Die TV-Highlights ab Mai
01.05.2026
00:15
ARD
Reihe
Aram Arami, Olga von Luckwald, Stefan Gorski, Mathias Schnelting, Janis Rebecca Rattenni. Stumm wie ein Fisch
„Bruder, Liebe, Tod“ ist der Pilotfilm einer möglichen neuen ARD-Donnerstagskrimi-Reihe mit Aram Arami als ehemaliger Kripo-Kommissar, der nach einem traumatischen Einsatz den Dienst quittiert hat und Sozialarbeiter geworden ist. Als sein kleiner Bruder eines Mordes verdächtigt wird, beginnt er zum Unwillen seiner früheren Partnerin zu ermitteln. Der „Saarland-Krimi“ (SR, Degeto / Bavaria Fiction) ist nicht nur inhaltlich interessant und darstellerisch sehr überzeugend; auch die Bildgestaltung wirkt für einen Film dieser Art ungewöhnlich aufwändig.
01.05.2026
13:45
ARD
Fernsehfilm
Steffi Kühnert, Valks, Liers, Rasper. Von den vermeintlich kleinen Dingen des Lebens
„Meine Nachbarn mit dem dicken Hund“ erzählt eine Geschichte, wie sie sich tagtäglich irgendwo in der Dreieinhalbmillionen-Stadt Berlin ereignen könnte. Eine Frau, Mitte 50, kommt mit ihrem plötzlichen Single-Status nicht zurecht. Als neue Nachbarn ihren gewohnten Alltag durcheinanderbringen, werden auf beiden Seiten Vorurteile aufgefahren. In der Realität würde man weiterhin seine Ressentiments pflegen. In einem Film kann man der Situation einen anderen Dreh geben: die Probleme mit dem ungewollten Alleinsein, die Einsamkeit in der Großstadt, die Verlorenheit, wenn einem die eigene Lebenssituation über den Kopf wächst – das sind die Themen, die Autorin Kathi Liers leise, sensibel und in klugen, dezent verpackten Metaphern anschneidet. Neben der Tiefe der Charaktere und der sympathischen Alltagstonlage, die dem vorzüglich von Ingo Rasper inszenierten Film immer auch ein Stück Berliner Hinterhofflair mitgeben, muss man ganz besonders die Besetzung hervorheben – allen voran die einzigartige Steffi Kühnert. Der bisher beste ARD-Freitagsfilm 2019!
01.05.2026
16:55
ARD
Fernsehfilm
Manzel, Prahl, Ingo Rasper. Landflucht, dörflicher Alltag und ein paar Gefühle
Bäuerin Jutta scheint mit sich und ihrem Leben im Einklang zu sein. Solange ihre Preis-Kuh Gloria jeden Schönheitswettbewerb gewinnt, ist ohnehin für diese Frau die Welt in Ordnung. Doch mögliche Veränderungen zeichnen sich ab, als ihr Bruder zu Besuch kommt und sie sich noch einmal verliebt. Die Geschichte von „Gloria, die schönste Kuh meiner Schwester“ (ARD/Provobis) ist dem Rhythmus des dörflichen Alltags abgelauscht. Kleine undramatische Situationen, in denen sich die Probleme der modernen Landwirtschaft oder die Verödung ländlicher Gegenden spiegeln, ersetzen ein durchgängiges Thema, zwischenmenschliche Spannungen dominieren über einen Hauptkonflikt. Klug legt Ingo Rasper die unterschwelligen Beziehungsmuster der familiären Vorgeschichte als Grundierung unter der Handlung aus, und das Klasse-Duo Manzel/Prahl macht das Geschwisterverhältnis zum Kern der Geschichte. Toll auch, wie Rasper aus dem ländlichen Kommunikationsstil seine Dramaturgie entwickelt.
