Freddy Schenk (Dietmar Bär) ist nostalgisch berührt. Die Kindersendung „Sachen und Lachen“ war einst nicht nur Kult für seine Enkelin. Und jetzt steht ihm dieser Frank Anders (Max Giermann), das Gesicht der Show und auch heute noch Idol vieler Kids, gegenüber! Der Grund des „Besuchs“ im Fernsehstudio ist weniger schön. Der Kameramann der Sendung, Stefan Glück (Niels Bormann), ist ermordet worden; seine sterblichen Überreste wurden im Kofferraum seines ausgebrannten Wagens entdeckt. Noch geben sich der Star und dessen Frau Caro (Silvina Buchbauer), Produzentin und Co-Moderatorin, freundlich. „Supernett, alle beide“, ist Schenk hin und weg. Doch das ändert sich schlagartig. Anders entpuppt sich als fürchterlicher Choleriker, der sein Team nach allen Regeln der Kunst zusammenstaucht. Auch die Kommissare bekommen ihr Fett weg – und plötzlich hat Anders einen Fanboy weniger. Ballauf (Klaus J. Behrendt) war von Anfang skeptisch ob des „Happy Family“-Getue des Ehepaars. Und die Bestätigung folgt: Seit einem Urheberrechtsstreit sind der Puppenspieler Yassin Meret (Erkan Acar) und sein Chef in inniger Feindschaft verbunden. Das Alibi, das die werte Gattin dem egomanischen Gemahl gegeben hat, steht auf tönernen Füßen. Auch die Making-of-Szenen von Praktikantin Marie (Bineta Hansen) und die Außendrehaufnahmen, durch die sich Jütte (Roland Riebeling) quälen muss, werfen weitere Schatten auf den TV-Star, dessen Verhältnis zu Regisseurin Annabelle Mayers (Julia Riedler) auch ziemlich speziell ist.
Foto: WDR / Martin Valentin Menke
„Tatort“ trifft „Die Sendung mit der Maus“. Zwei TV-Klassiker unter sich: Plot und Charaktere von „Showtime“ aber sind selbstredend reine Fiktion. Der Ausflug ins vermeintliche Heile-Welt-Fernsehen für die Kleinen ist nach dem Gastspiel in zwei Kölner Musentempeln abermals ein Gewinn. Das TV-Studio ist zwar weniger präsent und Atmosphäre-stiftend als die Opernhäuser in „Die Schöpfung“, dafür sind die populären Show-im-Film-Einlagen umso origineller. Noch vor der ersten Leiche erklärt Frank Anders den Kindern (und den „Tatort“-Zuschauer:innen) vor dem Bildschirm den Begriff Gerechtigkeit. Das ist nicht nur ein authentisch wirkender Ausschnitt aus einer Show für Kinder, das ist in Kombination mit dem, was nach dem Dreh in den Kulissen abgeht, zugleich eine prima-Einführung. Alle im Team kommen zu Wort, und man merkt sofort, wer hier was zu sagen hat und wer nicht. Noch ist der Umgangston gemäßigt. Und noch etwas steckt in dieser vorzüglichen Exposition. „Sachen und Lachen“ ist nicht nur ein mediales Produkt, gemacht von Fernsehprofis; für das junge Publikum kann die Sendung auch ein romantischer Zufluchtsort sein, so wie für das kleine Mädchen (Alexandra Huber) vor dem Bildschirm, welches später als gemobbte Bewohnerin eines Kinderheims noch mehrfach ins Spiel kommen wird. Ähnlich wie ein Junge, der für die Vor-Ort-Rubrik „Ich kann was“ ausgewählt wurde. Für den ist am Ende die Enttäuschung über sein Idol noch größer als für Schenk.
