Tatort – Bienzle und der Tag der Rache

Dietz Werner Steck, Russek, Nitsch, Huby. Behäbiges Bauerntheater im Hinterhof

Foto: SWR
Foto Tilmann P. Gangloff

Ein „Krimikomödienmelodram“ könnte man den „Tatort – Bienzle und der Tag der Rache“ nennen. Fein säuberlich wie in der Seifenoper hat Bienzle-Erfinder Felix Huby drei Handlungsstränge miteinander verwoben. Viele Verdächtige – und es gibt viel zu erklären. Entsprechend wortreich ist Hubys Drehbuch ausgefallen. Regisseur Konrad Sabrautzky verstärkt die theatralischen Komponenten noch und Dietz Werner Steck spielt seinen Bienzle wie im Schlaf; manchmal wirkt er auch so. Das freilich färbt auf den Zuschauer ab!

Ein „Krimikomödienmelodram“ könnte man diesen „Tatort“ aus Stuttgart nennen. Fein säuberlich wie in der Seifenoper hat Bienzle-Erfinder Felix Huby drei Handlungsstränge miteinander verwoben. Der komische Part wird all jene erfreuen, die schon immer von Mundart schwärmten und auch einem Bauernschwank nicht abgeneigt sind: Endlich ist Bienzles Hannelore bei ihm eingezogen, da naht das Unheil in Form von Patentante Gerlinde. Von wilden Ehen hält sie gar nichts; selbst ihrem Neffen geht sie alsbald auf die Nerven, obwohl ihn sein Erfinder doch mit einer Schildkrötengeduld ausgestattet hat. Kein Wunder, dass man auch als Zuschauer die geifernde Gerlinde zurück in ihr Bauerntheater wünscht.

Der melodramatische Part könnte hingegen direkt aus der „Lindenstraße“ stammen: Ehepaar Kuron (Jennifer Nitsch und Dirk Martens) pflegt nur noch lautstark miteinander zu kommunizieren. Auch dies kein Wunder: Motorrad-Rennfahrer Mike investiert jeden Pfennig in seinen Ein-Mann-Rennstall, sehr zum Zorn vom Schwiegervater. Eines Nachts ereilt den Mike die gerechte Strafe: in Form eines Engländers (das Werkzeug, nicht der Landsmann), der auf seinen Schädel kracht. Justament ist kurz zuvor sein Bruder (Sven Martinek) aus dem Gefängnis entlassen worden, nicht minder ergrimmt als all die anderen in dieser Geschichte, denn Mike hatte ihm einst den Rennstall versprochen; dafür war der Bruder für den gemeinsamen Anschlag auf einen Konkurrenten in den Knast gegangen. Von der Abmachung aber wollte Mike nun nichts mehr wissen. Macht schon drei Verdächtige. Und dann ist ja da noch der Gegner von der Rennstrecke, der gleichfalls eine alte Rechnung offen hat.

Viel Verdacht also in diesem Krimi; und viel zu erklären. Entsprechend wortreich ist Hubys Buch ausgefallen. Regisseur Konrad Sabrautzky verstärkt die theatralischen Komponenten noch, indem er große Teile der Handlung konsequent am Schauplatz des Mordes stattfinden lässt: im Hinterhof von Bienzles neuem Domizil. Der Kommissar ist wie immer die Ruhe selbst und lässt sich allenfalls von der Tante aus derselben bringen; Dietz Werner Steck spielt seinen Bienzle mittlerweile wie im Schlaf, und manchmal wirkt er auch so. Rita Russek, deren Hannelore hier angeblich zum ersten Mal rauchen darf, muss in dieser Folge angesichts der tantlichen Heimsuchung überwiegend grimmige Miene zum bösen Spiel machen.

Auch in dieser Hinsicht möchte man sich als Zuschauer anschließen. Da die Darsteller ständig herumbrüllen und sich auch sonst wie Figuren aus einer Kolportage aufführen, hat das Krimi-Element kaum noch eine Chance. Es interessiert irgendwann auch nicht mehr richtig; einer wird’s schon gewesen sein, und da alle ihre guten Gründe gehabt hätten, ist die Auflösung schließlich fast Nebensache. (Text-Stand: 10.3.2002)

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Reihe

SWR

Mit Dietz Werner Steck, Rüdiger Wandel, Rita Russek, Jennifer Nitsch, Dirk Martens, Lara Fassbender, Lindner, Thomas Balou Martin, Heidy Forster

Kamera: Hans-Jörg Allgeier

Szenenbild: Jost Schrader

Schnitt: Roswitha Gnädig

Produktionsfirma: Maran Film

Drehbuch: Felix Huby

Regie: Konrad Sabrautzky

EA: 10.03.2002 20:15 Uhr | ARD

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