TV-Premieren im Oktober
und von den Wiederholungen nur das Beste
28.10.2026
20:15
ZDF
Reihe
Ulrich Noethen, Bach, Burchard, Ani & Jung, Grass. Und sagte kein einziges Wort
Der zweite Film aus der „Wendland“-Reihe mit Ulrich Noethen als in die Provinz versetzter Hamburger Kommissar mit literarischer Neigung erzählt ein Familiendrama, dessen Wurzeln in der DDR liegen. Da Regisseur Bruno Grass komplett auf Nervenkitzel verzichtet, lebt die entspannte Inszenierung fast ausschließlich vom Ensemble, aus dem die beiden Hauptdarsteller herausragen: Christoph Bach spielt seine Rolle als stummer Obdachloser praktisch nur mit den Augen, und Noethen genügt mitunter eine bestimmte Kopfhaltung, um mehr zu sagen als andere mit ganzen Sätzen. Dass sich der Kommissar zur großen Empörung seiner Kollegin (Bettina Burchard ersetzt Paula Kalenberg) gelegentlich reichlich ruppig benimmt, hat dem Feingeist Noethen vermutlich mindestens ebenso viel Freude bereitet wie seine Dialoge: Stiller sagt nicht viel, aber dann…
28.10.2026
22:25
3sat
Fernsehfilm
Becht, Wegener, Brandhoff, Wittenborn, Karin Heberlein. Normal ist das nicht
Ähnlich wie einst der ARD-Freitagsfilm „Mein Sohn Helen“ beschreibt „Einfach Nina“ (Degeto / Schiwago), wie Eltern reagieren, wenn ihr Kind ihnen offenbart, dass es in einem falschen Körper lebt. Diesmal ist die Titelfigur allerdings erst acht Jahre alt: Niklas möchte fortan Nina genannt werden und Mädchenkleidung tragen. Simone und Martin (Friederike Becht, Ulrich Brandhoff) haben sich ein halbes Jahr zuvor getrennt, der verständnislose Vater interpretiert die Anwandlung des Kindes daher als Trennungsreaktion, aber bald zeigt sich: Es handelt sich nicht um eine Phase. Die Geschichte ist keine Komödie, dank der Umsetzung durch Karin Heberlin aber zunächst auch kein typisches Drama; doch dann wird es hässlich… Der kleine Arian Wegener spielt seine Rolle herausragend gut, auch die anderen Kinder machen ihre Sache toll; das Ensemble passt ohnehin ausgezeichnet zusammen.
28.10.2026
23:00
WDR
Serie & Mehrteiler
Almila Bagriacik, Tamer, Kilic, Stieler, Aladag. Ausgrenzung statt Unterstützung
In Teil 2 der ARD-Trilogie über die NSU-Morde steht die Opfer-Perspektive im Zentrum. Konkret: die Geschichte der Familie des ersten Opfers Enver Simsek, die von der Polizei überwacht und verdächtigt wird. Doch im „Opfer-Film“ steht kein klassisches Opfer, sondern eine selbstbewusste, starke Frauen-Figur im Mittelpunkt. „Vergesst mich nicht“ beruht auf dem Buch von Tochter Semiya, die zu einer prominenten Stimme der Opfer-Familien geworden ist. Der Film ist eine emotionale Erinnerung an den geliebten Vater, eine beklemmende Schilderung der Polizei-Ressentiments und das fein gezeichnete Bild einer deutsch-türkischen Familie. Herausragende Hauptdarstellerinnen, ausgezeichnetes Drehbuch und eine sorgfältige Inszenierung. Ein Film über Ausgrenzung, der wütend macht.