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Der Krimi, der nach dem ersten Drittel mit einer weiteren Leiche eine entscheidende Wendung erfährt, ist ein klassischer Whodunit, falsche Fährten inklusive. Erfreulicherweise bleiben alle (lebenden) Verdächtigen bis zum Ende in der Mörder-Verlosung, was „Showtime“ von 08/15-Rätselkrimis unterscheidet. Das Ermitteln verläuft auf kölsche Art – launig während der Spurensuche in der Wohnung des Toten oder in den Szenen auf dem Kommissariat. Schenk und Ballauf stellen einmal mehr ihre verschiedenen Lebensstile unter Beweis, und Jütte bleibt der Mann für die unangenehmen Aufgaben, dem wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird. Die Parallelen zwischen „Amt“ und Studio bezüglich des Chef-Mitarbeiter-Verhältnisses werden nur angenehm beiläufig berührt. Auch andere Beziehungsstrukturen, die in Richtung emotionale und berufliche Abhängigkeit oder gar systematischer Machtmissbrauch gehen, werden nur angerissen. Die Darstellung dieser Produktion als toxischer Drecksladen gibt indirekt eine Antwort auf die Frage, ob es sich um zwei verschiedene Täter handelt, und kann dadurch dem Vorwurf der Überkonstruktion leichter entgehen. Die Krimi-Auflösung, die von vornherein in die Narration eingeschrieben ist, gerät ebenso überraschend wie überzeugend. Das gilt auch für die filmische Umsetzung. Ob der erste oder der zweite Todesfall – eindrucksvolle Rückblenden reißen den Zuschauer durch ihre geradezu physisch intensive Montage aus der Ermittler-Routine. Das Drehbuch der doppelten Grimme-Preisträger Arne Nolting und Jan Martin Scharf („Club der roten Bänder“, „Weinberg“) ist zwar auf den zweiten Blick mehr als ein handelsüblicher Whodunit, doch einen nachhaltigeren Wirkungseffekt dürfte die Inszenierung von Isabell Šuba erzielen.
Mögen die zahlreichen Splitscreens auch nicht immer zwingend sein, wahrnehmungspsychologisch sorgen sie auf jeden Fall für Abwechslung und optisch sind sie einfach cool. Weil sie mehr Bildinformationen enthalten als herkömmliche Einstellungen, können sie aber auch für Tempo sorgen, beispielsweise, wenn drei Verdächtige per Splitscreen ins Bild gerückt werden. Nach 15 Filmminuten versucht man als Zuschauer noch, etwas „Verdächtiges“ in den drei Gesichtern zu erhaschen. Genau 15 Filmminuten vor dem Ende sieht man dann noch einmal drei verdächtige Personen. Regisseurin Šuba mag es symmetrisch. Denn auch die Eingangssequenz, das Ende einer Sendung, findet ihr ästhetisches Pendant ganz zum Schluss. Frank Anders philosophiert über das Ende, ein Monolog, in die Kamera gesprochen. Und der TV-Star fällt mal wieder aus der Rolle, pampt den Kameramann an, weil er zu spät die Kamera abschaltet. Max Giermann ist bei diesen selbstreferentiellen Intermezzi großartig. Als Schauspieler tut er das, was seine „böse“ Rolle von ihm verlangt, blickt grimmig, und einmal mutiert sein egozentrischer Promi zum Wüterich und beschimpft die braven Kommissare als „Beamtenärsche“. Zuvor hatte Schenk noch geschwärmt von dem pädagogisch wertvollen Format. „Das müsste es viel mehr geben als diese ewigen Krimis.“
Foto: WDR / Martin Valentin Menke


2 Antworten
Das war in der Tat eine sehr gelungene Folge aus Köln. Allerdings musste ich daran denken, dass auch die beiden Kölner Kommissare irgendwann ihr Endspiel haben – so wie gerade die Münchener. Wenn diese beiden Säulen des Tatorts auch einmal weg sein werden, wo soll man sich dann noch zuhause fühlen – eher noch bei Polizeiruf 110 … ? Auch dort nicht wirklich bei den Neuen.
„Ein Blick hinter die Kulissen und die menschlichen Seelen“….das bot der gestrige Tatort. Eine junge Frau, die selbst als Kind gemobbt wurde, wird zur Mörderin. Ein sehenswerter Tatort.
Ich würde mir im gesamten Fernsehprogramm etwas mehr Abwechslung wünschen. Jahrelang gibt es immer wieder die gleichen Serien und Filme, wie „der Bergdoktor“, „Frühling“, In aller Freundschaft“ oder auch den „Tatort“. Wo bleiben neue Formate mit Themen „aus unsererm Alltag“, wie mit dem Parkinsonpatient aus unsererm Mietshaus, mit der dementen Nachbarin, mit der an Long-COVID erkrankten Schwetster, eine Serie über alle Phasen der COVID-Pandemie, über Angriffe auf die Rettungskräfte und die Polizei am 1. Mai oder an Silvester usw?