SpyOn

Sogol Faghani, Klaus Steinbacher, Lea Zoë Voss, Schopf, Keil, Christof Pilsl. Mehr Glück als Verstand

04.09.2026 10:00 ZDF-Stream alle acht Folgen Streaming-Premiere
29.09.2026 21:45 ZDFneo Folgen 1+2 TV-Premiere
06.10.2026 21:45 ZDFneo Folgen 3+4 TV-Premiere
13.10.2026 21:45 ZDFneo Folgen 5+6 TV-Premiere
20.10.2026 21:45 ZDFneo Folgen 7+8 TV-Premiere
Foto: ZDF / Luis Zeno Kuhn/[M] Serviceplan
Foto Tilmann P. Gangloff

„SpyOn“ (ZDF / Smac) ist eine kurzweilige, mit großer Freude an den Figuren und ihren Dialogen gespielte sowie temporeich umgesetzte Comedy-Serie über fünf junge Leute, die ihr Glück beim BND versuchen. Individuell wären sie komplett überfordert, doch als Gruppe ergänzt sich das Quintett perfekt, weil alle Mitglieder über eine spezielle Fähigkeit verfügen. Die Handlungskerne der zwar fortlaufend erzählten, aber in sich abgeschlossenen Folgen würden auch mal als Thriller, mal als romantische Komödie funktionieren: Unter anderem verhindert das Team ein Attentat und deckt ein Komplott gegen seinen Ausbilder (Götz Otto) auf, außerdem komplizieren gleich zwei Liebesbeziehungen untereinander die Zusammenarbeit. Neben der ausgezeichneten Ensemble-Leistung erfreuen die acht Episoden nicht zuletzt durch die anspielungsreiche Musik.

In seinem Buch „Also sprach Zarathustra“ hat Friedrich Nietzsche einst dem persischen Priester und Philosophen einen Satz in den Mund gelegt, der gleichermaßen rätselhaft wie romantisch klingt: „Man muss noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern gebären zu können.“ Die Weisheit könnte auch von BND-Ausbilder Detlev Voss stammen, denn der wirft ständig mit solchen tiefgründig klingenden Aphorismen um sich. Voss-Darsteller Götz Otto nutzt das Nietzsche-Zitat, um damit im ZDF-Pressetext eine Frage zu beantworten: Wie fühlt es sich an, „die chaotischste Nachwuchstruppe auszubilden, die man sich vorstellen kann?“

Zum Glück hat „SpyOn“ nicht das Niveau der Frage, sondern der Antwort: Die achtteilige Serie ist keine Klamotte, sondern knapp 200 Minuten lang witzig, originell, kurzweilig und überaus abwechslungsreich; selbst wenn es zwischendurch auch mal albern oder zotig wird. Hannah Schopf (Buch), Christof Pilsl (Buch und Regie) sowie Nadine Keil (Regie) ist eine wilde Mischung gelungen, die zwar ein Comedy-Etikett trägt, aber über weite Strecken auch eine doppelte Romanze ist und gegen Ende sogar zum Thriller wird. In erster Linie erzählen die acht Folgen jedoch, wie fünf vom Leben oder den eigenen Ambitionen überforderte junge Leute während ihrer Ausbildung beim Bundesnachrichtendienst über sich hinauswachsen. Voraussetzung dafür ist jedoch letztlich die von Nietzsche formulierte Erkenntnis: Individuell wären sie komplett überfordert, aber als Gruppe ergänzt sich das Quintett perfekt, weil alle Mitglieder über eine spezielle Fähigkeit verfügen. Gemeinsam, stellt Voss fest, sind sie „der perfekte Spion“.

SpyOnFoto: ZDF / Susanne Bernhard
Die Konkurrentinnen Vicky (Lea Zoë Voss) & Sami (Sogol Faghani) ermitteln Undercover in der aserbaidianischen Botschaft.

Bis es soweit ist, müssen erst mal einige Hürden genommen werden. Auf den ersten Blick wirken die fünf nicht nur nach Ansicht von Voss’ Chefin Haberland (Sophie von Kessel) beim Geheimdienst denkbar deplatziert: Polizist Andreas Rödig (Klaus Steinbacher) ist ein olfaktorisches Genie, ansonsten jedoch nicht der Hellste. Trotzdem sieht er sich als neuen James Bond, wie die anspielungsreiche Filmmusik (Giovanni Berg) mehrfach andeutet. Diplomatentochter Victoria von Meckwitz (Lea Zoë Voss) leidet unter ihrer panischen Prüfungsangst fast ebenso sehr wie unter einer herrischen Mutter (Natascha Ochsenknecht), die sich in ihrem Kopf immer wieder einmischt. Mikroingenieurin Yuki Rübsamen (Nhung Hong) wird permanent übersehen, weshalb sie dauernd wie aus dem Nichts auftaucht; eigentlich eine perfekte Voraussetzung für eine Tätigkeit als Agentin, aber für sie persönlich natürlich ein Problem, zumal sie hoffnungslos in Rödig verknallt ist. Mathematiker Asel Asanow (Lukas Zumbrock) hat eine neuronale Störung aus dem Autismus-Spektrum und ein fotografisches Gedächtnis, kann jedoch nicht lügen. Informatik-Lehrerin Sami Hadad (Sogol Faghani) ist ein herzensguter Mensch, aber etwas naiv und hat, wie Haberland ausnahmsweise zu Recht feststellt, eine „Persönlichkeit wie ein Monchhichi“. Das wiederum macht sie zum emotionalen Zentrum des Quintetts. Sami streitet sich mit Vicky, in die sie zu allem Überfluss verliebt ist, um die Führung der Gruppe. Sie hat sich beim BND beworben, um in die Fußstapfen ihres Vaters zu treten. Den hat sie zwar nie kennengelernt, aber laut Mutter Ceylan (Ilknur Boyraz) war er „ein internationaler Topspion“.