29.10.2026
00:35
WDR
Kinofilm
Luna Wedler, Corinna Harfouch, Karl Markovics, Aaron Lehmann. Eine Geschichte von Liebe und Tod
Die Verfilmung des gleichnamigen Romans von Mariana Leky erzählt eine schmerzlich-schöne Geschichte von Liebe und Tod: Wenn Selma (Corinna Harfouch) von einem Okapi träumt, stirbt tags darauf jemand aus dem Westerwald-Dorf, in dem sie lebt; aber sie hat keine Ahnung, wen es treffen wird. Hauptfigur der auf zwei Zeitebenen angesiedelten Handlung ist Selmas erwachsene Enkelin (Luna Wedler), deren unbeschwertes Kindheitsglück einst grausam endete. Mit seiner wunderbar gespielten Tragikomödie „Was man von hier aus sehen kann“ (Degeto / Claussen + Putz) bestätigt Aaron Lehmann erneut sein besonderes Talent für ungewöhnliche Geschichten.
29.10.2026
12:30
MDR
Fernsehfilm
Katharina Wackernagel, Peter Schneider, Silke Zertz. Zwei, die die Sehnsucht lieben
Es ist Liebe auf den ersten Blick, als sich West-Elke und Ost-Gregor 1971 in Halle begegnen. Es ist der Beginn einer nicht immer glücklichen, aber sehnsüchtigen, mindestens 25 Jahre währenden Liebe. Oder kann das überhaupt Liebe sein, wenn man sich nur ein paar Tage im Jahr sieht? „Jedes Jahr im Juni“ ist ein schöner, dramaturgisch ungewöhnlicher Liebesfilm, der bald Zeitgeist und Nostalgie hinter sich lässt, um die Phasen der Liebe zu beschwören. Wackernagel strahlt wundervoll, Schneider empfiehlt sich für weitere Aufgaben in der ersten Reihe. Der Film hat in den besten Momenten etwas von Linklaters „Before…“-Trilogie.
29.10.2026
20:15
ARD
Reihe
TV-Premiere
Katrin Sass, Vanessa Loibl, Roth, Sellien, Lylloff, Scheurlen, Thiem, Matthias Tiefenbacher. Blutiger Bluff
Der zweite Film aus der diesjährigen „Usedom“-Staffel ist längst nicht so fesselnd wie der erste und leidet zudem unter einer allzu plakativ vermittelten Botschaft. Auf der Krimi-Ebene geht’s in „Mörder unter uns“ (NDR, Degeto / NDR) um zwei vermeintliche Bluttaten, allerdings ohne Leichen. Doch das eigentliche Thema ist der Sensationsjournalismus: Eine junge Reporterin sorgt mit ihren reißerischen Artikeln dafür, dass sich die von einem „besorgten Bürger“ angeführten Einheimischen zum Mob zusammenrotten und einen ehemaligen Straftäter, bildlich gesprochen, an den Galgen wünschen. Die Story hat jedoch gleich mehrere Widerhaken, zu viele Dialoge sind Appelle ans Publikum, und die Inszenierung kommt über gängiges Krimi-Niveau kaum hinaus.
29.10.2026
23:55
rbb
Fernsehfilm
Bederke, Masucci, Holger Karsten Schmidt, Baxmeyer. Große Genre-Unterhaltung
Als „Trip in die Finsternis“ bezeichnet Holger Karsten Schmidt den Zeugenschutzprogramm-Thriller „Der Auftrag“ (Lucky Bird Pictures). Nach der helleren Variante „Das Programm“ schickt der mehrfach Grimme-Preis-gekrönte Autor nun eine nicht mehr existente Familie, eine unfertige LKA-Frau und einen umso fertigeren todessehnsüchtigen Kollegen in ein Abenteuer, das den Gesetzen des Genres folgt, das aber bekannte Situationen klug und wirkungsvoll variiert und das mit ARD-Degeto-unüblichen Wendungen aufwartet. Die Muster kennt jeder – und doch packt einen diese Mischung aus Thriller & Tragödie, aus analytischem Blick & emotionalen Zwischentönen von der ersten Minute an. Die Informationspolitik ist nahezu perfekt – konzentriert, physisch, packend. „Rio Bravo“ lässt grüßen. Die Schauspieler, allen voran Anna Bederke und Oliver Masucci, sind große Klasse, und dem Sog der Narration entspricht auch der Sog, der durch Baxmeyers Inszenierung entsteht.
