TV-Premieren im Oktober
und von den Wiederholungen nur das Beste
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Vergangene Ausstrahlungen im Oktober
03.10.2026
10:00
ZDF-Stream
Reihe
Streaming-Premiere
Marie-Lou Sellem, Johannes Hegemann, Grundig, Hartwig, Hoenisch. Ermitteln mit dem One-Night-Stand
Das ZDF hat mit „Frankfurt Mord“ (Olga Film) offenbar im Sinn, neben „München Mord“ eine weitere launige Metropolen-Krimi-Reihe zu etablieren, ohne die Münchner zu kopieren. Das weißblaue Beziehungsmuster hat man denn auch gleich komisch variiert: Es ermitteln nicht zwei ewige Singles, bei denen es über das sich anziehend finden, nicht hinausgeht, sondern zwei, die nach einem One-Night-Stand gemeinsam auf Mördersuche gehen müssen. Sie ist eine erfahrene Frau und Polizistin, als deutsche Jüdin, ethisch-sozial geerdet, er ein stets gutgelaunter Frischling, emotional offen für mehr. Das launige Beziehungsprinzip verfängt im Verlauf der 90 Minuten immer besser. Marie-Lou Sellem und „Olivia“-Darsteller Johannes Hegemann sind ein Top-Duo. Weniger gelungen ist in „Ein neues Leben“ der dramaturgische Umgang mit dem interessanten Themenkomplex Kinderwunsch vs. Embryonenschutzgesetz.
03.10.2026
10:00
ZDF-Stream
Serie & Mehrteiler
Streaming-Premiere
Lisa-Marie Koroll, Max Riemelt, Simina, Kortlang, Nolting, Scharf, Lea Becker. Wenn Albträume wahr werden
Auf einer Nordseeinsel kommt eine junge Frau dem Geheimnis ihrer Geburt auf die Spur – und schließlich gefährlich nah. Sie gerät zwischen zwei Welten – und plötzlich schlüpfen vor ihren Augen Doppelgänger der Insulaner aus dem Watt. Wer soll ihr diese abstruse Wiedergänger-Story glauben? Und was hat sie selbst mit dieser Invasion zu tun? „Die Düsteren“ (ZDF / Network Movie, Studio Zentral) ist keines jener episch angelegten, raunenden Serien-Monster. Diese Mystery-Thriller-Serie, die die genreüblichen philosophischen Light-Subtexte mitliefert („Wer bin ich und wieviele?“), ist über ihre 270 Minuten vor allem eines: spannend. Dafür gibt es viele Gründe. Die Serie hat die richtige Länge. Die Narration ist straff, klar strukturiert, es gibt keine überflüssigen Nebenplots. Nie tappt man zu lange im Dunkeln, Rückblenden verdichten die Handlung der Gegenwart und charakterisieren gleichsam Original und Doppelgänger. Die Insel als Schauplatz ist ebenfalls ideal. Überraschend gut funktioniert auch der Wechsel zwischen Realitätsnähe und Mystery-Anmutung. Hinzu kommt eine stimmungsvoll-atmosphärische Inszenierung. Und schließlich Lisa-Marie Koroll, die zeigt, dass sie nicht nur Alltagscodes junger Leute bedienen, sondern auch eine komplexe Mystery-Serie als Identifikationsfigur tragen kann.
03.10.2026
12:25
3sat
Fernsehfilm
von Kessel, Sadler, Mittermeier. Zeitgeschichtlich & gesellschaftspolitisch relevant
Das ZDF zeigt mit dem Liebesdrama „Zwischen den Zeiten“ einen sehr besonderen und richtig guten „Herzkino“-Film: Eine Mitarbeiterin der Stasi-Behörde wird mit einem fast dreißig Jahre zurückliegenden Ereignis konfrontiert, das nun zum zweiten Mal ihr Leben verändert. Gerade für den Sendeplatz am Sonntagabend, den das „Zweite“ in der Regel mit Zeitvertreibsfernsehen gestaltet, ist dieses Liebesdrama mit großem zeitgeschichtlichem Anteil höchst ungewöhnlich. Würdiger & ausgezeichnet besetzter Film für einen 9. November.
