TV-Premieren im Juni
und von den Wiederholungen nur das Beste
29.06.2026
20:15
ZDF
Reihe
Potthoff, Knaup, Euler, Strauss, Matthes, Striesow, Theede. Superwoman packt es an
„Sarah Kohr“ prügelt sich durch ihren nächsten Fall, sucht „Das verschwundene Mädchen“ (ZDF / die film gmbh) und will gleichzeitig ein Attentat verhindern. Der dritte Einsatz der taffen, eigensinnigen Ermittlerin, mit vollem Körpereinsatz gespielt von Lisa Maria Potthoff, ist ein klassischer Action-Thriller, mit einer klaren Erzählstruktur, die auf einen Showdown hinsteuert. Die Story ist passgenau zugeschnitten auf die titelgebende Hauptfigur. Christian Theede hat den Krimi temporeich, mit gut getimten Actionszenen und starken Hamburg-Bildern in Szene gesetzt. Hier wird weniger auf Psychologie gesetzt, sondern deutlich auf Physis, kein böser Bube ist Sarah ebenbürtig, wenn sie einstecken muss, dann steht sie kurz darauf schon wieder auf. Sowas gibt’s nicht alle Tage. Und auch der Cast ist erste Sahne!
29.06.2026
22:00
HR
Reihe
Neuhauser, Krassnitzer, Stipsits, Lomot/Buchschwenter, Kopriva. Zum Platzen gespannt
Muskelberge, schwarzer Humor, ein Hauch von James Bond und eine Liebesgeschichte für Bibi: „Pumpen“, die 23. gemeinsame, betont physische „Tatort“-Folge mit Harald Krassnitzer und Adele Neuhauser, führt ins Umfeld eines Fitness-Studios, in dem eine „Balkan-Connection“ ihr Unwesen treibt. Polizei-Sidekick Fredo Schimpf (Thomas Stipsits) trumpft mit einem schmerzhaften Undercover-Einsatz auf, und auch Majorin Bibi Fellner ist diesmal mehr als die einsame Alkoholikerin an der Seite ihres Freundes Moritz Eisner. Der Fall lebt wie gewohnt vom unterhaltsamen Zusammenspiel der Ermittler und dem hier teilweise besonders makabren österreichischen Zungenschlag. Die Leichen-Bilder eines vom Zug überrollten Mannes sind allerdings grenzwertig, und Albaner sind, was sie im deutschsprachigen Fernsehen fast immer sind: kriminell oder arm.
29.06.2026
22:15
ZDF
Reihe
Sophie Pfennigstorf, Held, Franken, Lars Henning. Mitgefühl mit einem Monster
Ein Mann hat zwei Schwestern entführt. Die eine hat einen Fluchtversuch nicht überlebt, die andere ist in einem Kellerloch gefangen: Es gab schon originellere Krimistoffe. Das gilt auch für die Rolle der Kommissarin: Das Prädikat „unkonventionell“ ist mittlerweile ziemlich abgenutzt. Trotzdem ist die 21. „Stralsund“-Episode mehr als bemerkenswert, und das nicht nur, weil Lars Henning die personelle Umbesetzung der Hauptfigur mit Sophie Pfennigstorf als Nachfolgerin von Katharina Wackernagel für einen Neustart nutzt: Der Mörder (Christoph Franken) und die Kommissarin sind sich ähnlicher, als ihr lieb ist. Die Kameraarbeit ist ausgezeichnet, die Bilder sind genauso düster wie die Geschichte, aber sehenswert ist „Der lange Schatten“ (ZDF / Network Movie) vor allem wegen des zentralen Duos, dem der Autor-Regisseur eine exakt in der Mitte beginnende zehnminütige Schlüsselszene widmet.