30.10.2026
00:15
ARD
Reihe
Katrin Sass, Vanessa Loibl, Roth, Sellien, Lylloff, Scheurlen, Thiem, Matthias Tiefenbacher. Blutiger Bluff
Der zweite Film aus der diesjährigen „Usedom“-Staffel ist längst nicht so fesselnd wie der erste und leidet zudem unter einer allzu plakativ vermittelten Botschaft. Auf der Krimi-Ebene geht’s in „Mörder unter uns“ (NDR, Degeto / NDR) um zwei vermeintliche Bluttaten, allerdings ohne Leichen. Doch das eigentliche Thema ist der Sensationsjournalismus: Eine junge Reporterin sorgt mit ihren reißerischen Artikeln dafür, dass sich die von einem „besorgten Bürger“ angeführten Einheimischen zum Mob zusammenrotten und einen ehemaligen Straftäter, bildlich gesprochen, an den Galgen wünschen. Die Story hat jedoch gleich mehrere Widerhaken, zu viele Dialoge sind Appelle ans Publikum, und die Inszenierung kommt über gängiges Krimi-Niveau kaum hinaus.
30.10.2026
05:30
ARD-Mediathek
Reihe
Streaming-Premiere
Beckmann, Sarnau, Mazhara, Merten, Preuss, Florian Oeller, Franziska Schlotterer. „Dieses scheiß-verfickte Team“
Junge Frauen aus Osteuropa, die versklavt, misshandelt, zu Tode gefoltert werden: In der Rostocker „Polizeiruf“-Episode „Sie haben Namen“ (NDR / filmpool fiction“) wird das Publikum mit der extremen Gewalt konfrontiert, der Prostituierte ausgesetzt sind. Gleichzeitig erzählen Drehbuch (Florian Oeller) und Regie (Franziska Schlotterer) – wie gewohnt in Rostock – die jeweiligen Geschichten der Ermittler*innen weiter, insbesondere die Konfrontation von Kommissarin Melly Böwe (Lina Beckmann) mit Oberstaatsanwalt Jan Jürgens (Thorsten Merten), der sie als 16-Jährige vergewaltigt hatte. Nicht voyeuristisch, aber mit schonungsloser Härte wird das Machtgefälle zwischen den Geschlechtern angeprangert. Ein Film mit teils plakativen Figuren, aber komplexer Handlung und klarer Haltung. Ein spannendes, bedrückendes, schonungsloses Krimidrama über gesellschaftlich tolerierte männliche Gewalt.
30.10.2026
20:15
ARD-Mediathek
Fernsehfilm
Streaming-Premiere
Kramer, Schiller, Irslinger, Hardi Sturm, Sophie Averkamp. Der schönste Sommer ihres Lebens
„Amore mio – Niemand ist wie Du“ ist ein gut gespieltes „Was wäre, wenn…“-Drama mit Ann-Kathrin Kramer als Witwe, deren Mann auf dem Sterbebett um Verzeihung bittet: Vor 25 Jahren hat er Edda in Palermo einen Antrag gemacht. Sie hat abgelehnt und sich stattdessen in den Sizilianer Matteo verliebt. Zurück in Deutschland hat sie dann doch Jaeckie geheiratet. Matteo hat ihr noch jahrelang geschrieben, aber der Gatte hat die Post abgefangen und in einem Schließfach aufbewahrt. Gemeinsam mit Tochter Poppy fährt Edda nun nach Italien, liest dabei die Briefe und erinnert sich an den schönsten Sommer ihres Lebens. Der Film wechselt regelmäßig die Zeitebenen und schwelgt in Urlaubsbildern. Sehenswert ist „Amore mio“ (ARD Degeto / Amalia Film) neben der bewegenden Handlung vor allem wegen Hannah Schiller als sarkastischer Tochter.
