TV-Premieren im Oktober
und von den Wiederholungen nur das Beste
13.10.2026
„SpyOn“ (ZDF / Smac) ist eine kurzweilige, mit großer Freude an den Figuren und ihren Dialogen gespielte sowie temporeich umgesetzte Comedy-Serie über fünf junge Leute, die ihr Glück beim BND versuchen. Individuell wären sie komplett überfordert, doch als Gruppe ergänzt sich das Quintett perfekt, weil alle Mitglieder über eine spezielle Fähigkeit verfügen. Die Handlungskerne der zwar fortlaufend erzählten, aber in sich abgeschlossenen Folgen würden auch mal als Thriller, mal als romantische Komödie funktionieren: Unter anderem verhindert das Team ein Attentat und deckt ein Komplott gegen seinen Ausbilder (Götz Otto) auf, außerdem komplizieren gleich zwei Liebesbeziehungen untereinander die Zusammenarbeit. Neben der ausgezeichneten Ensemble-Leistung erfreuen die acht Episoden nicht zuletzt durch die anspielungsreiche Musik.
14.10.2026
20:15
ARD
Fernsehfilm
TV-Premiere
Marleen Lohse, Sara Hjort Ditlevsen, Kaya, Keßel, Lynn Oona Baur. Zwei Frauen, die tun, was sie tun müssen
„Frau ohne Namen“ (NDR / triple pictures) ist ein klassischer Thriller. Eine Frau wird bedroht, sie dreht den Spieß um und ersticht den Angreifer. Eine andere Frau jagt ihr hinterher, ohne zu merken, dass sie es eigentlich ist, die verfolgt wird. Der ARD-Fernsehfilm ist zugleich auch ein (Psycho-)Drama. Die Hauptfigur, eine Koryphäe auf dem Gebiet der Mikroexpressions-Psychologie, ist eine Getriebene. Lügen sind für sie etwas Widerwärtiges, genauso wie Ungerechtigkeit. Im Gesicht des Opfers und in seiner Körpersprache will die Wissenschaftlerin erkannt haben, dass die Tötung Absicht war. „Frau ohne Namen“ erzählt die Geschichten dieser beiden Frauen, aus deren Perspektive und auf eine Art, wie es lange nur Männern zugestanden wurde. Auch filmästhetisch gehört der konzentriert und reduziert erzählte Film nicht in die übliche Fernsehermittlungskrimi-Sparte. Das Konzept hat durchaus Potenzial für mehr.
14.10.2026
21:45
ZDFneo
Serie & Mehrteiler
TV-Premiere
Aylin Tezel, Stefan Gorski, Rick Okon, Deleila Piasko, Andreas Gutzeit, Andreas Menck. Zwei Thriller in einem
„Serial Cleaner“ (ZDF / Story House Pictures), die sechsteilige deutsche Version einer argentinischen Serie, ist zwei Thriller in einem und dank gleich mehrerer Spannungsbögen auch über viereinhalb Stunden durchgängig fesselnd: Auf der Ebene des Medical Dramas kämpft eine Mutter um das Überleben ihrer schwerkranken Tochter, auf der Gangster-Ebene lässt sie sich, nachdem sie Zeugin eines Mordes wurde, in Doppelfunktion als Tatortreinigerin und Medizinerin auf einen Pakt mit einer verbrecherischen Familie ein. Abgerundet wird die vorzüglich gespielte und dicht inszenierte Serie um einen Bruderzwist und eine Romanze.
15.10.2026
20:15
ARD
Reihe
TV-Premiere
Ursula Strauss, Perktold, Obonya, Tinnefeld, Jeltsch, Tiefenbacher. Familie(nliebe) kann was Grausames sein
Die Heimkehr von Nesthäkchen Anna verbessert nach Tobis tragischem Schuss im Dienst die Stimmung im Dreigenerationenhaus der Grubers deutlich. Bei anderen Familien ist der Frieden hingegen mächtig gestört oder wird von einer Tragödie überschattet. Selbst bei einem Immobilien-Tycoon geht ein Riss durch die Familie – bis die Tochter entführt wird. In der zweiten Episode der Krimi-Drama-Reihe „Tiroler Blut“ (ARD Degeto, ORF / filmpool fiction) stockt Autor Christian Jeltsch das Familienmotiv weiter auf: Neben den drei Generationen bei den Grubers, sind es nun auch drei Familien, die in die komplexe Handlung emotional verstrickt sind. Dass Ursula Strauss in Cornelius Obonya einen würdigen Gegner bekommt, macht „Am Abgrund“ – abseits jeder Krimi-Routine – noch eine Spur packender und kurzweiliger als die Auftaktepisode. Trotz aller Handlungsdichte und Spannung bleibt der Mensch immer das Herzstück!
