Mia Baders (Nadja Sabersky) verschollener Vater Adam Nolan (Raphael von Bargen) taucht nach vielen Jahren in Passau auf. Der interessiert sich nicht nur für seine Tochter, sondern auch für ein Kinderbuch, das Antiquar Anton Hofer (Gerd Anthoff) in seinem Laden anbietet. Der will es ihm aber nicht verkaufen. Adam ist wütend. Tags darauf ist der Buchhändler tot. Adam wird bei einem Treffen mit seiner Tochter festgenommen. Frederike weiß um seine kriminelle Energie, traut ihm aber keinen Mord zu. Gemeinsam mit Privatdetektiv Ferdinand Zankl (Michael Ostrowski) findet sie heraus, dass Adam Kontakt mit einer gesuchten Verbrecherin namens Ivana Radenkovic (Valery Tscheplanowa) in Kontakt steht. Die hat ihn in der Hand und ist skrupellos.
Foto: BR, Degeto / Hager Moss Film / Marco Nagel
Im elften Film der Reihe holt die Vergangenheit Frederike Bader (Marie Leuenberger) und ihre Tochter erneut ein. Und wie kaum eine andere deutsche TV-Reihe führt der „Krimi aus Passau“ den horizontalen Erzählstrang konsequent fort. Das liegt daran, dass mit Michael Vershinin ein Autor von Beginn an die Drehbücher für die Reihe entwickelt hat und das große Ganze im Blick hat. In „Wer einmal lügt“ hat er sich – wie schon in „Bis auf die Knochen“ – Robert Hummel („Spuren“) hinzugeholt. Oder kündigt sich da ein Stabwechsel an? Das Duo braucht keine Rückblenden, allein das Erscheinen von Adam und die Art und Weise, wie Frederike und Mia mit ihm umgehen, reichen aus, um zu spüren, was sein Weggang vor 16 Jahren ausgelöst hat und für die beiden bedeutet. Verbittert die eine, enttäuscht die andere, kommt jetzt peu à peu die Wahrheit ans Licht. Die Verquickung mit einer aktuellen Geschichte um einen Zahlencode, der in einem Märchenbuch versteckt ist, bringt Vergangenheit und Gegenwart zusammen, woraus sich eine spannende Handlung ergibt. Regisseur David Rübesam treibt wie bereits im Vorgänger „Verlorene Seelen“ die Geschichte gekonnt und mit gut dosiertem Tempo voran, bleibt aber dem Grundprinzip der Reihe treu, die weniger auf Action denn auf (eine etwas andere) Ermittlungsarbeit und starke Dialoge setzt.
Dramatische Situationen werden gebrochen durch den dezenten Schmäh des Österreichers, und das Duo Zankl/Bader sorgt wieder für eine launige Mischung aus Kalkül, Vernunft und Trickserei. Das kommt alles sehr spielerisch und unbeschwert rüber. Und das, obwohl der Krimi einen eher düsteren Grundton hat. Wer neu in die Reihe einsteigt, kann eine spannende Story erleben, die auch ohne Vorwissen funktioniert. Wer die Reihe seit Beginn verfolgt, erhält durch den Folgen übergreifenden Handlungsbogen so manchen Aufschluss über Frederike Bader und ihr Misstrauen, das sie in nahezu jeder Situation an den Tag legt. Wie verhält man sich, wenn jemand, den man für tot gehalten hat, vor einem steht und alle Lügen, die man in der Zwischenzeit erfunden hat, ans Licht kommen? Frederike fehlen da die Worte, ihre fragenden Blicke, ihre Sprachlosigkeit, ihre Wut, ihre stammelnde Hilflosigkeit bestimmen die Szenerie und zeigen die Klasse von Marie Leuenberger. Man sieht einer Familie zu, die schon vor Jahren aufgehört hat zu existieren. Das zeigt der Krimi entsprechend einfühlsam und gleichsam spannend. Und das macht „Wer einmal lügt“ zu einem der gelungensten Filme der insgesamt sehenswerten Reihe um eine besondere Detektiv-Familien-Konstellation.
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