TV-Premieren im Oktober
und von den Wiederholungen nur das Beste
30.10.2026
20:15
ARD
Fernsehfilm
TV-Premiere
Kramer, Schiller, Irslinger, Hardi Sturm, Sophie Averkamp. Der schönste Sommer ihres Lebens
„Amore mio – Niemand ist wie Du“ ist ein gut gespieltes „Was wäre, wenn…“-Drama mit Ann-Kathrin Kramer als Witwe, deren Mann auf dem Sterbebett um Verzeihung bittet: Vor 25 Jahren hat er Edda in Palermo einen Antrag gemacht. Sie hat abgelehnt und sich stattdessen in den Sizilianer Matteo verliebt. Zurück in Deutschland hat sie dann doch Jaeckie geheiratet. Matteo hat ihr noch jahrelang geschrieben, aber der Gatte hat die Post abgefangen und in einem Schließfach aufbewahrt. Gemeinsam mit Tochter Poppy fährt Edda nun nach Italien, liest dabei die Briefe und erinnert sich an den schönsten Sommer ihres Lebens. Der Film wechselt regelmäßig die Zeitebenen und schwelgt in Urlaubsbildern. Sehenswert ist „Amore mio“ (ARD Degeto / Amalia Film) neben der bewegenden Handlung vor allem wegen Hannah Schiller als sarkastischer Tochter.
31.10.2026
05:30
ARD-Mediathek
Serie & Mehrteiler
Streaming-Premiere
Albrecht Schuch, Layla, Trasoglu, David Marian, David Nawrath. Behördenversagen vor dem Terroranschlag
Wieso konnte Anis Amri, obwohl seit Monaten im Fadenkreuz der Behörden, am 19. Dezember 2016 den Terroranschlag auf dem Berliner Breitscheidplatz verüben? David Nawrath (Buch, Regie) und David Marian (Buch) verdichten in „Breitscheidplatz 19/12“ die komplexe Vorgeschichte zu einem hochspannenden Polizei-Thriller. Das kluge Drehbuch stellt nicht den Attentäter in den Mittelpunkt, sondern den Leiter einer Abteilung des nordrhein-westfälischen Staatsschutzes, eine junge, vor dem Islamischen Staat (IS) aus dem Irak geflüchtete Polizistin und einen muslimischen Informanten, der das Vertrauen einer mutmaßlichen Terrorzelle gewinnt. Albrecht Schuch, Bayan Layla und Tamer Trasoglu spielen herausragend in einer Serie, die islamistische Gewaltbereitschaft schonungslos abbildet und dennoch rassistischen Ressentiments dank differenzierter Figuren keinen Vorschub leistet. In Nawraths sorgfältiger und aufreibender Inszenierung werden die muttersprachlichen Unterschiede nicht wegsynchronisiert.
31.10.2026
10:00
ZDF-Stream
Fernsehfilm
Streaming-Premiere
Ulrike Kriener, Tamara Romera Ginés, Elke Schuch, Sophie Averkamp. Wie ein schwarzes Loch im Kopf
Elke Schuch (Buch) und Sophie Averkamp (Regie) ist mit dem tragikomischen Drama „Nichts wie weg“ (ZDF / Nordfilm) dank eines speziellen Zugangs zum sensiblen Thema Suizid und der beiden famosen Hauptdarstellerinnen Ulrike Kriener und Tamara Romera Ginés ein herausragend guter Film gelungen: Luise, ehemalige Star-Pianistin, hat durch ihre unaufhaltsam fortschreitende Demenz die Musik und somit jegliche Lebensfreude verloren. Nach einem absichtlich herbeigeführten Autounfall landet sie in einer Hamburger Klinik. Dort hat die junge Krankenschwester Anke – anscheinend durch ein Versehen – den Gesundheitssenator auf dem Gewissen. Eine Verkettung diverser Umstände hat zur Folge, dass die beiden Frauen anschließend gemeinsam auf der Flucht sind: Luise vor dem Leben, Anke vor der Polizei.
31.10.2026
12:00
BR
Fernsehfilm
Julia Brendler, Stephan Luca, Heinz Hoenig, Florian Gärtner & die „Glücks-Chemie“
Eine romantische Komödie mit reichlich Wohlfühl-Momenten, etwas Tiefgang und Screwball-Touch – das ist doch mal was! In „Manche mögen’s glücklich“ trifft Komik auf Liebesbedürfnis, begibt sich das Lachhafte auf Glückssuche, küsst das Genre den Alltag. Die Figuren werden nicht am Gängelband der Romantic-Comedy-Klischees durch die vorhersehbare Handlung geführt. Ursprung allen Wohlgefühls: die charakterstarken Figuren und zwei attraktive Schauspieler zum Gernhaben – Julia Brendler und Stephan Luca.