16.10.2026
20:15
ARD
Reihe
TV-Premiere
Luise von Finckh, Gabriela Maria Schmeide, Leipert, Breinersdorfer, Christoph Schnee. Kiez-Romantik
Die erste von zwei neuen Episoden mit Luise von Finckh und Gabriela Maria Schmeide als Nachfolgerinnen von Manfred Krug in der „Kanzlei Liebling Kreuzberg“ (Degeto / Odeon Fiction), „Ein Meisterstück“, behandelt einen interessanten Fall: Ein Azubi will eine Gewinnbeteiligung, weil der Bäcker mit seiner Kreation mehr Umsatz macht; stattdessen bekommt er eine fristlose Kündigung. Die Inszenierung ist jedoch viel zu betulich, zumal die Ensemble-Mitglieder ihre Darbietungen zu oft mit einem Schleifchen versehen. Der zweite Film, „Auf Augenhöhe“, ist deutlich fokussierter, auch die Themen Containern und Gentrifizierung sind relevanter.
17.10.2026
20:15
ZDF
Reihe
TV-Premiere
Maxim Mehmet, Sophie Dal, Vörtler, Brandhoff, Lau-Uhle, Costea. Die Mumie kehrt zurück
„Der letzte Häuptling“ (ZDF / Cologne Film) ist ein überaus kurzweiliger „Friesland“-Krimi mit äußerst origineller Story: Auf einer Wiese wird die mumifizierte Leiche eines mutmaßlich vor Jahrhunderten verscharrten Mordopfers entdeckt. Archäologe Trautmann, der schon in der Himmelsscheiben-Episode „Tief im Dreck“ (2025) für allerlei Trubel gesorgt hat, ist entzückt: Seiner Ansicht nach handelt es sich um einen mächtigen Fürsten. Damit würden sich nach friesischem Erbrecht die Besitzverhältnisse ändern, was naturgemäß nicht alle Beteiligten erfreut, denn das schlichte Weideland weckt erhebliche Begehrlichkeiten.
18.10.2026
20:15
ZDF
Reihe
TV-Premiere
Kalupa, Preuß, Grill, Borchardt, Zeh, Üner, Rost, Rössler, Haase, Thies. ES IST KOMPLIZIERT!
Dr. Moritz Neiss, dem Arzt, der selbst einen Arzt und dazu noch einen Psychotherapeuten nötig hat, ist die Reihen-Figur, der das ZDF beim linearen TV wie beim Streaming aktuell am meisten zutraut. Dieses Jahr gibt es gleich sechs Episoden auf einen Rutsch (am 25. September im Stream, ab 11. Oktober wöchentlich auf dem „Herzkino“-Termin). Nach der Auftaktepisode, der bislang besten, rollt privat einiges wieder rückwärts. Wieder vernachlässigt der Meister-Doc seine Landarztpraxis, und wieder muss Charlie seine Ausfälle & Eigenarten ausbügeln. Was in anderen Reihen oder Serien langweilt, stört in „Dr. Nice“ (ZDF / Dreamtool Entertainment) weniger: weil hier sehr viel stimmiger Alltag erzählt wird. Und wiederkehrende Lebensthemen, Ängste, Nicht-Loslassen-Können, Rückfälle gehören nun mal zum Leben … Voraussetzung für das Gelingen sind Charaktere aus Fleisch und Blut, denen man ihre Emotionen, ihren Schmerz, ihre Verdrängungen, ihre Lebenslust abnimmt. Simon X. Rost und Elke Rössler, die Regisseure und Regisseurinnen inklusive aller Gewerke und dem festen Ensemble, dem Herzstück der Reihe, haben über die Jahre einen glaubwürdigen Mikrokosmos geschaffen, in den einzutauchen Freunden guter, leichter Unterhaltung immer wieder Spaß machen dürfte. Was die Variation der Dramaturgie der medizinischen Fälle angeht, hat die Reihe allerdings noch Luft nach oben.