Vergangene Ausstrahlungen im Oktober
14.10.2026
12:55
SWR
Fernsehfilm
Seyneb Saleh, Anton Spieker, Plaß, Rogner, Ramesh, Rasper. Mehr als ein Film über die Liebe
Mely und Paul wollen in einer Woche heiraten, jeder einen anderen. Dumm, dass sie sich gerade jetzt begegnen – und ineinander verlieben. Ist das, was den beiden in dem ARD-Fernsehfilm „Nächte vor Hochzeiten“ (ARD Degeto / Fandango Film) passiert, Zufall, Fügung oder gar Schicksal? Autor Sathyan Ramesh hat ein scheinbar völlig unrealistisches Was-wäre-Wenn-Szenario als Ausgangspunkt gewählt, um ein ewig faszinierendes Phänomen zu beleuchten: Wie entsteht Liebe? Unter der sensiblen Regie von Ingo Rasper ist ein lebensklug fesselndes Drama entstanden, das sowohl den Glücksfall einer außergewöhnlichen Liebe als auch die tragischen Momente von Trennungen ernsthaft anvisiert. Dass diese romantische Bestimmungsgeschichte 90 Minuten lang fesselt, ist maßgeblich ein Verdienst von Seyneb Saleh und Anton Spieker. Beide sind für ihre Rollen die perfekten Identifikationsobjekte. So ist Mitgefühl garantiert, und die Hoffnung auf ein Happy End – besonders auf der Zielgeraden – spannender als jeder Thriller.
14.10.2026
14:00
One
Fernsehfilm
Tukur, Lardi, Antoni, Korff, Kekilli, Wolfgang Panzer. Trauer muss nicht todtraurig sein
Ein Unternehmer beginnt nach dem Tod seiner Tochter ein neues Leben in einem kleinen Ort an der Ostseeküste. „Meeresleuchten“ (WDR / KJ Entertainment, Fireworks Entertainment, Film Manufacturers) ist ein feinfühliger, kluger und unaufgeregter Film über die Trauer und den Umgang mit einem schweren Schicksalsschlag. Statt auf Betroffenheits-Pathos setzt Drehbuch-Autor und Regisseur Wolfgang Panzer auf schnörkelloses Erzählen und leisen Humor. Der von Ulrich Tukur angenehm zurückhaltend gespielte Thomas Wintersperger findet in dem Mikrokosmos des Küstendorfs Halt und schafft gleichzeitig mit der Neueröffnung eines Cafés selbst einen Ankerplatz für die komisch-sympathischen Bewohner. In dieser warmherzigen Inszenierung werden „kleine“ Figuren ganz groß – auch dank einer herausragenden Besetzung (Ursina Lardi, Carmen-Maja Antoni, Hans Peter Korff, Sibel Kekilli, Kostja Ullmann). Ein auf beiläufige Weise hoch emotionaler Film.
14.10.2026
20:15
ARD-Mediathek
Reihe
Streaming-Premiere
Luise von Finckh, Gabriela Maria Schmeide, Leipert, Breinersdorfer, Christoph Schnee. Kiez-Romantik
Die erste von zwei neuen Episoden mit Luise von Finckh und Gabriela Maria Schmeide als Nachfolgerinnen von Manfred Krug in der „Kanzlei Liebling Kreuzberg“ (Degeto / Odeon Fiction), „Ein Meisterstück“, behandelt einen interessanten Fall: Ein Azubi will eine Gewinnbeteiligung, weil der Bäcker mit seiner Kreation mehr Umsatz macht; stattdessen bekommt er eine fristlose Kündigung. Die Inszenierung ist jedoch viel zu betulich, zumal die Ensemble-Mitglieder ihre Darbietungen zu oft mit einem Schleifchen versehen. Der zweite Film, „Auf Augenhöhe“, ist deutlich fokussierter, auch die Themen Containern und Gentrifizierung sind relevanter.
14.10.2026
20:15
ARD
Fernsehfilm
TV-Premiere
Marleen Lohse, Sara Hjort Ditlevsen, Kaya, Keßel, Lynn Oona Baur. Zwei Frauen, die tun, was sie tun müssen
„Frau ohne Namen“ (NDR / triple pictures) ist ein klassischer Thriller. Eine Frau wird bedroht, sie dreht den Spieß um und ersticht den Angreifer. Eine andere Frau jagt ihr hinterher, ohne zu merken, dass sie es eigentlich ist, die verfolgt wird. Der ARD-Fernsehfilm ist zugleich auch ein (Psycho-)Drama. Die Hauptfigur, eine Koryphäe auf dem Gebiet der Mikroexpressions-Psychologie, ist eine Getriebene. Lügen sind für sie etwas Widerwärtiges, genauso wie Ungerechtigkeit. Im Gesicht des Opfers und in seiner Körpersprache will die Wissenschaftlerin erkannt haben, dass die Tötung Absicht war. „Frau ohne Namen“ erzählt die Geschichten dieser beiden Frauen, aus deren Perspektive und auf eine Art, wie es lange nur Männern zugestanden wurde. Auch filmästhetisch gehört der konzentriert und reduziert erzählte Film nicht in die übliche Fernsehermittlungskrimi-Sparte. Das Konzept hat durchaus Potenzial für mehr.
