Eine bessere Welt

Baumeister, Kaya, Benzschawel, Shyx, Sargent, Hayali, Gottmann, Hilger. Shitstorm wird zur realen Bedrohung

14.03.2026 10:00 ZDF-Stream Streaming-Premiere
23.03.2026 20:15 ZDF TV-Premiere
Foto: ZDF / Julia Feldhagen
Foto Thomas Gehringer

Eine Wissenschaftlerin erntet nach einem Talkshow-Auftritt zur Klimakrise eine Flut an Hassbotschaften. Der Fernsehfilm „Eine bessere Welt“ erzählt, wie die virtuelle Gewalt eines sexistischen Shitstorms für Frauen zu einer bedrohlichen Realität im Alltag wird. Die Inszenierung von Sebastian Hilger konzentriert sich auf die Perspektive des von Peri Baumeister eindringlich gespielten Opfers, das gerade mit Partner und zwei Kindern in ein eigenes Haus gezogen ist. Das gesellschaftskritische Thrillerdrama verbindet spannende Unterhaltung mit einer klaren Haltung, hinterlässt aber auch den etwas fatalistischen Eindruck, dass gegen den Internet-Mob kein Kraut gewachsen sei. Die Botschaft: Von Hatespeech Betroffene werden von Politik, Polizei und Gesellschaft im Stich gelassen.

Mit der Einführungsszene wird bereits die Kernbotschaft des Thrillerdramas „Eine bessere Welt“ präsentiert: Eine junge, verängstigte Frau namens Lara fühlt sich verfolgt, blickt sich auf dem Fahrrad permanent um. Ihre Gedanken sind begleitend aus dem Off zu hören: „Sie werden versuchen dich kleinzukriegen. (…) Sie wollen etwas in dir kaputt machen. Damit du abhaust, den Mund hältst. Aber ich werde den Mund nicht halten, bis zum Ende nicht.“ Kurz bevor sie ihren Durchhaltewillen bekundet, stürzt sie mit dem Fahrrad zu Boden. Später wird Lara dem Publikum als entschlossene Kämpferin gegen Hatespeech wiederbegegnen, ein gutes Ende nimmt es mit der Figur aber nicht. Gespielt wird sie von Kayla Shyx, die 2023 mit einem YouTube-Video über die Partys nach Rammstein-Konzerten und über Missbrauchsvorwürfe gegen Sänger Till Lindemann selbst zur Zielscheibe von Hassbotschaften wurde. Auch eine zweite Rollenbesetzung weist reale Bezüge auf. Lara muss wegen ihres Rad-Unfalls einen Auftritt in der Talkshow „Talk & Themen“ absagen. Dunja Hayali, die als prominente ZDF-Journalistin ebenfalls in der Realität massiv angefeindet wird, spielt die Moderatorin.

Eine bessere WeltFoto: ZDF / Julia Feldhagen / Willi Weber
Oben: Elena (Peri Baumeister) in der Talkshow „talk & themen“, moderiert von Dunja Hayali, in der die Wissenschaftlerin ihr Buch zur ökologischen Zukunft vorstellt. Dabei gerät sie in eine hitzige Diskussion mit Boris Graubner (Roland Silbernagl). Unten: Nach dem Talkshow-Auftritt erhält Elena eine Unmenge an Hasskommentaren. Sie ist entsetzt und zunehmend verunsichert.

Statt Lara wurde die Biologin Dr. Elena Stanat (Peri Baumeister) eingeladen. Sie plädiert sowohl in ihrem gerade veröffentlichten Buch „Eine bessere Welt“ als auch in der Sendung dafür, dass jedem Einzelnen zur Bekämpfung der Klimakrise ein festes Co2-Budget zugewiesen wird. Im Duell mit einem Lobbyisten der Privatwirtschaft erweist sie sich als schlagfertig, ohne sich auf eine unsachliche Ebene locken zu lassen. Das inhaltliche Thema, der sich zur Katastrophe auswachsende Klimawandel, bleibt in der weiteren Handlung ausgeblendet. Stattdessen erzählt der Film, wie die Grenzen zwischen virtueller und realer Gewalt verschwimmen. Dass die zahlreichen Kommentare, die die Wissenschaftlerin nun im Sekundentakt erhält, nicht einfach eingeblendet werden, sondern von (fast ausschließlich) männlichen Stimmen aus dem Off zu hören sind, ist eine clevere Idee. Umso persönlicher und schockierender wirken die abschätzigen, häufig sexistischen Aussagen. Und umso bedrohlicher klingt es, wenn ein „bester Freund“ mit vermeintlich freundlicher Stimme einen „Hausbesuch von qualifiziertem Personal“ bei der „sehr geehrten Frau Dr. Stanat“ ankündigt.

