Sieben Todesfälle in einem Monat rund um den Ossiacher See. Eine Leiche wird am Ufer angeschwemmt, eine Diabetikerin stirbt an Überzuckerung auf einer Parkbank, eine weitere Dame wird tot in ihrem Haus aufgefunden. Alle Verstorbenen waren alt und allein. Im Dorf gibt’s kaum noch Orte der Kommunikation wie früher: keine Wirtshäuser, kein soziales Leben. Vielleicht handelt es sich um altersbedingte, natürliche Tode. Polizistin Martina Schober (Jutta Fastian) und ihr Vorgesetzter Rauchenberger (Clemens Berndorff) glauben, hier stimmt was nicht. Das LKA Klagenfurt schickt Chefinspektorin Acham (Pia Hierzegger). Die findet schnell Verdächtige. Immobilienmakler Fuhrmann (Fritz Karl), der es auf die Häuser der Verstorbenen abgesehen hat, den arbeitslosen Mario (Kevin Brand), der in Geldnot ist, oder Jenny (Sophie Aujesky), deren Bootsverleih nur schleppend geht. Und was ist mit Ute (Alicia von Rittberg), der guten Seele der Gegend, die die Alten mit Lebensmitteln aus ihrem Bioladen versorgt und ihnen ihre Hilfe anbietet? Eine gefundene DNA-Spur führt eine unerwartete Wende herbei und dann wird es für Chefinspektorin Acham gefährlich…

Die „Landkrimi“-Reihe des ORF ist seit mehr als zehn Jahren ein Erfolgsformat. „Bis in die Seele ist mir kalt“ ist nach „Wenn Du wüsstest, wie schön es hier ist“, „Waidmannsdank“ und „Immerstill“ der vierte Film, der in Kärnten spielt. Und er ist die Fortsetzung von „Waidmannsdank“, in dem Jutta Fastian als Polizistin und Pia Hierzegger als Chefermittlerin bereits gemeinsam auf Spurensuche gingen. Beim „Landkrimi“ setzt man konsequent auf die Kraft regionaler Geschichten und versteht es, Land und Leute in den Vordergrund zu stellen, ohne dabei auf die typische Krimi-Spannung zu verzichten. Pia Hierzegger hat das Drehbuch geschrieben. Ihre Fixierung auf die Charaktere und ihre Kreativität, was deren Entwicklung angeht, sind bemerkenswert. In „Bis in die Seele ist mir kalt“ (Sieger beim Fernsehkrimi-Festival Wiesbaden 2024) nimmt sie jede ihrer Figuren ernst, selbst der Dorfmediziner, der Postbote oder die schrullige alte Frau Gritznigg (herrlich gespielt von Linde Prelog) sind fein und liebevoll gezeichnet und fügen sich homogen ein in diese Parade der einsamen Seelen. Wunderbar auch die kleinen „running gags“: Auf dem Polizeirevier hat der Daueressende Rauchenberger im Kühlschrank für jeden ein Fach reserviert, seines quillt über. Am Tatort blickt Chefinspektorin Acham in den Kühlschrank und resümiert: „Das bleibt, wenn man stirbt“. Sie hat zu niedrigen Blutdruck, muss täglich 10.000 Schritte gehen, andere haben zu hohen Blutdruck und müssen sich auch bewegen. Ganz beiläufig baut Autorin Pia Hierzegger diese Alltäglichkeiten in ihre Story ein, das ist sehr unterhaltsam. Die Dialoge sind punktgenau, charakterisieren die Figuren und liefern das, was man an den Österreichern so mag: trockenen Witz.
Daniel Geronimo Prochaska („Waidmannsdank“) ist eine ruhige, aufgeräumte Inszenierung gelungen, er nimmt sich viel Zeit und Raum für Stimmungen und Schicksale, findet Motive am See, die außergewöhnlich sind. „Bis in die Seele ist mir kalt“ ist ein intensives Heimat- und Provinzdrama im Krimi-Mantel, mit vielschichtigen Figuren, einem gelungenen Zusammenspiel von starken Landschaftsbildern und eingängiger Musik, das sich dem Thema Vereinsamung widmet. Menschen auf dem Land, allein gelassen mit ihren sozialen Nöten und finanziellen Sorgen, die nicht fertig werden mit ihrem Schicksal, sich abgehängt fühlen, auf der Suche sind nach Nähe, nach Liebe, nach sozialen Kontakten. All das zeigt Pia Hierzegger, die mit ihrem klugen und kühlen, aber dennoch herzlichen Spiel auch vor der Kamera überzeugt und ein stimmiges Ensemble um sich herum vereint. Erneut ein „Landkrimi“, der in die Kategorie „besonders sehenswert“ gehört!
Foto: ORF / ZDF / Helga Rader

