Eigentlich ist der Trick ja ganz einfach, aber er funktioniert immer wieder – und schon ist man drin in der Geschichte: Verena macht sich zurecht, es klingelt, sie erwartet ihren neuen Verehrer, doch vor der Tür steht ein Fremder. Die etwas zwielichtige Gestalt gibt sich als ehemaliger Strafgefangener zu erkennen, dem Verena mit einem Zeitschriften-Abo bei der Wiedereingliederung helfen könnte. Hat jeder schon erlebt, hat jeden schon genervt; auch Verena, die von Berufs wegen eher für die Ausgliederung zuständig ist.
Elf Jahre gibt es das „Starke Team“ bereits; heute löst es seinen dreißigsten Fall. Das Erfolgsrezept mag im Lauf der Zeit verfeinert worden sein, doch alle Beteiligten haben tunlichst vermieden, Hand an die Zutaten zu legen: Florian Martens (Otto) sorgt mit „Berliner Schnauze“ für Bodenhaftung, Maja Maranow (Verena) steuert Charme bei. Dass sie Wessi ist und er Ossi, ist schon lange kein Thema mehr. Wie gut das Rezept funktioniert, bewies die letzte Episode, „Lebende Ziele“: Mit fast 6,5 Millionen Zuschauern (knapp 20 Prozent Marktanteile) war sie die erfolgreichste überhaupt. Warum? Wer kann das schon sagen; vielleicht, weil Otto sich verlieben durfte. Natürlich konnte das nicht gut gehen, schließlich gehört zur bewährten Mixtur auch die sexuelle Spannung zwischen dem gemischten Doppel. Heute ist Verena dran, und sie scheint mehr Glück zu haben. Andererseits ist ihr Verehrer Thomas der neue Pressesprecher der Polizei, und entweder gehört er ab sofort mit zum festen Ensemble, oder er muss am Ende elegant wieder verschwinden. Außerdem wird er von Benjamin Sadler gespielt, einem hübschen Kerl, der unglaublich dramatisch dreinblicken kann; genau der richtige für eine unglückliche Liebelei.
„Geistreich, humorvoll, exzellent besetzt“, urteilt(e) TV-Spielfilm
Thomas’ bester Kumpel, amtierender Weltmeister im Modernen Fünfkampf (Matthias Koeberlin) und prominenter Blickfang einer neuen Anti-Drogen-Kampagne, gerät in Mordverdacht: Die junge Prostituierte, die er sich aufs Hotelzimmer bestellt hat, wird tot aufgefunden. Der Mann ist zwar schon öfter handgreiflich geworden, hat aber offenbar ein todsicheres Alibi. Als sich die Schlinge um seinen Hals trotzdem zuzieht, stirbt auch er. Ziemlich lange ist man felsenfest überzeugt, Frank Giering (als Dritter im Bunde) sei der Mörder, denn Frank Giering ist eigentlich immer der Mörder; Birgit Grosz und Leo P. Ard, die gemeinsam schon so manches Drehbuch für die Reihe geschrieben haben, tun zunächst auch wenig, um diesen Verdacht zu entkräften. Regie führt René Heisig, der zuletzt den guten „Tatort“ aus Ludwigshafen, „Am Abgrund“, inszeniert hat.
Neu im „Starken Team“ ist Kai Lentrodt. Er nimmt als Ben die Stelle von Leonard Lansink ein; das ewige missmutige Knautschgesicht ist ausgestiegen. Ben entpuppt sich als Computer-Experte und versteht sehr zur Freude von Sputnik auch eine Menge von Wein. Der wiederum, Sputnik (Jaecki Schwarz), betreibt diesmal eine Bowlingbahn mit angeschlossenen Gourmet-Restaurant; auf diese Kombination muss man auch erst mal kommen. Otto lehnt die Spezialität des Hauses, Täubchen aus der Gascogne, trotzdem dankend ab, ebenso wie Yüksel (Tayfun Bademsoy): Er sei Insomniker, entschuldigt er sich. „Wat isser?“ „Irgendwat Anatolisches“. Nichts zu lachen hat in dem Ensemble einzig Reddemann (Arnfried Lerche), der stets etwas begriffsstutzige Chef der Truppe. Früher durfte er sich regelmäßig unglücklich verlieben; mittlerweile bleibt ihm nur noch der stille Spott der Kollegen. Eine echt tragische Figur.