TV-Premieren im Oktober
und von den Wiederholungen nur das Beste
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Vergangene Ausstrahlungen im Oktober
10.10.2026
23:15
BR
Fernsehfilm
Mina Tander, Ulrich Brandhoff, Meisheit/Platz, Katja Benrath. Strahlkraft des Alltags
Eine Fliegerbombe bringt den Tag zweier Single-Eltern völlig durcheinander. Beide haben entscheidende Termine. Doch wohin mit den Kindern? Zweiteilen geht nicht, sich gegenseitig bei der Kinderbetreuung helfen schon. Doch es warten weitere Herausforderungen auf die Eltern. Von einem etwas anderen Freitag erzählt die etwas andere „Endlich Freitag“-Komödie „Ein Wahnsinnstag“ (ARD / Ester.Reglin.Film). Der Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg ist das einzig weltbewegende Ereignis; der Rest der Geschichte speist sich aus dem Alltag, den kleinen Dingen des Lebens. So winzig die narrative Saat, so wunderbar die filmische Ernte. „Ein Wahnsinnstag“ ist ein ganz & gar wohltuender Film – auch und gerade in Krisen-Zeiten wie diesen. Zum echten Feelgood-Erlebnis, das man trotz der Flüchtigkeit der Situationen nicht so schnell vergessen wird, werden die 90 Filmminuten aber weniger durch das Happy End, sondern durch die liebevolle Inszenierung und die stimmige Besetzung bis in die kleinste kölsch sprechende Nebenrolle. Die Zwölf-Stunden-Dramaturgie, die Einbindung der Kinder in Handlung & Spiel sowie Sympathieträger Tander & Brandhoff tun das Übrige.
09.10.2026
00:10
rbb
Fernsehfilm
Anna Schudt, Klare, Waschke, Maxeiner, Markus Herling. Im Innern einer (Ehe-)Frau
Ein Abend in einem Insel-Hotel. Plötzlich scheint da nur noch dieser Fremde zu sein. Der Alltag, der geliebte Ehemann, die Familie, alles ist ganz weit weg. Ein amüsantes Rollenspiel ersetzt den Sex. Doch dann bleibt dieser Mann kein Fremder mehr, taucht plötzlich auf im Leben dieser Frau, die bisher immer alles unter Kontrolle hatte… „Zwischen zwei Herzen“ erzählt keine jener klassischen Dreiecksgeschichten, die zeigen, wie unergründlich die Wege der Liebe sein können, sondern der (lebens)kluge Film bleibt sehr viel offener für einen Beziehungsdiskurs, indem er mehr der Liebe in Gedanken Ausdruck verleiht. Die amourösen Möglichkeiten werden in einem präsexuellen Stadium durchgespielt. Die Inselerfahrung der Hauptfigur schleicht sich nicht nur in deren Leben, sondern sie findet auch eine ästhetische Entsprechung, die sich in einem wunderbaren Erzählfluss spiegelt. Realität und Poesie gehen Hand in Hand: Kamera, Montage, Ton, Szenenbild, Kostüm, Musik – alles ist stimmig und gerät äußerst stimmungsvoll. Das gilt auch für die prominente Besetzung mit den „Tatort“-Köpfen Felix Klare, Mark Waschke und der einzigartigen Anna Schudt.
09.10.2026
05:30
ARD-Mediathek
Reihe
Streaming-Premiere
Bagriacik, Schuch, Stangenberg, Schelker, Dippe, Geršak, Lars Kraume. Mila Şahin tritt aus Borowskis Schatten
Lars Kraume dreht den Kieler „Tatort“ auf links: mit einem rauen, wenn auch nicht übermäßig raffinierten Krimidrama um Korruption und Organisierte Kriminalität sowie neuen, interessanten Figuren an der Seite der eindrucksvoll aufspielenden Almila Bagriacik als Kommissarin Mila Şahin. In dem Zweiteiler „Unter Freunden / Unter Feinden“ darf sie endlich aus dem langen Borowski-Schatten treten. Damit ändern sich Tonlage, Psychologie und Dynamik grundlegend. Der Kieler „Tatort“ verliert zwar mit dem kauzigen Eigenbrötler Borowski seinen eigenwilligen Humor, wirkt zum Auftakt aber schneller, härter und zeitgemäßer. Und natürlich weiblicher: Karoline Schuch als Polizeipsychologin Elli Krieger und neue Partnerin von Mila Şahin wird hier behutsam eingeführt – das neue Team nimmt in einer Art Kammerspiel im zweiten Teil Formen an. Klasse Gastspiele bieten auch Lilith Stangenberg und Sven Schelker.
