Arbeit für Ferdinand Zankl (Michael Ostrowski). Der Privatermittler übernimmt die Überwachung eines Ausflugsschiffs, in das immer wieder eingebrochen wurde. Nur fällt er dabei auf den Kopf, klagt über Schmerzen und sieht eine Wasserleiche in der Donau schwimmen. Allerdings verschwindet die gleich wieder. Frederike Bader (Marie Leuenberger) will ihm nicht so recht glauben. Bis sie erfährt, dass Lindegger (Martin Weinek), Wiener Kapitän eines benachbart vor Anker liegenden Transportschiffs, verschwunden ist. Sein Neffe Lenny (Simon Morzé) vermisst ihn. Hat Lenny etwas mit den Vorfällen auf dem Schiff zu tun? Er und sein Onkel hatten zwei osteuropäische Frauen an Bord, eine ist verschwunden, die andere übergibt Lenny an einen üblen Bordellbetreiber. Frederike entdeckt derweilen Fischer an der Donau, diese Spur führt sie zu dem wortkargen Fischer Thade Gutsmiedel (Michael Roll).
Foto: BR / Degeto / Hager Moss Film / Marco Nagel
Tief im Südosten der Republik ist ein Ermittler-Duo aktiv, das eigentlich gar keines ist. Offiziell lösen Kripochef Mohn und die leicht verpeilte Kommissarin Grill die Fälle. Doch eigentlich sind die unter falscher Identität in Passau lebende Ex-Berliner-Polizistin Frederike Bader und Privatdetektiv Ferdinand Zankl diejenigen, die nachforschen und die Polizei auf die richtige Spur lenken. Seit Beginn der Reihe stellt ihnen Drehbuchautor Michael Vershinin knifflige Aufgaben, die sie mit viel Geschick und fein dosiertem Humor lösen. Auch „Verlorene Seelen“ ist wieder ein Krimi mit einer gradlinigen und schnörkellosen Erzählweise. Zankl und Bader stolpern eher in den Fall, verbeißen sich darin und bringen die Sache dann zu einem guten Ende. Die eigentliche Story um die beiden Osteuropäerinnen, die nach Deutschland gelockt wurden und natürlich dort landen sollen, wo man (nicht nur) in vielen anderen Krimis landet, ist nicht sonderlich originell. Aber im Passau-Krimi geht es auch eher um das Wie, um die parallelen Ermittlungen des Duos Bader/Zankl und der Kommissare, um das Kompetenzgerangel und um starke, originelle Charaktere. Und die halten Überraschungen parat. Autor Vershinin hat mit dem alten Fischer Gutsmiedel (wunderbar präzise gespielt von Michael Roll) eine kantige Figur mit einer bewegenden Vergangenheit entworfen, die der Geschichte eine bemerkenswerte Wendung gibt. Und die Figur des Lenny hat Tiefe, die Zerrissenheit, die Diskrepanz zwischen moralischem Kompass und Einfluss von außen, spielt Simon Morzé eindrucksvoll.
Daniel Rübesam, der 2021 mit „Dengler – Kreuzberg Blues“ sein Langfilm-Debüt gab, führt erstmals in dieser Reihe Regie, leitet seine Figuren sicher durch die knapp neunzig Minuten, hält die Spannung stets hoch und versteht es, Räumen (Rotlichtclub, Ausflugsschiff, Blockhütte) Atmosphäre zu geben. Wie meist geht es in der Kommunikation zwischen Zankl und Bader eher wortkarg zu, es sind die Blicke, das Schweigen, das positive Belauern, das mehr verrät als viele Worte. „Verlorene Seelen“ ist ein solider Krimi, dicht und phasenweise düster, der Passau bildlich reizvoll einfängt. Sehenswert macht ihn aber vor allem ein Duo, das der Reihe eine besondere Dynamik verleiht: Marie Leuenberger als ständig mit ihrer Vergangenheit konfrontierte Frau und besorgte Mutter einer erwachsenen Tochter, die mit dem gepackten Rucksack ihrer Zeugenschutzgeschichte durch das Leben stiefelt, die misstrauisch und vorsichtig zugleich ist, und Michael Ostrowski als Privatdetektiv Zankl, der das genaue Gegenteil von ihr ist, machen den Passau-Krimi zu einem spannend-unterhaltsamen Vergnügen. Wie der Österreicher, den man ja auch aus den Eberhofer-Filmen kennt, diesen liebenswerten Schnüffler spielt – ein bisschen verschroben, ein bisschen schräg, aber stets mit feinem Schmäh, den er wohl dosiert und gekonnt einsetzt – ist auch zum zehnten Mal eine Wucht. In der TV-Krimiwelt sind viele Figuren austauschbar, diese ist es nicht. Gäbe es diesen Zankl nicht, man müsste ihn erfinden.
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