Polizei

Levy Rico Arcos, Petra Schmidt-Schaller, Laila Stieler, Buket Alakuş. Ein Fehler im System & die psychischen Folgen

Foto: NDR / Julia Terjung
Foto Rainer Tittelbach

Eine Anklageschrift trifft einen 18-Jährigen völlig unvorbereitet. „Schwerer Landfriedensbruch“ und „Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte“ werden ihm zur Last gelegt. Das Ereignis ist zwei Jahre her und aus seinem Gedächtnis gelöscht, nun muss er es rekonstruieren. Er muss versuchen, sich zu erinnern. Ein schmerzhafter Prozess. Nicht umsonst hat er diese Nacht verdrängt. Der Fernsehfilm „Polizei“ (NDR / Kineo Filmproduktion) erzählt von einem jungen Mann, der zur falschen Zeit am falschen Ort war. Eine große Stärke der Geschichte besteht in der konsequent durchgehaltenen subjektiven Erzählperspektive. Keine verwässernde Relativierung. Kein Wegrationalisieren der seelischen Wunden. Autorin Laila Stieler geht es um die Auswirkung, die ein Fehlverhalten der Polizei auf das Opfer haben kann, einen sensiblen und etwas naiven jungen Mann, der möglicherweise zu gut(mütig) ist für diese Welt. Buket Alakuş hat das dichte Drehbuch kongenial inszeniert: Interaktionen, Kamera, Szenenbild, Schnitt – alles so alltagsnah wie möglich. Das gilt vor allem auch für das vorzügliche Ensemble um Levy Rico Arcos.

Eine Anklageschrift trifft Anton (Levy Rico Arcos) völlig unvorbereitet. Es handelt sich dabei um ein Vergehen von vor zwei Jahren, 1. Mai 2021. Zur Last gelegt werden dem jungen Mann „schwerer Landfriedensbruch“ und „Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte“. Er hat die Ereignisse so gut wie vergessen. Seitdem ist viel in seinem Leben passiert. Direkt nach Corona ist er damals von Zuhause ausgezogen. Seine Eltern (Petra Schmidt-Schaller, Alexander Hörbe) hatten sich zuvor getrennt und Anton sein Abi geschmissen. Mittlerweile hat er sich gefangen, lebt mit seiner Freundin Rosa (Jamilah Bagdach) einfach, aber romantisch in einer Laube, und er hat einen Ausbildungsplatz als Koch gefunden. Und jetzt das! Die Anklage verunsichert den Jungen. Der Mann von der Jugendgerichtshilfe (Andreas Anke) macht ihm wenig Hoffnung auf eine gütliche Einigung vor Gericht. Und ob seine Anwältin (Luise Helm) die richtige ist, bezweifelt Anton schwer. Doch das Schlimmste ist für ihn: Er kann sich an nichts erinnern, er wollte feiern, war mit seiner Clique unterwegs, war betrunken – das ist alles, was er noch weiß. Um auf die Anklageschrift reagieren zu können, bei der sich die Polizeibeamten abgesprochen haben, muss Anton die Ereignisse rekonstruieren, muss versuchen, sich zu erinnern. Das wird schmerzhaft werden. Nicht umsonst hat er diese Nacht verdrängt.

„Im Film sehen wir einen Beamten auf den festgenommenen Anton einschlagen, da wird ganz klar gemacht, okay, hier, spätestens hier haben wir eine Gewaltanwendung, die wirklich ganz klar rechtswidrig ist. Aber was ist eigentlich mit dem ganzen Vorgang davor? Mir gefällt an dem Film die realistische Darstellung, dass auch der Betroffene selbst einen gewissen Anteil an einer Eskalation hat. Aber die entscheidende Frage lautet, wie reagiert man darauf? Wie wird die Verhältnismäßigkeit bewertet, von der Polizei, aber auch von der Justiz?“ (Laila Abdul-Rahman, Koautorin der 2023 erschienenen Studie „Gewalt im Amt. Übermäßige polizeiliche Gewaltanwendung und ihre Aufarbeitung“)

