TV-Premieren im Oktober
und von den Wiederholungen nur das Beste
22.10.2026
00:15
ARD
Fernsehfilm
Jakob Schmidt, Emma Floßmann, Daniel Rodic, Marc Schlegel. Ab in den Süden
Drei Außenseiter und ein ungewöhnliches Fortbewegungsmittel: Manchmal braucht es tatsächlich nicht mehr, um eine kinotaugliche Sommerkomödie zu erzählen, die enorm viel gute Laune verbreitet. Marc Schlegels Roadmovie „Sommer auf drei Rädern“ (SWR, Arte, ORF / Giganten) ist eine ungemein sympathische Komödie über ein Trio, das auf wundersame Weise das Glück findet, als es aus völlig unterschiedlichen Gründen gemeinsam von Stuttgart in einem Mopedauto Richtung Bodensee fährt. Die Dialoge, die skurrilen Begegnungen, die feine Ironie, die Zuneigung selbst zu den weniger sympathischen Figuren, die vielen originellen Einfälle, die verblüffenden Inszenierungsideen, das tolle Trio im Zentrum, die namhaften Gäste, die rockige Musik: Besser geht’s kaum. Und weil der Motor von allem letztlich die Liebe ist, entpuppt sich der Film am Ende als Liebesgeschichte.
22.10.2026
00:15
ARD
Fernsehfilm
Mala Emde, Christoph Maria Herbst, Aaron Hilmer, Brix Vinzent Koethe, Simon Ostermann. Die Zeit, die bleibt
„Sommer auf Asphalt“ (NDR, Arte / Wüste) ist eine vorzüglich gespielte und trotz des tragischen Untertons sehr kurzweilige Vater/Tochter-Komödie mit Christoph Maria Herbst und Mala Emde: Kurierradlerin Les kriegt überraschend Besuch von ihrem Erzeuger. Eigentlich will er ihr mitteilen, dass er unheilbar krank ist, kommt aber nicht dazu, weil sie nach einem Unfall erst mal arbeitsunfähig ist und er für sie einspringt.
22.10.2026
12:05
HR
Fernsehfilm
Sebastian Fräsdorf, Rohde, Gröschel, Westermann, Sinan Akkus. Launige Komik, tiefe Tragik
Seit Jahren hat ein Sohn keinen Kontakt mehr zu seinem Vater – und nun soll er dem alten Stinkstiefel Unterhalt bezahlen. Zurück in seiner Heimat muss der Wahlhamburger aber auch als Pfleger und Fischer einspringen. Und weil er sein Elternhaus bestmöglich verkaufen will, arbeitet er auch noch am Image des Küstenorts, dem die jungen Frauen fehlen – mit Speed-Dating für heiratswillige Großstädterinnen. Fischer sind jedoch ähnlich schwer vermittelbar wie Landwirte. Jedenfalls die aus dem ARD-Freitagsfilm „Fischer sucht Frau“ (Wiedemann & Berg)… Auch wenn einem die Dramaturgie vertraut vorkommt, ist diese Komödie kein schlichter Unterhaltungsfilm für die Ü60-Zuschauer. Gute-Laune-Szenen wechseln mit Momenten ernsthafter Gefühle. Die Geschichte besitzt einen tragischen Unterboden und sie entwickelt zugleich einen enormen komödiantischen Wohlfühlflair. Auch die Inszenierung überzeugt, die Besetzung ist sympathisch, frisch, und Sebastian Fräsdorf trägt den Film.
