TV-Premieren im Mai
und von den Wiederholungen nur das Beste
20.05.2026
22:10
MDR
Reihe
Raacke, Aljinovic, Eichhorn, Hobmeier, Preuß, Langmaack & die Mysterien des Todes
Der Berliner „Tatort“ startet durch. Nach der originellen Hitchcock-Reminiszenz begeben sich Ritter und Stark ins Kunst-Milieu. Der Mythos vom leidenschaftlichen Künstler wird nicht lange bemüht. Max von Thun liegt bald wie ein Kunstobjekt am Tatort: ein toter Fisch in Aspik. Ein großartig besetzter Film, kriminalistisch und vor allem ästhetisch spannend, voller kleiner, tiefer Wahrheiten und mit zwei nachdenklichen Kommissaren ohne Buddy-Pose.
20.05.2026
22:25
3sat
Reihe
Melika Foroutan, Brigitte Maria Bertele, Hollinger. Die Unterdrückung der Frauen
„Kommissarin Louise Boni – Jäger in der Nacht“, der zweite Fall der mittlerweile trockenen Alkoholikerin im Dienste der Aachener Polizei, ist wieder eine kleine Krimi-Offenbarung, stark geprägt von der wieder zu Kräften gekommenen Heldin: Ihr Leben ist heller, doch die Welt ist nicht besser geworden. Es geht um Gewalt gegen Frauen – um Männer, die sich Frauen greifen, um ihre Triebe bestialisch zu befriedigen. Der Film kreist sein Thema geschickt ein und lässt die Heldin beinahe auch Opfer werden. Es gibt nur eine ausgespielte Gewaltszene, die ein glückliches Ende nimmt. Und sonst alles vom Feinsten: Schauspieler, Dialoge, Atmo. Dazu ein Gespür fürs Nonverbale und für das, was in den Tiefen der Seele schlummert.
21.05.2026
03:05
ARD
Fernsehfilm
Franziska Weisz, Felix Klare, Katrin Bühring, Rasper. Ernst, aber nicht hoffnunglos
In dem Titel „Ich will (k)ein Kind von Dir“ scheint bereits die ganze Geschichte zu stecken: Vor Jahren haben Anna und Philipp vereinbart, keine Kinder zu wollen, aber nun möchte er ihre Liebe mit Nachwuchs krönen. Anna will jedoch ihre Karriere nicht gefährden; das Ende der Beziehung scheint unausweichlich. Schauspielerin Karin Bühring verpackt ihr Debüt-Drehbuch als Komödie, aber in Wirklichkeit ist der Film trotz der vielen witzigen Momente ein lebensnah erzähltes, von Franziska Weisz und Felix Klare glänzend gespieltes Drama.
21.05.2026
20:15
ZDF
Reihe
TV-Premiere
Herbst, Frier, Wittenborn, Rieschel, Antoni, Lang, Husmann, Stienz. Das (köstliche) Chaos ist vorprogrammiert
Nachdem in der Episode „Geheimnisse“ der dysfunktionale Clan endgültig im Tal der Tränen angekommen war, gibt es in „Geständnisse“ (ZDF / MadeFor Film) wieder ein paar Lichter am Horizont. Erik scheint zwar beruflich bestens dazustehen, bekommt sogar einen Preis des Industrieverbands, aber in seinem Privatleben herrscht gähnende Leere. Er weiß mittlerweile, was er an Anne hatte. Und auch sie scheint mit ihrem Jungspund nicht mehr glücklich zu sein. Am Ende trifft sich die gesamte Sippschaft ein ganzes Wochenende lang in einem Kölner Luxushotel… „Geständnisse“ ist nach den drei „Merz gegen Merz“-Serien-Staffeln (2019-21) sowie „Hochzeiten“ (2023) und „Geheimnisse“ (2024) der dritte 90-Minüter. Es ist ein Wiedersehen, das Freude macht. Kontinuität und Abwechslung halten sich die Waage. Man kennt die Macken und Marotten der Charaktere, aber wie im richtigen Leben geht es weiter, gibt es Veränderungen, mal mehr, mal weniger dramatisch. Es gibt aktuell kein vergleichbares intelligentes, Figuren-zentriertes & top besetztes deutsches Format, das so witzig ist, bissig & voller Ironie steckt.
21.05.2026
Die Tagebücher und Aufzeichnungen der im Alter von 29 Jahren in Auschwitz ermordeten Jüdin Etty Hillesum wurden in Deutschland erst vor wenigen Jahren umfassend veröffentlicht. Die international produzierte, sechsteilige Serie „Etty“ bringt nun Leben und Denken der niederländischen Intellektuellen einem – hoffentlich – großen Publikum näher. Autor und Regisseur Hagai Levi verlegt die Handlung während der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg in eine gegenwartsnahe Zeit. Durch den weitgehenden Verzicht auf die übliche Nazi-Bilderwelt schärft sich der Blick auf die Hauptfigur und ihr geistiges, spirituelles und emotionales Ringen. „Etty“ ist kein pathetisches Märtyrer-Epos, sondern ein vielschichtiges, bisweilen irritierendes Porträt einer klugen, sensiblen Frau, getragen vom intensiven Spiel der Österreicherin Julia Windischbauer.
