Ein geheimnisvoller Diamant erfüllt angeblich sämtliche Wünsche. Kommt die machtgierige Gräfin von Molch in den Besitz des Edelsteins, wird sie nicht weniger als die Weltherrschaft anstreben: Zwar ist auch die insgesamt vierte „Bibi Blocksberg“-Verfilmung ein heiteres Abenteuer für die ganze Familie, aber diesmal steht ganz schön viel auf dem Spiel. Deshalb ist es auch etwas bedauerlich, dass Fritzi Haberlandt die düstere Gegenspielerin wie eine typische Kinderfilmschurkin mit rollenden Augen und übertriebener Mimik verkörpert. Das lässt die böse Gräfin wie eine Karikatur wirken und nimmt ihr viel von ihrem Schrecken, was wiederum womöglich die Voraussetzung für eine Freigabe des Films ohne Altersbeschränkung war. Davon abgesehen ist „Die total verhexte Zeitreise“, der zweite Film mit Nala in der Titelrolle der jungen Hexe, uneingeschränkt sehenswert und ein derart großes Vergnügen, dass nicht mal die verschiedenen Gesangseinlagen stören. Die Lieder sind zudem flott und poppig und haben zum Teil Ohrwurmqualität.
Foto: Leonine
Nicht alle jungen Mitwirkenden verfügen über Nalas Naturtalent, doch dafür ist die Handlung umso fesselnder: Eigentlich hätte Bibi ihr Schulpraktikum viel lieber bei der Polizei absolviert, aber weil sie sich zu spät beworben hat, ist nur noch ein Job im Museum übrig geblieben. Ihre Vorfreude hält sich in Grenzen; bis sie Farrah Pahani (Nilam Farooq) trifft. Die sympathische Kuratorin bereitet im Neustädter Schloss Klunkerburg eine Ausstellung vor, deren größter Schatz eine lange verschollene Spieluhr ist. Das mit einem Zahlencode gesicherte Kästchen gehörte einst einer Vorfahrin Farrahs, die nach dem Tod ihrer Eltern in die Obhut der Gräfin von Molch geriet. Es soll jenen Diamanten enthalten, der unermessliche Macht verleiht.
Als die Spieluhr während eines nächtlichen Stromausfalls verschwindet, verdächtigt der zuständige Kommissar (Thorsten Merten) ausgerechnet die unschuldige Farrah. Also beschließt Bibi, mit ihrer Freundin Marita (Fia) wenige Stunden in der Zeit zurückzureisen, um herauszufinden, wer die Pretiose gestohlen hat. Durch einen Fehler landen die Mädchen jedoch nicht in der letzten Nacht, sondern im Jahr 1887. Dort treffen sie neben Fritzi von Klunkerburg (Carmen Diego), Farrahs damals noch sehr junge Ur-Ur-Urgroßmutter, auch auf die sinistre Gräfin, deren ganzes Streben dem Diamanten gilt. Fritzi soll nach dem Willen ihrer Tante einen tumben Cousin heiraten. Natürlich helfen die beiden Teenager dem gleichaltrigen Mädchen, den Häschern der miesen Mathilde zu entkommen, doch dabei verbraucht Bibi ihre gesamte Hexenkraft. Schließlich bleibt ihr nur noch genug Energie, um Marita zurück in die Zukunft zu schicken. Wenn kein Wunder geschieht, muss sie für immer in der Vergangenheit bleiben; in der Gegenwart verblasst sie bereits auf Fotografien.
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Abgesehen von der durchgehend fesselnden Geschichte – Bettina Börgerding hat auch das Drehbuch zum ersten neuen „Bibi“-Film, „Das große Hexentreffen“ (2024), geschrieben – imponiert „Die total verhexte Zeitreise“ durch einen enormen optischen und personellen Aufwand. Mindestens so beeindruckend wie die visuellen Effekte sind Kostüm- und Szenenbild sowie der Schauplatz. Gedreht wurde in Wien, als Fassaden-„Double“ für Schloss Klunkerburg diente Schloss Schönbrunn; die Innenaufnahmen sind im Palais Auersperg entstanden. Bis auf wenige Ausnahmen hat Gregor Schnitzler bei seiner zweiten „Bibi“-Regie auf allzu plumpe Albernheiten verzichtet. Deshalb ist der Film fürs erwachsene Publikum ein ähnlich großes Vergnügen wie für die eigentliche Zielgruppe, und das gilt keineswegs nur für jene Mütter, die mit den ab 1980 von der britisch-österreichischen Autorin Elfie Donnelly veröffentlichten „Bibi Blocksberg“-Hörspielen aufgewachsen sind. Selbst wenn die Hauptfiguren ausnahmslos weiblich sind: Auch Väter kommen auf ihre Kosten. Die Bildgestaltung (Ralf Noack) hat ohnehin hohes Niveau, ebenso die große Kinomusik von Dominik Giesriegl.
Neben der prominenten Besetzung etwa mit Rosalie Thomass wie schon im letzten Film als Bibis Mutter und Palina Rojiniski als Reporterin erfreut der Film nicht zuletzt durch seine Haltung. Die emanzipierte Fritzi ist ihrer Zeit weit voraus und eine entsprechend moderne Figur. Dank Bibi vermittelt die Geschichte zudem einen klaren Appell zur Selbstbestimmtheit. „Lebe lieber ungewöhnlich“, heißt es in einem der ersten Lieder, und selbstredend verliert die Nachwuchshexe auch in ausweglosen Situationen nie den Glauben an sich selbst.