31.10.2026
12:15
ZDF
Fernsehfilm
Rahmanian, Koeberlin, Preuß, Grill, Schiller, Carolin Otterbach. Dinner der Gegensätze
Wären nicht ihre Teenager-Kinder miteinander verbandelt, hätten sich die Fabers und die Popovs nie kennengelernt. Architekturbüro vs. Putzkolonne: Das sind zwei Realitäten, die in der ZDF-Dramedy „Gäste zum Essen“ (Network Movie) aufeinanderprallen. Die Begüterten laden zu einem Festmahl ein, bei dem am Ende jeder sein Fett wegbekommt; vorzugsweise gerät das Sexualleben der ungleichen Paare in den Fokus. Der Gott des Gemetzels ist nur vorübergehend zugegen; mit der Zeit werden alle ziemlich kleinlaut. Da sich die Charaktere intellektuell nicht auf Augenhöhe befinden, werden die Pinselstriche in diesem knackigen Alles-an-einem-Abend-Kammerspiel von vornherein kräftig aufgetragen und auch in den alltagsnahen Dialogen wird entsprechend nicht mit der feinen Klinge gefochten. Für einen amüsanten Fernsehabend aber ist dieser Milieu-Clash auf alle Fälle gut. Allein schon die Besetzung ist – trotz herausfordernder Tonlagen-Wechsel – durchweg sehenswert!
31.10.2026
20:15
ZDF
Reihe
TV-Premiere
Sophie Pfennigstorf, Held, Schiller, Meyer, Henning, Bachmann, Neelesha Barthel. Und wieder entsteht eine Lücke
Die ZDF-Reihe „Stralsund“ (Network Movie) hat sich schon häufig neu erfunden. Nach dem Tod von Alexander Held wird sie es wieder einmal schaffen müssen. Gutes Personal steht in den Startlöchern, das möglicherweise die Genre-Tonlage gegenüber den letzten Episoden wieder verändern dürfte … „Dunkle Tiefen“ ist noch einmal eines jener authentisch wirkenden Krimi-Dramen, mit denen Sophie Pfennigstorf alias Jule Zabek den letzten Geschichten ihren Stempel aufgedrückt hat. Auch diesmal bekommt sie es mit einer jungen Frau zu tun, die wie die Kommissarin eine Problembiografie mitbringt. Nach 20 Filmminuten ist der Whodunit – zumindest für den Zuschauer – zugunsten eines tief tragischen Familiendramas geklärt, bevor ein zweiter, packend inszenierter Mord und ein noch fesselnder ausgespieltes Thriller-Drama-Finale, die reinste Achterbahnfahrt der Gefühle, für so manche Überraschung sorgen werden.
31.10.2026
20:15
NDR
Fernsehfilm
Bjarne Mädel, Katharina Marie Schubert, Olli Dittrich, Altenburg, Jessen. „Sehnsucht nach was Besseres“
„Prange – Man ist ja Nachbar“ (NDR / Florida Film) erzählt von einem liebenswerten Sonderling, der sich in eine ähnlich schräge Paketbotin verliebt. Das Herzstück sowohl der Romanvorlage „Man ist ja Nachbar – Prange nimmt an“ als auch des kongenial von Lars Jessen in Szene gesetzten ARD-Fernsehfilms sind die mentalen Tücken der Kommunikation. In der präzisen Analyse des Moments erinnert „Prange“ an Loriots Komik, obgleich Andreas Altenburg, der nach dem Roman nun auch das Drehbuch geschrieben hat, weniger die Pointe, den Lacher, im Auge hat. Beiden geht es um die menschliche Natur, beobachtet in einem originären Milieu. Der Film ist alltagsnah in vieler Hinsicht. Es ist ein Film über die Einsamkeit, über den unschätzbaren Wert der Gemeinschaft, über die Möglichkeit zur Zweisamkeit, ja, „über das Gelingen“ (Lars Jessen). In den vermeintlichen Nebensächlichkeiten steckt die Wahrheit dieser Tragikomödie. Und die wahre Größe dieses – angenehm verkappten – Weihnachtsfilms steckt im Detail: Man muss nur genau hinhören und hinsehen, auf jede feine Nuance achten, jeden Blick, jeden Satz, jede Betonung, jede Pause von Bjarne Mädel, Katharina Marie Schubert und Olli Dittrich. Der Film hat Herz, kommt jedoch ohne Gefühlsverstärker aus. Eine Komödien-Rarität!