22.10.2026
20:15
ARD
Reihe
TV-Premiere
Katrin Sass, Steffi Kühnert, Rikke Lylloff, Till Firit, Natalie Zoghbi, Joana Vogdt. Tod eines Toten
Die „Usedom-Krimis“ mit Katrin Sass sind grundsätzlich mindestens sehenswert, aber „Doppelmord“ (NDR, Degeto / Polyphon Film) ist mehr als rundum gelungen. Die Bildgestaltung ist vorzüglich, die Musik von Colin Towns ist ohnehin immer preiswürdig, doch das Beste sind Darbietungen der beiden Hauptdarstellerinnen, denen Autorin Natalie Zoghbi bei ihrem „Usedom“-Debüt allerdings auch tolles Spielmaterial beschert: Die ehemalige Staatsanwältin hat sich einst im Gefängnis mit einer Mitgefangenen (Steffi Kühnert) angefreundet, die wie sie als Gattenmörderin verurteilt worden ist, aber immer ihre Unschuld beteuert hat. Als ihr Mann kurz nach ihrer Haftentlassung tatsächlich getötet wird, gilt sie prompt erneut als Hauptverdächtige.
23.10.2026
00:15
ARD
Reihe
Katrin Sass, Steffi Kühnert, Rikke Lylloff, Till Firit, Natalie Zoghbi, Joana Vogdt. Tod eines Toten
Die „Usedom-Krimis“ mit Katrin Sass sind grundsätzlich mindestens sehenswert, aber „Doppelmord“ (NDR, Degeto / Polyphon Film) ist mehr als rundum gelungen. Die Bildgestaltung ist vorzüglich, die Musik von Colin Towns ist ohnehin immer preiswürdig, doch das Beste sind Darbietungen der beiden Hauptdarstellerinnen, denen Autorin Natalie Zoghbi bei ihrem „Usedom“-Debüt allerdings auch tolles Spielmaterial beschert: Die ehemalige Staatsanwältin hat sich einst im Gefängnis mit einer Mitgefangenen (Steffi Kühnert) angefreundet, die wie sie als Gattenmörderin verurteilt worden ist, aber immer ihre Unschuld beteuert hat. Als ihr Mann kurz nach ihrer Haftentlassung tatsächlich getötet wird, gilt sie prompt erneut als Hauptverdächtige.
23.10.2026
05:30
ARD-Mediathek
Reihe
Streaming-Premiere
Thomass, Hinrichs, Wasserscheid, Scheicher, Bresgott, Lieb, Loose … und die Chemie stimmt
Zugewandt und selbstbewusst präsentiert sich die Neue im Team des Franken-„Tatorts“: Rosalie Thomass legt in der Episode „Gottesgarten“ (BR / Claussen + Putz) als Emmy Rathgeber einen vielversprechenden Einstieg als Nachfolgerin von Dagmar Manzel hin. Auf sympathisch unspektakuläre Weise gelingt die Eingliederung der aus Oberbayern stammenden Kommissarin in Nürnberg. Die Chemie stimmt zwischen ihr, Felix Voss (Fabian Hinrichs) und Wanda Goldwasser (Eli Wasserscheid). Im spannenden ersten Fall muss das Trio den Tod eines in einem Stundenhotel aufgefundenen jungen Mannes aufklären, der im fränkischen „Gottesgarten“ aufgewachsen ist – ein Rachekrimi, dessen hartes Finale neugierig auf die weitere Entwicklung im Team macht.
23.10.2026
05:30
ARD-Mediathek
Serie & Mehrteiler
Streaming-Premiere
Julia Koschitz, Koeberlin, Pichler, Kawentel, Lombeck, Reuber, Moder, Prochaska. Doppelter Wettlauf mit der Zeit
Eine Polizistin sucht den Mörder ihrer Nichte, gleichzeitig muss sie gegen ihre Alzheimer-Erkrankung ankämpfen. Das Autoren-Trio und das Regie-Duo Prochaska & Moder balancieren in der packend erzählten und sehr atmosphärisch inszenierten sechsteiligen Serie „Das Vergessen – Spurlos im Moor“ (ARD Degeto, ORF / Mona Film, Odeon Fiction) gekonnt zwischen Krimi-Thriller und Krankheits-Drama, zwischen stimmiger Figurenpsychologie und Genre-Spannung. Mittendrin Julia Koschitz, der einmal mehr eine außergewöhnliche Performance gelingt.
