Der Lehrer – Staffel 10

Hendrik Duryn, Hanusrichter, Schleiff, Barucki, Yannick Posse, Müller, Zingelmann. Gute Laune mit Mehrwert

Foto: RTL / Pascal Bünning
Foto Tilmann P. Gangloff

Das Comeback des Klassikers nach fünf Jahren Pause, jetzt wieder mit Hendrik Duryn. Die sechsteilige zehnte Staffel der 2009 gestarteten RTL-Serie „Der Lehrer“ (MadeFor Film) bietet dank der Kombination heiterer Elemente mit realitätsnah geschilderten Schuldramen die gewohnt perfekte Mischung aus Unterhaltung und Anspruch: Stefan Vollmer kehrt nach einer Auszeit als Tischler an einer neuen Schule in seinen Beruf zurück und wird prompt mit den alten Problemen konfrontiert. Zum Ausgleich darf er sich nach sieben Jahren als Witwer wieder verlieben, diesmal nicht in eine Kollegin, sondern in eine Nachbarin (Birte Hanusrichter). Witzig, temporeich, mitreißend erzählt, gerade auch von den jungen Mitwirkenden ausgezeichnet gespielt und dank der behandelten Themen auch noch relevant. Es geht um Angst vor der Angst, Einsamkeit, Homosexualität und allzu frühe Schwangerschaft. Höhepunkte der Folgen sind Vollmers Monologe, darunter ein Appell an die Klasse, Mut zur Verletzlichkeit zu zeigen, oder ans Kollegium, den Schülerinnen und Schülern die Freiheit zu geben, ihre Persönlichkeit zu entfalten.

Genau genommen müsste zumindest die erste Folge „Der Tischler“ heißen: In Staffel neun (2021) hat Stefan Vollmer seine Berufung hinter sich gelassen und ist ausgestiegen. Weil seinem Nachfolger (Simon Böer) als Titelfigur des 2009 gestarteten RTL-Klassikers „Der Lehrer“ deutlich weniger Erfolg beschieden war und ohnehin kein anderer als Hendrik Duryn in dieser Rolle vorstellbar ist, gibt es nun nach fünf Jahren ein Wiedersehen: Vollmer schließt seine Tischlerei, zunächst allerdings nur vorübergehend, denn eigentlich will er bloß für zwei Wochen in den Beruf als Chemielehrer zurückkehren.

Das Comeback hat das Drehbuchteam rund um Yannick Posse, der seit Staffel zwei dabei ist und zuletzt stets Chefautor war, clever eingefädelt: An einer Ampel läuft die junge Tilda vor Vollmers Auto. Sie nutzt die Gelegenheit und klaut sein Portemonnaie, verliert dabei aber ein Schulbuch. Was für Vollmer wie ein bizarrer Zufall wirkt (Chemie, Jahrgangsstufe neun), entpuppt sich als Wink des Schicksals, denn das Buch führt ihn zur Lilienthal Oberschule, wo er prompt ein Déjà-vu erlebt: Der Krach im Klassenzimmer erinnert ihn lebhaft an seine frühere Gesamtschule. Es herrscht ein allgemeines Tohuwabohu, ein Schüler ist an den Kartenständer gefesselt. In zwei Wochen ist Abschlussprüfung, die Teenager werden mit Pauken und Trompeten durchfallen, und der Junge am Kartenständer entpuppt sich als Student im ersten Semester, der hier gerade ein Praktikum macht. Weil die unsympathische Schulleiterin keinerlei Interesse offenbart, an den Missständen etwas zu ändern, erklärt sich Vollmer bereit, die Schülerinnen und Schülern beim Endspurt zu begleiten. Der von Ferne an „Der Club der toten Dichter“ (1989) erinnernde Schluss der ersten von sechs Episoden hat allerdings zur Folge, dass der Lehrer und die komplette Klasse ein weiteres Schuljahr miteinander verbringen werden.

Der Lehrer – Staffel 10Foto: RTL / Steffen Junghans
Im Zweifel immer für die Schüler und Schülerinnen. Oben: Stefan Vollmer (Hendrik Duryn) und Tilda (Kya-Celina Barucki). Unten: Jakob (Mateo Wansing Lorrio) steckt in rosaroten Schwierigkeiten. Weshalb taucht Philipps Bruder in der Schule im Tutu auf?

Gerade in den ersten beiden Episoden legt Dominic Müller, der mit Duryn schon bei „Dünentod“ (ebenfalls RTL) zusammengearbeitet und fürs ZDF diverse überwiegend sehenswerte „Wilsberg“- und „Friesland“-Krimis inszeniert hat, ein beachtliches Tempo vor. Vollmers 14 Tage vergehen wie im Flug, weil sie mit Hilfe eines Tafel-Countdowns zu einer Sendeminute komprimiert werden; am Ende steht da statt „0“ „365“. Quantitativ kleiner, qualitativ aber mindestens ebenso wichtig wie die Schulzeit war stets Vollmers Privatleben. Gerade in den Staffeln zwei bis sieben ließen sich diese beiden Ebenen wegen der On/Off-Romanze mit Kollegin Karin (Jessica Ginkel) ohnehin nicht trennen. Diesmal gibt’s eine Überschneidung der anderen Art: Schüler Max (Luke Matt Röntgen) ist der Sohn von Vollmers neuer Nachbarin Nadia. Schulleiterin Bohm (Tanja Schleiff) erklärt die Krankenschwester kurzerhand zur Vorsitzenden der Elternpflegschaft und Vollmer zum Verbindungslehrer. Bei Nadias Einzug verursacht Vollmer erst mal einen Scherbenhaufen; der typische Auftakt einer romantischen Komödie, zumal sich der in den Credits als „Creative Consultant“ geführte Duryn und Birte Hanusrichter beim Schlagabtausch auf dem Balkon oder im Treppenhaus nichts schuldig bleiben und mit ihrem Ex (Kai Albrecht) immer wieder mal der klassische Nebenbuhler dazwischen funkt.