PolizeiFoto: WDR / Julia Terjung
Oben: Anton (Levy Rico Arcos) hat die Ereignisse jenes 1. Mais verdrängt. Will er vor Gericht bestehen, muss er sich erinnern. Unten: Jonas (Florian Geißelmann) ist Anton nur bedingt eine Hilfe bei diesem schmerzhaften Prozess. Für seinen Kumpel auszusagen, traut er sich nicht. In der Szene zuvor tollen die Jungs durch ein Meer von weißen Gardinen. Eine verspielte, surreal anmutende Reminiszenz an ihre frühere Freundschaft, an unbeschwerte Zeiten. Die Trennung der Eltern verkürzte Antons Kindheit.

Der Fernsehfilm „Polizei“ erzählt von einem jungen Mann, der zur falschen Zeit am falschen Ort war. Das Ereignis hat ihn so schwer traumatisiert, dass sein Gehirn die Erinnerungen eingefroren hat. So wie es Justizirrtümer gibt, wie Ärzten Kunstfehler unterlaufen können, so gibt es auch Fälle von polizeilicher Willkür. Das jeweilige System hält dicht. In Antons Anklageschrift finden sich bei verschiedenen Zeugen die immergleichen Textbausteine. Laila Stieler geht es in ihrem Drehbuch nicht darum, einen typischen Fall von Polizeigewalt aufzurollen, es geht ihr auch nicht um die Dramaturgie einer juristischen Auseinandersetzung, so findet beispielsweise am Ende das Gerichtsverfahren im Off statt. Der vielfach preisgekrönten Autorin geht es vielmehr um die Auswirkung, die ein solches Fehlverhalten auf das Opfer haben kann, einen sensiblen und etwas naiven jungen Mann, der möglicherweise zu gut(mütig) ist für diese Welt. Eine Stärke der Geschichte besteht in dieser konsequent durchgehaltenen subjektiven Perspektive. Keine verwässernde Relativierung. Kein Wegrationalisieren der seelischen Wunden. Das macht dieser Anton ja schon oft genug selbst. Immer wieder macht er sich klein, schwankt zwischen „Ich hab‘ nichts falsch gemacht“ und „Ich hab’s verkackt“. Als ihm seine Ex-Freundin (Katharina Hirschberg) von dem Abend erzählt („wie die dich umgeworfen und sich auf dich gekniet haben“), übernimmt er fast den Gegenpart. Er kann nicht glauben, was ihm passiert ist.

Bei einer Hilfsorganisation für (kurzzeitig) Inhaftierte erfährt Anton mehr. Er erinnert sich an Merle (Antonia Breidenbach), mit der er an der Gefangenensammelstelle der Polizei nach seiner Entlassung kurz Kontakt hatte. Jetzt klärt sie den politisch eher unbedarften Anton über bestimmte Polizeipraktiken bei linken Demonstrationen auf. Beide finden auch Videomaterial von jener Nacht und stoßen dabei auf Anton. Auf den Bildern ist wenig Justiziables zu sehen, sie lösen allerdings etwas in ihm aus. Er weiß jetzt: Er hat keine Flasche, sondern einen Plastikbecher geworfen. Hatten ihn zuvor die Zweifel an seiner Unschuld belastet, so lässt ihn nun die zunehmende Gewissheit verzweifeln, dass er ein „Opfer“ ist, ohnmächtig dem „System“ ausgeliefert. Überfielen ihn mit den ersten Erinnerungsfetzen Panikattacken, so ist es jetzt nackte Wut, die ihn packt. Er fühlt sich gedemütigt, ist enttäuscht von der Welt, hat mächtig Brass auf dieses kaputte Berlin. „Wie soll man hier leben? Wie soll man überhaupt leben?“, fragt er sich und seine geliebten Forellen im Schrebergarten. Gerade einer wie er, der es allen recht machen will, seinen Eltern, seinem Ausbilder, seinen Freunden, der Obdachlose unterstützt, der also ganz bewusst „ein Guter“ sein will, ist besonders enttäuscht, wenn er sich ungerecht behandelt fühlt. Seine Mutter hat ihn in jener Nacht im Stich gelassen, sein Kumpel Jonas (Florian Geißelmann) will für ihn keine Zeugenaussage machen und jetzt ist auch noch sein Glauben an die Gerechtigkeit und in den Staat erschüttert, sein Misstrauen nachhaltig geweckt.

