TV-Premieren im Oktober
und von den Wiederholungen nur das Beste
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Vergangene Ausstrahlungen im Oktober
02.10.2026
00:55
Arte
Kinofilm
Harfouch, Schnöink, Lüdicke, Katharina Marie Schubert. Fremd im eigenen Land
„Das Mädchen mit den goldenen Händen“ (MDR, Arte, HR / if…), das Regiedebüt der Schauspielerin Katharina Marie Schubert, beginnt mit einem runden Geburtstag: Lehrerin Gudrun (Corinna Harfouch) wird sechzig. Die Feier findet im Saal jenes seit Jahren leerstehenden Kinderheims statt, in dem sie einst aufgewachsen ist. Mit der guten Laune der Jubilarin ist es schlagartig vorbei, als sie erfährt, was offenbar bereits jeder weiß: Der Bürgermeister (Jörg Schüttauf) will das Gebäude verkaufen; Investoren aus dem Westen sollen ein Hotel daraus machen. Geschickt verknüpft Schubert fortan Gudruns Geschichte mit typischen Ost/West-Konflikten. Bei der Umsetzung ihres Drehbuchs hat sie sich vor allem auf die Arbeit mit dem vorzüglichen größtenteils ostdeutschen Ensemble konzentriert. Lange Einstellungen und statische Kamera lassen die Inszenierung sehr reduziert wirken.
02.10.2026
05:30
ARD-Mediathek
Reihe
Streaming-Premiere
Ulrike Folkerts, Lisa Bitter, Scheidweiler, Schneeweiß, Schnack, Martin Eigler. Echtzeit-Krimi voller Thrill
Lena Odenthal und Johanna Stern haben nicht länger Zeit zur Lösung ihres neuen Falls als die Zuschauer, die sie dabei begleiten: „Tatort – Explosive Mischung“ (ARD / SWR) ist ein Echtzeit-Krimi, spielt komplett im Verlauf einer einzigen Nacht, die Handlung dauert genauso lange wie die Filmzeit im wirklichen Leben. Das erzeugt über die komplette Distanz eine enorme Spannung und eine physische Unmittelbarkeit, da das Publikum das Geschehen ohne die üblichen zeitlichen Sprünge miterlebt. Es geht um einen missglückten Coup, einen toten Räuber und einen selbst ernannten Sheriff, der im Viertel alles kontrolliert – auch seine Frau, die er übel misshandelt. Autor-Regisseur Martin Eigler setzt auf parallele Erzählstränge und führt diese – mit Cutterin Claudia Lautner – gekonnt in einem actionreichen und packenden Finale zusammen.
02.10.2026
10:00
ZDF-Stream
Serie & Mehrteiler
Streaming-Premiere
Kempter, Samadi, El Harrouk, Hrdina, Herrmann, Leonard Fuchs. Hintersinniges Schmunzeln statt Kracher-Lacher
Gearbeitet wird wenig im Bürgeramt Berlin-Tiergarten-Mitte-West. Die meisten der sechs Kolleginnen und der zwei männlichen Beamten sind am liebsten mit sich selbst beschäftigt und haben hinlänglich damit zu tun, ihr Versagen ins rechte Licht zu rücken. Nachdem „Stromberg“ den ersten Schritt weg von der traditionellen Pointen-Comedy, die noch mit der gängigen Dialogwitz-komm-raus-Methode gearbeitet hat, gegangen ist, macht „Nine to Five – Das Amt“ (ZDF / Pyjama Pictures) da weiter, wo „Jerks“ und vor allem „Die Discounter“ aufgehört haben. Die Workplace-Mockumentary erzählt auf den ersten Blick von einem Bürgeramt, das auch schon ohne „Bürger“ chaotisch genug ist. Geschmunzelt wird vor allem über die absurden Situationen, die amüsant dysfunktionalen Interaktionen genauso wie über das Behördensystem. Mit Hilfe der Impro-Methode entsteht eine Art narrative Textur, die mehr ist als eine Ansammlung von Charaktertypen und die genregemäß viel mit Tempo – sprich: Timing – zu tun hat, also mit der Montage. Dramaturgisch besonders gelungen ist das amüsante Pingpong bei den diversen Konfliktlösungen. Die gut besetzte Serie entwickelt ihren besonderen Reiz erst auf Strecke.
