Den Namen des Unternehmens kennt kaum jemand, aber sein Slogan ist im ganzen Land bekannt: „Ich bin zwei Tanks“. Die Behälter sind doppelwandig und enthalten einen Tank im Tank. Für „Serial Cleaner“ gilt das auch: Die sechs Folgen sind eine Serie in einer Serie. Die Idee ist brillant, weil sich die Spannung auf zwei parallel erzählte Ebenen mit jeweils gleicher Hauptfigur verteilt. Die Drehbücher basieren auf einer argentinischen Vorlage mit dem schlichten Titel „Das Mädchen, das putzt“ („La chiqua que limpia“, 2017). Es gibt zudem bereits eine vier Staffeln umfassende US-amerikanische Version, „The Cleaning Lady“ (2022 bis 2025): Titelfigur Thony ist eine Chirurgin aus Manila, deren fünfjähriger Sohn Luca eine spezielle Behandlung braucht. Sie arbeitet ohne gültiges Visum als Putzfrau in Las Vegas, wird Zeugin eines Mordes und vom Täter für dessen kriminelle Organisation in Doppelfunktion engagiert: als Tatortreinigerin und Ärztin.
Die Rahmenbedingungen der deutschen Serie sind ähnlich: Teri Marquard (Aylin Tezel) war angehende Medizinerin, als bei ihrer Tochter Luca eine schwere Immunkrankheit entdeckt wurde. Sie hat ihr Studium abgebrochen und lebt nun bei ihrer Schwester Alida (Deleila Piasko). Weil jede noch so kleine Ansteckung tödlich sein könnte, bewegt sich Luca, die davon träumt, als Astronautin zum Mars zu fliegen, außerhalb der eigenen vier Wände in einer Art Raumanzug. Teri hofft auf eine neuartige Therapieform. Einzige Alternative wäre eine aufwändige genetische Behandlung in den USA, die von den Krankenkassen nicht bezahlt wird. Alida arbeitet als Reinigungskraft im Luxushotel Karanz und hat auch Teri dort einen Job besorgt.
Foto: ZDF / Armands Virbulis
Dieser Teil der Serie ist vom Drehbuchteam rund um Produzent Andreas Gutzeit wie ein typisches „Medical Drama“ konzipiert, in dem es ständig auf und ab geht: Auf jeden Fortschritt folgt ein Rückschlag. Das ist der Grund, warum sich die von Aylin Tezel mit großer Glaubwürdigkeit verkörperte Mutter immer tiefer in die kriminellen Machenschaften verstrickt, die die Gangster-Ebene bilden. Die erste Folge beginnt mit dem Mord, dessen Zeugin sie wird. Ihrem eigenen Tod entgeht sie nur, weil sie im Gegensatz zu den Tätern weiß, wie man einen Tatort so gründlich reinigt, dass bei der kriminaltechnischen Untersuchung tatsächlich kein Blut mehr entdeckt wird. Anders als ihre Kollegin aus Las Vegas wird Teri jedoch mit einem Triumvirat konfrontiert, und das ist womöglich die beste Idee der deutschen Drehbücher.
Ludwig Karanz (László I. Kish) ist ein klassischer Patriarch. Sein leiblicher Sohn Christian ist ein impulsiver Hitzkopf, der sich seinem Vater unbedingt beweisen und einen Drogenhandel in großem Stil aufziehen will. Moralische Skrupel kennt er nicht. Stiefsohn Vincent ist dagegen klug, besonnen und sicher kein Killer, kann aber auch anders. Er buhlt ebenfalls um die Anerkennung des Alten, der Teri als zu beseitigendes Sicherheitsrisiko betrachtet; gleich mehrfach kann sie ihren Kopf zum Teil auch mit Hilfe von Vincent erst in letzter Sekunde aus der Schlinge ziehen. Die brüderliche Konstellation erinnert an die einst von James Caan und Al Pacino in dem Mafia-Klassiker „Der Pate“ verkörperten Corleone-Söhne. Rick Okon und Stefan Gorski sind eine vorzügliche Besetzung für dieses gegensätzliche Duo, zumal Okon als eiskalter Engel auch charmant sein kann. Noch eindrucksvoller ist die Leistung des Österreichers Gorski, der zuletzt unter anderem eine ähnlich ambivalente Rolle als Titelfigur in dem Krimidrama „Der Skorpion“ (2025) aus der ZDF-Reihe „Im Schatten der Angst“ mit Julia Koschitz als Psychiaterin verkörpert hat.
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Dass Teri und Vincent recht bald mehr als bloß Respekt füreinander empfinden, ist erwartbar und zudem die Voraussetzung für die Verknüpfung der beiden Handlungsstränge: Bei Lucas Behandlung ergeben sich immer wieder Komplikationen. Mal bekommt sie aufgrund eines Buchungsfehlers den fest zugesagten Therapieplatz nicht, dann braucht sie ein Medikament, das hierzulande noch nicht zugelassen ist; jedes Mal ist Vincent als Retter in der Not zur Stelle. Die Beziehung bringt Teri jedoch in eine erhebliche Loyalitätsbredouille. Der von Christian zu Beginn erschossene Mann hat als Informant für eine auch nicht gerade zimperliche LKA-Beamtin (Jana Julia Roth) gearbeitet; sie zwingt Teri, seine Rolle einzunehmen. Zu allem Überfluss hat Christian dafür gesorgt, dass Alida ihren Job verliert, damit sie seine Drogen verkauft.
Weil sich der Bruderzwist in eine Richtung entwickelt, die das familiäre Gefüge bedroht, gibt es gleich vier Spannungsbögen, die sich immer mehr zuspitzen. Aus der Zuneigung zwischen Teri und Vincent wird eine möglicherweise verhängnisvolle Romanze. Für Regisseur Andreas Menck stellt „Serial Cleaner“ nach seinen Beiträgen zu Serien wie „Doktor Ballouz“ (ZDF), „Jenny – echt gerecht“ (RTL) oder „Club der roten Bänder“ (Vox) einen deutlichen Genrewechsel dar, aber seine Inszenierung der sechs Folgen ist ungemein dicht. Kleine Spannungsverstärker, die cleveren Cliffhanger sowie die Thrillermusik sorgen ohnehin dafür, dass die knapp viereinhalb Stunden durchgängig fesseln. Die Leistungen des Ensembles sind ebenfalls ausgezeichnet. Das gilt nicht zuletzt für die Szenen mit Aylin Tezel (2018 bis 2020 mit Okon Teil des Dortmunder „Tatort“-Teams) und der jungen Hanna Heckt. Die Geschichte spielt in einer fiktiven deutschen Großstadt, gedreht wurde in Litauen und Lettland, was geschickt kaschiert worden ist, zumal Gangster-Fußvolk im deutschen Krimi ohnehin oft einen osteuropäischen Akzent hat.
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