TV-Premieren im Juni
und von den Wiederholungen nur das Beste
18.06.2026
23:55
3sat
Reihe
Zehrfeld, Minichmayr, Wlaschiha, Bock, Schorlau, Lars Kraume. Braune Staatsbrühe
„Niemand kann sich gegen das System stellen.“ Doch der aufrechte, furchtlose Georg Dengler versucht es wenigstens – auch in seinem dritten Fall, „Die schützende Hand“ (ZDF / Bavaria Film, Cuckoo Clock Entertainment). Der Ex-BKA-Zielfahnder soll herausfinden, ob Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt tatsächlich Selbstmord begangen haben oder ob sie von staatlicher Stelle aus dem Weg geräumt wurden. Der Fall ist keine Steilvorlage für das rechte Lager, sondern wird sehr persönlich motiviert. Lars Kraumes Film ist analytischer und weniger Action-geladen als seine Vorgänger. Die Argumentation, Vorlage war wie immer bei dieser Reihe ein Roman von Wolfgang Schorlau, ist bestechend, die dramaturgisch-filmische Auflösung ebenso. Selten wurden Akten in einem Fernsehfilm so lebendig und anschaulich umgesetzt. Auch ein Verdienst der Dialoge und des aufregenden Duos. Wie beunruhigend das Doppelspiel der Inlandsgeheimdienste ist, darf/muss jeder für sich selbst entscheiden.
18.06.2026
23:59
rbb
Fernsehfilm
Sonja Gerhardt, Alexander Scheer, Silber, Buch. Medizingeschichte mit Herz & Heldin
Ähnlich dem Serienerfolg „Charité“ (2017-2021) erzählt „Das Wunder von Kapstadt“ (ARD / Producers at Work) von mehr als nur den Errungenschaften der modernen Medizin. Nach dem Muster einer klassischen HeldInnenreise folgt das Drama einer angehenden Chirurgin von Deutschland nach Südafrika. Vertrieben von der unfairen Behandlung im Berliner Klinikbetrieb stößt sie dort an neue Grenzen. Weil „Das Wunder von Kapstadt“ hier wie dort große Probleme verhandelt, stehen die Dialoge oft im Dienst der jeweils aktuellen Konflikte. Darüber hinaus bleibt vor allem der Hauptfigur wenig Luft. Inspiriert von einer wahren Geschichte und ohne den Anspruch auf Authentizität gewinnt das Drama am Schauplatz Afrika an Drive. Ein neues Licht durchflutet die Welt jenseits der Berliner Äther-Tristesse, die Figur des Barnard hat etwas Schillerndes und bei allen Konflikten gewinnt die Leidenschaft für den Kampf um das gleiche Ziel. In seinen Botschaften manchmal allzu offensichtlich, knackt der Film am Ende doch unsere Immunabwehr: Operation gelungen, Zuschauer bewegt.
19.06.2026
14:00
Arte
Fernsehfilm
Anna Unterberger, Koffler, Hunfeld, Verena S. Freytag. Verantwortung übernehmen
Nach einem Unfall ihrer nicht versicherten Haushaltshilfe aus Moldau muss sich ein gut situiertes Berliner Paar den sozialen Realitäten und der eigenen Doppelmoral stellen. „Das bleibt unter uns“ (ZDF, Arte / Studio Zentral) ist ein weitgehend sorgfältig erzähltes, hochemotionales Drama (Buch: Frauke Hunfeld), das nicht auf Empörung setzt und seine Figuren nicht vorführt. Anna Unterberger und Hanno Koffler überzeugen als Paar aus dem linksliberalen Berliner Großstadt-Milieu, dessen vermeintliche Weltoffenheit auf die Probe gestellt wird. Differenziert, spannend, nahe an den Figuren, zutiefst menschlich – auch dank der sensiblen Regie von Verena S. Freytag und der intensiven Bilder von Holly Fink.