09.10.2026
Mit dem Holocaust-Kammerspiel „Phoenix“ begibt sich Gegenwartserzähler Christian Petzold tief in die Abgründe der deutschen Geschichte. Er erzählt von einer jüdischen Frau, die das Konzentrationslager schwer verletzt und entstellt überlebt hat und sich im Sommer 1945 ins Leben zurückarbeiten muss. Petzold verzichtet auf die gewohnten Authentifizierungsbilder, setzt dafür mit coolen „Vertigo“- und „Dark Passage“-Variationen auf einen Raum, den das Kino geschaffen hat, und auf Nina Hoss, die dem zerstörten Selbst eine Größe verleiht, die über das Einzelschicksal hinausweist. Ein klassisches Film-Noir-Melodram, das dem geistigen Klima der Stunde Null näher kommt als viele sogenannte „Aufarbeitungsfilme“, indem es die gesellschaftlichen Widersprüche jener Jahre auf eine Dreier-Konstellation klug herunterbricht. (Da es gute Kino-Kritiken gibt, verzichtet ttv auf einen eigenen Text.)
09.10.2026
20:15
ARD
Reihe
TV-Premiere
Urspruch, Grandezka, Heyer, Hegenbarth, Amft, Torsten Lenkeit, Josh Broecker. Der übliche Familienwahnsinn
Die ARD-Tochter Degeto hat offenkundig großes Zutrauen in die Freitagsreihe „Einspruch, Schatz!“ (W&B Television) mit ChrisTine Urspruch als Leipziger Rechtsanwältin: Die aktuelle Staffel umfasst erstmals gleich vier Episoden. Die Qualität der einzelnen Filme ist allerdings durchwachsen. Ausgerechnet der Auftakt („Hundeliebe“) ist der schwächste Beitrag, weil die Figuren fast ausnahmslos „drüber“ sind, die Darbietungen noch eins drauf setzen und die Handlung bis ins Detail erwartbar ist. Die Verknüpfung der jeweiligen juristischen Fälle mit der familiären Ebene ist in allen Filmen selten plausibel. Einige Themen sind allerdings interessant: In „Kindersegen“ verklagt ein Sohn seine Mutter, eine „Momfluencerin“, weil sie gegen seine Persönlichkeitsrechte verstößt. In „Kavaliersdelikt“ muss sich Eva Schatz in eigener Sache verteidigen: Beim Kaufhausbesuch hat ihr jemand ein teures Collier in die Handtasche gesteckt. Und „Rosenkrieg“ erzählt von einem Scheidungszwist mit vertauschten Rollen: Eine erfolgreiche Frau will verhindern, dass ihr Mann bei der Trennung das halbe Vermögen bekommt.
09.10.2026
20:15
3sat
Fernsehfilm
Janina Fautz, Lehmann, Kirchner, Fetscher. Wurzeln der Friedlichen Revolution
„Die unheimliche Leichtigkeit der Revolution“ (MDR, Degeto, BR / UFA Fiction) schildert ein bislang kaum erzähltes Kapitel der ostdeutschen Geschichte der 1980er Jahre. Der poetisch-kraftvolle Titel wurde von Peter Wensierskis faktenreichem Sachbuch übernommen. Der renommierte Autor Thomas Kirchner hat es für sein Drehbuch frei fiktionalisiert. Um die Umwelt zu retten, mussten die jungen Leute den Staat stürzen, bringt es Kirchner auf den Punkt. Aus einer kirchlichen Umweltgruppe wurden politische Aktivisten. Erfreulicherweise wird auf eine übermäßige Dramatisierung des Stoffs verzichtet. Das Unrecht des Staates schwingt zwar mit, aber im Zentrum stehen die jungen Bürgerrechtler. Emotional getragen wird „Die unheimliche Leichtigkeit der Revolution“ entsprechend von der jugendlichen Euphorie der Bewegung, der mit großer Sympathie begegnet wird. Indem Kirchner & und Regisseur Andy Fetscher auch den jugendlichen Leichtsinn „authentisch“ nachzeichnen, legt sich die titelgebende Leichtigkeit der Revolution über die Geschichte und lässt so das Naiv-Konventionelle an der Heldengeschichte vergessen. Entsprechend mitreißend spielt Janina Fautz die weibliche Hauptfigur als frech-frische Verkörperung des Prinzip Hoffnung.
