Küche ist Krieg: Das ist die Botschaft nahezu aller Filme, in denen Sterne-Restaurants eine wichtige Rolle spielen. Mitunter geht es aber auch um den Krieg der Küchen, weil zwei Besitzer miteinander konkurrieren und sich gegenseitig das Personal abwerben. Als Daniel Gasser, Betreiber eines noblen Bozener Lokals, nachts am Flussufer erschossen wird, konzentrieren sich die Ermittlungen alsbald auf seinen Widersacher Antonio Minardi, der außerdem ein Verhältnis mit der nun zur Witwe gewordenen Frau des Opfers hat. Der Mann wird von Max von Thun verkörpert, weshalb ihn das krimiversierte Publikum umgehend von der Liste der Verdächtigen streichen kann: Prominente Episodengäste sind meist ein Ablenkungsmanöver. Als es weitere Tote gibt, führt die Spur tatsächlich in eine gänzlich andere Richtung. Nach einer Filmstunde scheint zumindest klar, wer die Männer auf dem Gewissen hat; offen ist bloß der Grund für die Taten. Als auch diese Frage geklärt ist, setzt Autor Mathias Klaschka noch eins drauf und beschert seiner Geschichte ein bitteres Ende.
Die 2015 als „Kripo Bozen“ gestartete ARD-Reihe hat sich in der Vergangenheit vor allem durch ihre Wechselhaftigkeit ausgezeichnet: Einige Filme waren richtig gut, andere von allenfalls durchschnittlicher Qualität. „Teuflische Strafe“ gehört eindeutig in die erste Kategorie, was neben dem Drehbuch in erster Linie an der Regie liegt. Hans Hofer hat bislang vor allem für die ZDF-Reihe „Marie fängt Feuer“ gearbeitet und zuletzt unter anderem die vom Ehepaar Berkel/Sawatzki mit großer Spielfreude verkörperte Tragikomödie „Entführen für Anfänger“ gedreht. Abgesehen von einigen Folgen für die ZDF-Serie „Die Chefin“ ist sein Heimspiel – Hofer ist gebürtiger Südtiroler – ein sehr gelungenes Krimidebüt. Die Bildgestaltung (Fabian Meller) ist hochwertig, gerade die Nachtaufnahmen sind dank der kunstvollen Lichtarbeit bemerkenswert. Auch darstellerisch ist dieser 21. Fall für Sonja Schwarz (Chiara Schoras) und ihren Kollegen Jonas Kerschbaumer (Gabriel Raab) sehenswert.
Foto: Degeto / Hans Joachim Pfeiffer
Allerdings müssen sich die namhaften Mitwirkenden, darunter Franziska Weisz und Fanny Krausz, die Meriten mit der Titelfigur teilen: Allem Anschein nach treibt der Teufel sein Unwesen in Bozen. Einen ersten entsprechenden Hinweis liefert ein Obdachloser. Franco Fabrizi (Eisi Gulp), der in der Tatnacht unter einer Brücke seinen Rausch ausgeschlafen hat, ist als Zeuge jedoch eher fragwürdig, selbst wenn er versichert: Den Wirt hat der Beelzebub geholt. Zweites Opfer ist Gassers zwischenzeitlich ebenfalls verdächtiger ehemaliger Sommelier. Ihn ereilt sein Schicksal zwischen Weinreben, und diesmal kann es dank der Bilder einer Überwachungskamera keinen Zweifel geben: Die gehörnte Gestalt auf den Aufnahmen ist ganz eindeutig der Teufel.
Krimis aus der Provinz haben meist einen besonderen Reiz, wenn die Drehbücher einheimische Sitten, Sagen und Bräuche berücksichtigen. „Teuflische Strafe“ spielt zwar im Sommer, weshalb der Krampus als Schreckgestalt aus der Adventszeit zumindest saisonal etwas deplatziert wirkt, aber albtraumhaft kostümierte Kreaturen treiben ihr Unwesen natürlich auch zur Fasnachtszeit. Ein entsprechendes Video beschert Schwarz ein unangenehmes Erwachen, weil nachts offenbar der vermeintliche Leibhaftige um ihr Haus schleicht. Als es im fernen München ein drittes Opfer gibt, ist klar: Es handelt sich um eine Serie. Die Ziegenhaare an den Tatorten sind ein eindeutiges Indiz: Hier mordet jemand im Krampus-Kostüm. Alles deutet auf einen Rachefeldzug hin. Offen bleibt allerdings zunächst, was die Männer miteinander verbunden hat. Ein Tourismusprospekt bringt Schwarz schließlich auf die richtige Spur; mit dem Landtagsabgeordneten Messina (Lukas Spisser) steht eine vierte Person auf der Todesliste.
Foto: Degeto / Hans Joachim Pfeiffer
Zu einem rundum guten Krimi wird der Film nicht zuletzt dank eines ermittlungsbedingten Ausflugs in die Sarntaler Alpen inklusive Gondelfahrten und den daher plausibel integrierten und wie stets schön anzuschauenden Landschaftsbildern. Wichtiger ist trotzdem die sorgsame Besetzung der Nebenfiguren mit wenig bekannten, aber eindrucksvollen Mitwirkenden. Martina Spitzer hat als trauernde Mutter zwar nur wenige Szenen, bleibt aber nachhaltig in Erinnerung. Ein Nebenstrang ist allein ein Tribut an den familiären Charakter der Reihe: Großmutter Katharina (Lisa Kreuzer) hat Enkelin Laura (Charleen Deetz) die Verantwortung fürs Weingut übertragen, doch nun passt ihr nicht, dass die junge Frau eigene Vorstellungen hat.