14.10.2026
20:15
ARD-Mediathek
Fernsehfilm
Streaming-Premiere
Marleen Lohse, Sara Hjort Ditlevsen, Kaya, Keßel, Lynn Oona Baur. Zwei Frauen, die tun, was sie tun müssen
„Frau ohne Namen“ (NDR / triple pictures) ist ein klassischer Thriller. Eine Frau wird bedroht, sie dreht den Spieß um und ersticht den Angreifer. Eine andere Frau jagt ihr hinterher, ohne zu merken, dass sie es eigentlich ist, die verfolgt wird. Der ARD-Fernsehfilm ist zugleich auch ein (Psycho-)Drama. Die Hauptfigur, eine Koryphäe auf dem Gebiet der Mikroexpressions-Psychologie, ist eine Getriebene. Lügen sind für sie etwas Widerwärtiges, genauso wie Ungerechtigkeit. Im Gesicht des Opfers und in seiner Körpersprache will die Wissenschaftlerin erkannt haben, dass die Tötung Absicht war. „Frau ohne Namen“ erzählt die Geschichten dieser beiden Frauen, aus deren Perspektive und auf eine Art, wie es lange nur Männern zugestanden wurde. Auch filmästhetisch gehört der konzentriert und reduziert erzählte Film nicht in die übliche Fernsehermittlungskrimi-Sparte. Das Konzept hat durchaus Potenzial für mehr.
14.10.2026
21:45
ZDFneo
Serie & Mehrteiler
TV-Premiere
Aylin Tezel, Stefan Gorski, Rick Okon, Deleila Piasko, Andreas Gutzeit, Andreas Menck. Zwei Thriller in einem
„Serial Cleaner“ (ZDF / Story House Pictures), die sechsteilige deutsche Version einer argentinischen Serie, ist zwei Thriller in einem und dank gleich mehrerer Spannungsbögen auch über viereinhalb Stunden durchgängig fesselnd: Auf der Ebene des Medical Dramas kämpft eine Mutter um das Überleben ihrer schwerkranken Tochter, auf der Gangster-Ebene lässt sie sich, nachdem sie Zeugin eines Mordes wurde, in Doppelfunktion als Tatortreinigerin und Medizinerin auf einen Pakt mit einer verbrecherischen Familie ein. Abgerundet wird die vorzüglich gespielte und dicht inszenierte Serie um einen Bruderzwist und eine Romanze.
14.10.2026
22:10
MDR
Reihe
Höfels, Hanczewski, Brambach, Lillie, Dwyer. Alles den Schauspielern aufgebürdet
Ein neunjähriger Junge ist missbraucht und ermordet worden. Die äußeren Umstände erinnern an einen alten ungelösten Fall. Als Täter geht man von einem Pädophilen aus, der sein Opfer nur deshalb tötet, weil er den Missbrauch decken will. Der „Tatort – Déjà-vu“ (MDR / Wiedemann & Berg) kommt ohne komische Intermezzi aus. Der Film von Jungfilmer Dustin Loose nach einem Buch von Mark Monheim und Stephan Wagner ist des Dresdner Trios‘ bisheriger Höhepunkt in Sachen Ernsthaftigkeit und emotionale Anteilnahme. Die Geschichte beackert das sensible Problemfeld eines solchen kapitalen Verbrechens: Die Hinterbliebenen, die Kommissare, der Täter – alle rücken in den Fokus; das erhöht die psychologische Spannung und die offene Führung des Mörders bringt auf der Zielgeraden noch etwas Thrill ins Spiel. Schwächen zeigt die Inszenierung: In diesem an sich analytisch gedachten Krimi wird zu viel geweint, zu viel getobt, zu viel zu naiv dem Authentizitätsmythos gehuldigt.