23.10.2026
Ein unbedachter Schubser auf einer Skipiste – und für zwei Schwestern ist nichts mehr, wie es war. Die eine liegt seit zwei Jahren im Koma, die andere bekommt ihr Leben nicht mehr auf die Reihe. Ermöglicht ein Forschungsprogramm mit Nanobots die Wiedervereinigung der beiden Schwestern? Die ZDF-Serie „Wake Up“ (U5 Filmproduktion) verknüpft zwei sehr unterschiedliche Genres miteinander: Der emotionale Kern ist ein tragisches Schwestern-Drama, das sich zu einem Familiendrama auswächst. Der rationale Kern, das Near-Future-Szenario, liefert dabei mehr als nur einen spannenden Erzählrahmen für zahlreiche, von Ängsten begleitete Beziehungen. Beide Ebenen entwickeln ihren eigenen Reiz. Ohne es als Thema auszustellen, fragt die Serie gleichermaßen nach der ethischen Verantwortung von Wissenschaft/Forschung und nach den Grenzen lebenserhaltender Technologien. Sind Abschiednehmen und Loslassen (von Lebensträumen) manchmal die weiseren Strategien? „Wake Up“ ist Fiktion. Ungleich tragischer ist der Tod von Hauptdarstellerin Luna Jordan im Mai dieses Jahres. In der stark besetzten Serie beweist sie noch einmal ihr großes Talent, ihr Gespür für schwierige Charaktere.
23.10.2026
20:15
HR
Fernsehfilm
Sebastian Fräsdorf, Rohde, Gröschel, Westermann, Sinan Akkus. Launige Komik, tiefe Tragik
Seit Jahren hat ein Sohn keinen Kontakt mehr zu seinem Vater – und nun soll er dem alten Stinkstiefel Unterhalt bezahlen. Zurück in seiner Heimat muss der Wahlhamburger aber auch als Pfleger und Fischer einspringen. Und weil er sein Elternhaus bestmöglich verkaufen will, arbeitet er auch noch am Image des Küstenorts, dem die jungen Frauen fehlen – mit Speed-Dating für heiratswillige Großstädterinnen. Fischer sind jedoch ähnlich schwer vermittelbar wie Landwirte. Jedenfalls die aus dem ARD-Freitagsfilm „Fischer sucht Frau“ (Wiedemann & Berg)… Auch wenn einem die Dramaturgie vertraut vorkommt, ist diese Komödie kein schlichter Unterhaltungsfilm für die Ü60-Zuschauer. Gute-Laune-Szenen wechseln mit Momenten ernsthafter Gefühle. Die Geschichte besitzt einen tragischen Unterboden und sie entwickelt zugleich einen enormen komödiantischen Wohlfühlflair. Auch die Inszenierung überzeugt, die Besetzung ist sympathisch, frisch, und Sebastian Fräsdorf trägt den Film.
23.10.2026
20:15
ARD
Reihe
TV-Premiere
Luise von Finckh, Gabriela Maria Schmeide, Leipert, Breinersdorfer, Christoph Schnee. Kiez-Romantik
Die erste von zwei neuen Episoden mit Luise von Finckh und Gabriela Maria Schmeide als Nachfolgerinnen von Manfred Krug in der „Kanzlei Liebling Kreuzberg“ (Degeto / Odeon Fiction), „Ein Meisterstück“, behandelt einen interessanten Fall: Ein Azubi will eine Gewinnbeteiligung, weil der Bäcker mit seiner Kreation mehr Umsatz macht; stattdessen bekommt er eine fristlose Kündigung. Die Inszenierung ist jedoch viel zu betulich, zumal die Ensemble-Mitglieder ihre Darbietungen zu oft mit einem Schleifchen versehen. Der zweite Film, „Auf Augenhöhe“, ist deutlich fokussierter, auch die Themen Containern und Gentrifizierung sind relevanter.
