Die Notärztin – Staffel 2

Sabrina Amali, Woelky, Zichner, Hemmersdorfer, Schimrigk, Jan Haering. Immer mit der Ruhe

17.02.2026 10:00 ARD-Mediathek Folgen 1-7 Streaming-Premiere
24.02.2026 20:15 ARD Folge 1 TV-Premiere
03.03.2026 20:15 ARD Folge 2 TV-Premiere
10.03.2026 20:15 ARD Folge 3 TV-Premiere
17.03.2026 20:15 ARD Folge 4 TV-Premiere
24.03.2026 20:15 ARD Folge 5 TV-Premiere
31.03.2026 20:15 ARD Folge 6 TV-Premiere
07.04.2026 10:00 ARD-Mediathek Folgen 8-13 Streaming-Premiere
07.04.2026 20:15 ARD Folge 7 TV-Premiere
Foto: SWR / ARD / Volker Roloff
Foto Tilmann P. Gangloff

Die erste Staffel der ARD-Serie „Die Notärztin“ (SWR / Polyphon) erzählte von Menschen, für die ihre Arbeit bei der Feuerwehr mehr als nur ein Job ist, und war vor allem wegen der vortrefflichen Sabrina Amali sehenswert. In der 13-teiligen Fortsetzung rückt das Privatleben der Mannheimer Ärztin stärker in den Mittelpunkt. Sind die Auftaktfolgen noch von Klischees geprägt, so gewinnen mit den weiteren Episoden die Mitwirkenden an Format, weil ihre Figuren zunehmend Tiefe bekommen und sich vom jeweiligen Rollenstereotyp emanzipieren. Die Umsetzung ist allerdings gerade angesichts der inhaltlichen Dramatik etwas spannungsarm geraten. Bei der Inszenierung ist Luft nach oben. Verglichen mit anderen ARD-Dienstagsserien kann sich aber auch die zweite „Notärztin“-Staffel sehen lassen.

Obwohl es ein Deutscher war, der vor gut 140 Jahren die mechanische Bildübertragung erfunden hat, gilt das Fernsehen als amerikanisches Medium, weil es in den USA zur Blüte gebracht wurde. Praktisch alle TV-Genres, die bis heute das Programm prägen, sind dort schon vor Jahrzehnten etabliert worden, darunter auch die sogenannten Medicals. Ausgerechnet dieser Begriff hat sich in der ansonsten von Anglizismen geprägten Fachsprache noch nicht durchgesetzt. Hierzulande heißen die entsprechenden Produktionen nach wie vor „Arztserie“, dabei ist mindestens die Hälfte der Hauptfiguren längst weiblich. Mit der zweiten Staffel der Serie „Die Notärztin“ haben der federführende SWR und die Polyphon ein geradezu klassisches „Medical“ nach dem Vorbild des amerikanischen Genre-Prototypen „City Hospital“ (1951) geschaffen. Konzentrierten sich die ersten Folgen auf die beruflichen Herausforderungen der Titelfigur, so wird ihr Privatleben nun mindestens gleichwertig

Natürlich ist das auch fürs hiesige Fernsehen nichts Neues, ARD-Freitagsreihen wie etwa „Die Eifelpraxis“ oder „Praxis mit Meerblick“ sind ganz ähnlich angelegt, aber eine Sendezeit nun von insgesamt fast zehn Stunden bietet ganz andere Möglichkeiten, Geschichten tiefgründig zu erzählen. Darin liegt die große Stärke der zweiten Staffel. Sehenswert ist die Serie ohnehin erneut schon allein wegen Sabrina Amali; die Schweizerin war bereits vor zwei Jahren der hauptsächliche Einschaltgrund. Das ist diesmal nicht anders, zumal die Nebenfiguren – der Aufreißer, der Dummschwätzer, das Flintenweib – zunächst wie eindimensionale Stereotype wirken. Dieser Eindruck ändert sich jedoch in den weiteren Folgen, wenn sich die Rollen vom Klischee emanzipieren und die Mitwirkenden an Format gewinnen.

Die Notärztin – Staffel 2Foto: ARD / SWR / Oliver Feist
„Die Notärztin“ (Staffel 2 / Folge 1): „Grenzen“ (24.02.26). Nina (Sabrina Amali) und Philipp (Max Woelky). Kann das was werden?!

Auf diese Weise kommen auch die Subthemen ins Spiel, weil sich beispielsweise Feuerwehrfrau Billy (Anna Schimrigk) als neue Staffelleiterin den Respekt der männlichen Kollegen verschaffen muss. Um den Stress zu bewältigen, bedient sie sich am Medikamentenschrank, was schließlich zu einer für alle Beteiligten unangenehmen Untersuchung führt. Tiefe erhalten die Figuren durch emotionale Momente wie jene, als Billy erkennt, dass ihre Mutter (Birge Schade) unter beginnender Demenz leidet. Der nach einer Handgreiflichkeit vorübergehend in die Leitstelle versetzte Markus (Max Hemmersdorfer), in Staffel eins noch Ninas Flirtpartner, hat gleich mehrere starke Szenen und redet unter anderem so lange auf einen lebensmüden jungen Mann ein, bis Rettung naht. Kleine, oftmals verblüffende Heiterkeiten, gern auf Kosten des überforderten Leiters (Johannes Kienast) der Wache, sorgen für Auflockerung.