18.10.2026
20:15
ARD
Reihe
TV-Premiere
Bagriacik, Schuch, Stangenberg, Schelker, Dippe, Geršak, Lars Kraume. Mila Şahin tritt aus Borowskis Schatten
Lars Kraume dreht den Kieler „Tatort“ auf links: mit einem rauen, wenn auch nicht übermäßig raffinierten Krimidrama um Korruption und Organisierte Kriminalität sowie neuen, interessanten Figuren an der Seite der eindrucksvoll aufspielenden Almila Bagriacik als Kommissarin Mila Şahin. In dem Zweiteiler „Unter Freunden / Unter Feinden“ darf sie endlich aus dem langen Borowski-Schatten treten. Damit ändern sich Tonlage, Psychologie und Dynamik grundlegend. Der Kieler „Tatort“ verliert zwar mit dem kauzigen Eigenbrötler Borowski seinen eigenwilligen Humor, wirkt zum Auftakt aber schneller, härter und zeitgemäßer. Und natürlich weiblicher: Karoline Schuch als Polizeipsychologin Elli Krieger und neue Partnerin von Mila Şahin wird hier behutsam eingeführt – das neue Team nimmt in einer Art Kammerspiel im zweiten Teil Formen an. Klasse Gastspiele bieten auch Lilith Stangenberg und Sven Schelker.
19.10.2026
20:15
ZDF
Fernsehfilm
TV-Premiere
Anna Schudt, Julia Koschitz, Mark Waschke, Hans Löw, Zertz, Bernardi. Von kleineren und größeren Katastrophen
Eine Hofgemeinschaft unter Freunden hat schon bessere Zeiten gesehen. Eines der Kinder, ein zwölfjähriger Junge, verhält sich seit Jahren renitent. Jetzt macht er Riesenprobleme; ein Schulverweis droht. Doch schlimmer noch: Der Junge ist verschwunden. Ein Turnschuh von ihm wird am Elbufer gefunden … „Das verschwundene Kind“ (ZDF / Relevant Film) macht von Beginn an deutlich, dass aus dem Motiv des vermissten Jungen kein Kriminalfall wird. Den Macherinnen geht es vielmehr um das private Drama, das die Geschichte birgt: um die Hofgemeinschaft, die mit Idealen angetreten ist, einige ihrer Träume verwirklichen konnte, aber an einer familiären Lebenslüge zu scheitern droht. Es ist ein Film über Familie und Freundschaft, der im Detail alle erdenklichen Kommunikationsformen durchspielt: die leisen, die lauten, die liebevollen, die wütenden, die wahren, die halbwahren, ja, sogar die, die jenseits des Bewussten liegen. Der Realismus der Geschichte durchwirkt alle Ebenen dieses stark inszenierten Films: die Lichtsetzung, die Sprache, das Spiel des perfekt besetzten Eltern-Quartetts.
20.10.2026
„SpyOn“ (ZDF / Smac) ist eine kurzweilige, mit großer Freude an den Figuren und ihren Dialogen gespielte sowie temporeich umgesetzte Comedy-Serie über fünf junge Leute, die ihr Glück beim BND versuchen. Individuell wären sie komplett überfordert, doch als Gruppe ergänzt sich das Quintett perfekt, weil alle Mitglieder über eine spezielle Fähigkeit verfügen. Die Handlungskerne der zwar fortlaufend erzählten, aber in sich abgeschlossenen Folgen würden auch mal als Thriller, mal als romantische Komödie funktionieren: Unter anderem verhindert das Team ein Attentat und deckt ein Komplott gegen seinen Ausbilder (Götz Otto) auf, außerdem komplizieren gleich zwei Liebesbeziehungen untereinander die Zusammenarbeit. Neben der ausgezeichneten Ensemble-Leistung erfreuen die acht Episoden nicht zuletzt durch die anspielungsreiche Musik.