19.06.2026
14:03
ARD
Fernsehfilm
Anneke Kim Sarnau, Janina Stopper, Saskia Vester: Lebendigkeit und enorme Physis
Vor 17 Jahren war sie von einem italienischen Austauschschüler schwanger und gab das Kind zur Adoption frei. Die Juristin Susanne Jacob übertritt das Gesetz – und nähert sich ihrer Tochter, die nicht weiß, dass sie ein Adoptivkind ist. „Das Haus ihres Vaters“ transportiert einen realen Konflikt ins Emotionale. Die Autoren verzichten, den „Fall“ diskursiv und juristisch aufzudröseln. Konsequent lassen sie die Gefühle den Handlungsverlauf bestimmen. Stark von Sarnau und Stopper gespielt. Ein Degeto-Melo, das Schule machen sollte.
19.06.2026
20:15
3sat
Serie & Mehrteiler
Nadja Uhl, Koffler, Król, Hunfeld, Fischer. Wenn „die da oben“ über Leichen gehen
Ein verschwundenes Mädchen, ein ermordeter Schüler: in einem Elite-Internat und bei der Polizei herrscht Alarmstufe Rot. Neben dem leitenden Ermittler wird noch eine LKA-Frau als VE eingeschleust. Und der Fall zieht bald größere Kreise. Der narrative Bogen von „Tod im Internat“ erstreckt sich über 210 Filmminuten und über 30 Jahre deutsch-deutsche Geschichte: einer Geschichte ständiger Einflussnahmen durch Stasi oder Verfassungsschutz. Erzählt wird im Hier & Heute. So können die Lebenslügen der Eltern direkt auf ihre Kinder zurückschlagen. Den Machern geht es um mehr als cooles Genreerzählen, an den NSU-Dreiteiler reicht dieser fiktive Zweiteiler nicht heran. Trotz seiner Format-Odyssee und einer siebenjährigen Entstehungsgeschichte halten sich die dramaturgischen Ungenauigkeiten im Rahmen. Sehr viel auffälliger sind die visuellen Lösungen & die überragende Nadja Uhl.
19.06.2026
23:59
MDR
Serie & Mehrteiler
Anna Maria Mühe, Wendrich, Schwochow. Verstehenwollen – nicht Verständnishaben!
Die ARD setzt mit dem Mehrteiler „Mitten in Deutschland“ Maßstäbe. Die drei eigenständigen Filme über den Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) nehmen, zeitlich und inhaltlich überlappend, drei unterschiedliche Perspektiven (Täter, Opfer, Ermittler) ein. Zum Auftakt erzählen Thomas Wendrich (Buch) und Christian Schwochow (Regie) vom Werdegang des Jenaer Trios Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt zwischen 1989 und 2000, von der Wende bis zum ersten NSU-Mord. „Die Täter: Heute ist nicht alle Tage“ ist ein höchst intensives, beklemmendes Porträt der Wende-Generation. Buch und Inszenierung bleiben – konsequent bis an die Grenze zur Erträglichkeit – dicht bei den Figuren, legen Denkweisen und die sich steigernde Gewaltbereitschaft ebenso offen wie die Ratlosigkeit im Umfeld. Die Täter sind differenzierte Charaktere, doch das Verstehenwollen endet nicht im Verständnishaben. Hervorzuheben bei dem rundum beeindruckenden Gesellschaftsdrama sind die vorzügliche Kamera von Frank Lamm und Zschäpe-Darstellerin Anna Maria Mühe.
20.06.2026
Das Matrix-Zeitalter ergänzt klassische philosophische Denkspiele wie „Wer bin ich? Woher komme ich?“ um ungleich existenziellere Überlegungen: Ist die Welt um mich herum echt oder nur eine Simulation? Bin ich womöglich nur eine digitale Kopie meiner selbst? Um diese Fragen kreist auch der faszinierende und für ARD-Verhältnisse ungewöhnlich mutige Science-Fiction-Fernsehfilm „Exit“ (SWR / Sommerhaus): Linus und seine Freunde haben eine Möglichkeit gefunden, Persönlichkeiten zu digitalisieren; auf diese Weise können Menschen mit ihren verstorbenen Angehörigen auch nach deren Tod in Kontakt bleiben. Die vier Firmeninhaber wollen ihr Programm an einen mächtigen chinesischen Unternehmer verkaufen, der den Markt für Hologramme beherrscht. Als Linus zögert, den Vertrag zu unterschreiben, gerät er in ein Komplott, das ihn an der eigenen Existenz zweifeln lässt.