22.05.2026
00:15
rbb
Fernsehfilm
Bederke, Masucci, Holger Karsten Schmidt, Baxmeyer. Große Genre-Unterhaltung
Als „Trip in die Finsternis“ bezeichnet Holger Karsten Schmidt den Zeugenschutzprogramm-Thriller „Der Auftrag“ (Lucky Bird Pictures). Nach der helleren Variante „Das Programm“ schickt der mehrfach Grimme-Preis-gekrönte Autor nun eine nicht mehr existente Familie, eine unfertige LKA-Frau und einen umso fertigeren todessehnsüchtigen Kollegen in ein Abenteuer, das den Gesetzen des Genres folgt, das aber bekannte Situationen klug und wirkungsvoll variiert und das mit ARD-Degeto-unüblichen Wendungen aufwartet. Die Muster kennt jeder – und doch packt einen diese Mischung aus Thriller & Tragödie, aus analytischem Blick & emotionalen Zwischentönen von der ersten Minute an. Die Informationspolitik ist nahezu perfekt – konzentriert, physisch, packend. „Rio Bravo“ lässt grüßen. Die Schauspieler, allen voran Anna Bederke und Oliver Masucci, sind große Klasse, und dem Sog der Narration entspricht auch der Sog, der durch Baxmeyers Inszenierung entsteht.
22.05.2026
00:35
ZDFneo
Serie & Mehrteiler
Mücke, Wokalek, Achour, Hmeidan, Ströher, Wiersch, Kolmerer. Mit weiter Perspektive
„Liberame – Nach dem Sturm“ (ZDF / Bantry Bay Productions) ist als Parabel über Europa und das tausendfache Sterben von Flüchtlingen im Mittelmeer eine hoch politische Drama-Serie: Mehrere Jahre, nachdem sieben Menschen ertrunken waren, treffen sich die Überlebenden eines gekenterten Flüchtlingsbootes und die Besatzung einer Segeljacht in Hamburg wieder. Wie war es wirklich um deren Hilfsbereitschaft bestellt? Hatte jemand das Abschleppseil angeschnitten, damit es im Sturm reißt? Sorgfältige Figurenzeichnung und vorzügliche Besetzung in einem spannenden Drehbuch um das Weiterleben nach einem schweren Verlust und die Suche nach Erlösung. Beide „Seiten“ werden gleichwertig behandelt. Gerade auch die Geschichten der Geflüchteten, die in Deutschland den Neuanfang suchen, berühren und überzeugen. Mediathek-Premiere: ein Monat vor der TV-EA.
22.05.2026
10:00
ZDF-Stream
Serie & Mehrteiler
Streaming-Premiere
Anna Schudt, Mariam Hage, Lydia Lehmann, Luisa Hardenberg, Hellenthal, Thome. Geburten können gewaltig sein
Auch die sehenswerte zweite „Push“-Staffel (ZDF / Bantry Bay) gibt sehr authentisch wirkende Einblicke in den Alltag der Geburtenstation einer Berliner Klinik. Die zehn top besetzten Folgen bieten eine klug konzipierte Mischung aus beruflichem Stress und privaten Problemen, wobei beide Ebenen in einem Fall untrennbar miteinander verwoben sind, weil eine der Hebammen unter einem unerfüllten Kinderwunsch leidet. Preiswürdig gut ist vor allem die ungemein dicht inszenierte und auch dank der Kameraarbeit fast dokumentarisch wirkende Folge fünf, die hautnah miterleben lässt, wie groß gerade auch die mentale Belastung ist.
22.05.2026
20:15
ARD
Fernsehfilm
TV-Premiere
Sarnau, Wnuk, Kienast, Kastner, Morreis, Löhr, Rogoll. Endszenen einer Ehe & ein unmoralischer Vorschlag
Die temporeiche, mitreißend gespielte und immer wieder überraschende romantische Komödie „Rosen und Reis“ (NDR, Degeto / Win Win Film, Polyphon) mit den Figuren aus dem Silvester-Kurzfilm „Käse und Blei“ (2019) beginnt vor dem Altar und somit dort, wo andere Romanzen enden: Nach einem Seitensprung bietet Maike (Anneke Kim Sarnau) ihrem Mann Sören (Oliver Wnuk) an, sich zu revanchieren. Das tut er auch – mit ihrer besten Freundin (Marlene Morreis). Den turbulenten Rahmen der Geschichte bilden die Vorbereitungen für die Hochzeit von Maikes Schwester: Inka (Nicola Kastner) will bloß eine kleine Feier, aber Schwiegermutter Renate (Victoria Trauttmansdorff) besteht auf einem rauschenden Fest mit allen Schikanen. Schon allein die Dialoge sind ein großes Vergnügen.
22.05.2026
22:20
ARD
Reihe
Michelsen, Vörtler, Hartmann, Schiller, el Bitar, Wischnewski. Wechselbad der Gefühle
Gelegenheit macht Diebin. Eine Frau, die ihr Baby verloren hat, raubt sich ein anderes – und bringt damit nicht nur eine junge Mutter an den Rand der Verzweiflung, sondern setzt auch dem liebenswürdigen Kriminalrat Lemp, den sie in ihre Gewalt bringt, körperlich mächtig zu. Dass es sich bei dem „Polizeiruf 110 – Du gehörst mir“ nicht um einen üblichen Krimi, sondern um ein vielschichtiges Drama handelt, macht der Film bereits in seinen ersten Bildern deutlich. Die Triebkräfte der Geschichte sind der große Schmerz, der sich Bahn bricht in Gewalt, und die tiefe Verzweiflung, die sich pathologisch auslebt. Durch die kluge Erzähl-Konstruktion und die Beredtheit der Bilder weiß man als Zuschauer mehr als die Figuren, und man beginnt früh zu spekulieren. So bleiben auch ohne Jagd nach einem Mörder oder einer echten Kriminellen die 90 Minuten durchweg spannend. Und die Schauspieler, allen voran Franziska Hartmann und Felix Vörtler im sensiblen Psycho-Duell, sind große Klasse.
Vergangene Ausstrahlungen im Mai
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