02.10.2026
20:15
ARD
Reihe
TV-Premiere
Urspruch, Grandezka, Heyer, Hegenbarth, Amft, Torsten Lenkeit, Josh Broecker. Der übliche Familienwahnsinn
Die ARD-Tochter Degeto hat offenkundig großes Zutrauen in die Freitagsreihe „Einspruch, Schatz!“ (W&B Television) mit ChrisTine Urspruch als Leipziger Rechtsanwältin: Die aktuelle Staffel umfasst erstmals gleich vier Episoden. Die Qualität der einzelnen Filme ist allerdings durchwachsen. Ausgerechnet der Auftakt („Hundeliebe“) ist der schwächste Beitrag, weil die Figuren fast ausnahmslos „drüber“ sind, die Darbietungen noch eins drauf setzen und die Handlung bis ins Detail erwartbar ist. Die Verknüpfung der jeweiligen juristischen Fälle mit der familiären Ebene ist in allen Filmen selten plausibel. Einige Themen sind allerdings interessant: In „Kindersegen“ verklagt ein Sohn seine Mutter, eine „Momfluencerin“, weil sie gegen seine Persönlichkeitsrechte verstößt. In „Kavaliersdelikt“ muss sich Eva Schatz in eigener Sache verteidigen: Beim Kaufhausbesuch hat ihr jemand ein teures Collier in die Handtasche gesteckt. Und „Rosenkrieg“ erzählt von einem Scheidungszwist mit vertauschten Rollen: Eine erfolgreiche Frau will verhindern, dass ihr Mann bei der Trennung das halbe Vermögen bekommt.
02.10.2026
Noch ein Spionagethriller aus dem geteilten Deutschland im Kalten Krieg, hier mal aus der Perspektive aufgescheuchter Agenten einer todgeweihten DDR: In „Wendezeit“ (ARD / Moovie) spielt Petra Schmidt-Schaller eine Stasi-Agentin bei der CIA in Berlin, die kurz vor dem Mauerfall aufzufliegen droht. Die reale Jagd um die Rosenholz-Dateien – Mikrofilme, die alle Klarnamen der DDR-Spione im Westen enthielten – wird als zweistündiges Genrestück erzählt, das ein privates Familiendrama in die (nicht übermäßig überzeugende) Agenten-Action mischt. Interessant sind die Konflikte der Hauptfigur, einer Spionin, die der untergehenden DDR dient und im Westen eine Familie gegründet hat. Ihr berufliches und privates Doppelleben sorgt für Spannung und gedämpft inszenierte Emotion. „Wendezeit“ ist nicht so knallbunt & temporeich wie „Deutschland 83“ und nicht so differenziert & vielfältig wie „Weißensee“. Aber für einen unterhaltsamen Fernsehabend mit einem sehenswerten Ensemble (Schmidt-Schaller, Thomsen, Hunger-Bühler, Beyer, Rausch) reicht‘s allemal.
02.10.2026
20:15
HR
Reihe
Foroutan, Hasanovic, Schaller. Superbe Darsteller und emotionale Wucht im neuen Frankfurter „Cold Case“-Team
Der „Tatort“ aus Frankfurt stellt sich neu auf und beeindruckt in der Premieren-Episode „Dunkelheit“ (HR, Degeto – Sommerhaus Filmproduktion) mit einer herausragenden Besetzung und einem spannenden, hochemotionalen Serienmord-Krimi. Melika Foroutan und Edin Hasanović spielen in dem Reihenkonzept von Stefan Hafner und Thomas Weingartner ein Zwei-Personen-Team, das sich mit Altfällen beschäftigt. Damit greift auch der „Tatort“ auf das beliebte „Cold Case“-Genre zurück und bringt zugleich mit den multikulturellen Hauptfiguren eine besondere Perspektive ein. Im Zentrum stehen mit Kommissarin Maryam Azadi und Kommissar Hamza Kulina zwei starke Charaktere, die beide als Kinder aus dem Iran beziehungsweise aus Bosnien nach Deutschland kamen – wie Foroutan und Hasanovic selbst. Beide Hauptfiguren haben in der eigenen Biografie mit „Altfällen“ zu tun und bringen deshalb eine besondere Empathie für die Angehörigen eines Verbrechens auf. Ein überzeugender Auftakt.
02.10.2026
20:15
ARD-Mediathek
Fernsehfilm
Streaming-Premiere
Mala Emde, Christoph Maria Herbst, Aaron Hilmer, Brix Vinzent Koethe, Simon Ostermann. Die Zeit, die bleibt
„Sommer auf Asphalt“ (NDR, Arte / Wüste) ist eine vorzüglich gespielte und trotz des tragischen Untertons sehr kurzweilige Vater/Tochter-Komödie mit Christoph Maria Herbst und Mala Emde: Kurierradlerin Les kriegt überraschend Besuch von ihrem Erzeuger. Eigentlich will er ihr mitteilen, dass er unheilbar krank ist, kommt aber nicht dazu, weil sie nach einem Unfall erst mal arbeitsunfähig ist und er für sie einspringt.