09.10.2026
20:15
HR
Reihe
Foroutan, Hasanovic, Eggert, Halilbašić, Ostermann. Verzweifelte Suche nach einem verschwundenen Kind
Im zweiten Fall des neuen Frankfurter „Tatort“-Teams ist Kommissarin Maryam Azadi (Melika Foroutan) die letzte Hoffnung für eine verzweifelte Mutter (Maren Eggert). Vor sechs Jahren verschwand deren Tochter spurlos. Allein die Spezialistin für Altfälle hat den Fall bei der Polizei noch auf dem Schirm, doch eigene, verhängnisvolle Ermittlungen bringen die Mutter schwer in Bedrängnis. Hinter dem Vermisstenfall verbirgt sich ein tiefgreifendes Drama mit unerwarteten Wendungen, und Regisseur Rick Ostermann macht dem Episoden-Titel „Licht“ bei seiner facettenreichen Inszenierung alle Ehre. Azadi und ihr neuer Kollege Hamza Kulina (Edin Hasanovic) tragen einen ersten Konflikt aus und festigen zugleich ihre Zusammenarbeit. So entwickelt sich die vielversprechende Kombination des Ermittler-Duos behutsam weiter.
09.10.2026
23:55
ARD
Serie & Mehrteiler
TV-Premiere
Elisa Hofmann, Purnima Grätz, Linda Chang, Stefanie Ren, Mia Spengler. Hier passieren seltsame Dinge
Die optisch und inhaltlich reizvolle Mystery-Serie „House of Yang“ (SWR / Wood Water) spielt in einem düsteren Schwarzwaldhaus. Hier sind 1949 und 1999 auf überaus rätselhafte Weise zwei Mädchen verschwunden. Als eine Frau nach vielen Jahren zurückkehrt, um das Anwesen zu verkaufen, widerfährt ihrer Tochter das gleiche Schicksal. Der besondere Reiz der sechs Episoden liegt in der verschachtelten Erzählweise, weil sich die verschiedenen Zeitebenen ständig überlagern. Musik und Sounddesign sorgen für allerlei Gänsehautmomente, Szenenbild und Bildgestaltung sind sehenswert. Das Ende ist allerdings etwas unbefriedigend, weil allzu viele Fragen offen bleiben.
08.10.2026
12:35
MDR
Kinofilm
Kämmerer, Gerhardt, Toma, Jan Martin Scharf. Breakdance-Helden aus der Heimat
Das Private wird politisch! Im Mittelpunkt der Tanzfilm-Komödie „Dessau Dancers“ steht eine Bewegung, die 1985 auch in der DDR durch das Filmmusical „Beat Street“ ausgelöst worden ist: Hinterhöfe werden zur Bronx, weil sich Jugendliche auf ausgebreiteten Pappkartons als Breakdancer probieren. Die Charaktere sind zwar eher unterkomplex, jedoch findet Regisseur Jan Martin Scharf („Club der roten Bänder“) dank des Drehbuchs von Ruth Toma die perfekte Balance zwischen Musical, Jugenddrama, Komödie und Romanze.
08.10.2026
20:15
One
Fernsehfilm
Martina Gedeck, Ulrich Tukur, Rauhaus, Kaufmann. Irgendwann war die Luft raus
Endlich sind sie wieder vereint: Rainer Kaufmann (Regie) und Martin Rauhaus (Buch) knüpfen mit ihrer bissigen Ehekomödie an ihr boshaft-heiteres TV-Drama „Ein starker Abgang“ mit Bruno Ganz als Menschenfeind an. Was sich die beiden Hauptfiguren an den Kopf werfen, obwohl sie eigentlich im Guten auseinander gehen wollen, ist von ausgesuchter Bösartigkeit. Die Inszenierung ist dagegen eher konventionell. „Und wer nimmt den Hund?“ (Degeto / Relevant) lief zwar im Kino, wo der Film rund 250.000 Besucher hatte; ursprünglich aber ist er fürs Fernsehen entstanden. Das erklärt womöglich die wie eine TV-Doku gestaltete überflüssige Rahmenhandlung, in der das Paar seine Befindlichkeiten in die Kamera schildert. Andererseits hat „Und wer nimmt den Hund?“ tatsächlich einen gewissen dokumentarischen Charakter, weil Rauhaus die gegenseitigen Vorwürfe dem Leben abgeschaut hat.
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