TV-Premieren im Oktober
und von den Wiederholungen nur das Beste
13.10.2026
„SpyOn“ (ZDF / Smac) ist eine kurzweilige, mit großer Freude an den Figuren und ihren Dialogen gespielte sowie temporeich umgesetzte Comedy-Serie über fünf junge Leute, die ihr Glück beim BND versuchen. Individuell wären sie komplett überfordert, doch als Gruppe ergänzt sich das Quintett perfekt, weil alle Mitglieder über eine spezielle Fähigkeit verfügen. Die Handlungskerne der zwar fortlaufend erzählten, aber in sich abgeschlossenen Folgen würden auch mal als Thriller, mal als romantische Komödie funktionieren: Unter anderem verhindert das Team ein Attentat und deckt ein Komplott gegen seinen Ausbilder (Götz Otto) auf, außerdem komplizieren gleich zwei Liebesbeziehungen untereinander die Zusammenarbeit. Neben der ausgezeichneten Ensemble-Leistung erfreuen die acht Episoden nicht zuletzt durch die anspielungsreiche Musik.
13.10.2026
22:00
NDR
Reihe
Becker, Waschke, Kuchenbuch, Mellies, Schnier, Baxmeyer. Krimi – Drama – Kunst
Karow hat wochenlang Wand an Wand mit einer Leiche gelebt. Da macht sich selbst ein ungläubiger Großstadtwolf wie er so seine Gedanken. Der sonst so arrogant-abweisende Kommissar sucht fortan die Kraft in der Ruhe, indem er sich von der Wohnung des Todes inspirieren lässt – vom Leichengeruch, von den zigtausend Fliegen und dem Kruzifix des toten Nachbarn. In „Das Leben nach dem Tod“ (RBB / Eikon Media), dem zehnten Rubin/Karow-„Tatort“, ersetzen immer wieder subjektive Eingebungen das klassische Ermitteln. Autorin Sarah Schnier verzichtet weitgehend auf das übliche realistische Kleinklein der Polizeiarbeit zugunsten eines philosophisch-atmosphärischen Überbaus. Drama-Szenarien dominieren über Krimi-Strukturen. Auch filmästhetisch ist das Ganze vorzüglich: Baxmeyer und Kamerafrau Bühler erschaffen eine Ikonografie der Einsamkeit und einen düsteren, stilsicheren Bilderfluss. Großartig auch die Schauspielerleistungen. Zum Niederknien: Becker & Waschke.
14.10.2026
00:25
HR
Fernsehfilm
Manzel, Prahl, Ingo Rasper. Landflucht, dörflicher Alltag und ein paar Gefühle
Bäuerin Jutta scheint mit sich und ihrem Leben im Einklang zu sein. Solange ihre Preis-Kuh Gloria jeden Schönheitswettbewerb gewinnt, ist ohnehin für diese Frau die Welt in Ordnung. Doch mögliche Veränderungen zeichnen sich ab, als ihr Bruder zu Besuch kommt und sie sich noch einmal verliebt. Die Geschichte von „Gloria, die schönste Kuh meiner Schwester“ (ARD/Provobis) ist dem Rhythmus des dörflichen Alltags abgelauscht. Kleine undramatische Situationen, in denen sich die Probleme der modernen Landwirtschaft oder die Verödung ländlicher Gegenden spiegeln, ersetzen ein durchgängiges Thema, zwischenmenschliche Spannungen dominieren über einen Hauptkonflikt. Klug legt Ingo Rasper die unterschwelligen Beziehungsmuster der familiären Vorgeschichte als Grundierung unter der Handlung aus, und das Klasse-Duo Manzel/Prahl macht das Geschwisterverhältnis zum Kern der Geschichte. Toll auch, wie Rasper aus dem ländlichen Kommunikationsstil seine Dramaturgie entwickelt.