03.10.2026
14:20
3sat
Fernsehfilm
Katharina Wackernagel, Peter Schneider, Silke Zertz. Zwei, die die Sehnsucht lieben
Es ist Liebe auf den ersten Blick, als sich West-Elke und Ost-Gregor 1971 in Halle begegnen. Es ist der Beginn einer nicht immer glücklichen, aber sehnsüchtigen, mindestens 25 Jahre währenden Liebe. Oder kann das überhaupt Liebe sein, wenn man sich nur ein paar Tage im Jahr sieht? „Jedes Jahr im Juni“ ist ein schöner, dramaturgisch ungewöhnlicher Liebesfilm, der bald Zeitgeist und Nostalgie hinter sich lässt, um die Phasen der Liebe zu beschwören. Wackernagel strahlt wundervoll, Schneider empfiehlt sich für weitere Aufgaben in der ersten Reihe. Der Film hat in den besten Momenten etwas von Linklaters „Before…“-Trilogie.
03.10.2026
14:30
ARD
Fernsehfilm
Martina Gedeck, Ulrich Tukur, Rauhaus, Kaufmann. Irgendwann war die Luft raus
Endlich sind sie wieder vereint: Rainer Kaufmann (Regie) und Martin Rauhaus (Buch) knüpfen mit ihrer bissigen Ehekomödie an ihr boshaft-heiteres TV-Drama „Ein starker Abgang“ mit Bruno Ganz als Menschenfeind an. Was sich die beiden Hauptfiguren an den Kopf werfen, obwohl sie eigentlich im Guten auseinander gehen wollen, ist von ausgesuchter Bösartigkeit. Die Inszenierung ist dagegen eher konventionell. „Und wer nimmt den Hund?“ (Degeto / Relevant) lief zwar im Kino, wo der Film rund 250.000 Besucher hatte; ursprünglich aber ist er fürs Fernsehen entstanden. Das erklärt womöglich die wie eine TV-Doku gestaltete überflüssige Rahmenhandlung, in der das Paar seine Befindlichkeiten in die Kamera schildert. Andererseits hat „Und wer nimmt den Hund?“ tatsächlich einen gewissen dokumentarischen Charakter, weil Rauhaus die gegenseitigen Vorwürfe dem Leben abgeschaut hat.
03.10.2026
20:15
ZDF
Reihe
TV-Premiere
Lansink, Jankowsky, Korittke, Meeden, Fautz, Windolf, Mariann Kaiser, Britta Keils. Das riecht nach Mord
Der bis auf Prolog und Finale entspannt inszenierte, aber sehr clever konzipierte „Wilsberg“-Krimi „Einfach weg“ (ZDF / Warner Bros.) beginnt mit dem vermeintlichen Tod des Privatdetektivs aus Münster und erzählt dann in langer Rückblende eine zunehmend komplexe Geschichte: Ein ehemaliger Fußballprofi hat sich vier Tage vor seiner Hochzeit angeblich nach Bali abgesetzt, ein windiger „Finfluencer“ hat es auf fragwürdige Weise zu viel Geld gebracht, eine Alibi-Agentur mischt ebenfalls mit.
03.10.2026
22:00
rbb
Fernsehfilm
Charly Hübner, Peschel, Matthes, Beyer, Schwochow. „Die Grenze ist mein Leben.“
Der Fall der Mauer als historische Groteske: „Bornholmer Straße“ erzählt von dem Oberstleutnant, der am 9. November 1989 letztlich auf eigene Faust die Grenze öffnete. Ein Helden-Stück zum Jahrestag aus ungewöhnlicher Perspektive, komisch und leicht statt pathetisch und schwer. DDR-Grenzer einmal anders, als tragische Figuren in einer Polit-Farce. Herrlich absurde Dialoge, eine packende Inszenierung und ein großartiges Ensemble neben dem wunderbar lakonischen Charly Hübner in der Hauptrolle. Christian Schwochow („Der Turm“) hat das Drehbuch seiner Eltern Heide und Rainer Schwochow inszeniert.