Soundtrack: Frank Sinatra („That’s Life“), Marianne Rosenberg („Er gehört zu mir“), Boys Town Gang („Can’t Take My Eyes Off Of You“), Abba („Gimme! Gimme! Gimme!“), Janis Joplin („Cry Baby“), Limp Bizkit („Break Stuff“)

SpyOnFoto: ZDF / Susanne Bernhard
Gemeinsame Vergangenheit: Haberland (Sophie von Kessel) verfolgt einen perfiden Plan mit Ausbilder Voss (Götz Otto).

Was Schopf, Pilsl und Keil auf Basis dieser Gemengelage geschaffen haben, entpuppt sich als mit spürbar großer Freude an den Figuren und ihren Dialogen gespielte sowie temporeich umgesetzte Serie, deren Qualität ein schlichtes Comedy-Etikett nicht gerecht würde. Tatsächlich ist „SpyOn“ sogar mit Hilfe eines Fachberaters entstanden: Bodo Hechelhammer war viele Jahre lang Chefhistoriker des BND und hat darauf geachtet, dass die Geschichten gerade hinsichtlich der operativen Ausbildung des Quintetts einen gewissen Realitätsbezug haben. Die Umsetzung mag oft überzeichnet sein, aber gerade in Zeiten einer allumfassenden Digitalisierung spielen zum Beispiel analoge tote Briefkästen nach wie vor eine große Rolle, selbst wenn es in der Wirklichkeit vermutlich nicht so anrüchig zugeht wie in der Serie: Die Truppe von Voss konkurriert mit den Azubis eines Kollegen (Alexander Beyer). Unter anderem sollen die beiden Gruppen das Nachrichtenversteck der anderen Klasse finden, weshalb Asel die öffentlichen Toiletten observiert; zum Glück nur akustisch, aber das reicht.

Neben all’ den anderen positiven Faktoren zeichnen sich die Drehbücher auch durch ihre vielen Überraschungen aus. Das gilt für unerwartete Allianzen ebenso wie für die kleinen und großen Verblüffungen, mit denen einige Folgen enden, wenn beispielsweise ausgerechnet Andreas („License to grill“) mit mehr Glück als Verstand einen Schläfer enttarnt. Mindestens genauso viel Spaß machen die Liebe zum Detail, etwa das Zitat aus „Club der toten Dichter“, als sich die Gruppe mit Andreas solidarisiert und zur Filmmusik von Maurice Jarre auf die Stühle steigt, sowie beiläufig eingestreute Momente wie der Kopierer, der ein mysteriöses Eigenleben entwickelt. Natürlich gibt es auch eine Verbeugung vor Gimmick-Tüftler „Q“ aus den James-Bond-Filmen. Für Tempo sorgt nicht zuletzt der Schnitt, mit dessen Hilfe Pilsl und Keil einige Male ebenfalls witzige Akzente setzen, und auch die Slapstickszenen sind sehr überzeugend inszeniert. Am Schluss überlistet die vermeintliche „Gurkentruppe“ sogar eine Precrime-Software von Palantir und deckt ein Komplott innerhalb der Behörde auf. Die letzte Episode schließt mit einem Clou, der dringend nach einer Fortsetzung verlangt.

SpyOnFoto: ZDF / Sebastian Schulte
Vier von den fünf Möchtegern-James-Bonds: Yuki (Nhung Hong), Andreas (Klaus Steinbacher), Sami (Sogol Faghani) und Asel Asanow (Lukas Zumbrock) werden von Voss motiviert, weiterzumachen. Denn: Gemeinsam sind sie der perfekte Spion!

tittelbach.tv ist mir was wert

Mit Ihrem Beitrag sorgen Sie dafür, dass tittelbach.tv kostenfrei bleibt!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Serie & Mehrteiler

ZDF

Mit Sogol Faghani, Klaus Steinbacher, Lea Zoë Voss, Lukas Zumbrock, Nhung Hong, Götz Otto, Sophie von Kessel, Alexander Beyer, Ilknur Boyraz, Matthias Matschke, Natascha Ochsenknecht, Daniel Rodic, Moritz Bäckerling, Tina Goldschmidt

Kamera: Thorsten Harms

Szenenbild: Franziska Ganzer

Kostüm: Mo Vorwerck

Schnitt: Ernst Lattik, Maximilian Merth

Musik: Giovanni Berg

Redaktion: Silvia Hubrich

Produktionsfirma: Smac Media

Produktion: Felix Parson, Ito Herrmann

Drehbuch: Hannah Schopf, Christof Pilsl – nach einer Idee von Felix Parson und Christof Pilsl

Regie: Christof Pilsl, Nadine Keil

EA: 04.09.2026 10:00 Uhr | ZDF-Stream

weitere EA: 29.09.2026 21:45 Uhr | ZDFneo, dienstags in Doppelfolgen

tittelbach.tv ist mir was wert

Sie lesen die Seite regelmäßig?

Damit t.tv so bleibt, wie Sie die preisgekrönte Fernsehkritik-Website kennen, also weiterhin unabhängig & frei zugänglich, wäre eine (regelmäßige) Unterstützung hilfreich, gern auch von denen, die die Seite beruflich nutzen und denen sie persönlich zugutekommt, den Kreativen, den Redakteuren, den Journalisten …