Vergangene Ausstrahlungen im Oktober
10.10.2026
02:10
ZDF
Fernsehfilm
Bodenbender, Erdmann, Plaß, Schüttauf, Schönemann, Husmann, Meletzky. Viel Geschrei um nichts?
Damit alles so bleiben kann, wie es ist, muss sich so einiges in Waldsee ändern. So sieht es die Bürgermeisterin, doch viele sehen das anders. Gegen ein Pilotprojekt mit indischen IT-Kräften regt sich deutlich Widerstand im Ort. Dann legt auch noch ein Hackerangriff die Computer der Stadt lahm und machen zwei sehr spezielle Kriminelle „das verpennte Kaff“ unsicher. „Ein ganz großes Ding“ (ZDF / MadeFor Film) ist eine echte Komödie, kein Film, der unter dem Deckmäntelchen der Dramödie Moral predigt. Zeitgeist-Phänomene wie Digitalisierung oder Spaltung der Gesellschaft werden beiläufig in den schön chaotischen Plot integriert. Die Dialoge sind Ralf-Husmann-like das komödiantische Herzstück dieses 90-Minüters, besonders die Ehe-kritischen. Und das spielfreudige Ensemble um Silke Bodenbender weiß viel damit anzufangen.
10.10.2026
09:00
rbb
Fernsehfilm
Ullmann, Riedle, Hartmann, Allmayer, André Erkau. Charmant, witzig, liebenswert
„Auf einmal war es Liebe” (Degeto / Wüste) ist die womöglich schönste romantische Komödie des Jahres. Dabei ist die Geschichte zunächst ganz einfach: Ein schluffiger Spielzeugverkäufer gibt sich als weltläufiger Fotograf aus, um seine Jugendliebe zurückzuerobern; und dann kommt alles ganz anders. Die besondere Qualität des Films liegt in seinem warmherzigen Humor, denn mindestens so gelungen wie die Umsetzung und die herausragende Arbeit mit den vier Hauptdarstellern Kostja Ullmann, Julia Hartmann, Johannes Allmayer und Kim Riedle sind die kleinen Ideen, mit denen Autor-Regisseur André Erkau viele Dialogszenen gewürzt hat. An diesem Film, der zudem eine liebenswerte Hommage an die Freundschaft ist, stimmt einfach alles: Tempo, Witz, die kleinen Slapstickmomente.
10.10.2026
10:00
ZDF-Stream
Reihe
Streaming-Premiere
Maxim Mehmet, Sophie Dal, Vörtler, Brandhoff, Lau-Uhle, Costea. Die Mumie kehrt zurück
„Der letzte Häuptling“ (ZDF / Cologne Film) ist ein überaus kurzweiliger „Friesland“-Krimi mit äußerst origineller Story: Auf einer Wiese wird die mumifizierte Leiche eines mutmaßlich vor Jahrhunderten verscharrten Mordopfers entdeckt. Archäologe Trautmann, der schon in der Himmelsscheiben-Episode „Tief im Dreck“ (2025) für allerlei Trubel gesorgt hat, ist entzückt: Seiner Ansicht nach handelt es sich um einen mächtigen Fürsten. Damit würden sich nach friesischem Erbrecht die Besitzverhältnisse ändern, was naturgemäß nicht alle Beteiligten erfreut, denn das schlichte Weideland weckt erhebliche Begehrlichkeiten.