14.10.2026
12:55
SWR
Fernsehfilm
Seyneb Saleh, Anton Spieker, Plaß, Rogner, Ramesh, Rasper. Mehr als ein Film über die Liebe
Mely und Paul wollen in einer Woche heiraten, jeder einen anderen. Dumm, dass sie sich gerade jetzt begegnen – und ineinander verlieben. Ist das, was den beiden in dem ARD-Fernsehfilm „Nächte vor Hochzeiten“ (ARD Degeto / Fandango Film) passiert, Zufall, Fügung oder gar Schicksal? Autor Sathyan Ramesh hat ein scheinbar völlig unrealistisches Was-wäre-Wenn-Szenario als Ausgangspunkt gewählt, um ein ewig faszinierendes Phänomen zu beleuchten: Wie entsteht Liebe? Unter der sensiblen Regie von Ingo Rasper ist ein lebensklug fesselndes Drama entstanden, das sowohl den Glücksfall einer außergewöhnlichen Liebe als auch die tragischen Momente von Trennungen ernsthaft anvisiert. Dass diese romantische Bestimmungsgeschichte 90 Minuten lang fesselt, ist maßgeblich ein Verdienst von Seyneb Saleh und Anton Spieker. Beide sind für ihre Rollen die perfekten Identifikationsobjekte. So ist Mitgefühl garantiert, und die Hoffnung auf ein Happy End – besonders auf der Zielgeraden – spannender als jeder Thriller.
14.10.2026
14:00
One
Fernsehfilm
Tukur, Lardi, Antoni, Korff, Kekilli, Wolfgang Panzer. Trauer muss nicht todtraurig sein
Ein Unternehmer beginnt nach dem Tod seiner Tochter ein neues Leben in einem kleinen Ort an der Ostseeküste. „Meeresleuchten“ (WDR / KJ Entertainment, Fireworks Entertainment, Film Manufacturers) ist ein feinfühliger, kluger und unaufgeregter Film über die Trauer und den Umgang mit einem schweren Schicksalsschlag. Statt auf Betroffenheits-Pathos setzt Drehbuch-Autor und Regisseur Wolfgang Panzer auf schnörkelloses Erzählen und leisen Humor. Der von Ulrich Tukur angenehm zurückhaltend gespielte Thomas Wintersperger findet in dem Mikrokosmos des Küstendorfs Halt und schafft gleichzeitig mit der Neueröffnung eines Cafés selbst einen Ankerplatz für die komisch-sympathischen Bewohner. In dieser warmherzigen Inszenierung werden „kleine“ Figuren ganz groß – auch dank einer herausragenden Besetzung (Ursina Lardi, Carmen-Maja Antoni, Hans Peter Korff, Sibel Kekilli, Kostja Ullmann). Ein auf beiläufige Weise hoch emotionaler Film.
14.10.2026
20:15
ARD
Fernsehfilm
TV-Premiere
Marleen Lohse, Sara Hjort Ditlevsen, Kaya, Keßel, Lynn Oona Baur. Zwei Frauen, die tun, was sie tun müssen
„Frau ohne Namen“ (NDR / triple pictures) ist ein klassischer Thriller. Eine Frau wird bedroht, sie dreht den Spieß um und ersticht den Angreifer. Eine andere Frau jagt ihr hinterher, ohne zu merken, dass sie es eigentlich ist, die verfolgt wird. Der ARD-Fernsehfilm ist zugleich auch ein (Psycho-)Drama. Die Hauptfigur, eine Koryphäe auf dem Gebiet der Mikroexpressions-Psychologie, ist eine Getriebene. Lügen sind für sie etwas Widerwärtiges, genauso wie Ungerechtigkeit. Im Gesicht des Opfers und in seiner Körpersprache will die Wissenschaftlerin erkannt haben, dass die Tötung Absicht war. „Frau ohne Namen“ erzählt die Geschichten dieser beiden Frauen, aus deren Perspektive und auf eine Art, wie es lange nur Männern zugestanden wurde. Auch filmästhetisch gehört der konzentriert und reduziert erzählte Film nicht in die übliche Fernsehermittlungskrimi-Sparte. Das Konzept hat durchaus Potenzial für mehr.
14.10.2026
20:15
ARD-Mediathek
Fernsehfilm
Streaming-Premiere
Marleen Lohse, Sara Hjort Ditlevsen, Kaya, Keßel, Lynn Oona Baur. Zwei Frauen, die tun, was sie tun müssen
„Frau ohne Namen“ (NDR / triple pictures) ist ein klassischer Thriller. Eine Frau wird bedroht, sie dreht den Spieß um und ersticht den Angreifer. Eine andere Frau jagt ihr hinterher, ohne zu merken, dass sie es eigentlich ist, die verfolgt wird. Der ARD-Fernsehfilm ist zugleich auch ein (Psycho-)Drama. Die Hauptfigur, eine Koryphäe auf dem Gebiet der Mikroexpressions-Psychologie, ist eine Getriebene. Lügen sind für sie etwas Widerwärtiges, genauso wie Ungerechtigkeit. Im Gesicht des Opfers und in seiner Körpersprache will die Wissenschaftlerin erkannt haben, dass die Tötung Absicht war. „Frau ohne Namen“ erzählt die Geschichten dieser beiden Frauen, aus deren Perspektive und auf eine Art, wie es lange nur Männern zugestanden wurde. Auch filmästhetisch gehört der konzentriert und reduziert erzählte Film nicht in die übliche Fernsehermittlungskrimi-Sparte. Das Konzept hat durchaus Potenzial für mehr.
