Wenn Vierbeiner verhaltensauffällig sind, befindet sich das eigentliche Problem meist am anderen Ende der Leine. Hundeschulen sind zwar kein Therapieersatz, aber für eine Komödie ist das natürlich ein gefundenes Fressen. Entsprechend verkorkst sind die fünf Personen, die sich zum Training in den Tiroler Alpen einfinden; ihre Hunde sind im Grunde bloß Symptomträger. Dass einige der zweibeinigen Mitwirkenden in dieser Netflix-Produktion mitunter allzu weit übers Ziel hinausschießen, schmälert das Vergnügen gelegentlich, aber davon abgesehen macht „Eat Pray Bark – Therapie auf vier Pfoten“ viel Vergnügen. Außerdem lässt sich ein Star entdecken: Der ehemalige isländische Nationalspieler Rúrik Gíslason, der hierzulande in der zweiten Liga gekickt hat und deshalb ausgezeichnet Deutsch spricht, ist als Hundeflüsterer mit angeblich keltischen Wurzeln weit mehr als bloß der Hingucker des Films.
Foto: Netflix
Die Hauptrolle spielt allerdings Alexandra Maria Lara als bayerische Staatsministerin für Umwelt und Verbraucherschutz. Ursula Brandmeier ist als Gast einer TV-Talkshow über Haustiere ein folgenschwerer Fauxpas unterlaufen: Sie dachte, das Gespräch sei wegen eines Einspielfilms unterbrochen, aber die Sendung ging weiter. Aufgrund ihrer Aussage, sie würde lieber tot überm Zaun hängen, als sich ihr Dasein mit einem Vierbeiner zu teilen, ist sie zur Hassfigur aller Hundemenschen geworden; prompt wird ihr Rücktritt gefordert. Um ihr Image wiederherzustellen, besorgt ihre Beraterin einen Hund aus dem Tierheim. Die junge Brenda hat allerdings bloß Unfug um Kopf, deshalb nimmt die Politikerin inkognito an einem Kurs bei Hundeflüsterer Nodon in Tirol teil. Zu der Gruppe gehören außerdem Literaturprofessor Helmut (Devid Striesow) und sein junger Lebensgefährte Ziggy (Doğa Gürer), der finstere Polizist Hakan (Kerim Waller) sowie die hypersensible Babs (Anna Herrmann).
Natürlich ist „Eat Pray Bark“ (Essen, Beten, Bellen) so konzipiert, dass der Film auch all’ jenen Spaß macht, die mit Hunden nichts am Hut haben. Trotzdem spielen die Tiere wichtige Rollen, zumal sie die Turbulenzen der Geschichte verursachen, allen voran der zottelige Torsten, dessen Temperament Babs von einer Verlegenheit in die nächste stürzt. Dass der zickige Ziggy ein Schoßhündchen mit maßgeschneiderten Couture-Kleidchen und Schleifchen im Haar hat, ist längst nicht das einzige Klischee in der Zeichnung des schwulen Paars. Die beiden sind hier, weil Yorkshire-Terrier Lady Gaga offenbar eifersüchtig auf Helmut ist und ständig nach ihm schnappt. Der Fünfte im Bunde ist ein dagegen wohltuend ruhiger Teilnehmer. Mit Hakan und seinem belgischen Schäferhund Roxy bekommt die Handlung eine tragische Note: Es gab ein Ereignis, dass die beiden gleichermaßen trennt und verbindet.
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Viele Dialoge sind sehr lustig (Buch: Jane Ainscough, Hortense Ulrich und Regisseur Marco Petry), zumal Ursula und Helmut eine erfrischende Vorliebe für Gehässigkeiten haben, und gerade Torsten sorgt für eine Menge situationskomischer Momente. Deshalb wäre es gar nicht nötig gewesen, den überkandidelten Ziggy und die permanent grenzhysterische Babs derart auf die Spitze zu treiben. Die labile junge Frau ist eigentlich eine komplexe Rolle, wird aber durch Anna Herrmanns nervige Darstellung ins Lächerliche gezogen. Im Rahmen ihrer Psychotherapie wurde Babs empfohlen, sich als Anker im Alltag einen Hund anzuschaffen. Sie entspricht somit exakt jener Person, die Ursula vermutlich vor Augen hatte, als sie im Fernsehen sagte: Wenn ein Hund ihr wichtigster Sozialpartner wäre, würde sie sich die Kugel geben. Torsten gilt wegen seiner überschäumenden Lebhaftigkeit als Gefahr für die Allgemeinheit, er muss daher einen Wesenstest und Babs den „Hundeführerschein“ bestehen, sonst trennen sich ihre Wege.
Dass „Eat Pray Bark“ ein kurzweiliges Vergnügen ist, liegt neben der ausgesprochen munteren „keltischen“ Musik (Annette Focks) vor allem an der zentralen Figur. Dank des Maskenbilds erinnert Rúrik Gíslason stark an den nordischen Donnergott Thor, wie ihn Chris Hemsworth in den „Avengers“-Filmen verkörpert hat. Kein Wunder, dass Ziggy und Babs ganz wuschig werden, als Nodon halbnackt einem Bergsee entsteigt. Mit viel Freude nimmt das Drehbuchtrio zudem diverse schamanische Rituale aufs Korn. Das ist die einzige Parallele zur Bestsellerverfilmung „Eat Pray Love“ (2010) mit Julia Roberts als Sinnsucherin, auf die der Filmtitel anspielt. Petry hat zuletzt ebenfalls für Netflix die witzige romantische Komödie „Spieleabend“ (2024) gedreht.