20.06.2026
02:10
One
Fernsehfilm
Sebastian Bezzel, Susanne Bormann, Stüwe, Holger Haase. Doppelt unterhält besser
Hinter dem plumpen Freitagsfilmtitel „Echte Bauern singen besser“ (Degeto / Wüste Medien) steckt eine flotte, höchst unterhaltsame Musikkomödie mit Sebastian Bezzel in einer Doppelrolle als Landwirt, der einem abgehalfterten Sänger zum Verwechseln ähnlich sieht. Holger Haase, Regisseur einer Vielzahl sehenswerter Heiterkeiten für Sat 1, hat dem Film das richtige Tempo gegeben, aber der Star ist natürlich der Hauptdarsteller, denn die Inszenierung weidet sich geradezu am Kontrast zwischen den beiden Hauptfiguren: hier der brave Bauer, eine typische Bezzel-Figur, weil in Sven ein großes Talent schlummert; dort der völlig fertige Musiker, bei dessen Verkörperung der Schauspieler alle nur denkbaren Klischees erfüllt. Der griffigere Arbeitstitel „Wenn schon falsch, dann richtig!“ bezieht sich auf den richtig guten Song, den Sven beim furiosen Finale zum Besten gibt, und wird dem Film eher gerecht.
20.06.2026
12:15
ZDF
Fernsehfilm
Claudia Michelsen, Corinna Harfouch, Kerstin Polte. Weltentwurf statt Genreklischees
Kann ich jederzeit mein Leben noch mal auf Anfang stellen? Ist ein Neubeginn mit über 50 eine neue Chance oder eine romantisch-naive Lüge? Die Hauptfigur in der ZDF-Komödie „Immer der Nase nach“ (U5 Filmproduktion) stellt sich solche Fragen, denn sie steckt in der Krise, und die Angst abgehängt zu werden, lässt sie mitunter panisch reagieren. Die von Claudia Michelsen gespielte Frau wird die Kurve kriegen, aber nicht, weil es die Komödien-Dramaturgie so will, sondern weil sich diese Einzelkämpferin nicht nur weiterhin auf sich selbst verlässt, sondern bei Anderen Inspiration findet – auch bei Jüngeren, die genauso ihr Päckchen zu tragen haben. Kersten Polte & Co gelingt das besondere Kunststück, die kleinen vermeintlich banalen Dinge des Alltags mit den großen Fragen des Lebens zu verbinden, ohne dass daraus banales Ratgeberfernsehen wird. In der Präsentation ist das locker & in der Sache für einen Unterhaltungsfilm sehr bestimmt, aber nie pädagogisch, sondern filmästhetisch wertvoll, mit Phantasie und Liebe zum Detail erzählt: Die Entschleunigung des Alltags, die die Berlinerin für sich entdeckt, bietet sogar ein Stück weit auch dieser lebenskluge Film, ein besonderes Kunststück in einem Medium, das selbst die Hektik des Alltags reproduziert.
20.06.2026
15:30
ARD
Fernsehfilm
Sebastian Fräsdorf, Rohde, Gröschel, Westermann, Sinan Akkus. Launige Komik, tiefe Tragik
Seit Jahren hat ein Sohn keinen Kontakt mehr zu seinem Vater – und nun soll er dem alten Stinkstiefel Unterhalt bezahlen. Zurück in seiner Heimat muss der Wahlhamburger aber auch als Pfleger und Fischer einspringen. Und weil er sein Elternhaus bestmöglich verkaufen will, arbeitet er auch noch am Image des Küstenorts, dem die jungen Frauen fehlen – mit Speed-Dating für heiratswillige Großstädterinnen. Fischer sind jedoch ähnlich schwer vermittelbar wie Landwirte. Jedenfalls die aus dem ARD-Freitagsfilm „Fischer sucht Frau“ (Wiedemann & Berg)… Auch wenn einem die Dramaturgie vertraut vorkommt, ist diese Komödie kein schlichter Unterhaltungsfilm für die Ü60-Zuschauer. Gute-Laune-Szenen wechseln mit Momenten ernsthafter Gefühle. Die Geschichte besitzt einen tragischen Unterboden und sie entwickelt zugleich einen enormen komödiantischen Wohlfühlflair. Auch die Inszenierung überzeugt, die Besetzung ist sympathisch, frisch, und Sebastian Fräsdorf trägt den Film.
