Das Feministinnen-Paar Balbina (Brigitte Hobmeier) und Inka (Gerti Drassl) hat ein Problem: Tochter Hedwig (Alina Schaller), Produkt reiner Liebe und künstlicher Befruchtung, ist flügge geworden und stellt ihren Freund Andreas (Julian Pichler) zu Hause vor. Ein Mann? Und auch noch ein echter Tiroler? Balbina und Inka sind entsetzt. Edgar (Thomas Mraz), schwuler Pfarrer, bester Freund der Familie und Samenspender für Hedwig, eilt herbei, um die Wogen zu glätten. Und plötzlich schauen auch noch Andreas‘ Eltern, Petra (Carmen Gratl) und Dietmar (Roland Silbernagl) vorbei. Das Chaos ist perfekt, und die Zeit der überraschenden Enthüllungen beginnt. Und dann gibt’s da auch noch den rustikalen Kneipenwirt (Thomas Böck) aus der Nachbarschaft.
Foto: BR, ORF / Cult Film / Hubert Mican
„So haben wir dich nicht erzogen“ ist ein amüsantes und kurzweiliges Spiel voller unerwarteter Wendungen, aufgedeckter Familiengeheimnisse und kollidierender Weltbilder. Alte und neue Wertvorstellungen prallen unversöhnlich aufeinander. Uli Brée („Ungeschminkt“) hat mit viel Augenzwinkern den Zeitgeist eingefangen: Vom Gendern über vegane Ernährung bis zu gleichgeschlechtlichen Beziehungen. Der Autor hat Themen, die unsere Gesellschaft „aufregen“ und teilweise auch spalten, in eine ansprechende Geschichte gegossen und dabei geschickt manches lauernde Klischee umschifft. Eine erzählerische Gratwanderung, die Hauptdarstellerin Brigitte Hobmeier so beschreibt: „Als ich das Drehbuch gelesen habe, dachte ich, das kann super werden oder richtig in die Hose gehen. Das kann, wenn wir unaufmerksam sind, kippen und eine unfreiwillige Anklage werden.“ Ist es aber nicht geworden. Dafür sorgt auch die feinfühlige Inszenierung von Michael Kreihsl. Der österreichische Spezialist für pointierte Komödien hat dies bereits in Filmen wie „Die Wunderübung“ und „Risiken und Nebenwirkungen“ eindrucksvoll unter Beweis gestellt.
In kreativen Kabbeleien und spaßig-schnippischen Wortgefechten lässt der Regisseur seine Protagonisten aufeinander los, arbeitet phasenweise im Stil der legendären Screwball-Komödien und hat ein feinsinniges Comedy-Kammerspiel geschaffen, das besonders von seinen starken HauptdarstellerInnen profitiert. Hier gibt es Väter, Mütter, Söhne, Töchter – mehr als man glaubt und manchmal weiß man nicht mehr, wer wer ist. Das führt zu einem herrlich wilden Durcheinander. Hier werden Lebensmodelle zertrümmert, Lebenslügen entlarvt und auf dem Weg zur Wahrheit so manches enthüllt. Es macht viel Vergnügen, die Protagonisten bei ihren Irrungen und Wirrungen zu beobachten und zu begleiten. Brigitte Hobmeiers Balbina, Rotwein und Kippe ihre ständigen Begleiter, ist ehrlich, impulsiv, scharfsinnig. Dazu ist sie eine Kämpferin und liebevolle Vorreiterin des Feminismus. Gerti Grassl („Vorstadtweiber“) ist als Inka der Ruhepol in der Beziehung. Dazu kommen der beste Freund der Familie, die Schwiegereltern in spe und in einer herrlichen kleinen Sidekick-Rolle der kernige Wirt aus der Nachbarschaft. Michael Kreihsl versteht es geschickt, dieses stimmige Ensemble durch die pikanten Konstellationen zu navigieren und das eine oder andere Geheimnis an die gemeinschaftliche Oberfläche zu spülen.
Foto: BR, ORF / Cult Film / Petro Domenigg

