Hausmütterchen mit Mitte 30 will ihren coolen Freund, dem ihr Hege- und Pflegetrieb gehörig auf die Nerven ging, wieder zurückhaben. “Ich bin nicht spießig”, sagt sie, schmeißt sich in geschmacklose Vamp-Fummel und hinterlässt ihre Adresse beim Treffen der schwulen Lederfetischisten – zwecks Übernachtungsmöglichkeit. Da meldet sich dann wirklich einer. Der kommt aus Bayern – dementsprechend sehen seine Lederhosen aus. Der berlinert – das stört in der Hamburger Schwulenszene keinen. Der braucht einen Schlafplatz – den kann er haben. Und er ist nicht schwul, vielmehr muss er auf dem Katholikentag Spenden sammeln – und er will das Hausmütterchen. Doch das kann er zunächst einmal nicht haben.
Ganz schön dick aufgetragen, was sich da Drehbuchautorin Beate Langmaack, bekannt durch ihre sensiblen Menschen-Studien und die Zusammenarbeit mit Regisseur Kai Wessel, für Sat 1 ausgedacht hat. Doch da wird die Handlung so offensichtlich an den Haaren herbeigezogen, dass es schon wieder Laune macht. In “Die Liebe kommt als Untermieter” wird das Genre Romantic Comedy mehr verspottet, als man sich auf Kosten beispielsweise der Schwulen oder des bayerischen Möchtegern-Klosterbruders lustig macht. Auch gibt es immer wieder köstliche Szenen. So zwei Tanzeinlagen. In der einen hüpft der schüchterne Süddeutsche und die sich langsam mausernde junge Frau vor einer Horde Lederfetischisten einen “Letkiss”, einen Bieder-Tanz aus den 60er Jahren, als Mischung aus Ententanz und Schuhplattler. Ein anderes Mal hipphoppt der Bayer in Gummistiefeln mit eben jenen Lederfreunden zusammen – und wer kommt ausgerechnet vorbei? Die Brüder seines künftigen Ordens.
Markus Bräutigam ist der Richtige für solche Schräglagen. Der Regisseur hat Erfahrung mit solchen grenzdebilen Nonsens-Storys. Und in Sachen Schauspielführung ist er ein As. Selbst aus Sunnyboy Ralf Bauer, der hier nur die dritte Geige spielt, lockt er noch ein paar von ihm bisher unbekannte Gesichtausdrücke hervor. Stark auch wie er Christof Wackernagels Katholikentag-Touristen als putzigen Running-Gag einsetzt. Doch ohne die glänzend aufgelegten Aglaia Szyszkowitz, die gewohnt hinreißend durch die Szenerie wirbelt, und Oliver Korittke, der mal wieder seine sympathische Verlierer-Miene aufsetzen darf, wäre “Die Liebe kommt als Untermieter” nur die halbe Miete. (Text-Stand: 4.3.2003)