Vergangene Ausstrahlungen im Juni
04.06.2026
21:45
WDR
Reihe
Schönemann, Reents, Lohse, Schmidt, Franzen. Kein Wort zu viel, kein Bild zu wenig
Nach dem Schwenk in die richtige Richtung in „Estonia“ ist nun „Der Transport“ die vorläufige filmische Krönung der Donnerstagskrimi-Reihe „Nord bei Nordwest“. Eine gestrandete Leiche und schwedische Biker, die einen großen Coup planen, bedrohen die Ruhe in Schwanitz und der Ex-Bulle im Zeugenschutz ist bald raus aus dem Programm… Das Zusammenspiel von Schönemann, Reents und Lohse wird immer zwischentonreicher, eine Menge Subtexte beleben die Interaktionen und auch das „Gäste“-Gangster-Trio bringt ihre eigene Art der Kommunikation ein. Autor Holger Karsten Schmidt ist in seinem Element und in Regisseur Till Franzen findet er seinen Meister: Lakonie & Understatement, ein Film, der mit Bildern & wenig Worten erzählt, spannend & menschlich: kluges Unterhaltungs-TV.
03.06.2026
01:50
NDR
Reihe
Weisz, Wilke Möhring, Haller, Hofmann, Lena Fakler, Mia Spengler. Ganz schön divers
Nach „Die goldene Zeit“ inszenierte Regisseurin Mia Spengler mit „Schattenleben“ ihren zweiten Falke/Grosz-„Tatort“. Erneut geht es darin um das seit dem G-20-Gipfel explosiven Verhältnis von Polizei und linken Gruppen der Hamburger Kiez-Szene. Die Produktion (Wüste Medien) entstand nach den Vorgaben des „Inclusion Rider“, garantiert einen hohen Prozentsatz an Diversität vor und hinter der Kamera. Inhaltlich in einem feministischen Wohnprojekt der linksautonomen Szene verortet, verzahnt Lena Faklers Buch einen tödlich endenden Brandanschlag mit dem Verschwinden einer Undercover-Ermittlerin und dem Spagat zweier Kommissare, die ihren Beruf lieben, dabei aber ihre Sympathie für das linke Spektrum nicht verhehlen. Polizeigewalt gegen freiheitsliebende Anarchos. Ein Klassiker mit frischen Gesichtern, die sich an ausgesuchten Orten auf den Kampf vorbereiten, einander aber nie ins Auge blicken. Falke und Grosz agieren als Mittler. Die Milieus sind sorgfältig eingerichtet, beschränken sich jedoch auf zwei, drei Straßenecken. Ein Mosaik verschiedener Lebenswelten, das Rendezvous mit einer neuen Julia Grosz. Der Fall mäßig spannend.
03.06.2026
02:15
3sat
Fernsehfilm
Caroline Peters, Kowalski, Herbst, Douven, Berno Kürten. Stimmiges Verwirrspiel
Eine ohnehin seelisch angeschlagene Frau fühlt sich nach dem Tod ihres Mannes völlig verunsichert. Hatte er Geheimnisse? Weshalb will ihr keiner etwas sagen? Wem kann sie noch trauen? Ist diese Frau Opfer finsterer, krimineller Machenschaften oder erliegt sie ihren eigenen Wahnvorstellungen? In dem ARD-Psychothriller „Kalt ist die Angst“ folgt man den Spuren, auf die sich die Heldin begibt, identifiziert sich mit ihr, leidet mit ihr, erkennt aber auch die Probleme dieser Frau. Starke Besetzung mit einer überragenden Caroline Peters. Ein stimmiges visuelles Konzept. Vor allem aber ein psycho- & erzähllogisch plausibles Buch, das dem retrospektiven Blick standhält und den Zuschauer nicht für dumm verkauft.
