4 Blocks Zero

Tariq Al-Saies, Tareq Nassery, Rami Fadel Khalaf, Bernd Lange, Yildirim, Tabak. Packendes Prequel der Hamadys

25.09.2026 10:00 HBO Max Streaming-Premiere
Foto: Warner Bros. / W&B TV / Julia Terjung
Foto Volker Bergmeister

Back to the Roots! Statt die Erfolgsgeschichte von „4 Blocks“ fortzusetzen, kehren die Macher mit dem achtteiligen Prequel „4 Blocks Zero“ (HBO Max / W&B Television) an den Ursprung zurück. Sie zeigen den Gangsterclan der Hamadys, bevor Macht und organisierte Kriminalität deren Leben bestimmt hat. So werden bekannte Figuren wie Ali „Tony“ Hamady, Abbas, Kemal oder Latif neu beleuchtet. Hinzu kommen Figuren wie Malik und Ibrahim, die den Grundstock für den Aufstieg der Familie zum einflussreichsten Clan Berlins gelegt haben. „4 Blocks Zero“ setzt in den 1990er-Jahren an und erzählt die Vorgeschichte der Familie, die im Spannungsfeld zwischen Bürokratie, Politik und gesellschaftlicher Ausgrenzung alles daransetzt, sich in Deutschland eine neue Existenz aufzubauen. Das ist packend erzählt, bewegend gespielt, hart und auch emotional. HBO Max wirbt mit dem Slogan „Der Anfang, den du nie gesehen hast“ und zeigt die acht Folgen ab 25. September immer freitags.

„4 Blocks“ war eine echte Erfolgsserie, räumte reihenweise Preise ab, wurde mit Klassikern wie „Gomorrha“ und „Die Sopranos“ verglichen und verhalf Kida Khodr Ramadan zum großen Karriereschub. Zwischen 2017 und 2019 liefen drei Staffeln, dann war Schluss. Knapp zehn Jahre nach dem Start der 1. Staffel ist die Serie wieder da. Aber nicht als Fortsetzung, sondern als Prequel, das die Vorgeschichte zu dem Gangsterepos um die arabische Familie Hamady erzählt. Die filmische Zeitreise geht zurück in die 1990er in Berlin. Die aus dem Libanon geflüchtete Familie Hamady versucht, sich in Deutschland eine neue Existenz aufzubauen. Der dominante, aber gutherzige Vater Malik (Rama Fadel Khalaf) arbeitet als ungelernter Koch, während er und seine vier Kinder Ali (Tareq Nasser), Abbas (Soufiane El Mesaudi), Marwan („Monty“ Alchltouh) und Amara (Siana Zayed) mit Vorurteilen und einem unsicheren Aufenthaltsstatus kämpfen. Noch ist Ali, der sich hier schon mit Vince Kerner (Luis Vorbach) anfreundet, weit entfernt von dem Toni Hamady, der später die Berliner Unterwelt beherrschen wird. Die Richtung ändert sich, als Maliks Schwager Ibrahim (Tariq Al-Saies) nach acht Jahren Haft nach Berlin kommt. Er saß im Libanon im Gefängnis, gelangt durch den Einfluss eines mächtigen Mannes nach Deutschland und muss für seinen „Befreier“ einen Mord begehen. Bald findet Ibrahim Gefallen am kriminellen Leben und mischt im Berliner Drogenhandel mit. Das ruft andere Clans auf den Plan, und so setzt Ibrahims Rückkehr eine Kettenreaktion in Gang, durch die die Familie Hamady immer tiefer in kriminelle Strukturen gerät. Malik kämpft um die Zukunft seiner Kinder und die Anerkennung als Flüchtlingsfamilie.

4 Blocks ZeroFoto: Warner Bros. / W&B TV / Julia Terjung
Mit ihren Werten noch im Einklang: Die aus dem Libanon geflüchtete Familie Hamady versucht, sich in Deutschland eine neue Existenz aufzubauen. Die Richtung ändert sich, als Maliks Schwager Ibrahim nach acht Jahren Haft nach Berlin kommt.

Funktioniert „4 Blocks Zero“ auch, wenn man die Ursprungsserie „4 Blocks“ nicht kennt? Ja. Die achtteilige Serie bietet eine packende und enorm dicht inszenierte Zeitreise in die 1990er Jahre Berlins, vor allem natürlich die vier Blocks in Neukölln, und ein hochemotionales Familienepos mit zahlreichen Handlungssträngen, die in einem gewaltigen und auch gewaltvollen Finale münden. Wer aber „4 Blocks“ kennt, der erhält mit „4 Blocks Zero“ noch mal einen anderen, weit tieferen Blick auf die Geschehnisse. Denn die Protagonisten der Serie von 2017 – Ali, Abbas und Latif Hamady sowie Vince Kerner – begegnen einem in einer jungen Version. Man erfährt, wie und warum aus dieser Familie der später gefürchtete Clan entsteht.