14.10.2026
20:15
ARD-Mediathek
Reihe
Streaming-Premiere
Luise von Finckh, Gabriela Maria Schmeide, Leipert, Breinersdorfer, Christoph Schnee. Kiez-Romantik
Die erste von zwei neuen Episoden mit Luise von Finckh und Gabriela Maria Schmeide als Nachfolgerinnen von Manfred Krug in der „Kanzlei Liebling Kreuzberg“ (Degeto / Odeon Fiction), „Ein Meisterstück“, behandelt einen interessanten Fall: Ein Azubi will eine Gewinnbeteiligung, weil der Bäcker mit seiner Kreation mehr Umsatz macht; stattdessen bekommt er eine fristlose Kündigung. Die Inszenierung ist jedoch viel zu betulich, zumal die Ensemble-Mitglieder ihre Darbietungen zu oft mit einem Schleifchen versehen. Der zweite Film, „Auf Augenhöhe“, ist deutlich fokussierter, auch die Themen Containern und Gentrifizierung sind relevanter.
14.10.2026
21:45
ZDFneo
Serie & Mehrteiler
TV-Premiere
Aylin Tezel, Stefan Gorski, Rick Okon, Deleila Piasko, Andreas Gutzeit, Andreas Menck. Zwei Thriller in einem
„Serial Cleaner“ (ZDF / Story House Pictures), die sechsteilige deutsche Version einer argentinischen Serie, ist zwei Thriller in einem und dank gleich mehrerer Spannungsbögen auch über viereinhalb Stunden durchgängig fesselnd: Auf der Ebene des Medical Dramas kämpft eine Mutter um das Überleben ihrer schwerkranken Tochter, auf der Gangster-Ebene lässt sie sich, nachdem sie Zeugin eines Mordes wurde, in Doppelfunktion als Tatortreinigerin und Medizinerin auf einen Pakt mit einer verbrecherischen Familie ein. Abgerundet wird die vorzüglich gespielte und dicht inszenierte Serie um einen Bruderzwist und eine Romanze.
14.10.2026
22:10
MDR
Reihe
Höfels, Hanczewski, Brambach, Lillie, Dwyer. Alles den Schauspielern aufgebürdet
Ein neunjähriger Junge ist missbraucht und ermordet worden. Die äußeren Umstände erinnern an einen alten ungelösten Fall. Als Täter geht man von einem Pädophilen aus, der sein Opfer nur deshalb tötet, weil er den Missbrauch decken will. Der „Tatort – Déjà-vu“ (MDR / Wiedemann & Berg) kommt ohne komische Intermezzi aus. Der Film von Jungfilmer Dustin Loose nach einem Buch von Mark Monheim und Stephan Wagner ist des Dresdner Trios‘ bisheriger Höhepunkt in Sachen Ernsthaftigkeit und emotionale Anteilnahme. Die Geschichte beackert das sensible Problemfeld eines solchen kapitalen Verbrechens: Die Hinterbliebenen, die Kommissare, der Täter – alle rücken in den Fokus; das erhöht die psychologische Spannung und die offene Führung des Mörders bringt auf der Zielgeraden noch etwas Thrill ins Spiel. Schwächen zeigt die Inszenierung: In diesem an sich analytisch gedachten Krimi wird zu viel geweint, zu viel getobt, zu viel zu naiv dem Authentizitätsmythos gehuldigt.
