Der Kroatien-Krimi – Mord am Jadro

Jasmin Gerat, Romina Küper, Kuchenbuch, Klare, Darnstädt, Hellsgård. Jugend pfuscht

Foto: ARD Degeto / Sinisa Glogoski
Foto Tilmann P. Gangloff

Nach zwei Jahren Pause zeigt das „Erste“ einen neuen „Kroatien-Krimi“ mit Jasmin Gerat als Kommissarin in Split. Lenn Kudrjawizki verlässt die Reihe, Romina Küper spielt seine Nachfolgerin als Partnerin von Stascha Novak, aber ihre Rolle ist wenig glaubwürdig und die Umsetzung der Story gänzlich spannungsarm; deshalb können auch die wenigen Szenen mit Felix Klare als wie so oft außerhalb vom „Tatort“ mindestens zwielichtiger Zeitgenosse „Mord am Jadro“ (ARD / Constantin Television) nicht retten.

Wenn Sportreporter originell sein wollen, loben sie gelungene Aktionen von Nachwuchskickern gern mit dem Prädikat „Jugend forscht“. In diesem Fall müsste das Urteil allerdings „Jugend pfuscht“ lauten, denn was Valessa Matkovic in dem „Kroatien-Krimi“ treibt, ist mehr als bloß fahrlässig: Bei der Verfolgung eines Verdächtigen ballert sie dem Mann, der auf einem Motorrad flüchtet, mitten in einem Wohnviertel auf offener Straße ein paar Kugeln hinterher. Die Szene passt ins Gesamtbild: Die junge neue Kollegin von Stascha Novak hintergeht ihre Vorgesetzte und begibt sich prompt in größte Gefahr. Weil der Film zudem wichtige Fragen offen lässt, wirkt die gesamte Geschichte zunächst völlig unglaubwürdig.

Größeres Manko dieses zehnten Falls für die Kommissarin aus Split – insgesamt ist „Mord am Jaro“ Episode Nummer siebzehn – ist jedoch die Umsetzung. Bislang hat Michael Kreindl sämtliche Filme der 2016 gestarteten Reihe inszeniert. Die Vorlagen stammten (wie auch diesmal) bis auf eine Ausnahme stets von Christoph Darnstädt, Regie führte jetzt jedoch Carolina Hellsgård. Die seit 25 Jahren in Deutschland lebende Schwedin hat 2019 mit dem für damalige deutsche Verhältnisse äußerst ungewöhnlichen Zombiefilm „Endzeit“ verblüfft und anschließend neben einer Kino-Neuverfilmung des Kästner-Klassikers „Das fliegende Klassenzimmer“ (2023) für die ARD einige TV-Krimis gedreht, die handwerklich mehr als solide waren. Einer ihrer beiden „Barcelona-Krimis“, „Der längste Tag“ (2022), fiel als intensives Kammerspiel mit Ecken und Kanten deutlich aus dem Rahmen der sonstigen „Donnerstagskrimis“. Seit damals ist Patrick Orth Hellsgårds bevorzugter Kameramann. Nicht zuletzt dank seiner Bildgestaltung war auch „Tod am Rennsteig – Haus der Toten“ (2025), der zweite Film mit Kristin Suckow als Kriminalpsychologin, durchgehend fesselnd. Im Vergleich mit diesen Arbeiten ist „Mord am Jadro“ bestenfalls ein ganz gewöhnlicher TV-Krimi.

Der Kroatien-Krimi – Mord am JadroFoto: ARD Degeto / Sinisa Glogoski
Stascha Novak (Jasmin Gerat) ermittelt künftig ohne Emil Perica (Lenn Kudrjawizki). In Anbetracht dieses Films: ein herber Verlust.

Außerdem muss die Reihe ab sofort ohne Lenn Kudrjawizki auskommen. Der in Ost-Berlin aufgewachsene gebürtige Leningrader spielte stets nur die zweite Geige, war aber dank seiner besonderen Ausstrahlung und der stillen Präsenz seiner Rolle ein perfekter „Supporting Actor“ für Jasmin Gerat. Er macht nun Platz für Romina Küper. Sie ist Jahrgang 1992, wirkt jedoch wesentlich jugendlicher. Die Besetzung soll vermutlich ein jüngeres Publikum ansprechen, aber so einfach funktioniert das natürlich nicht; erst recht, wenn ein Film streckenweise schlicht langweilig ist. Eingeführt wird Valessa Matkovic allerdings als Kellnerin: Sie hat sich als Servicekraft in der Strandbar von Luka Staric (Christian Kuchenbuch) verdingt, wo sie gleich mal von einem Gast schmierig angemacht wird. Seinen süffisant lächelnden Begleiter spielt Felix Klare, der jenseits des „Tatorts“ aus Stuttgart gern als mindestens zwielichtige Figur besetzt wird. Der Anbaggerer besitzt eine Mandarinenplantage und ist tags drauf tot. Weil seine Marmeladendosen Ecstasy-Pillen enthalten, glauben die Polizistinnen zunächst an einen Mord im Milieu. Die von Darnstädt recht kompliziert verpackte Wahrheit ist allerdings viel einfacher.

Für gewisse Zeit lebt „Mord am Jadro“ von der Frage, warum Valessa ihrer Vorgesetzten die Undercover-Ermittlung nach Feierabend verschweigt. Für Novak wiederum bedeutet die Zusammenarbeit mit der jungen Kollegin eine erhebliche Umstellung: Im Gegensatz zum besonnenen Emil Perica legt Valessa ein enormes Tempo vor, und natürlich muss die Ältere die Jüngere am Schluss aus höchster Not retten. Sämtliche offenen Fragen werden allerdings erst im nächsten, sehr viel überzeugenderen Film („Gefahr im Verzug“) beantwortet.

Der Kroatien-Krimi – Mord am JadroFoto: ARD Degeto / Sinisa Glogoski
Stascha Novak (Jasmin Gerat) hat kein gutes Bauchgefühl bei Drago Varga (Felix Klare) und Luka Staric (Christian Kuchenbuch).

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Reihe

ARD Degeto

Mit Jasmin Gerat, Romina Küper, Christian Kuchenbuch, Kasem Hoxha, Max Herbrechter, Vlatka Alec, Felix Klare, Lenn Kudrjawizki, Samia Muriel Chancrin

Kamera: Patrick Orth

Szenenbild: Ivica Hušnjak

Kostüm: Iva Krapinec

Schnitt: Achim Seidel

Musik: Titus Vollmer

Redaktion: Barbara Süßmann, Katja Kirchen

Produktionsfirma: Constantin Television

Produktion: Karsten Rühle

Drehbuch: Christoph Darnstädt

Regie: Carolina Hellsgård

Quote: 4,32 Mio. Zuschauer (20% MA)

EA: 04.05.2026 10:00 Uhr | ARD-Mediathek

weitere EA: 07.05.2026 20:15 Uhr | ARD

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