10.10.2026
10:00
ZDF-Stream
Fernsehfilm
Streaming-Premiere
Anna Schudt, Julia Koschitz, Mark Waschke, Hans Löw, Zertz, Bernardi. Von kleineren und größeren Katastrophen
Eine Hofgemeinschaft unter Freunden hat schon bessere Zeiten gesehen. Eines der Kinder, ein zwölfjähriger Junge, verhält sich seit Jahren renitent. Jetzt macht er Riesenprobleme; ein Schulverweis droht. Doch schlimmer noch: Der Junge ist verschwunden. Ein Turnschuh von ihm wird am Elbufer gefunden … „Das verschwundene Kind“ (ZDF / Relevant Film) macht von Beginn an deutlich, dass aus dem Motiv des vermissten Jungen kein Kriminalfall wird. Den Macherinnen geht es vielmehr um das private Drama, das die Geschichte birgt: um die Hofgemeinschaft, die mit Idealen angetreten ist, einige ihrer Träume verwirklichen konnte, aber an einer familiären Lebenslüge zu scheitern droht. Es ist ein Film über Familie und Freundschaft, der im Detail alle erdenklichen Kommunikationsformen durchspielt: die leisen, die lauten, die liebevollen, die wütenden, die wahren, die halbwahren, ja, sogar die, die jenseits des Bewussten liegen. Der Realismus der Geschichte durchwirkt alle Ebenen dieses stark inszenierten Films: die Lichtsetzung, die Sprache, das Spiel des perfekt besetzten Eltern-Quartetts.
10.10.2026
10:25
BR
Fernsehfilm
Steve Windolf, Stephan Luca, Valerie Niehaus. Ein Wirrkopf kommt selten allein
Zwei Brüder teilen sich seit Jahren eine Frau – oder anders ausgedrückt: eine Frau hat zwei Männer, einen für die Ehe, einen fürs Bett. Der verheiratete Bruder weiß von nichts, hat bald aber auch eine Affäre, mit der Frau, wegen der sein Bruderherz seine Affäre beendet hat… „Drunter & Brüder“ ist ganz dem Lust-Prinzip verpflichtet. Motto: Sich treiben lassen durch absurde Szenen und abstruse Situationen, die mehr mit dem Genre als mit dem realen Leben zu tun haben. Der Irrwitz regiert. Tempo ist das Herzstück von Handlung und Dialog. Selten wurde der Screwball-Touch Hollywoods in die Fernseh(beziehungs)filmtradition stimmiger übersetzt. Top-Besetzung, kultverdächtige Beziehungsratschläge, ein Riesenspaß!
10.10.2026
20:15
One
Fernsehfilm
Richy Müller, Butzke, Brendler, Schmidt, Richter. Ein Banküberfall zieht seine Kreise
„Hundstage“ im Musterländle: Schreiner Roth ist pleite und will mit seinem ehemaligen Kollegen einen Geldtransporter überfallen. Doch das geht gründlich daneben und eskaliert zu einem Banküberfall mit Geiselnahme. „Ein todsicherer Plan“ ist ein spannender, harter Genre-Thriller und zugleich das existenzielle Drama Einzelner, die Opfer von Banken-Spekulationen wurden. Tolle Geschichte über die große Krise & die kleinen Leute, bewegend inszeniert. Mit einem überzeugenden Richy Müller in der Hauptrolle, aber auch starken Nebenfiguren.
10.10.2026
20:15
ZDF
Reihe
TV-Premiere
Marie-Lou Sellem, Johannes Hegemann, Grundig, Hartwig, Hoenisch. Ermitteln mit dem One-Night-Stand
Das ZDF hat mit „Frankfurt Mord“ (Olga Film) offenbar im Sinn, neben „München Mord“ eine weitere launige Metropolen-Krimi-Reihe zu etablieren, ohne die Münchner zu kopieren. Das weißblaue Beziehungsmuster hat man denn auch gleich komisch variiert: Es ermitteln nicht zwei ewige Singles, bei denen es über das sich anziehend finden, nicht hinausgeht, sondern zwei, die nach einem One-Night-Stand gemeinsam auf Mördersuche gehen müssen. Sie ist eine erfahrene Frau und Polizistin, als deutsche Jüdin, ethisch-sozial geerdet, er ein stets gutgelaunter Frischling, emotional offen für mehr. Das launige Beziehungsprinzip verfängt im Verlauf der 90 Minuten immer besser. Marie-Lou Sellem und „Olivia“-Darsteller Johannes Hegemann sind ein Top-Duo. Weniger gelungen ist in „Ein neues Leben“ der dramaturgische Umgang mit dem interessanten Themenkomplex Kinderwunsch vs. Embryonenschutzgesetz.