Vergangene Ausstrahlungen im Oktober
10.10.2026
23:15
BR
Fernsehfilm
Mina Tander, Ulrich Brandhoff, Meisheit/Platz, Katja Benrath. Strahlkraft des Alltags
Eine Fliegerbombe bringt den Tag zweier Single-Eltern völlig durcheinander. Beide haben entscheidende Termine. Doch wohin mit den Kindern? Zweiteilen geht nicht, sich gegenseitig bei der Kinderbetreuung helfen schon. Doch es warten weitere Herausforderungen auf die Eltern. Von einem etwas anderen Freitag erzählt die etwas andere „Endlich Freitag“-Komödie „Ein Wahnsinnstag“ (ARD / Ester.Reglin.Film). Der Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg ist das einzig weltbewegende Ereignis; der Rest der Geschichte speist sich aus dem Alltag, den kleinen Dingen des Lebens. So winzig die narrative Saat, so wunderbar die filmische Ernte. „Ein Wahnsinnstag“ ist ein ganz & gar wohltuender Film – auch und gerade in Krisen-Zeiten wie diesen. Zum echten Feelgood-Erlebnis, das man trotz der Flüchtigkeit der Situationen nicht so schnell vergessen wird, werden die 90 Filmminuten aber weniger durch das Happy End, sondern durch die liebevolle Inszenierung und die stimmige Besetzung bis in die kleinste kölsch sprechende Nebenrolle. Die Zwölf-Stunden-Dramaturgie, die Einbindung der Kinder in Handlung & Spiel sowie Sympathieträger Tander & Brandhoff tun das Übrige.
09.10.2026
00:10
rbb
Fernsehfilm
Anna Schudt, Klare, Waschke, Maxeiner, Markus Herling. Im Innern einer (Ehe-)Frau
Ein Abend in einem Insel-Hotel. Plötzlich scheint da nur noch dieser Fremde zu sein. Der Alltag, der geliebte Ehemann, die Familie, alles ist ganz weit weg. Ein amüsantes Rollenspiel ersetzt den Sex. Doch dann bleibt dieser Mann kein Fremder mehr, taucht plötzlich auf im Leben dieser Frau, die bisher immer alles unter Kontrolle hatte… „Zwischen zwei Herzen“ erzählt keine jener klassischen Dreiecksgeschichten, die zeigen, wie unergründlich die Wege der Liebe sein können, sondern der (lebens)kluge Film bleibt sehr viel offener für einen Beziehungsdiskurs, indem er mehr der Liebe in Gedanken Ausdruck verleiht. Die amourösen Möglichkeiten werden in einem präsexuellen Stadium durchgespielt. Die Inselerfahrung der Hauptfigur schleicht sich nicht nur in deren Leben, sondern sie findet auch eine ästhetische Entsprechung, die sich in einem wunderbaren Erzählfluss spiegelt. Realität und Poesie gehen Hand in Hand: Kamera, Montage, Ton, Szenenbild, Kostüm, Musik – alles ist stimmig und gerät äußerst stimmungsvoll. Das gilt auch für die prominente Besetzung mit den „Tatort“-Köpfen Felix Klare, Mark Waschke und der einzigartigen Anna Schudt.
09.10.2026
05:30
ARD-Mediathek
Reihe
Streaming-Premiere
Bagriacik, Schuch, Stangenberg, Schelker, Dippe, Geršak, Lars Kraume. Mila Şahin tritt aus Borowskis Schatten
Lars Kraume dreht den Kieler „Tatort“ auf links: mit einem rauen, wenn auch nicht übermäßig raffinierten Krimidrama um Korruption und Organisierte Kriminalität sowie neuen, interessanten Figuren an der Seite der eindrucksvoll aufspielenden Almila Bagriacik als Kommissarin Mila Şahin. In dem Zweiteiler „Unter Freunden / Unter Feinden“ darf sie endlich aus dem langen Borowski-Schatten treten. Damit ändern sich Tonlage, Psychologie und Dynamik grundlegend. Der Kieler „Tatort“ verliert zwar mit dem kauzigen Eigenbrötler Borowski seinen eigenwilligen Humor, wirkt zum Auftakt aber schneller, härter und zeitgemäßer. Und natürlich weiblicher: Karoline Schuch als Polizeipsychologin Elli Krieger und neue Partnerin von Mila Şahin wird hier behutsam eingeführt – das neue Team nimmt in einer Art Kammerspiel im zweiten Teil Formen an. Klasse Gastspiele bieten auch Lilith Stangenberg und Sven Schelker.
09.10.2026
Mit dem Holocaust-Kammerspiel „Phoenix“ begibt sich Gegenwartserzähler Christian Petzold tief in die Abgründe der deutschen Geschichte. Er erzählt von einer jüdischen Frau, die das Konzentrationslager schwer verletzt und entstellt überlebt hat und sich im Sommer 1945 ins Leben zurückarbeiten muss. Petzold verzichtet auf die gewohnten Authentifizierungsbilder, setzt dafür mit coolen „Vertigo“- und „Dark Passage“-Variationen auf einen Raum, den das Kino geschaffen hat, und auf Nina Hoss, die dem zerstörten Selbst eine Größe verleiht, die über das Einzelschicksal hinausweist. Ein klassisches Film-Noir-Melodram, das dem geistigen Klima der Stunde Null näher kommt als viele sogenannte „Aufarbeitungsfilme“, indem es die gesellschaftlichen Widersprüche jener Jahre auf eine Dreier-Konstellation klug herunterbricht. (Da es gute Kino-Kritiken gibt, verzichtet ttv auf einen eigenen Text.)