Soundtrack (Episoden 1 bis 7): Cage the Elephant („Cold Cold Cold“, Vorspannlied), Billie Eilish („The Greatest“, „Everything I Wanted“), Mazzy Star („Fade Into You“), James Vincent McMorrow („If I Had A Boat“), Michael Kiwanuka („Old Little Heart“)

 Wie in der ersten Staffel stehen anfangs die Einsätze der Mannheimer Feuerwehr im Mittelpunkt. Die fortlaufend erzählte Serie beginnt mit der Rettung einiger junger Leute, die sich im Drogenrausch in den Neckar verirrt haben. Ein Jogger hat einen jungen Mann aus dem Wasser gezogen und erste Hilfe geleistet; der Mann geht Nina Haddad nicht mehr aus dem Kopf. Philipp (Max Woelky), zweifacher Vater, ist frisch getrennt und will sich eigentlich nicht gleich schon wieder verlieben, doch natürlich sind die Gefühle stärker. Das erfahrene Publikum fragt sich zwar, wo bei diesem Glücksgriff der Haken ist, und in der Tat offenbart eine Begegnung Ninas mit seiner zukünftigen Ex-Frau (Katharina Nesytowa), dass er zumindest früher auch andere Seiten hatte, aber das größere Hindernis für eine glückliche Liaison scheint die physisch und vor allem psychisch kräftezehrende Arbeit der Notärztin zu sein: Wie bei allen Heldinnen solcher Geschichten hat ihre Hingabe nie Feierabend.

Die Notärztin – Staffel 2Foto: ARD / SWR / Oliver Feist
„Die Notärztin“ (Staffel 2 / Folge 2): „Wut“ (03.03.26). Nina (Sabrina Amali) und das Team treffen bei einem verletzten Biker ein.

Die Beziehungsebene bildet den roten Faden und setzt regelmäßig einen Kontrapunkt zu den Einsätzen. Exemplarisch zeigt sich das in Folge fünf: Die Episode wechselt immer wieder vom Schauplatz eines Unfalls mit mehreren Verletzten zu einem Kindergeburtstag. Das wirkt zunächst irritierend, hat aber Methode und verdeutlicht den Kontrast, den derartige Berufe mit sich bringen: hier der Kampf ums Überleben der Schwerverletzten, dort die Ausgelassenheit der Kinder, mit denen Nina ihren freien Tag verbringt. Die Drehbücher stammen wieder von Jan Haering und Koautorin Tina Thoene. Da die zweite Staffel mehr als doppelt so lang ist wie die erste, hat das Duo Verstärkung bekommen. Das gilt auch für die Regie: Haering hat die ersten sieben Folgen inszeniert und somit die Ausrichtung vorgegeben, den Rest hat Florian Gottschick beigesteuert.

Die Umsetzung hat allerdings Schwächen, möglicherweise ist das dem Sendeplatz geschuldet: Beim Erzähltempo unterscheidet sich „Die Notärztin“ kaum von den üblichen Dienstagsserien im „Ersten“. Gerade die Einsatzfahrten wirken wie gemütliche Ausflüge, in deren Verlauf Nina mit Rettungssanitäter Paul (Paul Zichner) ihre Beziehung erörtert. Natürlich konnten die Verantwortlichen nicht ganze Straßenzüge absperren, aber andere Kamerapositionen und eine flottere Schnittfrequenz wären auch bei einem niedrigeren Budget möglich. Die elektronische Musik dudelt zumeist gleichförmig im Hintergrund, ganz gleich, ob es um Leben und Tod oder eine Führung durch die Wache geht. Und während die Arbeit von Feuerwehr und Notärztin auch dank der Fachberatung streckenweise fast dokumentarisch wirkt, sind die regelmäßigen Herzdruckmassagen viel zu schwach. Das wiederum ist verständlich: Im wahren Leben kann dabei auch mal eine Rippe brechen.

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SWR

Mit Sabrina Amali, Max Woelky, Paul Zichner, Max Hemmersdorfer, Anna Schimrigk, Johannes Kienast, Mark Zak, Birge Schade, Paul Wollin, Sinja Dieks, Jörn Hentschel, Katharina Nesytowa, Tinka Fürst

Kamera: Lukas Steinbach

Szenenbild: Tom Hornig

Kostüm: Stefanie Jauß

Schnitt: Jan-Timo Sonnemann, Christoph Dechant

Musik: Tina Pepper, Jasmin Reuter, Stephan Römer

Redaktion: Simon Riedl, Barbara Biermann

Produktionsfirma: Polyphon

Produktion: Sabine Tettenborn

Headautor*in: Jan Haering

Drehbuch: Jan Haering, Tina Thoene, Nina Blum, Frank Wollin

Regie: Jan Haering, Florian Gottschick

EA: 17.02.2026 10:00 Uhr | ARD-Mediathek

weitere EA: 07.04.2026 10:00 Uhr | ARD-Mediathek (Folgen 8 bis 13). TV: 24.02.2026 20:15 Uhr | ARD

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