Ob einst im Berufs- oder jetzt im Rentenalter – die beiden besten Freunde Günther (Armin Rohde) und Wolfgang (Ludger Pistor) haben schlechte Karten. Nicht mal einen Minijob will man ihnen geben. So richtig zufrieden waren sie eigentlich nur mit ihrer Schnitzelbude. Und so träumen sie in Zeiten rapide steigender Preise von der Vermarktung ihrer leckeren Panade, die das Geheimnis ihres Erfolgs war. Zu ihrer alltäglichen finanziellen Misere hinzukommt, dass Wolfgang über Nacht noch einmal Vater geworden ist. Weil auch vor 30 Jahren das Geld knapp war, hatte sich Wolfgang damals zu einer Samenspende hinreißen lassen. Erst vor 15 Jahren kam sie zum Einsatz – und so steht jetzt Teenager Tida (Purnima Grätz), genannt Ta, mit forderndem Blick vor ihm: „5000 Euro – dann bin ich weg!“ Wolfgang ist mal wieder völlig durcheinander. Auf keinen Fall will er seiner Frau Karin (Therese Hämer) die Wahrheit sagen. Und so muss Günther für seinen Freund den Kopf hinhalten und Ta für seine Tochter ausgeben. Die zieht dann auch gleich bei ihm ein. Das Chaos ist perfekt, als Günther durch einen Zufall die Rolle von Tas Schulbegleiter zufällt. Besonders der Chemieunterricht und die arrogante Chemielehrerin Dr. Bocholt (Inga Busch) erregen seine Aufmerksamkeit. Denn die Sache mit der Panade ist nicht vom Tisch. Dummerweise haben er und Wolfgang jedoch weder Ahnung von Lebensmittelchemie noch vom Business. Das aber benötigen sie, um bei TV-Star Konnowski (Stephan Luca) in die Sendung zu kommen, dessen „Arena – Die Gewinnershow“ den ewigen Verlierern den nötigen Karriereschub geben könnte.
Foto: WDR / Bavaria Fiction / Thomas Kost
Die Schnitzelexperten sind zurück. Dem erfolgreichen, Grimme-Preis-nominierten Einzelstück „Ein Schnitzel für drei“ (2010) ließ der WDR vier Episoden folgen; sogar eine Serie ging 2019 an den Start. Zuletzt kredenzten die Autorinnen Gabriele Graf (auch Produzentin) und Katja Kittendorf 2022 „Das Weihnachtsschnitzel“ und machten fast fünf Millionen Zuschauer:innen satt. Da ist es – besonders in Zeiten, in denen Sender nur noch Marken und Labels im Sinn haben – verständlich, dass man dieses ungewöhnliche Freunde-Duo mit Familienanhang weiterleben lässt. Und die programmpolitische Entscheidung für „Schnitzel“ am Freitag ist mehr als plausibel. „Das Millionenschnitzel“ ist wie die Vorgängerfilme gute Unterhaltung, hochkarätig besetzt, zwar mit etwas weniger gesellschaftskritischem Impetus als frühere Episoden; aber allein die Tatsache, dass zwei Sozial-Verlierer in den Geschichten das Maß aller Dinge sind, macht die Reihe besonders. Es sind Menschen, die um ihr eigenes Überleben und das ihrer Liebsten kämpfen, die nicht das Glück haben, mehr oder weniger gut verrentet zu sein („Anna und ihr Untermieter“) oder die in ihrem Job Hilfe anbieten („Die Drei von der Müllabfuhr“, („Praxis mit Meerblick“, „Käthe und ich“). Und mehr als bei anderen Reihen am Freitag ist das, was Armin Rohde, Ludger Pistor & Co hier machen, Charakterkomödie zum Dauerschmunzeln.
Sicherlich bewegte sich der eine oder andere Schnitzel-Film näher an der sozialen Realität, wodurch einige Plots ein Stück weit durchdachter, relevanter und dramaturgisch runder wirkten. Trotzdem macht das Wiedersehen große Freude. Denn die Charaktere waren von Beginn an stimmiger und weniger ausgedacht als in Reihen, die von vornherein als solche geplant waren und in einer höheren Frequenz produziert wurden. Das ungleiche Paar, das sich im On der Filme – ähnlich wie Laurel & Hardy in ihren Komödien – näher zu sein scheint als Wolfgang und seine über alles geliebte Karin, besitzt nach wie vor ein Riesenpotenzial: kleine Alltagsdramen, etwas größere Existenznöte (in Verbindung mit der immer weiter aufgehenden Schere zwischen Arm und Reich), reichlich Mutterwitz – diese Kombination macht’s. Die Dialogwechsel sind zum Teil köstlicher als jedes Schnitzel schmecken kann. Bei Rohdes Günther setzen die Autorinnen mehr auf hemdsärmeligen Humor, während Pistor nach wie vor durch beiläufig eingeworfene Jokes auf die feine komödiantische Klinge setzt („Wenn ich nicht so müde wäre, würde ich mich vom Balkon stürzen“). Was die beiden Traumtänzer sagen, das ist das eine, aber wie sie es sagen, das ist und bleibt unnachahmlich. Und auch Therese Hämer möchte man nicht missen: dieser strenge Blick vor der obligatorischen Beichte, oder wenn Wolfgang anfängt mit „Du, Karin, wir lieben uns doch“, dann ahnt sie, was Sache ist: „Was hast du gemacht? Wieder was mit Günther?“
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Zu den Stärken der Dramaturgie gehört, wie die bekannten Eigenheiten und biografischen Besonderheiten der Charaktere in die aktuelle Geschichte eingebaut werden. Da ist zum einen jenes besagte, immer wieder konfliktträchtige Beziehungsmuster von Wolfgang und Karin: Er fühlt sich ihr gegenüber als minderwertig, muss deshalb immer den „Beschützer“ spielen, der alles zu ihrer Zufriedenheit zu regeln versucht und – konfliktscheu wie er ist – Probleme verschweigt. Karin fühlt sich dadurch außen vor, nicht gesehen; für sie bedeutet Ehe miteinander. Ein komödiantisches Paradebeispiel dafür, wie sich Männer und Frauen missverstehen können. Schön auch die retrospektiven Details aus Günthers Leben, seine Zeit als Tierpfleger oder seine Jahre in Kanada. Das alles passt prima zu dem, was Graf und Kittendorf dem Familienzuwachs ins Rollenprofil geschrieben haben (und erinnert an den Plot einer weiteren guten Freitagsreihe, „Mit Herz und Hilde“). Abgerundet wird das Ganze durch die kongeniale Inszenierung von Wolfgang Murnberger, der zum dritten Mal bei einem der 90-Minüter Regie führte und auch bei der Serie „Ohne Schnitzel geht es nicht“ dabei war: Das Tempo ist gut, geschnitten wird nie zu sehr auf Pointe (ein 90-Minüter ist keine Comedy!), Situationskomik und Handlungsfluss sind stimmig austariert, und es ist unverkennbar, dass Murnberger seine Schauspieler:innen liebt.

