In Hollywood nennen sie dieses Genre „Feel-Good-Movies“: Filme, die nicht die Welt verändern, sondern einfach gute Laune verbreiten wollen. „Jagdsaison“ braucht den Vergleich mit amerikanischen Vorbildern wie „Bad Moms“ oder „Hangover“ nicht zu scheuen: Die turbulente Komödie verbreitet dank ihrer beeindruckenden Gag- und Pointendichte eine große Heiterkeit, die zudem ganz ohne Schadenfreude auskommt. Tatsächlich bietet Lea Schmidbauers Drehbuch, an dem auch Regisseur Aron Lehmann und Hauptdarstellerin Rosalie Thomass mitgewirkt haben, sogar einen ernsten Hintergrund: Vor einigen Jahren ist Finanzbeamtin Eva, mittlerweile Ende dreißig, von ihrem Mann verlassen worden. Die Neue des Ex ist nicht nur jung und attraktiv, sondern auch vermögend: Bella (Almila Bagriacik) ist erfolgreiche Influencerin mit eigener Kosmetiklinie und will Eva nach dem Gatten (Tobias Licht) offenbar auch die Tochter abspenstig machen. Marlene (Marie Burchard), Evas Herzensgefährtin seit Kindheitstagen, findet die Nebenbuhlerin allerdings ziemlich sympathisch und beklagt sich, dass die Freundin bloß noch an sich denkt, seit sie ungewollt Single ist.
Foto: ZDF / Tobis Film
„Jagdsaison“ hätte sich also durchaus auch als Drama umsetzen lassen; die besten Komödien sind ohnehin im Grunde Tragödien. Die Vorgeschichte liefert jedoch nur die Basis für die eigentliche Handlung: Marlene möchte die beiden Rivalinnen versöhnen. Das ist natürlich gar nicht so einfach, schließlich ist Bella Evas Hassobjekt, aber die Freundin macht ihr klar, dass es nicht die Schönheitsexpertin war, die die Ehe zerstört hat, sondern Ex-Mann Steffen. Also beschließt das Trio, ein gemeinsames Wochenende in einem luxuriösen Wellness-Hotel zu verbringen. Diesem „Girls-Trip“ verdankt der auf einem dänischen Vorbild basierende Film seinen Titel: Marlene, eigentlich verheiratet, hat bei einer Tagung einen Mann namens Peter (August Wittgenstein) kennengelernt, der ihr nicht mehr aus dem Kopf geht. Auch diese Ebene hat einen seriösen Subtext: Marlenes Mann will ein zweites Kind, sie nicht; eine Affäre als Übersprungshandlung. Sie hofft, dass ein einmaliger Seitensprung ihre diffuse Sehnsucht beenden wird, und folgt Peters Einladung zu einer Jagd.
Das klingt erst mal alles nicht weiter ungewöhnlich. Dass „Jagdsaison“ trotzdem eine der sehenswertesten Komödien des Kinojahres 2022 war, liegt am zentralen Trio und an Lehmanns Inszenierung. Dem Regisseur ist 2018 mit der romantischen Kinokomödie „Das schönste Mädchen der Welt“ eine mitreißende Rap-Variation des Klassikers „Cyrano de Bergerac“ gelungen. Die besonderen Vorzüge des Films zeichnen auch sein jüngstes Werk aus: Dank der guten Dialoge musste sich anders als etwa bei der „Fack ju Göhte“-Trilogie niemand unter seinem Niveau amüsieren; originelle Einfälle rundeten den Film zu einer mitreißenden Teenager-Romanze ab. „Jagdsaison“ verblüfft gleichfalls in so gut wie jeder Szene mit witzigen Ideen, die garantiert nicht alle schon im Originaldrehbuch standen. Zwischenzeitlich wird es zwar mal zotig, als die Freundinnen beim Intim-Waxing schmerzhaft Hand an sich legen lassen, aber selbst solche Momente sind in erster Linie lustig.
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Sehr beeindruckend ist auch das Tempo. Mitunter wirkt die Komödie geradezu übermütig, wenn sich Eva und Marlene im Spielzeugsupermarkt ein Duell mit Gummigeschossen liefern. Größter Trumpf sind dennoch die drei Hauptdarstellerinnen. Rosalie Thomass ist längst auch als begabte Komödiantin bekannt, aber Almila Bagriacik verdankt ihren Ruhm neben der Rolle als Kieler „Tatort“-Kommissarin an der Seite von Axel Milberg vor allem Dramen wie der Ehrenmord-Tragödie „Nur eine Frau“ (2019). Als Influencerin mit nervigem englisch-deutschen Sprachgebrauch ist sie ebenso sehenswert wie Thomass, die sich hier vor allem auf dem Feld der oftmals unterschätzten „Physical Comedy“ tummeln darf: Die ohnehin leicht chaotische und mitunter etwas begriffsstutzige Eva hat eine ausgeprägte Neigung zu Missgeschicken, was zu vielen Slapstick-Einlagen führt. Außerdem zeichnet sich die Frau mit den pinkfarbenen Haarspitzen durch knallbunte Klamotten aus, die mit dem Prädikat „ausgefallen“ nur unzureichend beschrieben sind. Kein Wunder, dass ein Clown (Golo Euler), der nach einer Parkplatzkarambolage mehrfach Evas Weg kreuzt, ihren Stil als „clownkompatibel“ bezeichnet. Natürlich unterläuft ihr auch bei der Jagd ein fataler Fauxpas. All’ das hat Lehmann derart lässig inszeniert, dass dem Film nie anzusehen ist, wie schwer es ist, eine leichte Komödie zu drehen.