Foto: ZDF / Lutz Lemke /[M]
Foto: NDR / ARD / Anatol Kotte
Foto: ZDF / Maximilian König /[ M]
Foto: NDR / ARD / Frizzi Kurkhaus
Foto: BR / Claussen + Putz / Hendrik Heiden
Foto: ZDF / Rudolf Wernicke
Foto: ARD Degeto / ORF / Nikolett Kustos
Foto: ZDF / Gordon Muehle / Steffen Wagener [M]
Foto: NDR / Frizzi Kurkhaus / Viktoria Grunjajew
Foto: HR / Port au Prince / Tatami Films / Daniel Dornhöfer
Foto: Batier / X Filme Creative Pool / ARD Degeto / WDR / SWR / HR / RB
Foto: NDR / Craubner+Hartmann / Stephan Rabold Vergangene Ausstrahlungen im Oktober
12.10.2026
20:15
ZDF
Reihe
TV-Premiere
Lisa Maria Potthoff, Torrn, Lohmeyer, Roggan, Berndt, Marzuk. Weniger Thrill, dafür ein gern verdrängtes Thema
„Drecksarbeit“ ist eine gute, im Rahmen der zuletzt besonders packenden „Sarah Kohr“-Reihe (ZDF / die film gmbh) jedoch nicht weiter ungewöhnliche Episode. Der Titel bezieht sich auf jene Jobs, für die sich keine deutschen Arbeitskräfte finden lassen. Stattdessen werden Menschen aus Osteuropa weit unter dem Mindestlohn ausgebeutet. Weil sie illegal in Deutschland sind, kann ein Arbeitsunfall fatale Folgen haben. Rein unter Genre-Gesichtspunkten wäre der 14. Fall für die schlagkräftige Hamburger LKA-Kommissarin ohne die Action-Szenen ein ganz normaler Krimi.
11.10.2026
20:15
ZDF
Reihe
TV-Premiere
Kalupa, Preuß, Grill, Borchardt, Zeh, Üner, Rost, Rössler, Haase, Thies. ES IST KOMPLIZIERT!
Dr. Moritz Neiss, dem Arzt, der selbst einen Arzt und dazu noch einen Psychotherapeuten nötig hat, ist die Reihen-Figur, der das ZDF beim linearen TV wie beim Streaming aktuell am meisten zutraut. Dieses Jahr gibt es gleich sechs Episoden auf einen Rutsch (am 25. September im Stream, ab 11. Oktober wöchentlich auf dem „Herzkino“-Termin). Nach der Auftaktepisode, der bislang besten, rollt privat einiges wieder rückwärts. Wieder vernachlässigt der Meister-Doc seine Landarztpraxis, und wieder muss Charlie seine Ausfälle & Eigenarten ausbügeln. Was in anderen Reihen oder Serien langweilt, stört in „Dr. Nice“ (ZDF / Dreamtool Entertainment) weniger: weil hier sehr viel stimmiger Alltag erzählt wird. Und wiederkehrende Lebensthemen, Ängste, Nicht-Loslassen-Können, Rückfälle gehören nun mal zum Leben … Voraussetzung für das Gelingen sind Charaktere aus Fleisch und Blut, denen man ihre Emotionen, ihren Schmerz, ihre Verdrängungen, ihre Lebenslust abnimmt. Simon X. Rost und Elke Rössler, die Regisseure und Regisseurinnen inklusive aller Gewerke und dem festen Ensemble, dem Herzstück der Reihe, haben über die Jahre einen glaubwürdigen Mikrokosmos geschaffen, in den einzutauchen Freunden guter, leichter Unterhaltung immer wieder Spaß machen dürfte. Was die Variation der Dramaturgie der medizinischen Fälle angeht, hat die Reihe allerdings noch Luft nach oben.
11.10.2026
20:15
ARD
Reihe
TV-Premiere
Bagriacik, Schuch, Stangenberg, Schelker, Dippe, Geršak, Lars Kraume. Mila Şahin tritt aus Borowskis Schatten
Lars Kraume dreht den Kieler „Tatort“ auf links: mit einem rauen, wenn auch nicht übermäßig raffinierten Krimidrama um Korruption und Organisierte Kriminalität sowie neuen, interessanten Figuren an der Seite der eindrucksvoll aufspielenden Almila Bagriacik als Kommissarin Mila Şahin. In dem Zweiteiler „Unter Freunden / Unter Feinden“ darf sie endlich aus dem langen Borowski-Schatten treten. Damit ändern sich Tonlage, Psychologie und Dynamik grundlegend. Der Kieler „Tatort“ verliert zwar mit dem kauzigen Eigenbrötler Borowski seinen eigenwilligen Humor, wirkt zum Auftakt aber schneller, härter und zeitgemäßer. Und natürlich weiblicher: Karoline Schuch als Polizeipsychologin Elli Krieger und neue Partnerin von Mila Şahin wird hier behutsam eingeführt – das neue Team nimmt in einer Art Kammerspiel im zweiten Teil Formen an. Klasse Gastspiele bieten auch Lilith Stangenberg und Sven Schelker.