29.06.2026
23:45
rbb
Reihe
Becker, Waschke, Trabner, Darnstädt, von Castelberg. Zermürbender Polizei-Alltag
Ein Routine-Einsatz wegen Ruhestörung endet in einem Blutbad. Die „Tatort“-Episode „Der gute Weg“ (RBB / Real Film) thematisiert mit einem klassischen Krimistoff und einer starken Hauptfigur, dem Streifenpolizisten Harald Stracke (Peter Trabner), den zermürbenden Polizei-Alltag. Das Drehbuch von Christoph Darnstädt bietet überraschende Wendungen, auch wenn nicht jedes Detail schlüssig erscheint. Spannend eingebaut wird auch der Mutter-Sohn-Konflikt zwischen Kommissarin Rubin und ihrem Sohn Tolja, der als Polizei-Praktikant beinahe selbst zum Opfer geworden wäre. Und Karow kriegt hier mal richtig Contra. Eine ebenso dichte wie finstere, atmosphärisch überzeugende Krimi-Tragödie aus Berlin.
29.06.2026
23:50
ARD
Reihe
Hartmann, Reinsperger, Werner, Sebastian Ko. Ein Baseballschläger wirkt Wunder
Anders als Anna Schudt, die vor zwei Jahren ohne Vorwarnung mit dem Tod ihrer Martina Bönisch aus dem „Tatort“ Dortmund ausschied, nimmt in „Cash“ (WDR / Bavaria Fiction) Rick Okon Abschied von seiner Rolle Jan Pawlak, der mächtig leiden muss bei seinem Abgang. Und auch sonst hat sich Autor Jürgen Werner einiges einfallen lassen: Er hat KTU-Kotzbrocken Haller zurückgeholt und einen weiteren Lieblingsfeind von Faber, der mal wieder in seinem provokant-sarkastischen Element ist, und nach einer Filmstunde sorgt Werner für eine dramaturgische Wende, die Vieles vom bisher Erzählten in Frage stellt, ja sogar umwertet – was erzähllogisch durchaus stimmig ist. Einen nachhaltigen Eindruck hinterlässt dieser „Tatort“ nicht zuletzt auch durch die ebenso dynamische wie kompakte, einfalls- und abwechslungsreiche Inszenierung von Sebastian Ko. Und die Krönung ist eine Szene, in der Faber seiner jungen Kollegin zeigt, wie sich Druck abbauen lässt. Spätestens nach dieser Szene weiß man, dass hier ein Klasse-Ermittler-Duo zusammenwächst.
30.06.2026
12:55
SWR
Fernsehfilm
Hübchen, von Borsody, Trepte, Schwiers, Rowitz. Eine verrückte kroatische Hochzeit
Sie kennen sich kaum und wollen schon heiraten – traditionell kroatisch. Für die deutschen Brauteltern ein Schlag ins Gesicht der Emanzipation. Es gibt noch mehr Gründe, die Hochzeit abzublasen. „Rat mal, wer zur Hochzeit kommt“ ist eine Heiratskomödie, in der anfangs ethnische Gegensätze und tief verwurzelte kulturelle Vorurteile den Ton angeben. Später setzt sich die Romantik gegenüber der Ironie durch. Trotz kleiner Tonlagen- und Dramaturgie-Problemen ein gelungener, telegener Spaß – getragen vom großartigen Ensemble.
30.06.2026
20:15
3sat
Reihe
Michelsen, Schmeide, Stauch, Wieland. „Machen Sie den Oberkörper frei, Frau Brasch“
Am Fuße des Brocken erwartet Kommissarin Brasch ein Schreckensszenario wie aus dem Mittelalter. Eine Frau wurde verbrannt, nachdem ihr Kopf mit Schädelschrauben zum Platzen gebracht wurde… Wenn der realistische, vernunftgesteuerte Fernsehkrimi mit dem Mystery-Genre, mit Mythologie, surrealem Schrecken und schwarzer Magie schwanger geht, dann ist das eine Herausforderung für die Macher. Denn weder darf der Plot als völliger Humbug, noch das atmosphärische Beiwerk als aufgesetzter Schauer-Effekt empfunden werden. Außerdem hat man die Krimi-Puristen im Nacken, die es prinzipiell lieber (krimino)logisch als assoziativ und genregemixt mögen. Der „Polizeiruf 110 – Hexen brennen“ (MDR / filmpool fiction) nimmt alle diese Hürden. Weil der Film seine seltsame, fremde Welt als einen in sich geschlossenen Mikrokosmos darstellt. Weil viele Konventionen des Ermittler-Krimis außen vor bleiben. Weil Brasch/Michelsen die Zuschauer (vielleicht sogar besagte Krimi-Puristen) mitnimmt und dem mysteriösen Geschenen mit großer Offenheit begegnet, den Teufel-Hexenzauber also nicht sofort als Spuk abtut. Aber auch, weil Autor Wolfgang Stauch und Regisseurin Ute Wieland schräge Miniaturen und eine grandiose Exposition liefern und sie die Geschlechterkampfzone köstlich ins Hinterwäldlerische verschieben.
