„Mogelpackung“, die 89. „Wilsberg“-Episode, dreht sich mal wieder um das beliebte (Krimi-)Thema Gentrifizierung, also die Sanierung von in die Jahre gekommener Bausubstanz bei gleichzeitiger Vertreibung der alteingesessenen Mieter. Zumeist werden Geschichten dieser Art anhand von Metropolen erzählt, aber natürlich kann es solche Missstände gerade auch in einer beliebten Universitätsstadt wie Münster geben.
Zunächst hat es den Anschein, als kämen „Wilsberg“-Schöpfer Jürgen Kehrer und Koautorin Emily Reimer diesmal ohne die obligate Auftaktleiche aus: Die verstorbene Besitzerin des Mietshauses, in dem Kommissar Overbeck lebt, hat das Gebäude offenbar kurz vor ihrem Tod an „schnöde Investoren“ (Overbeck) verkauft. Der Großneffe der Dame wundert sich, weshalb er als einziger Angehöriger nicht in den Genuss des Erbes gekommen ist. Er vermutet, dass man ihn nicht in die Wohnung der Verstorbenen lässt, damit er nicht nach dem Testament suchen kann, und wendet sich auf Empfehlung von Rechtsanwältin Tessa an Wilsberg. Der findet zwar keinen letzten Willen, aber einen Toten.
Foto: ZDF / Thomas Kost
Sonderlich aufregend wird die Geschichte trotzdem nicht. Das hat nicht zuletzt mit der Regie zu tun, und sicherlich hätte Bettina Braun einige Szenen flotter umsetzen oder zumindest bei der Bildgestaltung etwas kreativer sein können, aber insgesamt legt „Mogelpackung“ die Vermutung nahe, dass diese „Wilsberg“-Episode eine Sparausgabe ist: Abgesehen von wenigen Außenaufnahmen trägt sich die Geschichte größtenteils unter anderem im Polizeipräsidium sowie im Antiquariat des Privatdetektivs zu; die Handlung wird nahezu ausschließlich durch Dialoge vorangetrieben.
Ein bisschen Würze kommt ins Spiel, als ein früherer Studienfreund Tessas wegen Mordverdachts festgenommen wird. Die Besetzung dieser Rolle mit Christoph Schechinger ist clever, schließlich verkörpert er in der ARD-Reihe „Käthe und ich“ einen ungemein sympathischen Psychologen; aber Julius ist eindeutig in die Machenschaften rund um das Mietshaus verstrickt. Zumindest aus Sicht Overbecks gibt es dagegen keinen Zweifel daran, wer die wahren Schurken sind: Immobilienkonzerne seien „alles Verbrecher“.