PolizeiFoto: NDR / Julia Terjung
Oben: Auch Antons Ex-Freundin Emma (Katharina Hirschberg) wird auf der Demo festgenommen. Kurz zuvor wurde sie von Polizisten umgeschubst. Der Schlüsselmoment für das, was folgte. Unten: Anton (Levy Rico Arcos) wird überwältigt und in einem Polizeiwagen abtransportiert. Mit Hilfe von Emma und einem Video des Abends kommen die Erinnerungen langsam zurück.

Buket Alakuş („Eine Braut kommt selten allein“) hat „Polizei“ kongenial inszeniert. Ausschnitthaft wird die Lebenssituation von Anton in wenigen, knappen Szenen präzise gezeichnet. Jede Begegnung, ob beispielsweise der erste Besuch bei seiner Mutter, die Termine mit seiner Anwältin oder das Wiedersehen mit Jonas, steckt voller Untertöne und Subtexte. Hautnah taumelt man als Betrachter mit Levy Rico Arcos („Sonne und Beton“) als Anton durch die Straßen von Berlin. Man spürt den rauen Wind in der Stadt, aber auch die zunehmende Sorge der Eltern um ihren Sohn, vor allem aber spürt man den Kampf der Hauptfigur, mit sich und ihrer Vergangenheit, den Konflikt zwischen dem Wunsch nach Verdrängung und der Notwendigkeit, die Wahrheit aufzuarbeiten. Die Wucht der imaginierten Bilder von damals nimmt zu, gleichsam gespiegelt in Arcos‘ Mimik und Körpersprache. Anfangs ist es die innere Anspannung, die hinter seiner Gesichtsrötung steckt, die Unsicherheit, was ihn erwartet. Später sind es Angstschweiß und Wut, die sich auf seinem Gesicht zeigen. Am Ende scheint Anton seine Balance wieder einigermaßen gefunden zu haben. Arcos spielt ihn Drama-gerecht realistisch – sprich: emotional sparsam und offen. Das gilt für das gesamte Ensemble. Da drängt sich niemand in den Vordergrund, außer vielleicht Florian Geißelmann („Tatort – Siebenschläfer“), das allerdings grandios, als quirliger Chaot und Pendant zum introvertierten Anton. Für die Art des Spiels, die Kommunikation, gilt ebenso wie für die Charaktere, deren soziale Verortung, für Dialoge, Kamera, Szenenbild oder Schnitt: Alles ist so alltagsnah wie möglich. „Polizei“ ist also ein Drama, wie man es sich (wieder) öfter auf dem zuletzt verwaisten ARD-Mittwochsfilm-Termin wünschen würde.