09.10.2026
20:15
3sat
Fernsehfilm
Janina Fautz, Lehmann, Kirchner, Fetscher. Wurzeln der Friedlichen Revolution
„Die unheimliche Leichtigkeit der Revolution“ (MDR, Degeto, BR / UFA Fiction) schildert ein bislang kaum erzähltes Kapitel der ostdeutschen Geschichte der 1980er Jahre. Der poetisch-kraftvolle Titel wurde von Peter Wensierskis faktenreichem Sachbuch übernommen. Der renommierte Autor Thomas Kirchner hat es für sein Drehbuch frei fiktionalisiert. Um die Umwelt zu retten, mussten die jungen Leute den Staat stürzen, bringt es Kirchner auf den Punkt. Aus einer kirchlichen Umweltgruppe wurden politische Aktivisten. Erfreulicherweise wird auf eine übermäßige Dramatisierung des Stoffs verzichtet. Das Unrecht des Staates schwingt zwar mit, aber im Zentrum stehen die jungen Bürgerrechtler. Emotional getragen wird „Die unheimliche Leichtigkeit der Revolution“ entsprechend von der jugendlichen Euphorie der Bewegung, der mit großer Sympathie begegnet wird. Indem Kirchner & und Regisseur Andy Fetscher auch den jugendlichen Leichtsinn „authentisch“ nachzeichnen, legt sich die titelgebende Leichtigkeit der Revolution über die Geschichte und lässt so das Naiv-Konventionelle an der Heldengeschichte vergessen. Entsprechend mitreißend spielt Janina Fautz die weibliche Hauptfigur als frech-frische Verkörperung des Prinzip Hoffnung.
09.10.2026
20:15
ARD
Reihe
TV-Premiere
Urspruch, Grandezka, Heyer, Hegenbarth, Amft, Torsten Lenkeit, Josh Broecker. Der übliche Familienwahnsinn
Die ARD-Tochter Degeto hat offenkundig großes Zutrauen in die Freitagsreihe „Einspruch, Schatz!“ (W&B Television) mit ChrisTine Urspruch als Leipziger Rechtsanwältin: Die aktuelle Staffel umfasst erstmals gleich vier Episoden. Die Qualität der einzelnen Filme ist allerdings durchwachsen. Ausgerechnet der Auftakt („Hundeliebe“) ist der schwächste Beitrag, weil die Figuren fast ausnahmslos „drüber“ sind, die Darbietungen noch eins drauf setzen und die Handlung bis ins Detail erwartbar ist. Die Verknüpfung der jeweiligen juristischen Fälle mit der familiären Ebene ist in allen Filmen selten plausibel. Einige Themen sind allerdings interessant: In „Kindersegen“ verklagt ein Sohn seine Mutter, eine „Momfluencerin“, weil sie gegen seine Persönlichkeitsrechte verstößt. In „Kavaliersdelikt“ muss sich Eva Schatz in eigener Sache verteidigen: Beim Kaufhausbesuch hat ihr jemand ein teures Collier in die Handtasche gesteckt. Und „Rosenkrieg“ erzählt von einem Scheidungszwist mit vertauschten Rollen: Eine erfolgreiche Frau will verhindern, dass ihr Mann bei der Trennung das halbe Vermögen bekommt.
09.10.2026
20:15
HR
Reihe
Foroutan, Hasanovic, Eggert, Halilbašić, Ostermann. Verzweifelte Suche nach einem verschwundenen Kind
Im zweiten Fall des neuen Frankfurter „Tatort“-Teams ist Kommissarin Maryam Azadi (Melika Foroutan) die letzte Hoffnung für eine verzweifelte Mutter (Maren Eggert). Vor sechs Jahren verschwand deren Tochter spurlos. Allein die Spezialistin für Altfälle hat den Fall bei der Polizei noch auf dem Schirm, doch eigene, verhängnisvolle Ermittlungen bringen die Mutter schwer in Bedrängnis. Hinter dem Vermisstenfall verbirgt sich ein tiefgreifendes Drama mit unerwarteten Wendungen, und Regisseur Rick Ostermann macht dem Episoden-Titel „Licht“ bei seiner facettenreichen Inszenierung alle Ehre. Azadi und ihr neuer Kollege Hamza Kulina (Edin Hasanovic) tragen einen ersten Konflikt aus und festigen zugleich ihre Zusammenarbeit. So entwickelt sich die vielversprechende Kombination des Ermittler-Duos behutsam weiter.