30.06.2026
20:15
WDR
Reihe
Koch, Broich, de Paris, Hammelstein, Petra Lüschow. Männergewalt & Frauenpower
Starke Frauen, schwarzer Humor, aber die Balance zwischen Komik und Spannung gelang dem Frankfurter „Tatort“ schon mal besser. In „Wer zögert, ist tot“ (HR), der 13. Episode mit Margarita Broich und Wolfram Koch, wird der Sohn eines vermögenden Wirtschaftsanwalts entführt. Allerdings glaubt der Vater, sein Sohn habe die Entführung selbst inszeniert. Die Ermittler bleiben diesmal eher blass und entwickeln sich etwas rätselhaft weiter, was leider auch in einem Krimi, bei dem es nicht um „vordergründigen Realismus“ (Lüschow) geht, lieblos wirkt. Dafür hat Zazie de Paris alias Fanny, Brix‘ befreundete Vermieterin, einen Undercover-Einsatz in einem Studio, das Selbstverteidigungs-Kurse für Frauen anbietet.
30.06.2026
20:15
ZDF
Reihe
Natalia Wörner, Herforth, Brambach, Werlinder, Holt, Kennel. Menschliche Abgründe
Die 19. Episode der ZDF-Reihe „Unter anderen Umständen“ (Network Movie) beginnt als Krimi, in dem Jana Winter (Natalia Wörner) und ihr Team den Mörder eines kleinen Jungen suchen. Dann jedoch wandelt sich „Mutterseelenallein“ mehr und mehr zum packenden Thriller, denn der Täter lässt sich von einer Fan-Gemeinde im Chatforum zu weiteren Morden anstacheln. Der Film trägt seine Botschaft nicht plakativ vor sich her, aber sie wird auch so deutlich: Es geht um die menschlichen Abgründe, die sich im dunklen Teil des Internets (und beileibe nicht nur dort) offenbaren. Seine emotionale Wirkung und natürlich auch seine Spannung bezieht das von Regisseurin Judith Kennel auf gewohnt hohem handwerklichen Niveau umgesetzte Drehbuch (Zora Holt) vor allem aus der persönlichen Betroffenheit der Teammitglieder. Darstellerisch ist die Reihe ohnehin zuverlässig sehenswert.
30.06.2026
22:00
NDR
Reihe
Nina Kunzendorf, Joachim Król und der Mord zu Beginn ist Schnee von gestern
Das neue Frankfurter „Tatort“-Duo führt sich mit einem Nicht-Fall ein, der sich zu einem spannenden Krimi-Drama mit Thriller-Momenten auswächst. Es ist ein Einsatz ins Leere, ins Dunkel der Nacht. Umso größer die Präsenz der beiden Kommissare: Nina Kunzendorf gibt das beste (Jung-)Pferd im Stall, vital, wuchtig, sexy, während Joachim Króls egomanischer Ermittler seine großen Zeiten hinter sich hat. Charakter- & atmosphärestarker Auftakt nach Maß, der deutlich macht, dass der HR im „Tatort“ alles sein will außer durchschnittlich.
Vergangene Ausstrahlungen im Juni
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