01.05.2026
18:30
ARD
Fernsehfilm
Ferch, Wedhorn, Gwisdek, Lühdorff, Rasper. Verkopfter Prof trifft quirlige Kellnerin
Ein von Angststörungen geplagter Professor und eine emotional intelligente Kellnerin mit pädagogischem Talent sollen Kinder für Mathematik begeistern. Eine Uni-PR-Aktion, die spätestens dann nach hinten losgeht, als der egozentrische Vater des Mathe-Genies, ein abgetakelter Ex-Komiker, ins Spiel kommt. „Liebe ist unberechenbar“ (Degeto / Moviepool) bringt Sommer und Sonne in die grauen Januartage. Es ist ein lebenskluger Wohlfühlfilm, der sein Herz für Außenseiter unaufdringlich an die Zuschauer*innen bringt. Das beginnt bei der Dramaturgie und setzt sich sehenswert in der luftig-leichten Inszenierung fort. Heino Ferch und Tanja Wedhorn erfüllen die hohen Erwartungen, die man an sie stellen darf. Er gibt den Mann mit Psycho-Handicap gewohnt hauchzart, sie überzeugt als liebenswerter Wirrkopf. Der Film beginnt mit Screwball-Comedy-Situationen, besitzt ernsthafte Dramedy-Momente und gewinnt selbst noch dem oft gesehenen romantischen Last-Minute-Rescue am Flughafen etwas Neues ab. Und dann ist da noch der unnachahmliche Michael Gwisdek in einer seiner letzten Rollen, der seine nicht ganz klischeefreie Figur nuancenreich ins Ziel bringt.
01.05.2026
20:15
3sat
Fernsehfilm
Susanne Bormann, Jan Krauter, Krause/Fraunholz, Ed Herzog. Gehen oder bleiben?
Die deutsche Teilung als historisches Beinahe-Echtzeit-Drama: Am 13. August 1961 macht die DDR die Grenzen dicht, und viele Reisende im Interzonenzug von München nach Ost-Berlin haben somit im Fernsehfilm „3 ½ Stunden“ (Degeto / Real Film, Amalia Film) die letzte Gelegenheit, in den Westen zu flüchten. Die Schicksalsfrage – Bleiben oder Neuanfang im anderen System? – auf den Handlungsraum eines Zuges zu konzentrieren, ist eine bestechende Drehbuch-Idee (Robert Krause, Beate Fraunholz). Die filmische Fahrtzeit im ARD-Eventfilm zum 60. Jahrestag des Mauerbaus beschränkt sich auf knapp zwei Stunden, die vollgepackt sind mit Familien- und Liebes-Dramen, zeitgeschichtlichen Bezügen und einer eher überflüssigen Krimi-Nebenhandlung. Das von Ed Herzog temporeich inszenierte und von Ngo The Chau herausragend fotografierte Ensemble-Drama hat überzeugende Darstellerinnen und Darsteller (Bormann, Wilbusch, Schneider, Kokisch, Feifel, Triebel), eine spezielle musikalische Note (Alli Neumann), Sechziger-Jahre-Zeitkolorit und die notwendige Dosis Eisenbahner-Romantik zu bieten. Eine Geschichtsstunde der unterhaltsamen Art.
01.05.2026
So oft wie in „Totenfrau“ (Mona Film, Barry Films) hat sich Anna Maria Mühe bestimmt noch nie prügeln müssen. In der sechsteiligen Netflix-Serie spielt sie eine Bestatterin, die nach dem vermeintlichen Unfalltod ihres Mannes einem abscheulichen Verbrechen auf die Spur kommt und einen blutigen Rachefeldzug beginnt. Die Geschichte hätte sich auch kürzer erzählen lassen, aber die Krimiebene ist jederzeit fesselnd. Großen Anteil an der Komplexität der Handlung hat nicht zuletzt die charakterliche Tiefe der vielen zum Teil verblüffend prominent besetzten Figuren. Netflix empfiehlt die Serie, die bereits im ORF zu sehen war, ab 16 Jahren, und das ist nicht allein wegen der dargestellten Gewalt durchaus angebracht; einige alptraumhafte Szenen sind der pure Horror. Die Arbeit mit den Verstorbenen könnte ebenfalls verstörend wirken, und das nicht nur, weil sie scheinbar zum Leben erwachen.