03.06.2026
15:30
Arte
Fernsehfilm
Julia Koschitz, Felix Klare, Trense, Bühlig, Dierbach. Vater-Kind-Entfremdung
„Ich hasse ihn. Ich wünschte er wäre tot“, sagt ein Kind über ihren Vater. Vor einem Jahr noch waren die beiden ein Herz und eine Seele. Der Fernsehfilm „Weil du mir gehörst“ (SWR / FFP New Media) erzählt davon, wie es dazu kommen konnte. Sieht man zunächst eine Mutter, die liebevoll mit ihrer Tochter umgeht, so werden die Manipulationsstrategien bald immer offensichtlicher. Autorin Katrin Bühlig und Regisseur Alexander Diebach zeichnen diesen tragischen, gut recherchierten Entfremdungsprozess, bei dem die Frau stets die Aktive ist und der Mann in die Rolle des Reagierenden gedrängt wird, sehr sachlich & in angemessen zurückhaltender Inszenierung bis zur finalen Auseinandersetzung am Oberlandesgericht nach. Indem Bühlig auf die Chronologie der Ereignisse vertraut, entwickelt sich eine Katastrophen-Dramaturgie, die verantwortungsvoll mit dem Stoff umgeht, aber wenig Überraschungen birgt. Trotzdem wünscht man dieser mit Julia Koschitz, Felix Klare und Lisa Marie Trense sehr stimmig besetzten Produktion möglichst viele Zuschauer. Das Thema hätte es verdient.
03.06.2026
20:15
ARD
Fernsehfilm
Gause, Hüesker, Sarnau, von Kessel, Franziska Buch. Lernen, einander zu vertrauen
Generationendrama und ungewöhnliche Liebesgeschichte: Im Fernsehfilm „Nach uns der Rest der Welt“ (SWR / Bavaria Fiction) verlieben sich ein schwer kranker Junge im Rollstuhl und eine Klassenkameradin ohne sichtbares Handicap. Im Mittelpunkt steht außerdem das Verhältnis der Teenager zu ihren alleinerziehenden Müttern. Während sich Jonas (Julius Gause) von der Fürsorge der energischen Alma (Anneke Kim Sarnau) eingeengt fühlt, leidet Emily (Lina Hüesker) unter den hohen Erwartungen von Marianne (Sophie von Kessel), die gleichzeitig Jonas‘ behandelnde Ärztin ist. Starke Darsteller-Leistungen in einem emotionalen Drama mit inklusivem Anspruch von Franziska Buch. Eine gelungene Gratwanderung; wobei nicht alle Teile der Geschichte und nicht alle Figuren gleichermaßen überzeugen können.
03.06.2026
21:45
ZDFneo
Serie & Mehrteiler
TV-Premiere
Anna Schudt, Mariam Hage, Lydia Lehmann, Luisa Hardenberg, Hellenthal, Thome. Geburten können gewaltig sein
Auch die sehenswerte zweite „Push“-Staffel (ZDF / Bantry Bay) gibt sehr authentisch wirkende Einblicke in den Alltag der Geburtenstation einer Berliner Klinik. Die zehn top besetzten Folgen bieten eine klug konzipierte Mischung aus beruflichem Stress und privaten Problemen, wobei beide Ebenen in einem Fall untrennbar miteinander verwoben sind, weil eine der Hebammen unter einem unerfüllten Kinderwunsch leidet. Preiswürdig gut ist vor allem die ungemein dicht inszenierte und auch dank der Kameraarbeit fast dokumentarisch wirkende Folge fünf, die hautnah miterleben lässt, wie groß gerade auch die mentale Belastung ist.
02.06.2026
00:45
ARD
Reihe
Klaus J. Behrendt, Bär, Schily, Malton, Stauch, Fischer. Und alte Männer heulen doch!
Max Ballauf ist verliebt, und es ist mehr als eine Affäre. Doch der aktuelle Fall könnte dem Seelenverwandtschaftsverhältnis ein rasches Ende bereiten. In der Hoffnung, seine Liebe noch irgendwie retten zu können, ermittelt er in „Diesmal ist es anders“ (ARD / Bavaria Fiction), dem 90. „Tatort“ aus Köln, lange im Alleingang. Aber ist der Widerspruch zwischen der Arbeit als Kommissar und der Liebe überhaupt zu lösen? Misstrauen ist tödlich für eine Beziehung, wie sie sich Ballauf ersehnt. Es ist also weniger „das Streuner-Leben“ (Schenk), das sein Liebesglück erschwert, es ist sein Beruf. Drehbuchautor Wolfgang Stauch macht aus dieser Erkenntnis einen Whodunit mit wenigen Verdächtigen und mit einer umso größeren psychologischen Intensität. Dabei gelingt ihm das Kunststück, die klassische Krimi-Spannung mit der hohen Emotionalität, die das Liebesdrama besitzt, kurzzuschließen. So kommen beide Genres zu ihrem Recht. Inszeniert ist der Film von Torsten C. Fischer hochwertig, gespielt ist er makellos. Klaus J. Behrendt nutzt den Ausflug ins Charakterfach, und Leslie Malton und vor allem Jenny Schily in den Episodenhauptrollen sind Idealbesetzungen.
