Anwalt Gothe verunglückt mit dem Fahrrad, die Bremsen wurden manipuliert. Jetzt liegt er im künstlichen Koma, und Judith Mohn (Christina Hecke) und Freddy Breier (Robin Sondermann) ermitteln. Gothes Frau Monika (Franziska Hartmann) und sein Sohn Jakob (Manuel Santos) sind geschockt und schweigen. Dann wird im Haus und im Büro des Anwalts eingebrochen. Auf Judith wartet eine Überraschung: Ihr Freund Alain (Pierre Kiwis) hat Gothe als sein ehemaliger Anwalt und Freund geraten, einer Drohung nicht nachzugeben. Doch als sie ihn dazu befragt, beruft er sich auf seine anwaltliche Schweigepflicht. Gothe war Verteidiger des Narkosearztes Robert Sibelius (Christoph Bach), der wegen fahrlässiger Tötung der 13-jährigen Luisa angeklagt, die nach seiner Anästhesie an einer Blutvergiftung gestorben ist. Daniel Bergmann (Moritz Fuhrmann), Vater des toten Mädchens, kämpft für eine Verurteilung von Sibelius. Dann entdecken die beiden Ermittler, dass Monika einen Lover hatte – allerdings einen sehr ungewöhnlichen.
Foto: ZDF / Manju Sawhney
Dinah Marte Golch und Isabell Serauky haben diesen Fall raffiniert aufgebaut, ganz langsam fügen sich die Puzzleteile dieses Krimirätsels zusammen. Was als vermeintlicher Unglücksfall beginnt, wird schnell zum Krimi und nimmt im Verlauf zunehmend den Charakter einer Tragödie an. Die beiden Autorinnen haben bereits für die Folge „Die Liebe und der Tod“ sowie einige Usedom-Krimis zusammengearbeitet. Ihnen gelingt es, die verschiedenen Handlungsfäden behutsam zusammenzuführen, dabei große gesellschaftliche Themen zu streifen, aber auch tief in die kleine Welt einer Familie zu blicken. Ärztliches Ethos, Berufsdruck, Angst vor Versagen, Ausleben von Neigungen, Freundschaft, Toleranz, Abhängigkeiten – all das diskutiert der Film. Und er beleuchtet zudem das Thema Verschwiegenheitsverpflichtung von Anwälten, die zu tiefen inneren Konflikten führen kann. Hier sogar in doppeltem Sinne, da das Opfer sowie der Lebensgefährte der Kommissarin beide Anwälte sind, sich kennen und auch beratend verbunden sind.
Für Regisseurin Kirsten „Kiki“ Laser ist es der vierte Fall mit dem Saar-Team. Sie braucht keine lauten Töne. Eher ruhig und entschleunigt lässt sie die beiden Ermittler gegen eine Mauer des Schweigens anlaufen. Sie gibt ihnen viel Raum fürs Binnenverhältnis. Christina Hecke und Robin Sondermann sind als Judith und Freddy ein angenehm unaufgeregtes Duo. Da wird nicht geschrien, gestritten, man zieht an einem Strang. Bei den Ermittlungen steht nicht die Physis im Mittelpunkt, sie brauchen keine Verfolgungsjagden, keine Prügeleien, sie ermitteln mit Köpfchen und einer gehörigen Portion Instinkt. Einzig irritierend die Szene, wenn Freddy im benachbarten Frankreich mit sichtbarer Pistole am Gürtel durch die Szenerie stapft. Aber sei’s drum, ist ja Fiction. Die beiden Cops hören zu, kombinieren, sie ziehen Schlüsse … das ist mehr als solide und spannend zu verfolgen. In der Bildsprache ist das eher schnörkellos, aber die Regisseurin ist immer nah dran an den Figuren. Die stärksten Momente hat der Film in den Szenen mit Franziska Hartmann als Frau des Opfers. Sie liefert ein famoses Stück Schauspielkunst. Wie sie mit ihrer inneren Zerrissenheit kämpft, ihr langes Schweigen minutiös ausspielt und mit immer neuen Schicksalsschlägen zurechtkommen muss – Chapeau! Diese Rolle ist eine echte Herausforderung. Und die meistert sie bravourös.
Foto: ZDF / Manju Sawhney


1 Antwort
Gut geschrieben, wie immer. Aber zeitgleich sendete Arte auch Film 10 dieser Serie. Wo ist da die Kritik? Habt ihr den Film übersehen? Der war ebenfalls gut.