Ein Kriminalroman, der Reiselust weckt. So lauteten einige Kritiken nach dem großen Erfolg des ersten „Kommissar Dupin“-Buchs. Folgerichtig, dass es nun den Fernsehkrimi dazu gibt, mit schönen Bildern von der bretonischen Küste und malerischen Städtchen. Das ist fast ein Selbstläufer, der weite Himmel, das Meer und zu Beginn Charles Trenets Chanson-Klassiker „La Mer“, dazu ein paar Touristen, die auf einem Bötchen übers Wasser schippern: Auch die Bestseller-Verfilmung versetzt sein Publikum schnell und wohl kalkuliert in Ferienstimmung.
Der Film hält sich im wesentlichen an die Roman-Handlung. Der verwitwete 91-jährige Kunstliebhaber Pierre-Louis Pennec wird in seinem eigenen Hotel erstochen. Dupin, der aus Paris in die Bretagne strafversetzt wurde, bekommt es mit einer alteingesessenen bretonischen Familie zu tun. Das Hotel wird geführt von Francine Lajoux, Pennecs Lebensgefährtin. Pennecs Sohn Loic zog die Bienenzucht vor, statt das Hotelgeschäft zu übernehmen. Sein Halbbruder André ist ein einflussreicher, herrisch auftretender Politiker. Und dann sind da noch Loics Frau Catherine und der Hotelkoch, beide reservierte, nicht sehr gesprächige Zeitgenossen. Schnell wird klar, dass der Mord mit Pennecs Liebe zur Kunst zu tun haben muss. An der Wand hängen lauter Gemälde von Paul Gauguin, der zeitweise in der hiesigen Künstlerkolonie lebte und mit Pennecs Großmutter befreundet war. Dupin vermutet, dass sich unter den Kopien ein bisher unentdecktes Original verbirgt und zieht eine Sachverständige zu Rate. Dann gibt es einen zweiten Toten: Loic Pennec wird am Fuße einer Klippe gefunden.
Es lässt sich nicht leugnen, dass bekannte deutsche Schauspieler wie Walter Kreye und Gudrun Ritter als bretonische Sturköpfe etwas irritierend wirken. Und das Dilemma, vergleichbar mit den Brunetti-Verfilmungen, lässt sich auch nicht mit ein paar eingestreuten französischen Vokabeln lösen. Aber die Inszenierung verzichtet dankenswerter Weise darauf, dass Deutsche hier allzu angestrengt auf Savoir-vivre machen. Das hätte ohnehin nicht zur abseitigen Bretagne gepasst, in der die eigenen Landsleute als Ausländer gelten. „Ah – ein Franzose“, sagt in „Bretonische Verhältnisse“ Francine Lajoux über den Pariser Dupin. Nebenbei bemerkt: Roman-Autor Jean-Luc Bannalec ist ein Pseudonym, hinter dem der Literaturbetrieb einen deutschen Verleger vermutet – insofern ist die Bretagne als Schauplatz eines deutschen Fernsehkrimis nicht ganz so befremdlich wie Donna Leons Venedig.
Überaus überzeugend ist die Besetzung: Mit Pasquale Aleardi („Papa auf Probe“) wird aus dem mürrischen Dupin ein attraktiver, charmanter, aber nicht zu glatter und etwas geheimnisvoller Bursche, der Fisch hasst und sich einen Spaß daraus macht, bei jeder Gelegenheit mit dem Auto geblitzt zu werden. Aleardi gibt „seinem“ Dupin auch sonst einige Macken mit: Das Malen rätselhafter Muster in den Sand am Strand oder auch eine theatralische Art, seinen Notizblock zu bedienen. Sehr schön Dupins knisternder Flirt mit Morgane, das passt gut mit Aleardi und Ulrike C. Tscharre. Außerdem überzeugt Jan Georg Schütte als ungelenker Inspektor Kadeg, der mit seinem seltsamen Humor für eine erfrischende Note sorgt. Annika Blendl als Assistentin Nolwenn kommt leider etwas kurz.
Vor der malerischen Kulisse der Bretagne entwickelt Regisseur Matthias Tiefenbacher seinen entspannten, auf sympathische Weise altmodisch erzählten „Whodunit“-Krimi. Gemächliches Tempo, viele Dialoge, aber kein Dauer-Geschwätz, dazwischen ein paar weite Blicke übers Meer, dazu ein angenehmer musikalischer Mix aus jazzigen und chanson-artigen Motiven – und ein Kommissar, der wie in den alten Detektivgeschichten durch Menschenkenntnis und Kombinationsgabe auf die Lösung kommt. Am Ende versammelt er im Agathe-Christie-Stil die Verdächtigen, um den Mörder und seine Motive zu entlarven. Das alles hat wirklich etwas von Urlaub, eine leichte Krimifarbe, die Lust aufs Wiedersehen macht. (Text-Stand: 30.3.2014)