Ein starkes Team – Das letzte Opfer

Martens, Stappenbeck, Maja Bons, Gilz, Dinda, Timo Berndt, Bettina Braun. Gefahr im Verzug

Foto: ZDF / Hardy Spitz
Foto Tilmann P. Gangloff

In dem inhaltlich und auch in der Umsetzung herausragend guten Krimi aus der ZDF-Klassikerreihe „Ein starkes Team“ (UFA) mischt sich das LKA-Team in eine Soko-Ermittlung ein: Das vermeintlich letzte Opfer eines Frauenmörders passt nicht in die Serie. Als der Mann unter bizarren Umständen ums Leben kommt, scheint der Fall geklärt; aber sein tatsächlich letztes Opfer ist verschwunden. Weil es die begründete Hoffnung gibt, dass die Frau noch lebt, beginnt ein verzweifelter Wettlauf gegen die Zeit.

Handelsübliche TV-Krimis funktionieren in der Regel nach der C&A-Methode. Das Bekleidungsunternehmen hat einst mit dem Slogan „Prüfe hier und prüfe da, kaufe dann bei C&A“ geworben. Aufs Muster der meisten Reihen und Serien übertragen heißt das: Wir klappern alle Verdächtigen ab, und am Ende ist der Fall gelöst. Schon allein deshalb fällt „Das letzte Opfer“, Fall Nummer 101 für das „Starke Team“, komplett aus dem Rahmen, denn zum einen ist das LKA-Trio gar nicht zuständig, als zum wiederholten Mal eine erdrosselte Frau gefunden wird, und zum zweiten scheint der Fall ohnehin gelöst, als der vermeintliche Serienmörder nach fünfzehn Filmminuten unter bizarren Umständen ums Leben kommt. Anders als gewohnt verzichtet das Drehbuch zudem weitgehend auf die üblichen Schmunzeldialoge. Zum Ausgleich hat sich Timo Berndt einen Gaststar ausgedacht, der dem Ensemble bei seinen heiteren Zwischenspielen prompt die Show stiehlt.

Ähnlich ausgezeichnet wie die Vorlage ist die Umsetzung. Angesichts immer höherer Kosten bei gleichzeitig stagnierenden Budgets bleibt den Produktionsfirmen kaum noch Spielraum. Mit ihren vielen Gesprächen, in denen die Teammitglieder den Fall erörtern, sehen viele Reihenkrimis daher mittlerweile wie Vorabendserien aus. Das ist hier zwar nicht völlig anders, doch Bettina Braun (Regie) und Felix Beßner (Bildgestaltung) haben zumindest versucht, den Plaudereien optisch ein bisschen Abwechslung zu verleihen. Öfter mal die Kameraperspektive wechseln, eine etwas höhere Schnittfrequenz sowie eine andere Farbgebung und Lichtsetzung als sonst erweisen sich als ebenso wirkungsvoll wie die schlichte Idee, ein Gespräch einfach mal nach draußen zu verlagern. Die Musik (Dirk Leupolz) ist ebenfalls von besonderer Qualität; die Tonspur ist ohnehin sorgfältig gestaltet.

Ein starkes Team – Das letzte OpferFoto: ZDF / Hardy Spitz
Hauptkommissarin Corinna Giebelhausen ist sich sicher. Die Tote gehört zu der Mordserie, zu der ihre SOKO gerade ermittelt. Also doch kein neuer Fall für das „starke Team“? Stefanie Stappenbeck, Florian Martens, Lucas Reiber, Katja Weitzenböck und Eva Sixt