02.10.2026
22:20
ARD
Reihe
Hartmann, Reinsperger, Werner, Sebastian Ko. Ein Baseballschläger wirkt Wunder
Anders als Anna Schudt, die vor zwei Jahren ohne Vorwarnung mit dem Tod ihrer Martina Bönisch aus dem „Tatort“ Dortmund ausschied, nimmt in „Cash“ (WDR / Bavaria Fiction) Rick Okon Abschied von seiner Rolle Jan Pawlak, der mächtig leiden muss bei seinem Abgang. Und auch sonst hat sich Autor Jürgen Werner einiges einfallen lassen: Er hat KTU-Kotzbrocken Haller zurückgeholt und einen weiteren Lieblingsfeind von Faber, der mal wieder in seinem provokant-sarkastischen Element ist, und nach einer Filmstunde sorgt Werner für eine dramaturgische Wende, die Vieles vom bisher Erzählten in Frage stellt, ja sogar umwertet – was erzähllogisch durchaus stimmig ist. Einen nachhaltigen Eindruck hinterlässt dieser „Tatort“ nicht zuletzt auch durch die ebenso dynamische wie kompakte, einfalls- und abwechslungsreiche Inszenierung von Sebastian Ko. Und die Krönung ist eine Szene, in der Faber seiner jungen Kollegin zeigt, wie sich Druck abbauen lässt. Spätestens nach dieser Szene weiß man, dass hier ein Klasse-Ermittler-Duo zusammenwächst.
02.10.2026
23:59
MDR
Serie & Mehrteiler
Nadja Uhl, Fabian Hinrichs, Merten, Haberlandt, Loose. Unvollendetes Zusammenwachsen
Historisches Krimi-Drama aus dem frisch vereinten Berlin: In der sechsteiligen Serie „ZERV – Zeit der Abrechnung“ (MDR, Degeto – Gabriela Sperl, Wiedemann & Berg) raufen sich eine lebhafte Kommissarin (Ost) und ein Besserwessi-Ermittler im Kampf gegen alte Seilschaften, verdrängte Verbrechen der SED-Herrschaft und geheime deutsch-deutsche Waffengeschäfte zusammen. Die Hauptrollen sind nicht allzu überraschend besetzt, aber Nadja Uhl und Fabian Hinrichs sind als gegensätzliches Paar gewohnt sehenswert. Hinter dem sperrigen Titel verbirgt sich die wenig bekannte „Zentrale Ermittlungsstelle für Regierungs- und Vereinigungskriminalität“ (1991-2000). Regisseur Dustin Loose inszeniert das spannende Drehbuch mit Sinn für die tragikomischen Seiten deutsch-deutscher Konfrontation, die Montage überzeugt mit viel Gefühl für Rhythmus und Tempowechsel. „ZERV“ ist auch dank Musik, Ausstattung und Kostümen eine unterhaltsame Zeitreise in die 1990er Jahre.
01.10.2026
Die Jugendjahre sind eine intensive Zeit: erster Kuss, erster Joint, erster Sprung vom Zehn-Meter-Brett (oder auch nicht). Der 15 Jahre alte Morten, genannt Motte, erlebt all das am Ende der Siebziger Jahre – und noch etwas mehr: Die Eltern trennen sich, und dann erkrankt auch noch sein bester Freund Bogi schwer. „Blackbird“, die Verfilmung des gleichnamigen, herzergreifenden Coming-of-Age-Romans von Matthias Brandt aus dem Jahr 2019, trifft den Ton und das Lebensgefühl der Vorlage – im Rhythmus der üppig eingebauten zeitgenössischen Musik. Das junge Ensemble spielt im Spalier „alter Hasen“ wie Bjarne Mädel und Alexander Scheer bewegend auf: Es wird komisch, romantisch und auch ganz schön traurig. „Blackbird“ von David Ungureit (Drehbuch) und Max Zähle (Regie) ist ein eindringliches und unterhaltsames Jugenddrama nicht nur für Jugendliche.
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Foto: RTL / Mitch Stöhring Feministischer Racheengel: Marie Bloching in der preisgekrönten RTL-Serie „Angemessen Angry“. MeToo-Geschichte im Genre-Gewand!
Foto: NDR / Oliver Feist Ein Serien-Highlight im Dezember 2024: „Finsteres Herz – Die Toten von Marnow 2“ (ARD) mit Petra Schmidt-Schaller & Sascha Geršak
Foto: ZDF / Frank Dicks Sogar im ZDF sind jetzt die Vampire los. Mehr als ein stilvolles Horror-Teenie-Drama: „Love sucks“ mit Damian Hardung & Havana Joy
Foto: ZDF / Stefanie Leo Eine Weihnachtswunder-Komödie: witzig, märchenhaft schön, clever konzipiert & originell. Kalenberg, Malton & Amft in „Zitronenherzen“