Bleibt die Frage: weshalb dieser Filmtitel? Aus der Perspektive der Zuschauer:innen mag „Polizei“ unpassend wirken, gibt es ja keinen einzigen Vertreter dieser Berufsgruppe im Film. Für die Hauptfigur sieht die Sache anders aus: Ihr Trauma wurde ausgelöst von jenem Polizei-Einsatz, und das zunächst noch schlimmere Erwachen aus ihm kreist um jenes Ereignis. Für Anton gibt es kein konkretes Gegenüber. Für ihn ist also die staatliche Institution Polizei verantwortlich, bei der es einen Fehler im System gegeben hat. Außerdem dürfte „Polizei“ einen größeren Einschaltimpuls beim Zuschauer auslösen als jeder andere mögliche Titel. Und „Polizei“ korrespondiert zugleich mit Andreas Dresens preisgekröntem Ausnahme-Drama „Die Polizistin“ (WDR, 2000), zu dem ebenfalls Laila Stieler das Drehbuch schrieb und der über das System Polizei nicht minder sensibel und empathisch aus der Sicht einer jungen Streifenpolizistin erzählte.

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10 Antworten

  1. 19.11.2025 10:00 ARD-Mediathek Streaming-Premiere
    (zur Info: Film ist noch nicht online, 19.11. stimmt wohl nicht, wahrscheinlich erst am 26.11. 2025 online..

  2. zu R.H.: Sie sind nicht der Erste, der sich gewundert hat. Bei der ARD-Redaktion in München ist man selbst überrascht, dass der Film noch nicht in der Mediathek eingestellt ist. Es könnte ein aktuelles technisches Problem geben, sagte man mir.

  3. Filme die „das Leben darstellen“, die „uns in den Mittelpunkt stellen“ und dabei mit Taktgefühl und Niveau wichtige Elemente darstellen. Das ist der ARD mit dem Film „Polizei“ gelungen. Natürlich ist Polizeigewalt und ohnehin Gewalt „nie eine Lösung“, doch wer denkt auch mal an die Polizeikräfte, an die Rettungskräfte usw., die jeden Tag von verbaler und körperlicher Gewalt von uns „normalen Bürgerinnen und Bürgern“ betroffen sind? Hierbei denke ich auch ganz besonders an das kommende Wochenende in Gießen, wo aus Protest gegen die AFD (was ich sehr gut finde) zu Gewalt aufgerufen wird. Und das ist ganz schlecht und schlimm. Friedlicher Protest ist dagegen immer wichtig und sinnvoll!
    Danke für diesen Film. Gerne hätte ich den Film auf der ARD-Webseite mit 5 von 5 Sternen bewertet und etwas in die Kommentarzeile geschrieben. Wahrscheinlich ist das durch einen Softwarefehler nicht möglich. Ich hoffe, der Fehler wird bald behoben, damit die ARD für diesen Film viele positive Kommentare und auch „Sterne“ bekommt. Das Gleiche gilt auch für den Film: „Verschollen“. Hierbei ist die Webseite ebenfalls defekt.

  4. Sehr geehrte Damen und Herren,
    ich frage mich, warum gibt es nicht öfters Filme, die die Probleme und Sorgen von der breiten Bevölkerung im Fernsehen darstellen oder auch „versteckte Probleme ans Licht bringen“? Filme mit diesen Attributen „lassen sich an noch nicht einmal zwei Händen abzählen“. Das sind die Filme: „Polizei“, „Aus dem Leben“, „Verschollen“, „Im Rausch“, „Allein zwischen den Fronten“ und ganz besonders der Film „Die Welt steht still“. Dabei gibt es viele Bereiche über die man noch einen Film oder eine Serie machen könnte, wie z.B. eine Chronik der Corona-Pandemie in Spielfilmform und im Anschluss an die Serie eine Dokumentation. Hierbei würde sich optimal die Serie der „Charité“ in der ARD eignen mit einer 5. Staffel, angefangen in Wuhan, dann entwickelt Prof. Drosten den ersten Coronatest weltweit an der Charité, das Robert-Koch-Institut mit Herrn Prof. Wieler. Und dann wird aus unterschiedlichen Perspektiven die Corona-Pandemie gezeigt mit den Phasen wie Heinsberg, Bergamo, die Ansprache von Frau Dr. Merkel, der erste Lockdown, der Tönniesfall, die Querdenker vor dem Reichstagsgebäude im August 2020, der zweite Lockdown, das schlimme Weihnachtsfest 2020/2021 mit vielen Coronatoten. Dann kam der Impfstoff und im Sommer 2021 glaubten wir: Wir haben es geschafft, doch dann folgte die DELTA-Variante und damit der schlimme Herbst 2021 mit der Brandrede von Herrn Prof. Wieler und der „Operation Kleeblatt“ wo man Coronapatitenten von Bayern und im Osten Deutschlands in andere Krankenhäuser mit Hilfe der Luftwaffe ausfliegen musste bis heute wo Frau Prof. Scheibenbogen zu ME/CFS und zu Long Covid an der Charité forscht.
    Nun würde ich aber gerne der ARD für den Film „Polizei“ meinen Dank aussprechen, aber auch ich komme leider auf der Homepageseite zu diesem Film nicht weiter. Weder eine „Sternebewertung“ noch mein abgegebener Kommentar (obwohl es hieß: Der Kommentar wurde erfolgreich abgegeben) kann ich dort hinterlassen.
    Dann mache ich es hier und bewerte diesen Film mit 4 von 5 Sternen. Ein sehr guter und authentischer Film.