03.10.2026
22:00
ZDF
Reihe
Anna Loos, David A. Hamade, Tristan Seith, Friedemann Fromm. Teile und herrsche
In der preiswürdig guten Episode aus der Krimireihe mit Anna Loos deckt die Hamburger LKA-Kommissarin eine aus Russland gesteuerte Verschwörung auf. Dank des exzellenten Drehbuchs von Friedemann Fromm ist „Todesmut“ (ZDF / Network Movie) geradezu exemplarisch für die Kunst, ein Anliegen als packenden Thriller zu erzählen: Vordergründig will Helen Dorn zwei Frauen vor schießwütigen Killern beschützen, aber letztlich beschreibt der dreifache Grimme-Preisträger, wie aus Moskau gesteuerte Medien unsere Gesellschaft getreu der Devise „Teile und herrsche“ mit Hilfe von „Fake News“ sowie Manipulation spalten und radikalisieren. Die Relevanz ist unverkennbar, aber abgesehen von einer plakativen Ausnahme trägt der zudem um diverse Subthemen ergänzte und bildgestalterisch wie auch musikalisch herausragende Film seine Botschaft nicht vor sich her.
03.10.2026
23:15
MDR
Serie & Mehrteiler
Nadja Uhl, Fabian Hinrichs, Merten, Haberlandt, Loose. Unvollendetes Zusammenwachsen
Historisches Krimi-Drama aus dem frisch vereinten Berlin: In der sechsteiligen Serie „ZERV – Zeit der Abrechnung“ (MDR, Degeto – Gabriela Sperl, Wiedemann & Berg) raufen sich eine lebhafte Kommissarin (Ost) und ein Besserwessi-Ermittler im Kampf gegen alte Seilschaften, verdrängte Verbrechen der SED-Herrschaft und geheime deutsch-deutsche Waffengeschäfte zusammen. Die Hauptrollen sind nicht allzu überraschend besetzt, aber Nadja Uhl und Fabian Hinrichs sind als gegensätzliches Paar gewohnt sehenswert. Hinter dem sperrigen Titel verbirgt sich die wenig bekannte „Zentrale Ermittlungsstelle für Regierungs- und Vereinigungskriminalität“ (1991-2000). Regisseur Dustin Loose inszeniert das spannende Drehbuch mit Sinn für die tragikomischen Seiten deutsch-deutscher Konfrontation, die Montage überzeugt mit viel Gefühl für Rhythmus und Tempowechsel. „ZERV“ ist auch dank Musik, Ausstattung und Kostümen eine unterhaltsame Zeitreise in die 1990er Jahre.
03.10.2026
23:30
rbb
Fernsehfilm
Susanne Bormann, Jan Krauter, Krause/Fraunholz, Ed Herzog. Gehen oder bleiben?
Die deutsche Teilung als historisches Beinahe-Echtzeit-Drama: Am 13. August 1961 macht die DDR die Grenzen dicht, und viele Reisende im Interzonenzug von München nach Ost-Berlin haben somit im Fernsehfilm „3 ½ Stunden“ (Degeto / Real Film, Amalia Film) die letzte Gelegenheit, in den Westen zu flüchten. Die Schicksalsfrage – Bleiben oder Neuanfang im anderen System? – auf den Handlungsraum eines Zuges zu konzentrieren, ist eine bestechende Drehbuch-Idee (Robert Krause, Beate Fraunholz). Die filmische Fahrtzeit im ARD-Eventfilm zum 60. Jahrestag des Mauerbaus beschränkt sich auf knapp zwei Stunden, die vollgepackt sind mit Familien- und Liebes-Dramen, zeitgeschichtlichen Bezügen und einer eher überflüssigen Krimi-Nebenhandlung. Das von Ed Herzog temporeich inszenierte und von Ngo The Chau herausragend fotografierte Ensemble-Drama hat überzeugende Darstellerinnen und Darsteller (Bormann, Wilbusch, Schneider, Kokisch, Feifel, Triebel), eine spezielle musikalische Note (Alli Neumann), Sechziger-Jahre-Zeitkolorit und die notwendige Dosis Eisenbahner-Romantik zu bieten. Eine Geschichtsstunde der unterhaltsamen Art.
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