Claire und Bernhard sind wie Feuer und Wasser. Sie sorgt als Besitzerin einer Gärtnerei dafür, dass der blaue Planet etwas grüner wird, er baut Flugzeuge. Vor über 20 Jahren waren die beiden verheiratet – bis zur Affäre des werten Gatten. Beide wohnen in München, gehen sich seit Jahren aber, so gut es geht, aus dem Weg. Die anstehende Hochzeit ihrer gemeinsamen Tochter Sophie und ein alter indischer Geschäftskollege, der Bernhards Firma in den Ruin treiben könnte, sorgen allerdings dafür, dass sich die beiden mal wieder an einen Tisch setzen müssen. Dass sie gleich im Bett landen, war nicht geplant. Ein Ausrutscher – der alten Zeiten wegen? Von solchen Anflügen nostalgischer Gefühle ist Sophie weit entfernt, als ihre große Liebe, Schriftsteller Hans, der vor 14 Jahren in die weite Welt durchstartete, in die Heimat zurückkehrt. Der wohnt ausgerechnet bei ihrer Mutter. Claire hat ihn immer gemocht, während sie von Ingo, dem Mr. Busy-Busy, nicht viel hält als Schwiegersohn. Aber Sophie hat ihren eigenen Kopf. „Wir sind das perfekte Paar“, schwärmt die Flugzeugingenieurin. „Perfekt!“ Claire kann sich nur wundern über ihre Tochter.
Senta Berger und Friedrich von Thun haben sich schon mehrfach vor der Kamera köstlich gestritten unter der Anleitung von Drehbuchautorin Gabriela Sperl. 16 Jahre nach „Dr. Schwarz und Dr. Martin“ dürfen sie sich noch einmal kampeln, als wär’s das erste Mal. Die beiden im Streit tief verbundenen Hauptfiguren, bekommen in „Hochzeiten“ ein jüngeres Paar an die Seite gestellt, das weniger schön streitet, aber das auch Klasse besitzt: Lisa Martinek beweist, dass sie als Komödiantin mit Schnellsprechfaible, Coolness und Schalk im schönen Gesicht noch besser ist als in dramatischen Rollen, und Alles-und-viel-Spieler Fritz Karl hat auch als melancholischer Romantiker seine Stärken. Diese Komödie, bei der anfangs jeder das letzte Wort haben möchte, wobei sich Senta Bergers Claire dazu noch das Recht des letzten Blicks herausnimmt, geht wunderbar runter. Der Plot birgt keine Überraschungen, die Zwischentöne machen es (und die Lust am Wiedererkennen)! Ein Film zum Genießen. Weniger zum Kritisieren. Da gäbe es auch nicht viel bei dieser gut getimten Screwball Comedy, die im dritten Drittel – anstatt ins aufgesetzt Romantische zu kippen – sich auf die Vernunft und die Reife ihrer Charaktere verlässt. Statt „Ich liebe dich“ sagen die vom ewigen Streiten müde gewordenen Helden: „Es tut mir leid.“ Auch das ein guter Schachzug von Sperl. Irgendwann ist ausgezankt – und die Autorin lässt die Figuren nicht länger über die Sprache zu sich kommen, sondern treibt sie von innen heraus zur Besinnung. Und dann stellt auch Martineks Multitasking-Menschmaschine sich und ihrem Bräutigam Fragen: „Wäre es dir lieber, ich wäre ein Flugzeug.“ Solche Sätze sind dann das letzte Sahnehäubchen auf diesem gekonnten Degeto-Balanceakt zwischen Komödien-Genre und beiläufiger Beziehungswahrheit.