Eine Bremer Hochhaussiedlung. Ein Ehepaar liegt tot in ihrer Wohnung – erstochen, Blut wohin das Auge reicht. Es ist ein Anblick des Grauens. Die neunjährige Tochter muss Zeuge des Blutbads geworden sein – und sie muss den Mörder gesehen haben. Vielleicht kennt sie ihn sogar. Doch Nadine, die sich im Bettkasten im Schlafzimmer versteckt hat, spricht nicht. „Die einzige Zeugin“ titelt die Boulevardpresse und bringt das Mädchen in größte Gefahr. Für Inga Lürsen bleibt nur die Flucht nach vorn: Sie quartiert sich als Halbschwester des ermordeten Mannes in der Wohnung des Mädchens ein. So hat sie einen guten Überblick über die verdächtigen Mitbewohner. Und vielleicht kommt auch eines Nachts der Mörder vorbei.
„Stille Wasser“ ist ein spannender „Tatort“. Der Mix aus Ermittlungskrimi, Thriller und Sozialdrama beginnt suggestiv und temporeich, nimmt sich dann aber Zeit, um die kaputten Familienverhältnisse in der Hochhaussiedlung und auch die sich anbahnende Beziehung zwischen dem Mädchen und Ersatzmutter Lürsen (Postel quasi in einer Doppelrolle), mit Leggins, Fluppe und Knarre, näher auszuleuchten. Die Ausstattung ist einfach, der filmische Look effektiv, und der Mordfall, der verquickt wird mit einem Fall von Drogenschmuggel, wird an Ort und Stelle und ohne viel Schickschnack aufgeklärt. Und die Gast-Schauspieler, die sind eine Klasse für sich: Manzel, Matthes, Mühe, Rieke und Gallinowski. Dass sich – retrospektiv betrachtet – ein paar unlogische Momente in die Handlung einschleichen, tut dem guten Gesamteindruck keinen Abbruch. Dank einer vorzüglichen Schauspielerleistung stört nicht einmal der den Mord erklärende Epilog. Fazit: Guter Krimi zum schnellen Verbrauch.