10.10.2026
20:15
WDR
Reihe
Prahl, Liefers, Urspruch, Großmann, Hartwig, Hellmann, Wettcke, Franzen. „Richtig gute Arbeit!“
Eine dysfunktionale Familiendynastie, ein klassischer Wodunit, ein Fall, bei dem es um gut gehütete Familiengeheimnisse geht. Es lässt nur wenig darauf schließen, dass „Die Erfindung des Rades“ (WDR / Molina Film), in dem die Geschichte des Fahrrads eine amüsante Rolle spielt, den Krimi neu erfindet. Und doch gelingt es Autor Thorsten Wettcke und Regisseur Till Franzen, dem 48. „Tatort“ aus Münster etwas Unverwechselbares und Erinnerungswürdiges mit auf den steinigen Ermittlungsweg zu geben. Stilsichere Schwarzweiß-Rückblenden ins blutige Jahr 1882, verspielte, komödiantische Details, Film-im-Film-Momente, mehr systemische Ironie statt vordergründige Spässken. Und im Team herrscht ungewohnte Einmütigkeit, auch mal ganz schön. Und der Plot? Der ist verzwickt, verwickelt, vergangenheitsorientiert. Auch für den Abschied von Klemm/Großmann haben sich die Macher eine hübsche Geschichte ausgedacht.
10.10.2026
20:15
SWR
Reihe
Schönemann, Reents, Lohse, Schmidt, Seume. Spionagethriller auf dem Lande
Nach dem stimmigen Auftakt „Käpt’n Hook“ und dem seltsamen Mystery-Krimi „Der wilde Sven“ hat Autor Holger Karsten Schmidt Personal und Plot von „Nord bei Nordwest“ in der dritten Episode der ARD-Donnerstagskrimi-Reihe elegant auf Kurs gebracht. „Estonia“ besticht mit einem angenehm abgespeckten Konzept & der klugen Arbeit am Detail. Auf den ersten Blick auffallend: der entspannte Erzählrhythmus, das sympathische, sich aber nicht beim Zuschauer anwanzende Personal, die Top-Besetzung, viel norddeutsche Mentalität & landschaftliche Atmosphäre. Und beim zweiten Blick lässt sich erkennen, wie beiläufig ein ironischer Unterboden geschaffen wird, wie klug und tief Emotionen erspielt werden, wie aus Ellipsen das Lakonische entsteht und dass diese Schönemann-Figur ihre eigene Art hat.
10.10.2026
21:45
WDR
Fernsehfilm
Sebastian Bezzel, Simon Schwarz, Christian Zübert. Ed Herzog. Abgrundtief witzig!
Bei dem ARD-Schmankerl „Dampfnudelblues“ ist der Krimi nur Vorwand um ein bisschen Handlung in dieses von kauzig-schrulligen Charakteren bevölkertes Kuriositäten-Kabinett zu bringen. Schräge Situationen, Dialoge mit feinem Understatement, schwarzhumoriger Witz dominieren. Eigenheiten, Marotten und Süchte halten die Menschen in der niederbayerischen Pampa am Leben. Das Skurrile obsiegt über das Klischee, lässiger Rhythmus über das Nummern-Revuehafte. Sebastian Bezzel und Simon Schwarz sind umwerfend komisch!
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Foto: ZDF / Stefanie Leo Eine Weihnachtswunder-Komödie: witzig, märchenhaft schön, clever konzipiert & originell. Kalenberg, Malton & Amft in „Zitronenherzen“
















