Nach dem Start mit „Sterben macht Erben“ (2018) geht die österreichisch-deutsche Anwalts-Reihe mit zwei neuen Filmen weiter. Waren Paula Dennstein (Maria Happel) und Therese Schwarz (Martina Ebm) zu Beginn noch Kontrahentinnen, machen die beiden ungleichen Anwältinnen nun gemeinsame Sache und eröffnen zusammen eine Kanzlei. Schon der Einstieg zeigt, wo es hingeht und welcher Ton vorherrscht. Wie Duellantinnen stöckeln die Frauen aufeinander zu, stehen vor ihrer neuen Kanzlei, betrachten das Schild über der Tür und liefern sich den ersten verbalen Schlagabtausch.
Schwarz: „Schön, oder?“
Dennstein: „Wir sind doch kein Bestattungsunternehmen.“
Schwarz: „Klare Linien.“
Dennstein: „Ein bisschen mehr Las Vegas hätte ich mir schon gewünscht.“
Schwarz: „Aber wir sind doch hier in der Steiermark.“
Dennstein: „Aber die Leute müssen doch erstmal wissen, dass es uns gibt“. Dann blicken beide gleichzeitig auf die Uhr: „Wir müssen zur Bank.“
Foto: Degeto / ORF / Mican
„Dennstein & Schwarz“ setzt auf einen Mix aus Humor & Ernsthaftigkeit, das Zusammenspiel zweier ungleicher Charaktere und die Fortentwicklung der privaten Geschichten der Protagonistinnen. Die Fälle stehen im Mittelpunkt, werden ernst genommen, sind aber von unterschiedlicher Qualität. Konstanze Breitebner („Die Fremde und das Dorf“) hat erneut die Bücher geschrieben, setzt auf spannend-unterhaltsame Familien- und Erbschaftsgeschichten mit starker regionaler Verankerung und mal eindimensionalen, mal vielschichtigen Charakteren. Michael Rowitz („Nichts für Feiglinge“) hat beide Filme inszeniert, Timing und Tempo stimmen, das Verweben der privaten Storys und der eigentlichen Fälle gelingt gut.
In „Schuldenfalle“ erhalten die Kanzleigründerinnen Paula Dennstein und Therese Schwarz kurz nach der Eröffnung ihren ersten Fall, der ihnen wirtschaftlich aber nichts einzubringen verspricht. „Pro bono“ nennt man das. Und auch die Aussichten, den Fall zu gewinnen, sind nicht sonderlich groß. Es gilt zu verhindern, dass ein alleinerziehender Vater durch betrügerische Geschäftspraktiken in den Ruin getrieben wird. Willi Schulz (Sebastian Hülk), dessen Frau bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen ist, soll satte 20.000 Euro Stornogebühr bezahlen für einen Hausbau, der gar nicht zustande kam! Doch die Summe kann er nicht aufbringen. Paula, bestens vernetzt, stößt bei ihren Recherchen auf miese Methoden der Baufirma und deren windigen Makler Tino Matt (Manuel Sefciuc). Dass sie dabei nicht ganz regelkonform agiert, passt ihrer Kollegin nicht. So knistert es zwischen den Partnerinnen. Und das, obwohl Therese Paula bei ihrer Scheidung von Felix Denkstein (Johannes Krisch) vertritt. Dabei lässt sie sich auf eine Affäre mit ihrem anwaltlichen Gegenspieler Thomas Lange (Bernhard Piesk) ein. Der soll dafür sorgen, dass Paula trotz berechtigter Ansprüche leer ausgeht. Therese erliegt seinem Charme, erfährt erst spät, dass er verheiratet ist.
Ist der erste Film thematisch eher konventionell geraten und dient den privaten Geschichten der beiden Protagonistinnen, so zeigt sich „Rufmord“ deutlich griffiger und brisanter, greift in einer wendungsreichen Geschichte die #MeToo-Debatte auf und zeigt, wie schwierig die Wahrheitsfindung sein kann. „Dennstein & Schwarz“ bekommen es mit einem spektakulären Fall zu tun, der ihrer Anwaltskanzlei eine Menge Publicity verspricht. Der smart-glatte Politiker Konrad Wagner (Manuel Rubey) will sich juristisch gegen eine spekulative Zeitungsstory zur Wehr setzen, die ihn als „Grapscher“ darstellt. Paula ist von der Unschuld ihres langjährigen Freundes überzeugt, übergibt das heikle Mandat aber an Therese, damit diese aufklären kann, woher die Anschuldigungen kommen. Dafür kümmert sich Paula um ein kleines Drogendelikt von Thereses jüngerer Schwester Marika (Resi Reiner), die ausgerechnet ihr Sohn Ferdinand (Enzo Gaier) zu einer Party mitgenommen hat, bei der die 15-Jährige einen Joint geraucht hat und bei einer Polizeirazzia erwischt wurde.
Foto: Degeto / ORF / Mican
„Dennstein & Schwarz“, im Ausseerland im Salzkammergut gedreht, weiß die schmucke Kulisse zu nutzen, lebt aber in erster Linie von den ebenso streitbaren wie unkonventionellen Titelheldinnen. Sie haben zwar unterschiedliche Ansichten, aber sie finden sich gut und teilen die gleichen moralischen Werte. Die eine ist korrekt und tough, ein wenig chaotisch die andere, einem Flirt nicht abgeneigt die eine, mitten im Trennungsprozess von ihrem Mann und im Kampf mit ihrer bösen Schwiegermutter die andere. Sie liefern sich pointierte Wortgefechte und gehen juristisch-humorig vor. Maria Happel ist am Wiener Burgtheater, Martina Ebm (die Caro Melzer in der ORF-Serie „Vorstadtweiber“) am Theater an der Josefstadt engagiert. Zwei starke Schauspielerinnen, zwei starke Rollen mit reichlich Frauenpower. Was nicht für alle Rollen in den beiden Filmen gilt. Johannes Krisch als Paulas Ex bleibt unter seinen Möglichkeiten, gerät ein wenig zur Karikatur, auch Sebastian Hülk liefert in „Schuldenfalle“ eher schauspielerische Standards ab. Beeindruckend ist hingegen Manuel Rubey in „Rufmord“ als aufstrebender Kommunalpolitiker, der sich mit den Vorwürfen des sexuellen Übergriffs konfrontiert und medial demontiert sieht und der die beiden kämpferischen Anwältinnen für seine Karriere nutzen will. (Text-Stand: 9.6.2020)