14.10.2026
23:25
SWR
Reihe
Kristin Suckow, Bernhard Conrad, Gummich, Aumann, Köster, Hellsgård. „Alles schreit nach Mafia“
In einer Villa am Waldrand sind zwei italienische Ehepaare ermordet worden. Eine 16-jährige Tochter hat den kaltblütigen Anschlag überlebt, kann sich aber an nichts erinnern. Amnesie als Schutz vor dem Unerträglichen. Akribische Spurenauswertung dominiert auch in „Haus der Toten“, der zweiten Episode der ARD-Krimireihe „Tod am Rennsteig“ (Polyphon): mühsame Indizien-Suche, zunächst keine Verdächtigen. Im Mittelpunkt stehen die Ermittelnden. Sie und besonders ihre Darsteller, Kristin Suckow & Bernhard Conrad, sind und bleiben das Beste an dieser „Donnerstagskrimi“-Reihe. Zwei, die gut miteinander können – und ein kollegiales, kooperatives Team. Ergebnis: ein unaufgeregter, analytischer und figurenorientierter Krimi mit moderaten Thriller-Momenten.
13.10.2026
01:10
ARD
Reihe
Bagriacik, Schuch, Stangenberg, Schelker, Dippe, Geršak, Lars Kraume. Mila Şahin tritt aus Borowskis Schatten
Lars Kraume dreht den Kieler „Tatort“ auf links: mit einem rauen, wenn auch nicht übermäßig raffinierten Krimidrama um Korruption und Organisierte Kriminalität sowie neuen, interessanten Figuren an der Seite der eindrucksvoll aufspielenden Almila Bagriacik als Kommissarin Mila Şahin. In dem Zweiteiler „Unter Freunden / Unter Feinden“ darf sie endlich aus dem langen Borowski-Schatten treten. Damit ändern sich Tonlage, Psychologie und Dynamik grundlegend. Der Kieler „Tatort“ verliert zwar mit dem kauzigen Eigenbrötler Borowski seinen eigenwilligen Humor, wirkt zum Auftakt aber schneller, härter und zeitgemäßer. Und natürlich weiblicher: Karoline Schuch als Polizeipsychologin Elli Krieger und neue Partnerin von Mila Şahin wird hier behutsam eingeführt – das neue Team nimmt in einer Art Kammerspiel im zweiten Teil Formen an. Klasse Gastspiele bieten auch Lilith Stangenberg und Sven Schelker.
13.10.2026
12:05
HR
Fernsehfilm
Manzel, Prahl, Ingo Rasper. Landflucht, dörflicher Alltag und ein paar Gefühle
Bäuerin Jutta scheint mit sich und ihrem Leben im Einklang zu sein. Solange ihre Preis-Kuh Gloria jeden Schönheitswettbewerb gewinnt, ist ohnehin für diese Frau die Welt in Ordnung. Doch mögliche Veränderungen zeichnen sich ab, als ihr Bruder zu Besuch kommt und sie sich noch einmal verliebt. Die Geschichte von „Gloria, die schönste Kuh meiner Schwester“ (ARD/Provobis) ist dem Rhythmus des dörflichen Alltags abgelauscht. Kleine undramatische Situationen, in denen sich die Probleme der modernen Landwirtschaft oder die Verödung ländlicher Gegenden spiegeln, ersetzen ein durchgängiges Thema, zwischenmenschliche Spannungen dominieren über einen Hauptkonflikt. Klug legt Ingo Rasper die unterschwelligen Beziehungsmuster der familiären Vorgeschichte als Grundierung unter der Handlung aus, und das Klasse-Duo Manzel/Prahl macht das Geschwisterverhältnis zum Kern der Geschichte. Toll auch, wie Rasper aus dem ländlichen Kommunikationsstil seine Dramaturgie entwickelt.
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