  5. Eine Vorschau und eine Beschreibung, die es „in sich hat“. Doch wer denkt auch mal an die vielen Polizisten und Einsatzkräfte, die jeden Tag „da draußen“ für unsere Sicherheit, Gesundheit und Frieden wahllos und grundlos angegriffen werden? Auf beiden Seiten gibt es „scharze Schafe“ und ich finde es gut, wie ein Film das Thema der Polizeigewalt thematisiert. Ich würde mir aber auch einen Film wünschen über die Gewalt von Bürgerinnen und Bürgern gegenüber der Polizei, der Feuerwehr und der Rettungskräfte. Hierbei habe ich immer wieder das Video der Berliner Polizei vor Augen an Silvester mit der Überschrift: „Greift uns nicht an“. Ich glaube keiner kann sich vorstellen, wie es ist, wenn ein Familienmitglied als Polizist und als Notfallsanitäter an Silvester in Berlin im Einsatz ist.
    Ich wünsche mir ebenfalls weitere Filme mit Alltags- und Problembezug, wie z.B. auch die Darstellung der Ahrtalflut, die Ausschreitungen an Silvester in Berlin und auch eine Chronik der COVID-Pandemie (ähnlich dem Spielfilm: „Die Welt steht still“).

  6. Schade, bis heute ist die Seite der ARD gestört. Man kann weder eine Bewertung, noch einen Kommentar abgeben. Dann mache ich es nun eben hier: Der Film „Polizei“ der ARD war bewegend und regte zum Nachdenken an, doch gleichzeitig dachte auch ich daran, wie viele Rettungskräfte, Polizisten usw. im Einsatz von „uns allen“ täglich angegriffen werden und an Tagen, wie an Silvester ganz besonders. Ich wünsche mir weitere Filme dieser Kategorie (auch über Angriffe auf die Polizei und die Rettungskräfte) und nicht immer nur Krimis. Auch ich würde mich über eine Chronik der gesamten COVID-Pandemie im ähnlichen Stil des Films: „Die Welt steht still“ freuen mit einer Doku im Anschluss. Wir brauchen mehr Filme wie: „Verschollen“, wie „Aus dem Leben“, „Allein zwischen den Fronten“ oder auch „Polizei“.

