Im Kino sind sie wieder mal sehr angesagt: die Abenteurer und Archäologen, die Vergangenheitssucher und Mythenjäger. Ob Tempelritter, Geheime Bücher oder Heiliger Gral – Hollywood ist allem auf der Spur, was sich mit großem Aufwand, mit monumentalem Bilderzauber, Special Effects und Donnerhall an ein junges Kinopublikum bringen lässt. Da passt das Abenteuer-Movie „Die Jagd nach dem Schatz der Nibelungen“ gut ins Programm.
Die Handlung führt den Zuschauer quer durch Deutschland. Anfangs eher widerwillig begeben sich die beiden Helden, ein professioneller Schatzsucher und eine spröde Museumswissenschaftlerin, auf die Suche nach dem Schatz der Schätze. An ihrer Seite ein Museumsrestaurator mit Hut und immer einem Joke auf den Lippen; verfolgt von einem konkurrierenden Schatzsucher-Team, das mit rücksichtsloser Härte zu Werke geht. Im Rhein zu buddeln wäre archäologisch am naheliegendsten gewesen, doch das hätte das Budget gesprengt. Also initiierte RTL eine fiktive Schnitzeljagd von der Insel Rügen über den Kölner Dom, vom Teutoburger Wald bis hin zum Schloss Neuschwanstein und der Zugspitze.
Benjamin Sadler ist kein Nicolas Cage und Bettina Zimmermann keine Cate Blanchett. Aber auch von dem, was für diese Dreamtool-Produktion von Ralf Huettner alles aufgefahren wurde, sieht man zu wenig. Fünf Millionen Euro soll das TV-Movie gekostet haben. Zu viel sieht man von den 2000 Quadratmetern Holzplatten, den fünf Kilometern Kanthölzer, den 100 Kubikmeter Styropor, den vier Tonnen Gips und den 300 Litern Kleber, die zu Höhlen und Katakomben verbaut wurden. Und dass RTL Komponist Klaus Badelt („Fluch der Karibik“) engagierte, schadet der Wirkung mehr als es nutzt und betont noch den Pappmaché-Eindruck.
Vergleicht man nicht im Genre, sondern mit anderen Event-Movies, dann schneidet diese recht betuliche TV-Jagd auch kaum besser ab. Dramaturgisch geht alles den bewährten Gang. Die Bösewichter sind besonders böse, die Schöne ist besonders schön, der Witzbold macht auf besonders witzig und der wahnsinnige Wissenschaftler ist besonders wahnsinnig. Aufgefahren werden auch alle Motive, die man vom Genre kennt: enge Schluchten, schmale Brücken, tiefe Abgründe, fallende Felsbrocken oder eine Galerie morscher Skelette. Geisterbahneffekte wechseln mit den vor archäologischer Begeisterung glänzenden Augen der Helden. Und Bettina Zimmermann darf ihre Augen besonders oft besonders weit aufreißen. Und das zeigt Wirkung beim männlichen Gegenüber – doch geküsst wird erst am Schluss.
Alles ist viel zu dick aufgetragen. Unter der Last, für Fernsehverhältnisse etwas Großes zu schaffen, bricht der Film zusammen. Auch die Anmutung der Bilder wechselt zwischen greller Serienästhetik Marke RTL, Fernseh-Reklame, atmosphärelosem Düster-Look und 08/15-Doku. Ralf Huettner, ein Regisseur, der mit Filmen wie „Die Musterknaben“ oder „Reine Formsache“ durchaus Stil bewiesen hat, bekommt hier einfach nicht den richtigen Dreh. Nur wenn man „Die Jagd nach dem Schatz der Nibelungen“ mit anderen Fernsehfilmen vergleicht, kann man ihm zugute halten, dass er kein Krimi und keine Schmonzette ist und von daher für etwas Abwechslung am Sonntag sorgt. Lobenswert ist auch der Mut, es zu versuchen. Schade nur, dass der Film so grandios gescheitert ist. (Text-Stand: 31.8.2008)