Zentrales Handlungsmotiv sind trotzdem die Schulgeschichten, bei denen Vollmer wie gewohnt im Zweifel auf der Seite der Schülerinnen und Schüler steht. Der erzählerische Ansatz ist grundsätzlich positiv, selbst wenn es zunächst nicht danach aussieht; sogar Tilda (Kya-Celina Barucki) hatte beim Diebstahl der Geldbörse eigentlich Gutes im Sinn. Die Themen stammen aus dem Schulalltag, werden tiefgründig behandelt und dienen daher nicht als Vorwand für schnelle Gags: In Folge zwei wird ein Junge (Linus Moog) nach Strich und Faden gemobbt, in Folge drei sorgt Vollmer dafür, dass drei seiner Schutzbefohlenen hochgestuft werden, damit sie den Realschulabschluss machen können; und ausgerechnet Anton (Nevio Wendt), ein Schnösel mit vermögenden Eltern, soll der aus armen Verhältnissen stammenden Eileen (Acelya Sezer) Nachhilfe geben.

Der Lehrer – Staffel 10Foto: RTL / Steffen Junghans
Der Lehrer darf sich auch wieder verlieben, diesmal in eine Nachbarin. Stefan Vollmer (Duryn) & Nadia Mazur (Birte Hanusrichter)

Auch wenn die jeweiligen Wendungen nicht weiter überraschen mögen, zumal Rektorin Bohm regelmäßig erwartbar damit scheitert, Vollmer nach den diversen Zwischenfällen „über die Klinge springen zu lassen“: Wie die Geschichten die Kurve kriegen, ist jedes Mal die reine Freude. Anders als die etwas stereotypen Mitglieder des Kollegiums, allen voran Mathelehrer Naumann (Marian Kindermann), der Mobbing für ganz normale Gruppendynamik und Vollmers engagierte Plädoyers für „idealistisches Geblubber“ hält, sind die Jugendlichen komplexe Charaktere; und allesamt ausgezeichnet gespielt. Davon abgesehen gelingt auch der zehnten Staffel jene Gratwanderung, die von Anfang an ein weiteres Merkmal der Serie war: Es gibt zwar witzige Slapstickzenen, aber die Pointen sind dank der geistreichen Dialoge nie plump. Die behandelten Themen haben ohnehin eine hohe Relevanz; es geht um Angst vor der Angst, Einsamkeit, Homosexualität und allzu frühe Schwangerschaft. Höhepunkte der Folgen sind Vollmers Monologe, darunter ein Appell an die Klasse, Mut zur Verletzlichkeit zu zeigen, oder ans Kollegium, den Schülerinnen und Schülern die Freiheit zu geben, ihre Persönlichkeit zu entfalten.

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Mit Hendrik Duryn, Birte Hanusrichter, Tanja Schleiff, Kya-Celina Barucki, Luke Matt Röngten, Katharina Hirschberg, Acelya Sezer, Leon Nidaye, Linus Moog, Nevio Wendt, Fritz Manhenke, Hannah Jurgons, Paul Sodann, Mohamad Geshe

Kamera: Andrés Marder, Matthias Prause

Szenenbild: Adrienne Zeidler

Kostüm: Sabrina Krämer

Schnitt: Günter Schultens, Mareile Marx-Scheer

Musik: Dynamedion Soundtrack (Folgen 1 bis 3): James Bay & Jon Batiste („Sunshine In The Room), Lola Young („Messy“), The Kooks („Never Know“), Rosé („Dance All Night“), Donna Regina („How Beautiful“), A Tribe Called Quest („Can I Kick It?“), Beck („Lost Cause“), Caro Emerald („That Man“), Curtis Harding („The Power“), Paul Russell („Lil Boo Thang“), Nathaniel Rateliff & The Night Sweats („Heartless“)

Redaktion: Sylke Poensgen

Produktionsfirma: MadeFor Film

Produktion: Mirko Schulze, Christian Munder, Nanni Erben, Gunnar Juncken

Headautor*in: Yannick Posse

Drehbuch: Yannick Posse, Berthold Probst, Luci van Org, Anne Katharina Roicke, Stefan Kuhlmann

Regie: Dominic Müller, Nico Zingelmann

EA: 21.05.2026 10:00 Uhr | RTL+

weitere EA: 28.05.2026 20:15 Uhr | RTL (donnerstags, je drei Folgen)