  7. Warum kann man auf der ARD Seite des Films: „Polizei“ immer noch keine Sternebewertung und keinen Kommentar abgeben? Da müssen unbedingt die Informatiker ran. Es wäre schade, wenn man diesen Film überhaupt nicht auf der ARD Seite bewerten und kommentieren kann und dadurch ein falscher Eindruck entstehen würde, der Film würde dem Publikum überhaupt nicht gefallen oder es gäbe kein Interesse an dem Film. Denn wie ich in meinem Freundes- und Bekanntenkreis vernommen habe, wurde der Film gelobt. Vielleicht klappt es ja doch noch und die ARD bekommt das Problem in den Griff. Das gleiche Problem besteht auch bei dem Film „Verschollen“. Ebenfalls ein sehr lobenswerter Film, doch plötzlich war die Seite nicht mehr auffindbar.
    Ich bevorzuge Filme mit gesellschaftlichen Anspruch und das hatte der Film „Polizei“. Wir, als Gesellschaft, müssen beide Parteien betrachten, sowohl die Polizei, als auch uns, als Gesellschaft. In keiner dieser genannten Gruppen darf es zu Gewalt kommen und genau das hoffe ich auch am bevorstehenden Wochenende, wo zahlreiche Menschen in meiner Heimatstadt Gießen gegen die AFD-Jugendorganisation demonstrieren. Ein friedlicher Protest ist wichtig, richtig und sinnvoll. Gewalt ist dagegen nie eine Lösung.
    Ich plädiere ebenso für mehr Filme mit gesellschaftlichen Anspruch. Viele Filme wurden hier bereits erwähnt. Auch ich würde für eine Chronik der kompletten Corona-Pandemie in Spielfilmform, vielleicht eine 5. Staffel der ARD-Serie „Charité“, mit einer Dokumentation plädieren.
    Eine friedliche Zeit, nicht nur im Advent und in der Weihnachtszeit.

  8. Liebe Schreiberinnen und Schreiber hier im Forum,
    ich dachte schon, ich hätte einen Fehler gemacht, aber jetzt weiß ich, es liegt an der ARD Webseite. Also mache ich es hier und gebe mit meiner Familie für den Film 4,5 von 5 Sternen und der Kommentar folgt jetzt:
    Ich, Anton (13 Jahre), finde es immer wieder super wenn Dinge aus dem ganz normalen Leben „ins Fernsehen kommen“, wie im Film: „Polizei“ die Maikrawalle und die damit verbundene Polizeigewalt. Aber auch wir, müssen uns fragen, wie wir uns verhalten, wenn die Polizei an Silvester bittet sie nicht anzugreifen oder wenn die Feuerwehr und die Rettungssanitäter mit Böllern beworfen werden. Das ist mehr als unmöglich oder wenn ein Rettungswagen vor der Eingangstür parkt und sich dann die Leute beschweren, weil sie mit dem Auto die Garage nicht verlassen können. Ich sage mir dann immer: „Hey Leute, kapiert ihr das nicht, hier geht es einem Menschen schlecht und der bekommt gerade Hilfe und was macht ihr“? Bitte zeigt im Fernsehen mehr Filme „die mitten unter uns stattfinden“ und warum gibt es eigentlich noch keine Chronik über die Coronapandemie? Super oft wurde darum seit über 3 Jahren gebeten, aber stattdessen gibt es einen Krimi nach dem anderen.

  9. Wenn in der Hauptrezension von Rainer Tittelbach lese:

    «Autorin Laila Stieler geht es um die Auswirkung, die ein Fehlverhalten der Polizei auf das Opfer haben kann, einen sensiblen und etwas naiven jungen Mann, der möglicherweise zu gut(mütig) ist für diese Welt. »

    Das behauptete Fehlverhalten der Polizei kommt ja so gut wie gar nicht rüber und kommt auch erst ganz zum Schluss durch den aufgetriebenen «Zeugen mit Diabetes».
    Und schauspielerisch ist der Hauptdarsteller auch nicht wirklich eine Entdeckung. Vielleicht lag es aber auch an der Rolle, die er zu spielen hatte.
    Und ich bin wohl deshalb nicht frühzeitig aus dem Film ausgestiegen, weil ich die ganze Zeit darauf gewartet habe, dass der Film endlich mal Fahrt aufnimmt, aber der Film dümpelte die ganze Zeit vor sich hin.
    Lediglich als Berliner Milieu-Studie ist der Film m.E. zu gebrauchen.
    Bestenfalls 3 von 6 Sterne.