Die Biologin hat gerade mit ihrem Partner Deniz (Serkan Kaya) und den beiden Kindern Ada (Soraya Marie Efe) und Sami (Elias Efe) ein altes Haus mit Garten bezogen. Der idyllische Schauplatz steht für den Traum der Familie von einer heilen Welt, die von außen bedroht wird. Gleichzeitig schafft die Inszenierung mit den Hinterlassenschaften des Vorbesitzers, der ausgestopfte Vögel sammelte und Vogelfüße in Einmachgläsern aufbewahrte, eine geheimnisvolle, leicht schaurige Atmosphäre. Der Mann galt seinen Angehörigen zuletzt als durchgeknallter Opa, der sich in seiner unermüdlichen Suche nach dem Goldregenpfeifer selbst verlor. Auch die Biologin stöbert gerne in seiner Sammlung im Dachboden. Es wird ziemlich offenkundig suggeriert, dass Elena Stanat ebenfalls dazu neigen könnte, den Bezug zur Realität zu verlieren. Denn genau das scheint zu geschehen: Ihre Verunsicherung wird durch die anhaltenden Hasskommentare, durch irritierende Begegnungen und zunehmend bedrohliche Ereignisse zu nackter Angst.

Eine bessere WeltFoto: ZDF / Willi Weber
Oben: Der private Traum von einer heilen Welt. Endlich können Elena (Peri Baumeister) und Deniz (Serkan Kaya) mit den Kindern in das neue Haus ziehen. Da bricht die Hasswelle in ihr Leben. Unten: Hilft die Natur? Elena & ihre Tochter Ada (Soraya Marie Efe)

Geschickt lässt die Inszenierung von Sebastian Hilger offen, ob die Wissenschaftlerin sich verdächtige Geräusche und schattenhafte Gestalten nur einbildet oder ob sie vielleicht doch real sind. Spannend ist das allemal, auch wenn man sicher davon ausgehen darf, dass hier nicht das Klischee einer hysterisch übergeschnappten Frau bemüht werden dürfte. Eindringlich wird jedenfalls deutlich, wie tief- und weitgehend Hassbotschaften wirken, wie Menschen verunsichert und entmutigt werden, wie sogar deren Leib und Leben in Gefahr gerät. Woran es mangelt im Kampf gegen Hatespeech im Netz und wie sich Menschen wehren können, wird dagegen nur ansatzweise skizziert, etwa in Szenen an Elenas Uni-Institut und auf einer Polizeiwache. Leider ist es bittere Wahrheit, dass die Adressen der Betroffenen durch die von Anwälten beantragte Akteneinsicht in die Hände der Hatespeech-Absender geraden können. Und ein gemeinsam aufgenommenes Video von Frauen gegen Hatespeech führt im Film nur zu noch mehr üblen Attacken. So hinterlässt das Drama einen ziemlich fatalistischen Eindruck, als wäre gegen den Hass des Internet-Mobs kein Kraut gewachsen, jedenfalls bei der gegenwärtigen Rechtslage. Bleibt nur der Appell an Politik, Polizei und Justiz, die Betroffenen besser zu schützen. Das Thema wird durch die ergänzende Dokumentation „Hass im Netz: Eine bessere Welt“ (ZDF, 23. März, 22.15 Uhr, sowie ab 14. März in der Mediathek) vertieft.

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Fernsehfilm

ZDF

Mit Peri Baumeister, Serkan Kaya, Carl Benzschawel, Kayla Shyx, Seumas Sargent, Soraya Marie Efe, Elias Efe, Alexandra Schalaudek, Dunja Hayali, Roland Silbernagl, Yun Huang, Felix Geiwanger, Nikolai Will, Christina Beyerhaus

Kamera: Martin L. Ludwig

Szenenbild: Julian Augustin

Kostüm: Sarah Hachim

Schnitt: Simone Klier

Musik: Stefan Benz

Redaktion: Alexandra Staib

Produktionsfirma: Zeitsprung Pictures

Produktion: Daniel Mann, Michael Souvignier, Till Derenbach

Drehbuch: Nadine Gottmann, Sebastian Hilger

Regie: Sebastian Hilger

EA: 14.03.2026 10:00 Uhr | ZDF-Stream

weitere EA: 23.03.2026 20:15 Uhr | ZDF

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