Möchtegern und Nichtsnutz, beide Mitte zwanzig, treffen sich auf dem Amt. Der eine will hoch hinaus, kommt aber nicht vom Fleck, der andere will den Rest seines Lebens kiffend in der sozialen Hängematte verbringen. Korbi und Wolke sind Stammkunden von Frau Felske. Was sie von ihnen hält, ist offensichtlich, doch die Etiketten verpasst sie ihnen erst später, als sie sich wider Erwarten mit dem Duo verbündet. „Arbeitsmarkt-Amöben“ und „Zukunfts-Zombies“: Das bringt’s treffend auf den Punkt. Dabei ist gerade Korbi im Grunde eine tragische Figur: Sein Vater straft ihn mit Verachtung, weil er regelmäßig mit seinen allerdings auch recht absurden Start-up-Ideen scheitert. Mit Mitleid darf er trotzdem nicht rechnen: Der Typ ist ein unsympathischer Schnösel, der sich für was Besseres hält, weil er ein bisschen studiert hat und ständig mit Anglizismen um sich wirft, die vermutlich aus einem YouTube-Seminar für Nachwuchs-Manager stammen. Wolke dagegen ist eigentlich ganz nett, kümmert sich liebevoll um seine demente Oma und träumt ansonsten in den Tag hinein.
Dass sich diese zwei geborenen Verlierer zusammentun, ist völlig undenkbar, aber natürlich fast schon zwangsläufig witzig. Die beiden leben irgendwo in der bayerischen Provinz. Frau Felske (Milena Dreissig), Sachbearbeiterin im Bürgeramt, lässt sie zu Schicksalsgefährten werden: Dem einen verweigert sie den Zuschuss für eine weitere Existenzgründung, dem anderen macht sie klar, dass der Bezug von Arbeitslosengeld eine gewisse Arbeitswilligkeit voraussetzt. Als Korbi (Nick Romeo Reimann) erfährt, welche Summe sich Wolke (Willi Sellmann) seinen täglichen Joint-Konsum kosten lässt, hat er umgehend eine Idee für ein gemeinsames Projekt: ein Cannabis-Café! Wolke wendet zwar ein, Arbeiten sei nicht so seins, aber die Aussicht auf Haschisch aus eigenem Anbau und daher bis zum Abwinken überzeugt ihn dann doch.
Foto: RTL+
Aus diesem überschaubaren Grundeinfall haben Caro Ellert, Max Osswald (Buch) und Christian Knie (Regie) eine amüsante und ziemlich abwechslungsreiche Serie gemacht, auch wenn die Kurzweiligkeit nicht zuletzt eine Frage der Kürze ist: „Highter & Wolkig“ dauert insgesamt nur rund neunzig Minuten. Die Heiterkeit resultiert dabei weniger aus dem Kontrast zwischen dem selbsternannten Entrepreneur und seinem tiefenentspannten Kompagnon, sondern vor allem aus der Hartnäckigkeit, mit der sie die bürokratischen Hürden angehen. Außerdem kommt es im Verlauf der Suche nach einer Anbaufläche, einer geeigneten Lokalität sowie fünf weiteren für die Vereinsgründung nötigen Mitgliedern zu einigen zum Teil schrägen Begegnungen.
Der Produktionsaufwand hält sich sichtlich in Grenzen, und es wäre auch übertrieben, den sechs Folgen ein Feuerwerk an Gags und Pointen zu attestieren, aber die Serie macht nicht zuletzt wegen der verblüffend prominent besetzten Gastrollen Spaß, darunter Veronica Ferres als Maklerin, die für die vermeintlich kostbaren Kindermöbel einer ehemaligen Kita lächerlich hohe Ablösen verlangt. Jan Henrik Stahlberg spielt Korbis Vater, der die Hirngespinste seines Sohnes ebenso lästig findet wie die Schnecken in seinen Beeten, sich aber von Wolke überzeugen lässt, dass Schnecken in anderen Kulturen für Wohlstand stehen. Am witzigsten ist Jochen Schropp als gänzlich untalentierter Zauberkünstler.
Viel Vergnügen bereiten auch die überraschenden Handlungswendungen und kleinen Exkurse: Frau Felske muss ihren Arbeitsplatz einer künstlichen Intelligenz überlassen, deshalb kommt es schließlich zur Kollaboration mit Korbi und Wolke, der die KI mit einem unlösbaren Rätsel aus „Star Trek“ ins digitale Nirwana befördern will. Natürlich ist er auch prädestiniert für den Posten des Suchtpräventionsbeauftragten. Dass er offenbar im falschen Kurs gelandet ist, dämmert ihm jedoch erst, als sich die Teilnehmerinnen über Menstruationsprobleme unterhalten. Etwas nervig ist hingegen die Umsetzung. Die Mockumentary-Gestaltung im „Stromberg“-Stil inklusive zwischengeschalteter Interviewausschnitte und gelegentlicher Seitenblicke in die Kamera ist ja okay, auch wenn an keiner Stelle erklärt wird, warum die beiden Antihelden von einem Filmteam begleitet werden. Gänzlich unnötig ist hingegen die vermeintlich „reportagige“ Kameraführung (Ahmed El Nagar) mit ihren ständigen Ruckel-Zooms. Darstellerisch ist diese für RTL doch eher ungewöhnliche Serie dagegen uneingeschränkt sehenswert, auch wenn der heimliche Star das angebliche Assistenztier von Frau Felske ist, ein unter allerlei Zipperlein leidender Leguan namens Peter. Der Schluss bittet um Fortsetzung.

