Michael Späth ist kein so harter Hund wie sein Vater, jener Wiener Vorzeigeunternehmer. Er arbeitet in der Firma des „Alten“, wie alle den legendären Macher nennen, als dessen rechte Hand, und lebt eher zurückgezogen. Als Ärzte bei seinem sechsjährigen Sohn eine lebensgefährliche Schwächung des Herzmuskels feststellen, die eine Transplantation unumgänglich macht, stehen die Familienbeziehungen einmal mehr auf dem Prüfstand. Würde der Opa wortwörtlich über Leichen gehen, um seinem Enkel zu helfen, hat der Vater, Skrupel, ein medizinisch seriöses, moralisch aber fragwürdiges Angebot einer Spezialklinik in der Schweiz anzunehmen. Denn wie kann es sein, dass die Späths in Wien wochenlang auf ein geeignetes Spenderherz warten müssen, während es im Nachbarland umgehend zur Verfügung steht? Michael Späth ist klar, woher das Herz kommt: von Straßenkindern in Moldawien zum Beispiel, die eigens für solche Zwecke entführt und umgebracht werden.
Die deutsch-österreichische Koproduktion „Die Entscheidung“ zeigt eine keineswegs unwahrscheinliche Versuchsanordnung. „Es ist eine durchaus plausible, sehr sorgfältig recherchierte Fiktion“, betont der Autor-Regisseur Nikolaus Leytner. Seit im erweiterten Europa ein dramatisches Wohlstandsgefälle herrscht, blüht der Organhandel. „Es ist ein florierender Markt entstanden, auf dem man inzwischen jedes beliebige Organ wie in einem gut sortierten Ersatzteillager käuflich erwerben kann – vorausgesetzt, man verfügt über das nötige Kapital“, so der österreichische Filmemacher. Die Institution Familie spielt wie oft bei Leytner eine wichtige Rolle. Denn nicht nur Überzeugungen beginnen unter dem Druck der Krankheit zu bröckeln, auch Beziehungen stehen vor der Auflösung. Dabei will der Regisseur nicht als Schiedsrichter auftreten, sondern zeigen, „dass es Situationen gibt, wo richtig oder falsch als ethisch klar definierte Begriffe keine verbindliche Gültigkeit mehr haben“.
Der Film macht eine „Herzensangelegenheit“ zum Thema. Das muss konsequenterweise auch ein wenig ans Herz des Zuschauers gehen. Das ZDF hatte Bedenken, der Stoff würde den Betrachter vielleicht etwas zu sehr deprimieren. Deshalb wurde eine poetisch-märchenhafte Ebene in den ansonsten realistisch wirkenden und dramaturgisch nicht allzu einfallsreichen Film eingezogen. Der Himmel und die Sterne werden zur Gegenwelt erklärt von der Hauptfigur, die es immer wieder in die Lüfte zieht. Jan Josef Liefers darf seinen Sympathiebonus voll ausschöpfen, während Antoine de Saint-Exupéry schön grüßen lässt.