Kraume. Mehr als ein Fest für Kunsthistoriker
Lars Kraume konzentriert sich in der Serie zum Bauhaus-Jubiläum auf die Weimarer Gründungsjahre (1919-25). „Die Neue Zeit“ (ZDF / zero one) ist kulturhistorisches Bildungs-Fernsehen samt einer stolzen Parade berühmter Zeitgenossen, von Lyonel Feininger über Else Lasker-Schüler bis Oskar Schlemmer, aber zugleich auch ein sinnliches Gesamt-Kunstwerk, das mit verschiedenen visuellen Elementen, akribischer Ausstattung und musikalischem Schwung die zukunftsweisende Bedeutung des Bauhauses erlebbar macht. Im Zentrum stehen Gründungsdirektor Walter Gropius und die Studentin Dörte Helm, deren angebliche Liebesaffäre dem Film Emotionalität und einen roten Faden gibt. Dass die Darstellung nur auf einem Gerücht beruht, das von der konservativen Bürgerschaft gegen Gropius ins Feld geführt wurde, macht die Sache allerdings fragwürdig. Wie im Fernsehfilm „Lotte am Bauhaus“ geht es in der auch auf eine internationale Verwertung ausgerichteten Serie um die Stellung der Frau in der jungen Weimarer Republik und um das Ringen einer neuen Generation mit den alten Kräften des nationalistisch gesinnten Bürgertums, um visionären Aufbruch und Weltoffenheit wider rückwärtsgewandtes Denken – womit Autor-Regisseur Kraume einen starken aktuellen Zeitbezug herstellt. Überzeugend: August Diehl & Anna Maria Mühe.
15.08.2026
10:00
ZDF-Stream
Reihe
Streaming-Premiere
Heerwagen, Mittermeier, Alexander Held, Spreitzhofer. Der reale Tod, die Lebenslügen und die Wehmut
80er-Jahre-Partys sind in München angesagt. Bei einer besonders wilden kommt die Gastgeberin zu Tode. Die Frau war umtriebig, hatte einen großen Bekanntenkreis, und dank K.-o.-Tropfen in der Bowle fehlt den Gästen jegliche Erinnerung. Entsprechend chaotisch laufen die Ermittlungen – bis Schaller Freddie Mercury erscheint … Was bei einem gewöhnlichen Krimi eine dramaturgische Unart wäre, bei „München Mord“ (ZDF / TV60 Filmproduktion) passt es. Allerdings tritt in „Die Stadt, die es nicht gibt“ ohnehin etwas anderes in den Vordergrund: der Tod von Alexander Held. Ist das Krimigenre in der Regel dazu da, den Tod symbolisch zu beherrschen, das Ableben zu einem „Fall“ werden zu lassen und somit den (eigenen) Tod zu verdrängen, so lässt sich in diesem Fall der reale Tod nicht so ohne Weiteres ausblenden. Dass Alexander Held nicht mehr unter uns weilt, dass er diesem Ludwig Schaller nicht weiterhin sein reduziertes Mienenspiel schenken kann, wird einem in jeder Szene mit ihm offenbar.
15.08.2026
20:15
WDR
Reihe
Franziska Machens, Jammal, Bock, Janssen/Hecht/Martin, Rogoll. Mit Screwball-Touch
In „Vorübergehend glücklich“ (WDR, Degeto / MadeFor Film) steht eine Frau im Zentrum, die es nicht so hat mit den gesellschaftlichen Konventionen, die sich nicht gern zurückhält mit ihren Bemerkungen, die Konflikte nicht aussitzt und die der Wahrheit zuliebe Scham-Gefühle aushalten kann. Das besonders Interessante an dieser Sonja ist ihr Beitrag für die Geschichten. Denn mit einem Charakter, der alles offen ausspricht, lassen sich die künstlich hochgejazzten Pseudo-Probleme vieler ARD-„Endlich Freitag“- oder ZDF-„Herzkino“-Filme nur schwer erzählen. Wer die herkömmliche klassische Konflikt-Handlung sucht, wird sie nicht finden, dafür die kleinen und größeren Probleme des Alltags, vielschichtige Interaktionen und köstliche Dialog-Feuerwerke. „Relevante“ Themen wie ein handfester Pharma-Skandal oder der sorglose Umgang mit den „den kleinen Helfern“ werden angenehm beiläufig in die privaten Chaos-Plots integriert. Es ist mutig, fast nur auf unbekannte Gesichter zu setzen, zahlt sich jedoch aus. Bleibt zu hoffen, dass das Ende nicht das Ende ist.
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