Bisher kamen die Krimis mit der Postdamer Kommissarin Johanna Herz und dem dienstbeflissenen Dorfpolizist Krause so daher, wie die beiden ermitteln und nach außen hin wirken: bodenständig, bedächtig, betulich. Für etwas Farbe sorgte stets eine Portion weibliche Betroffenheit. In „Vergewaltigt“ ist sie weniger als sonst charakterliche Erkennungsmarke, in dem Film von Stefan Kolditz und Christian von Castelberg ist die Haltung der Ermittlerin vielmehr moralisch wie dramaturgisch angebracht. Sie ist Basis eines wunderbaren Dauerclinchs von Herz mit einem jungen Staatsanwalt (stark: Bella-Block-Kollege Devid Striesow), dem nicht nur die Kommissarin „die Solidarität des Testosteron“ unterstellt.
Auch sonst ist in diesem „Polizeiruf 110“ dieses Mal einfach alles anders – besser. Die brandenburgische Pampa lebt. Der mit dem Thema Vergewaltigung sensibel verfahrende Film wechselt gekonnt zwischen ruhigen Passagen, in denen Lokalkolorit und das zwischenmenschlich unerträgliche Klima sichtbar werden, und Bildern, in denen es Schlag auf Schlag geht: Vergewaltigung, Anzeige, Termin beim Staatsanwalt – da bleibt keine Verschnaufpause. Und dann liegt wenig später jemand kastriert am See. Es werden zahlreiche Nebenschauplätze geöffnet, es gibt reichlich Verdächtige und die Schauspieler, allen voran Anna Maria Mühe und Harald Schrott, dem noch über das Filmende hinaus der Angstschweiß auf der Stirn steht, runden das Ganze ab zu einem spannenden Krimi-Gesamtkunstwerk.