02.06.2026
01:50
MDR
Kinofilm
Harfouch, Schnöink, Lüdicke, Katharina Marie Schubert. Fremd im eigenen Land
„Das Mädchen mit den goldenen Händen“ (MDR, Arte, HR / if…), das Regiedebüt der Schauspielerin Katharina Marie Schubert, beginnt mit einem runden Geburtstag: Lehrerin Gudrun (Corinna Harfouch) wird sechzig. Die Feier findet im Saal jenes seit Jahren leerstehenden Kinderheims statt, in dem sie einst aufgewachsen ist. Mit der guten Laune der Jubilarin ist es schlagartig vorbei, als sie erfährt, was offenbar bereits jeder weiß: Der Bürgermeister (Jörg Schüttauf) will das Gebäude verkaufen; Investoren aus dem Westen sollen ein Hotel daraus machen. Geschickt verknüpft Schubert fortan Gudruns Geschichte mit typischen Ost/West-Konflikten. Bei der Umsetzung ihres Drehbuchs hat sie sich vor allem auf die Arbeit mit dem vorzüglichen größtenteils ostdeutschen Ensemble konzentriert. Lange Einstellungen und statische Kamera lassen die Inszenierung sehr reduziert wirken.
02.06.2026
20:15
3sat
Fernsehfilm
Caroline Peters, Kowalski, Herbst, Douven, Berno Kürten. Stimmiges Verwirrspiel
Eine ohnehin seelisch angeschlagene Frau fühlt sich nach dem Tod ihres Mannes völlig verunsichert. Hatte er Geheimnisse? Weshalb will ihr keiner etwas sagen? Wem kann sie noch trauen? Ist diese Frau Opfer finsterer, krimineller Machenschaften oder erliegt sie ihren eigenen Wahnvorstellungen? In dem ARD-Psychothriller „Kalt ist die Angst“ folgt man den Spuren, auf die sich die Heldin begibt, identifiziert sich mit ihr, leidet mit ihr, erkennt aber auch die Probleme dieser Frau. Starke Besetzung mit einer überragenden Caroline Peters. Ein stimmiges visuelles Konzept. Vor allem aber ein psycho- & erzähllogisch plausibles Buch, das dem retrospektiven Blick standhält und den Zuschauer nicht für dumm verkauft.
02.06.2026
22:00
BR
Reihe
Johanna Wokalek, Zinner, Preisendanz, Roll, Kniebe, Dominik Graf. Geld, Gold, Sex und der Tod
Weil sie in ein juristisches Dilemma gerät, setzt Cris Blohm (Johanna Wokalek) bei einem Alleingang nach dem Motto „Frechheit siegt“ ihren Job aufs Spiel. Die Münchener Kommissarin beweist in „Jenseits des Rechts“ (BR / Provobis), ihrem dritten Auftritt in der „Polizeiruf 110“-Reihe, Mut zu einem unkonventionellen Vorgehen, um den Mörder eines jungen Porno-Darstellers zu überführen. Dominik Graf (Regie) und Tobias Kniebe (Drehbuch) nehmen eine schwer verständliche Rechtsprechung zu DNA-Reihentests als Ausgangspunkt für einen unterhaltsamen Genre-Mix, eine vielschichtige und von Hendrik A. Kley herausragend fotografierte Krimi-Ballade über Recht und Moral.
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Foto: ZDF / Stefanie Leo Eine Weihnachtswunder-Komödie: witzig, märchenhaft schön, clever konzipiert & originell. Kalenberg, Malton & Amft in „Zitronenherzen“


