02.05.2026
09:00
rbb
Fernsehfilm
Steffi Kühnert, Valks, Liers, Rasper. Von den vermeintlich kleinen Dingen des Lebens
„Meine Nachbarn mit dem dicken Hund“ erzählt eine Geschichte, wie sie sich tagtäglich irgendwo in der Dreieinhalbmillionen-Stadt Berlin ereignen könnte. Eine Frau, Mitte 50, kommt mit ihrem plötzlichen Single-Status nicht zurecht. Als neue Nachbarn ihren gewohnten Alltag durcheinanderbringen, werden auf beiden Seiten Vorurteile aufgefahren. In der Realität würde man weiterhin seine Ressentiments pflegen. In einem Film kann man der Situation einen anderen Dreh geben: die Probleme mit dem ungewollten Alleinsein, die Einsamkeit in der Großstadt, die Verlorenheit, wenn einem die eigene Lebenssituation über den Kopf wächst – das sind die Themen, die Autorin Kathi Liers leise, sensibel und in klugen, dezent verpackten Metaphern anschneidet. Neben der Tiefe der Charaktere und der sympathischen Alltagstonlage, die dem vorzüglich von Ingo Rasper inszenierten Film immer auch ein Stück Berliner Hinterhofflair mitgeben, muss man ganz besonders die Besetzung hervorheben – allen voran die einzigartige Steffi Kühnert. Der bisher beste ARD-Freitagsfilm 2019!
02.05.2026
10:00
ZDF-Stream
Reihe
Streaming-Premiere
Dennenesch Zoudé, Jens Atzorn, Sträßer, Podszus, Mascher, Hybl, Sabine Bernardi. Immer diese Erklär-Sätze!
Der Auftakt zur möglichen neuen „Havelland“-Samstagsreihe im ZDF (Studio Zentral) mit Dennenesch Zoudé als Potsdamer Staatsanwältin und Jens Atzorn als LKA-Kommissar verknüpft zwei beliebte Justizkrimi-Aspekte: hier das Verbot der erneuten Ermittlung, wenn es bereits ein rechtskräftiges Urteil gibt, dort die feministische Forderung, Femizide endlich als Straftatbestand anzuerkennen. Die Krimi-Story mit einem vor Jahren freigesprochenen Professor, der anscheinend erneut eine Studentin ermordet hat, ist interessant, das Thema relevant, aber die von einer idealistischen jungen Referendarin und ihrer Vorgesetzten repräsentierte juristische Ebene ist viel zu hölzern geschrieben und inszeniert.
02.05.2026
10:00
ZDF-Stream
Reihe
Streaming-Premiere
Milan Peschel, Polak, Döhler, Bröcker, Bezzel, Tebbe, Jonas Grosch. Der Tod ist groß, wir sind die Seinen
Der 2019 ausgestrahlte Film „Blutapfel“ nach einer Romanvorlage von Till Raether war ein äußerst ungewöhnlicher und mit Milan Peschel als hypersensibler Eigenbrötler perfekt besetzter Krimi. Die gegenüber der Vorlage notgedrungen stark reduzierte Story des zweiten Films ist erneut klasse: In den Kellern mehrerer Hamburger Schulen werden mumifizierte männliche Leichen gefunden, die dort schon seit Jahren lagern. Ein eigens eingeflogener Profiler soll das LKA unterstützen. „Neunauge“ (ZDF / Studio Zentral) ist schon allein wegen Peschel als zerknautschter Fallanalytiker eine Klasse für sich; seine gemeinsamen Szenen mit Sebastian Bezzel als Star-Gast sind ein großes Vergnügen. Raether-Fans werden womöglich bedauern, dass das Drehbuch den speziellen trockenen Humor der Romane nur bedingt trifft, aber davon abgesehen ist es sehr bedauerlich, dass das ZDF derzeit keine weiteren Verfilmungen plant.
02.05.2026
10:30
rbb
Reihe
Max Befort, Nemec, Goeres, Ungureit, Fürneisen. Anleitung zur Herzensbildung
„Der Prinz im Bärenfell“ erzählt von einem Beau, den erst ein Pakt mit dem Teufel erkennen lässt, wie leer sein Leben bei Hofe ist. Als haariges Halbwesen muss der Adelsspross binnen weniger Tage eine Frau finden, die ihn von Herzen liebt. Der Märchenfilm ist nicht nur reich an Handreichungen in Sachen Moral, er ist auch dramaturgisch und filmästhetisch nicht ohne Raffinesse. Der Schauplatz schenkt dem Film viel von seiner Atmosphäre: der Spreewald ist geradezu ein Sinn-Bild für eine märchenhafte Landschaft. Alle Gewerke haben gute Arbeit geleistet. Und Witz bis hin zu leiser Ironie & Selbstreferentialität hat das Ganze auch.
tittelbach.tv ist mir was wert