10.10.2026
20:15
ZDF
Reihe
TV-Premiere
Marie-Lou Sellem, Johannes Hegemann, Grundig, Hartwig, Hoenisch. Ermitteln mit dem One-Night-Stand
Das ZDF hat mit „Frankfurt Mord“ (Olga Film) offenbar im Sinn, neben „München Mord“ eine weitere launige Metropolen-Krimi-Reihe zu etablieren, ohne die Münchner zu kopieren. Das weißblaue Beziehungsmuster hat man denn auch gleich komisch variiert: Es ermitteln nicht zwei ewige Singles, bei denen es über das sich anziehend finden, nicht hinausgeht, sondern zwei, die nach einem One-Night-Stand gemeinsam auf Mördersuche gehen müssen. Sie ist eine erfahrene Frau und Polizistin, als deutsche Jüdin, ethisch-sozial geerdet, er ein stets gutgelaunter Frischling, emotional offen für mehr. Das launige Beziehungsprinzip verfängt im Verlauf der 90 Minuten immer besser. Marie-Lou Sellem und „Olivia“-Darsteller Johannes Hegemann sind ein Top-Duo. Weniger gelungen ist in „Ein neues Leben“ der dramaturgische Umgang mit dem interessanten Themenkomplex Kinderwunsch vs. Embryonenschutzgesetz.
09.10.2026
20:15
ARD
Reihe
TV-Premiere
Urspruch, Grandezka, Heyer, Hegenbarth, Amft, Torsten Lenkeit, Josh Broecker. Der übliche Familienwahnsinn
Die ARD-Tochter Degeto hat offenkundig großes Zutrauen in die Freitagsreihe „Einspruch, Schatz!“ (W&B Television) mit ChrisTine Urspruch als Leipziger Rechtsanwältin: Die aktuelle Staffel umfasst erstmals gleich vier Episoden. Die Qualität der einzelnen Filme ist allerdings durchwachsen. Ausgerechnet der Auftakt („Hundeliebe“) ist der schwächste Beitrag, weil die Figuren fast ausnahmslos „drüber“ sind, die Darbietungen noch eins drauf setzen und die Handlung bis ins Detail erwartbar ist. Die Verknüpfung der jeweiligen juristischen Fälle mit der familiären Ebene ist in allen Filmen selten plausibel. Einige Themen sind allerdings interessant: In „Kindersegen“ verklagt ein Sohn seine Mutter, eine „Momfluencerin“, weil sie gegen seine Persönlichkeitsrechte verstößt. In „Kavaliersdelikt“ muss sich Eva Schatz in eigener Sache verteidigen: Beim Kaufhausbesuch hat ihr jemand ein teures Collier in die Handtasche gesteckt. Und „Rosenkrieg“ erzählt von einem Scheidungszwist mit vertauschten Rollen: Eine erfolgreiche Frau will verhindern, dass ihr Mann bei der Trennung das halbe Vermögen bekommt.
09.10.2026
23:55
ARD
Serie & Mehrteiler
TV-Premiere
Elisa Hofmann, Purnima Grätz, Linda Chang, Stefanie Ren, Mia Spengler. Hier passieren seltsame Dinge
Die optisch und inhaltlich reizvolle Mystery-Serie „House of Yang“ (SWR / Wood Water) spielt in einem düsteren Schwarzwaldhaus. Hier sind 1949 und 1999 auf überaus rätselhafte Weise zwei Mädchen verschwunden. Als eine Frau nach vielen Jahren zurückkehrt, um das Anwesen zu verkaufen, widerfährt ihrer Tochter das gleiche Schicksal. Der besondere Reiz der sechs Episoden liegt in der verschachtelten Erzählweise, weil sich die verschiedenen Zeitebenen ständig überlagern. Musik und Sounddesign sorgen für allerlei Gänsehautmomente, Szenenbild und Bildgestaltung sind sehenswert. Das Ende ist allerdings etwas unbefriedigend, weil allzu viele Fragen offen bleiben.