31.10.2026
21:45
NDR
Fernsehfilm
Bjarne Mädel, Wichmann, Clasvogt, Meier, Heyer, Sven Stricker. Nicht von dieser Welt
Das fulminante, euphorisch gefeierte und vielfach preisgekrönte Krimi-Drama „Sörensen hat Angst“ schrie ob weiterer verfügbarer Roman-Vorlagen geradezu nach einer Fortsetzung. An der Ausgangssituation hat sich wenig geändert. Katenbüll ist und bleibt ein Nest, in dem kein Fernsehzuschauer begraben sein möchte, und die psychische Verfassung der Titelfigur hat sich sogar noch verschlechtert. Auch „Sörensen fängt Feuer“ (NDR / Claussen + Putz) ist wieder eine stimmige Mixtur aus Krimi, Drama und (Tragi-)Komödie und besticht durch sein absolut stimmungsvolles Zusammenspiel von Narration, Dramaturgie & Inszenierung, von Charakter-Zeichnung und Tonlage. Kein gefälliger Krimi zum Schmunzeln wie die Kriminalkomödien aus Münster. Mit seinen skurrilen und maximal reduzierten Situationen, dem minimalistischen Verhalten und den witzigen Dialogwechseln ist dieses ARD-Highlight von und mit Bjarne Mädel eher etwas zum genauen Hingucken und Zuhören. Ein Film zum stillen Genießen.
Vergangene Ausstrahlungen im Oktober
13.10.2026
20:15
WDR
Reihe
Hinrichs, Manzel, Sauca, Markovics, Max Färberböck. Die Leere, der Schmerz danach
Im Franken-„Tatort“ wird ein allseits beliebter junger Mann auf brutale Weise getötet. Im Mittelpunkt der Episode „Warum“ (BR – Hager Moss) stehen die nervenzehrende Suche nach den Gründen für die rätselhafte Tat und die existenziellen Folgen für die Hinterbliebenen. In dem intensiven Drama konzentriert sich Autor und Regisseur Max Färberböck ganz auf das Wesentliche. Weniger ein von äußeren Handlungen getriebener Thrill, sondern die innere Anspannung der Protagonisten prägt die Dynamik und hochemotionale Atmosphäre des Films – und entlädt sich in einem enorm spannenden Finale. Ein starker Fall des Teams um Dagmar Manzel und Fabian Hinrichs, die nicht nur in einer bemerkenswerten Schlüsselszene groß aufspielen. Auch Valentina Sauca und Karl Markovics hinterlassen als Eltern des Opfers einen nachhaltigen Eindruck. Und in vielen, zum Teil langen Nah-Einstellungen sucht die Kamera von Georgij Pestov nach den Gefühlen hinter den schockgefrorenen Gesichtern. Einmal mehr ein „Tatort“ von Färberböck & Co-Autorin Schuchmann, der in Erinnerung bleiben wird.
13.10.2026
„SpyOn“ (ZDF / Smac) ist eine kurzweilige, mit großer Freude an den Figuren und ihren Dialogen gespielte sowie temporeich umgesetzte Comedy-Serie über fünf junge Leute, die ihr Glück beim BND versuchen. Individuell wären sie komplett überfordert, doch als Gruppe ergänzt sich das Quintett perfekt, weil alle Mitglieder über eine spezielle Fähigkeit verfügen. Die Handlungskerne der zwar fortlaufend erzählten, aber in sich abgeschlossenen Folgen würden auch mal als Thriller, mal als romantische Komödie funktionieren: Unter anderem verhindert das Team ein Attentat und deckt ein Komplott gegen seinen Ausbilder (Götz Otto) auf, außerdem komplizieren gleich zwei Liebesbeziehungen untereinander die Zusammenarbeit. Neben der ausgezeichneten Ensemble-Leistung erfreuen die acht Episoden nicht zuletzt durch die anspielungsreiche Musik.