Aus dem großen Team der Regisseure und Autoren von „4 Blocks“ ist einzig Özgür Yildirim übrig geblieben. Der inszenierte in der Originalserie die zweite Hälfte der zweiten und die komplette dritte Staffel. Diesmal teilt er sich die Regie mit Hüseyin Tabak (der drehte zuletzt den bemerkenswerten WDR‑„Tatort – Siebte Etage“). Neuer Headautor ist Bernd Lange (schrieb die Serien „Das Verschwinden“ und „Blaumacher“ sowie zahlreiche „Tatort“-Krimis). Zum weiteren Autorenteam zählt auch Hassan Akkouch, der in „4 Blocks“ zum Schauspielensemble gehörte und den Maruf spielte. Erzähltechnisch ist „4 Blocks Zero“ kein so stark ausgeprägtes klassisches Organized-Crime-Drama wie das Original. Zwar gibt es auch schon das obligatorische Katz-und-Maus-Spiel mit der Exekutive, es gibt die vorhersehbaren Auseinandersetzungen mit rivalisierenden Gruppen innerhalb des Milieus. Vor allem ist das Prequel aber eine große Familiengeschichte. Eine Geschichte, die einen Vater zeigt, der um seine Kinder und das Bleiberecht in Deutschland kämpft, der schnell erkennt, dass sein Schwager Ibrahim diese Ziele gefährdet. Der will sein Geld mit Gewalt und Drogen verdienen. So geraten der Zusammenhalt und die Werte der Hamadys zunehmend unter Druck. Diesen Zwiespalt zwischen Familienloyalität und Erkennen von Unrecht treibt Malik in einen tiefen Konflikt, der das Herzstück der Serie bildet.

4 Blocks ZeroFoto: Warner Bros. / W&B TV / Julia Terjung
Probleme werden nicht lange ausdiskutiert. Es gilt das Recht des Stärkeren. „4 Blocks Zero“ ist keine Serie für Feingeister.

In den acht Folgen verdichten sich die diversen Handlungsstränge zunehmend. Wie im Original dominieren auch im Prequel massive Gewaltdarstellungen und auch die Glorifizierung des Gangstertums ist nicht zu übersehen; die Figur des Ibrahim steht dabei exemplarisch für diese ungebrochene Faszination. Bei den Hamadys übernimmt Familienoberhaupt Malik lange die Rolle der moralischen Institution. Er will seine Familie legal in Deutschland integrieren. Die Gefahren, die vor allem durch seinen Schwager Ibrahim lauern, sieht er wohl und sanktioniert dessen Verhalten auch. Aber den Einflüssen, denen seine Kinder ausgesetzt sind, der täglichen Diskriminierung, die sie erleiden, dem kann er kaum etwas entgegensetzen. Es ist ein Verdienst der Serie, dass sie Diskriminierung und Behördenwillkür gegen Flüchtlinge in den 1990er Jahren thematisiert, Parallelen zur Gegenwart herstellt und die Folgen der Ausgrenzung durch fehlende Arbeitserlaubnis und Bürokratismus aufzeigt.

„4 Blocks Zero“ arbeitet überwiegend mit bei uns noch wenig bekannten Gesichtern, die allesamt viel Frische in die Serie bringen: Tariq Al-Saies als Alis Onkel Ibrahim, Tareq Nassery als Ali, später ja bekannt als Toni Hamady, Rami Fadel Khalaf als Alis Vater Malik sowie Soufiane El Mesaudi als Alis Bruder Abbas führen das durchweg überzeugende Ensemble an, versuchen, gegen die üblichen Klischees anzuspielen, indem sie sehr präzise und wenig aufgeregt agieren. Das ist vor allem ein Verdienst der Schauspielführung durch die Regisseure Özgür Yildirim und Hüseyin Tabak. Ihnen gelingt es, feinfühlig und rau zugleich zu erzählen, wie die Familie Hamady in den Sog der Berliner Unterwelt gerät. Auch das Produktionsdesign hat ganze Arbeit geleistet. Das Berlin der 1990er Jahre ist bildlich vortrefflich eingefangen, die Hinterhöfe, der Boxklub, die Plattenbauten, die Straßen: Alles atmet die damalige Zeit und macht diese Zeitreise zu einem optischen Meisterwerk. Und der Sound unterstreicht die fiebrige Atmosphäre, die in „4 Blocks Zero“ über weite Phasen dominiert.

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HBO Max

Mit Tariq Al-Saies, Tareq Nassery, Rami Fadel Khalaf, Soufiane El Mesaudi, Fatima Khanfour, Almountaser „Monty“ Alchltouh, Siana Zayed, Mohammad Eliraqui, Luis Vorbach, Bella Dayne, Mohamed Kanj Khamis, Jule Hermann, Sevda Polat, Samir Salim, Enno Trebs, Mark Waschke

Kamera: Matthias Bolliger, Max Preiss Production Design (Szenenbild): Lars Lange Editor (Schnitt): Lars Jordan

Casting: Iris Baumüller

Musik: Stefan Will & Schallbauer

Redaktion: Anke Greifeneder (HBO Max)

Produktionsfirma: W&B Television

Produktion: Quirin Berg, Max Wiedemann, Marcus Welke

Headautor*in: Bernd Lange

Drehbuch: Bernd Lange, Bahar Bektaş, Natalie Zoghbi, Hassan Akkouch

Regie: Özgür Yildirim , Hüseyin Tabak

EA: 25.09.2026 10:00 Uhr | HBO Max

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