08.10.2026
20:15
ARD
Reihe
TV-Premiere
Ursula Strauss, Perktold, Fritsch, Hauser, Jeltsch, Tiefenbacher. Wenn die Mutter mit dem Sohne
Fanny Gruber ist die Star-Ermittlerin des Innsbrucker Kommissariats. Nachdem der erste eigenverantwortliche Einsatz ihres Sohnes und Kollegen bei der „Internen“ landet, geht die Mutter den Ungereimtheiten des Falls auf eigene Faust nach. Mit „Tiroler Blut“ (ARD Degeto / filmpool fiction) startet eine vielversprechende deutsch-österreichische Krimi-Reihe, die statt auf Whodunit-Muster auf Familie(n) und ihre schwerblütigen Dramen setzt. Bei den Grubers im Dreigenerationenhaus mit einem (Groß-)Vater, der ebenfalls Polizist war, gibt es die ganz alltäglichen Spannungen, in anderen Familien aber herrscht das blanke Chaos. Mit einem komplexen Fall von häuslicher Gewalt beginnt die Reihe, die vom renommierten Drehbuchautor Christian Jeltsch (allein 18 „Tatorte“) erdacht wurde, und dessen Hauptdarstellerin gleich in der ersten Episode den Unterschied macht: die herausragende Ursula Strauss („Schnell ermittelt“), die immer für ein bisschen Sarkasmus und Ironie im (Ermittlungs-)Spiel gut ist.
07.10.2026
Karoline Schuch geht in der von ihr eindrucksvoll gespielten Titelrolle der „Elodie“ einem Familiengeheimnis aus ihrer frühen Kindheit auf den Grund. Die Eltern hatten sie als Baby für mehrere Monate einer Kinderfrau überlassen – und ihr später nichts davon erzählt. In zauberhafter Heidelandschaftskulisse samt stets präsenter Bundeswehr erforscht Elodie nun das Verdrängte und Verborgene, das ihr eigenes Leben möglicherweise unbewusst beeinflusst hat. Eine spannende Suche bei sich selbst, der Familie, Freunden und der Kinderfrau, die im Verdacht steht, ihre Schützlinge misshandelt zu haben. Regisseurin Nicole Weegmann hat das Drama nach dem klugen Drehbuch von Esther Bernsdorff sehenswert und psychologisch weitgehend überzeugend inszeniert.
07.10.2026
21:45
ZDFneo
Serie & Mehrteiler
TV-Premiere
Aylin Tezel, Stefan Gorski, Rick Okon, Deleila Piasko, Andreas Gutzeit, Andreas Menck. Zwei Thriller in einem
„Serial Cleaner“ (ZDF / Story House Pictures), die sechsteilige deutsche Version einer argentinischen Serie, ist zwei Thriller in einem und dank gleich mehrerer Spannungsbögen auch über viereinhalb Stunden durchgängig fesselnd: Auf der Ebene des Medical Dramas kämpft eine Mutter um das Überleben ihrer schwerkranken Tochter, auf der Gangster-Ebene lässt sie sich, nachdem sie Zeugin eines Mordes wurde, in Doppelfunktion als Tatortreinigerin und Medizinerin auf einen Pakt mit einer verbrecherischen Familie ein. Abgerundet wird die vorzüglich gespielte und dicht inszenierte Serie um einen Bruderzwist und eine Romanze.
06.10.2026
„SpyOn“ (ZDF / Smac) ist eine kurzweilige, mit großer Freude an den Figuren und ihren Dialogen gespielte sowie temporeich umgesetzte Comedy-Serie über fünf junge Leute, die ihr Glück beim BND versuchen. Individuell wären sie komplett überfordert, doch als Gruppe ergänzt sich das Quintett perfekt, weil alle Mitglieder über eine spezielle Fähigkeit verfügen. Die Handlungskerne der zwar fortlaufend erzählten, aber in sich abgeschlossenen Folgen würden auch mal als Thriller, mal als romantische Komödie funktionieren: Unter anderem verhindert das Team ein Attentat und deckt ein Komplott gegen seinen Ausbilder (Götz Otto) auf, außerdem komplizieren gleich zwei Liebesbeziehungen untereinander die Zusammenarbeit. Neben der ausgezeichneten Ensemble-Leistung erfreuen die acht Episoden nicht zuletzt durch die anspielungsreiche Musik.
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