13.10.2026
22:00
NDR
Reihe
Becker, Waschke, Kuchenbuch, Mellies, Schnier, Baxmeyer. Krimi – Drama – Kunst
Karow hat wochenlang Wand an Wand mit einer Leiche gelebt. Da macht sich selbst ein ungläubiger Großstadtwolf wie er so seine Gedanken. Der sonst so arrogant-abweisende Kommissar sucht fortan die Kraft in der Ruhe, indem er sich von der Wohnung des Todes inspirieren lässt – vom Leichengeruch, von den zigtausend Fliegen und dem Kruzifix des toten Nachbarn. In „Das Leben nach dem Tod“ (RBB / Eikon Media), dem zehnten Rubin/Karow-„Tatort“, ersetzen immer wieder subjektive Eingebungen das klassische Ermitteln. Autorin Sarah Schnier verzichtet weitgehend auf das übliche realistische Kleinklein der Polizeiarbeit zugunsten eines philosophisch-atmosphärischen Überbaus. Drama-Szenarien dominieren über Krimi-Strukturen. Auch filmästhetisch ist das Ganze vorzüglich: Baxmeyer und Kamerafrau Bühler erschaffen eine Ikonografie der Einsamkeit und einen düsteren, stilsicheren Bilderfluss. Großartig auch die Schauspielerleistungen. Zum Niederknien: Becker & Waschke.
12.10.2026
00:05
One
Fernsehfilm
Richy Müller, Butzke, Brendler, Schmidt, Richter. Ein Banküberfall zieht seine Kreise
„Hundstage“ im Musterländle: Schreiner Roth ist pleite und will mit seinem ehemaligen Kollegen einen Geldtransporter überfallen. Doch das geht gründlich daneben und eskaliert zu einem Banküberfall mit Geiselnahme. „Ein todsicherer Plan“ ist ein spannender, harter Genre-Thriller und zugleich das existenzielle Drama Einzelner, die Opfer von Banken-Spekulationen wurden. Tolle Geschichte über die große Krise & die kleinen Leute, bewegend inszeniert. Mit einem überzeugenden Richy Müller in der Hauptrolle, aber auch starken Nebenfiguren.
12.10.2026
20:15
ZDF
Reihe
TV-Premiere
Lisa Maria Potthoff, Torrn, Lohmeyer, Roggan, Berndt, Marzuk. Weniger Thrill, dafür ein gern verdrängtes Thema
„Drecksarbeit“ ist eine gute, im Rahmen der zuletzt besonders packenden „Sarah Kohr“-Reihe (ZDF / die film gmbh) jedoch nicht weiter ungewöhnliche Episode. Der Titel bezieht sich auf jene Jobs, für die sich keine deutschen Arbeitskräfte finden lassen. Stattdessen werden Menschen aus Osteuropa weit unter dem Mindestlohn ausgebeutet. Weil sie illegal in Deutschland sind, kann ein Arbeitsunfall fatale Folgen haben. Rein unter Genre-Gesichtspunkten wäre der 14. Fall für die schlagkräftige Hamburger LKA-Kommissarin ohne die Action-Szenen ein ganz normaler Krimi.
12.10.2026
23:45
rbb
Reihe
Hinrichs, Manzel, Martens, Lange, Krummenmacher. Der Kommissar erinnert sich
Mord und Melancholie in der Oberpfalz: In der „Tatort“-Episode „Hochamt für Toni“ (BR / X-Filme Creative Pool) sind das Vorleben von Kommissar Felix Voss (Fabian Hinrichs) und ein Kriminalfall im ländlichen Umfeld miteinander verbunden. Die persönliche, emotionale Dimension bei diesem Ausflug des Franken-Teams überzeugt, die Krimi-Konstruktion um eine streng patriarchale Unternehmer-Familie ist mitunter schwer nachvollziehbar. Die Besetzung der Reihen-Hauptrollen mit Hinrichs und Dagmar Manzel erweist sich jedoch wieder als erstklassig.
11.10.2026
00:45
SWR
Reihe
Schönemann, Reents, Lohse, Schmidt, Seume. Spionagethriller auf dem Lande
Nach dem stimmigen Auftakt „Käpt’n Hook“ und dem seltsamen Mystery-Krimi „Der wilde Sven“ hat Autor Holger Karsten Schmidt Personal und Plot von „Nord bei Nordwest“ in der dritten Episode der ARD-Donnerstagskrimi-Reihe elegant auf Kurs gebracht. „Estonia“ besticht mit einem angenehm abgespeckten Konzept & der klugen Arbeit am Detail. Auf den ersten Blick auffallend: der entspannte Erzählrhythmus, das sympathische, sich aber nicht beim Zuschauer anwanzende Personal, die Top-Besetzung, viel norddeutsche Mentalität & landschaftliche Atmosphäre. Und beim zweiten Blick lässt sich erkennen, wie beiläufig ein ironischer Unterboden geschaffen wird, wie klug und tief Emotionen erspielt werden, wie aus Ellipsen das Lakonische entsteht und dass diese Schönemann-Figur ihre eigene Art hat.