  10. Wir begleiten hier eine unsympathische, meist angefressen dreinschauende, vor Selbstmitleid zerfließende Dumpfbacke, einen Schulabbrecher, der alle, die es gut mit ihm meinen – seine nachsichtige Freundin, seine netten geschiedenen Eltern, seine bemühte Anwältin, seinen verständnisvollen Chef, seinen freundlichen Nachbarn – mürrisch bis frech und aggressiv behandelt und bei schlechter Laune auch vor sinnloser Sachbeschädigung nicht zurückschreckt. Der verzogene Jüngling hängt gerne mit asozialen, herumlungernden Typen ab, sein „bester Freund“, der ihn dann prompt in Stich läßt, ist z.B. ein jugendlicher Dealer. Am Rande einer gewalttätigen 1. Mai-Demo hat der unreife Bengel (sowas darf in Tu-felix-Austria ab 16 wählen!) nicht etwa politisch teilgenommen, sondern sich bei einer „Party“ nebenan erinnerungslos gesoffen und dann einen eigentlich zwecks Inschachhalten der randalierenden Demonstranten auftauchenden Polizisten mit einem vollen Bierbecher beworfen und dafür zunächst eine etwas raue Festnahme und zwei Jahre später (???) eine zugegebenermaßen übertriebene Anzeige kassiert. Seine Behandlung war aus Gutmenschensicht natürlich empörend, die Polizei sollte sich doch gefälligst alles gefallen lassen. Und die einschränkenden Covid 19-Maßnahmen werden irgendwann auch als an seinem Leid schuld erwähnt, obwohl im ganzen Film keine einzige Person jemals eine FFP2-Maske trägt. Tja, „das System“ ist eben böse und gemein zu hirnlosen, hedonistischen Jugendlichen.
    Nicht, dass ich nicht auch schon ab und zu einen über den Durst getrunken hätte, aber ich habe dabei niemanden, schon gar nicht einen Polizisten, attackiert. Dieser Film ist ein weinerliches Machwerk und ich mag nun einmal keine Idioten.
    Ich wurde übrigens im Zusammenhang mit der Coronakrise auch schon von zwei boshaften Schreibtisch-Polizistinnen jahrelang unberechtigt schikaniert (der Polizist vor Ort und die nette Polizeiamtsärztin reagierten auf meine Argumente hingegen verständnisvoll), sodass ich zuletzt erst vor einem objektiven Verwaltungsgericht Recht bekam – aber die Mehrheit der Polizisten ist OK, so eine generalisierende Hetze wie in diesem Film und anderen gegen „die Bullen“, die für unsere Sicherheit Leib und Leben einsetzen müssen (oder zumindest sollten), ist Schwachsinn.

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Fernsehfilm

NDR

Mit Levy Rico Arcos, Petra Schmidt-Schaller, Antonia Breidenbach, Luise Helm, Florian Geißelmann, Jamilah Bagdach, Michael A. Grimm, Alexander Hörbe, Katharina Hirschberg, Andreas Anke

Kamera: Falko Lachmund

Szenenbild: Anke Osterloh

Kostüm: Anne-Gret Oehme

Schnitt: Julia Oehring

Musik: Dürbeck & Dohmen

Soundtrack: La India („Ese Hombre“), Cypress Hill („Insane In The Brain“)

Redaktion: Christian Granderath, Sabine Holtgreve

Produktionsfirma: Kineo Filmproduktion

Produktion: Peter Hartwig

Drehbuch: Laila Stieler

Regie: Buket Alakuş

Quote: 2,90 Mio. Zuschauer (12,9% MA)

EA: 19.11.2025 10:00 Uhr | ARD-Mediathek

weitere EA: 26.10.2025 20:15 Uhr | ARD

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