“Wichtig ist immer nur dein persönlicher Kram!”, schimpft Ulrike, die berufstätige Ehefrau des erfolgreichen Astrophysikers Prof. Julius Stern. Sie kann nicht mehr, und vorübergehend will sie auch nicht mehr. Ihr vielbeschäftigter Gatte scheint zwischen seinen Experimenten desöfteren zu vergessen, dass er eine Familie hat. Als er eines Abends nicht mal mehr daran denkt, Sternchen, das Küken der Familie, von der Schule abzuholen, sieht die doppelbelastete Ulrike nur noch rot. “Hau ab, ich kann dich nicht mehr sehen!” Jetzt wird das Institut ganz das Zuhause des zerstreuten Professors, der immer öfters seine Utensilien verlegt.
“Unser Papa, das Genie” ist eine dieser typischen “eigentlich”-Geschichten. “Eigentlich sind die Sterns eine glückliche Familie”, heißt es im Pressetext. “Eigentlich könnte Stefanie von Nauenstedt ihr Leben in vollen Zügen genießen”, so beginnt auch der Pressetext zu “Gefühle im Sturm” mit Muriel Baumeister, einer anderen ARD-Ehegeschichte am Freitag, die vor zwei Wochen ins Haus stand. Was in beiden Filmen 90 Minuten lang folgt ist das “Doch”. In den Schnulzfilmen aus früheren Zeiten hieß es noch: “Würden sich die beiden doch kriegen!” Heute, wo der Zeitgeist an den Drehbüchern mitschreibt & die Melo-Regeln ins Oberflächen-Realistische umpflügt, lautet die Prämisse: “Es könnte alles so schön sein, wenn…”
Nach dem 20. Fernsehfilm ist das sehr viel weniger bahnbrechend als die Entdeckung jenes genialischen Physikprofessors im Film, der plötzlich Gegenstände verschwinden lassen und sie von einem Ort zum anderen befördern kann. “Ich habe gebeamt”, freut er sich wie ein Kind. Seine Frau sieht’s weniger humorig. Denn immerhin hat sich der rüstige und halbnackte End-Fünfziger seine attraktive Assistentin ins heimische Schlafzimmer gezaubert. Friedrich von Thun macht noch das Beste, was er bei einer solch dahinplätschernden Story, zu der Produzent Otto Meissner die Idee hatte und an der sich mit Gabriele Herzog, Scarlett Kleint und Regine Sylvester gleich drei Autorinnen die Zähne ausbissen, in der Lage ist zu tun: Er macht Faxen und oftmals ein ziemlich dummes Gesicht. (Text-Stand: 21.6.2002)