Aber der Knüller ist die handlungsreiche und überaus clever konzipierte Geschichte. Berndt ist ein sehr fleißiger Autor und gerade beim ZDF viel beschäftigt. „Sarah Kohr“ ist mehr oder weniger seine Schöpfung, „Die Toten vom Bodensee“ hat er lange geprägt, für „Marie Brand“, „Wilsberg“, „Friesland“ und „Ein starkes Team“ schreibt er ebenfalls regelmäßig. Krimis nach seinen Drehbüchern sind oft ungewöhnlich und in der Regel sehenswert, aber diesmal hat er sich selbst übertroffen, zumal schon der rätselhafte Auftakt die Neugier weckt. Mindestens so wichtig wie die Geschichten sind gerade bei Reihenkrimis die Entwürfe der gern namhaft besetzten Episodenrollen. Prominente Mitwirkende und daher als Figur automatisch verdächtig sind diesmal Jessica Ginkel und Franz Dinda, doch die Meriten gebühren vor allem Maja Bons, die nicht zuletzt dank ihrer Jugendlichkeit derart viel frischen Wind in den Film bringt, dass ihre Rolle Ensemblepotenzial hat: Luisa Knapp betreibt den Podcast „Berlin Crimes“, taucht regelmäßig an allen möglichen Tatorten auf, ignoriert die Absperrungen und ist in sämtlichen Abteilungen der Polizei als Nervensäge verschrien. Diesmal jedoch erweisen sich ihre Recherchen als äußerst nützlich.

Nach dem Fund einer weiblichen Leiche in einem Park spricht alles dafür, dass es sich um das fünfte Opfer eines Frauenmörders handelt, der die Stadt seit einiger Zeit in Atem hält. Nils Makowski (Lucas Reiber), der junge Kollege von Otto Garber und Linett Wachow (Florian Martens, Stefanie Stappenbeck), glaubt das nicht, aber dem LKA-Team sind die Hände gebunden: Die Ermittlungen obliegen einer Soko, deren selbstgefällige Leiterin (Katja Weitzenböck) Makowskis Unbehagen ignoriert. Ausgerechnet Luisa bestärkt seine Zweifel: Kürzlich hat sich ihr eine Frau anvertraut, die nicht nur wusste, wer der Mörder ist, sondern zudem überzeugt war, das nächste Opfer zu sein. Luisa hat sie überredet, nicht zur Polizei zu gehen, um die Story erst mal selbst auszuschlachten; und nun ist Antonia Kriesche verschwunden. Zumindest für die Soko hat sich der Fall kurz drauf allerdings erledigt: Ein vom eigenen Auto überrollter Stadt- und Friedhofsjäger ist eindeutig der gesuchte Mörder. Da der Mann seine Opfer vor ihrem Tod einige Tage lang gefangen gehalten hat, gibt es begründete Hoffnung, dass Antonia noch lebt. Aber wo? Und wer ist der „Copykiller“?

Es tut dem Film gut, dass Makowski diesmal zur treibenden Kraft der Ermittlungen wird, aber selbst Lucas Reiber hat keine Chance gegen den Blickfang der Revierszenen: Wachow hat aus Antonias verwaister Wohnung ein Dr. Lüdenscheid getauftes Frettchen mitgebracht. Das Tier büxt umgehend aus, treibt fortan fröhlich zwitschernd allerhand Unfug im Revier und beschert dem Film eine sehr witzige Schlusspointe.

Ein starkes Team – Das letzte OpferFoto: ZDF / Hardy Spitz
Luisa Knapp (Maja Bons) lauert Jörg Mauser (Artjom Gilz) auf. Sie will unbedingt ein Interview für ihren True-Crime-Podcast.

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Reihe

ZDF

Mit Florian Martens, Stefanie Stappenbeck, Lucas Reiber, Maja Bons, Arnfried Lerche, Artjom Gilz, Franz Dinda, Jessica Ginkel, Kathleen Morgeneyer, Katja Weitzenböck, Eva Sixt, Jaecki Schwarz, Kaya Marie Möller

Kamera: Felix Beßner

Szenenbild: Michael Fechner

Kostüm: Ulrike Carolina Simm

Schnitt: Simone Klier

Musik: Dirk Leupolz

Soundtrack: Stevie Wonder („Superstition“)

Redaktion: Matthias Pfeifer

Produktionsfirma: UFA Fiction

Produktion: Simon Müller-Elmau

Drehbuch: Timo Berndt

Regie: Bettina Braun

Quote: 7,34 Mio. Zuschauer (29,9% MA)

EA: 09.12.2025 10:00 Uhr | ZDF-Stream

weitere EA: 10.01.2026 20:15 Uhr | ZDF

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