11.10.2026
01:10
rbb
Fernsehfilm
Ullmann, Riedle, Hartmann, Allmayer, André Erkau. Charmant, witzig, liebenswert
„Auf einmal war es Liebe” (Degeto / Wüste) ist die womöglich schönste romantische Komödie des Jahres. Dabei ist die Geschichte zunächst ganz einfach: Ein schluffiger Spielzeugverkäufer gibt sich als weltläufiger Fotograf aus, um seine Jugendliebe zurückzuerobern; und dann kommt alles ganz anders. Die besondere Qualität des Films liegt in seinem warmherzigen Humor, denn mindestens so gelungen wie die Umsetzung und die herausragende Arbeit mit den vier Hauptdarstellern Kostja Ullmann, Julia Hartmann, Johannes Allmayer und Kim Riedle sind die kleinen Ideen, mit denen Autor-Regisseur André Erkau viele Dialogszenen gewürzt hat. An diesem Film, der zudem eine liebenswerte Hommage an die Freundschaft ist, stimmt einfach alles: Tempo, Witz, die kleinen Slapstickmomente.
11.10.2026
20:15
ZDF
Reihe
TV-Premiere
Kalupa, Preuß, Grill, Borchardt, Zeh, Üner, Rost, Rössler, Haase, Thies. ES IST KOMPLIZIERT!
Dr. Moritz Neiss, dem Arzt, der selbst einen Arzt und dazu noch einen Psychotherapeuten nötig hat, ist die Reihen-Figur, der das ZDF beim linearen TV wie beim Streaming aktuell am meisten zutraut. Dieses Jahr gibt es gleich sechs Episoden auf einen Rutsch (am 25. September im Stream, ab 11. Oktober wöchentlich auf dem „Herzkino“-Termin). Nach der Auftaktepisode, der bislang besten, rollt privat einiges wieder rückwärts. Wieder vernachlässigt der Meister-Doc seine Landarztpraxis, und wieder muss Charlie seine Ausfälle & Eigenarten ausbügeln. Was in anderen Reihen oder Serien langweilt, stört in „Dr. Nice“ (ZDF / Dreamtool Entertainment) weniger: weil hier sehr viel stimmiger Alltag erzählt wird. Und wiederkehrende Lebensthemen, Ängste, Nicht-Loslassen-Können, Rückfälle gehören nun mal zum Leben … Voraussetzung für das Gelingen sind Charaktere aus Fleisch und Blut, denen man ihre Emotionen, ihren Schmerz, ihre Verdrängungen, ihre Lebenslust abnimmt. Simon X. Rost und Elke Rössler, die Regisseure und Regisseurinnen inklusive aller Gewerke und dem festen Ensemble, dem Herzstück der Reihe, haben über die Jahre einen glaubwürdigen Mikrokosmos geschaffen, in den einzutauchen Freunden guter, leichter Unterhaltung immer wieder Spaß machen dürfte. Was die Variation der Dramaturgie der medizinischen Fälle angeht, hat die Reihe allerdings noch Luft nach oben.
11.10.2026
20:15
ARD
Reihe
TV-Premiere
Bagriacik, Schuch, Stangenberg, Schelker, Dippe, Geršak, Lars Kraume. Mila Şahin tritt aus Borowskis Schatten
Lars Kraume dreht den Kieler „Tatort“ auf links: mit einem rauen, wenn auch nicht übermäßig raffinierten Krimidrama um Korruption und Organisierte Kriminalität sowie neuen, interessanten Figuren an der Seite der eindrucksvoll aufspielenden Almila Bagriacik als Kommissarin Mila Şahin. In dem Zweiteiler „Unter Freunden / Unter Feinden“ darf sie endlich aus dem langen Borowski-Schatten treten. Damit ändern sich Tonlage, Psychologie und Dynamik grundlegend. Der Kieler „Tatort“ verliert zwar mit dem kauzigen Eigenbrötler Borowski seinen eigenwilligen Humor, wirkt zum Auftakt aber schneller, härter und zeitgemäßer. Und natürlich weiblicher: Karoline Schuch als Polizeipsychologin Elli Krieger und neue Partnerin von Mila Şahin wird hier behutsam eingeführt – das neue Team nimmt in einer Art Kammerspiel im zweiten Teil Formen an. Klasse Gastspiele bieten auch Lilith Stangenberg und Sven Schelker.
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