09.10.2026
23:55
ARD
Serie & Mehrteiler
TV-Premiere
Elisa Hofmann, Purnima Grätz, Linda Chang, Stefanie Ren, Mia Spengler. Hier passieren seltsame Dinge
Die optisch und inhaltlich reizvolle Mystery-Serie „House of Yang“ (SWR / Wood Water) spielt in einem düsteren Schwarzwaldhaus. Hier sind 1949 und 1999 auf überaus rätselhafte Weise zwei Mädchen verschwunden. Als eine Frau nach vielen Jahren zurückkehrt, um das Anwesen zu verkaufen, widerfährt ihrer Tochter das gleiche Schicksal. Der besondere Reiz der sechs Episoden liegt in der verschachtelten Erzählweise, weil sich die verschiedenen Zeitebenen ständig überlagern. Musik und Sounddesign sorgen für allerlei Gänsehautmomente, Szenenbild und Bildgestaltung sind sehenswert. Das Ende ist allerdings etwas unbefriedigend, weil allzu viele Fragen offen bleiben.
08.10.2026
12:35
MDR
Kinofilm
Kämmerer, Gerhardt, Toma, Jan Martin Scharf. Breakdance-Helden aus der Heimat
Das Private wird politisch! Im Mittelpunkt der Tanzfilm-Komödie „Dessau Dancers“ steht eine Bewegung, die 1985 auch in der DDR durch das Filmmusical „Beat Street“ ausgelöst worden ist: Hinterhöfe werden zur Bronx, weil sich Jugendliche auf ausgebreiteten Pappkartons als Breakdancer probieren. Die Charaktere sind zwar eher unterkomplex, jedoch findet Regisseur Jan Martin Scharf („Club der roten Bänder“) dank des Drehbuchs von Ruth Toma die perfekte Balance zwischen Musical, Jugenddrama, Komödie und Romanze.
08.10.2026
20:15
ARD
Reihe
TV-Premiere
Ursula Strauss, Perktold, Fritsch, Hauser, Jeltsch, Tiefenbacher. Wenn die Mutter mit dem Sohne
Fanny Gruber ist die Star-Ermittlerin des Innsbrucker Kommissariats. Nachdem der erste eigenverantwortliche Einsatz ihres Sohnes und Kollegen bei der „Internen“ landet, geht die Mutter den Ungereimtheiten des Falls auf eigene Faust nach. Mit „Tiroler Blut“ (ARD Degeto / filmpool fiction) startet eine vielversprechende deutsch-österreichische Krimi-Reihe, die statt auf Whodunit-Muster auf Familie(n) und ihre schwerblütigen Dramen setzt. Bei den Grubers im Dreigenerationenhaus mit einem (Groß-)Vater, der ebenfalls Polizist war, gibt es die ganz alltäglichen Spannungen, in anderen Familien aber herrscht das blanke Chaos. Mit einem komplexen Fall von häuslicher Gewalt beginnt die Reihe, die vom renommierten Drehbuchautor Christian Jeltsch (allein 18 „Tatorte“) erdacht wurde, und dessen Hauptdarstellerin gleich in der ersten Episode den Unterschied macht: die herausragende Ursula Strauss („Schnell ermittelt“), die immer für ein bisschen Sarkasmus und Ironie im (Ermittlungs-)Spiel gut ist.
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Foto: NDR / Oliver Feist Ein Serien-Highlight im Dezember 2024: „Finsteres Herz – Die Toten von Marnow 2“ (ARD) mit Petra Schmidt-Schaller & Sascha Geršak
Foto: ZDF / Frank Dicks Sogar im ZDF sind jetzt die Vampire los. Mehr als ein stilvolles Horror-Teenie-Drama: „Love sucks“ mit Damian Hardung & Havana Joy
Foto: ZDF / Stefanie Leo Eine Weihnachtswunder-Komödie: witzig, märchenhaft schön, clever konzipiert & originell. Kalenberg, Malton & Amft in „Zitronenherzen“

















