Behringer und die Toten – Ein Bamberg-Krimi: Schatzraub

Antoine Monot, Cosima Henman, Berit Walch, Michael Grießler, Sarah Winkenstette. Nachts im Museum

Foto: RTL / Redseven / Yazdanfar
Foto Tilmann P. Gangloff

Der fünfte Film aus der sehenswerten RTL-Reihe „Behringer und die Toten“ (Redseven Entertainment) mit Antoine Monot und Cosima Henman ist ein klassisch konstruierter, aber durchgehend fesselnder und ausnahmslos sehr gut gespielter „Bamberg-Krimi“ (Redseven) mit einer Story, die am Ende durch eine gänzlich unerwartete Auflösung überrascht: Nach der Ermordung eines Museumsdirektors führt die Spur 18 Jahre zurück in die Vergangenheit. Damals hat ein Räuber eine wertvolle Goldmünze gestohlen; nun ist der Mann offenbar an den einstigen Tatort zurückgekehrt.

Frau Perchta ist eine jener germanischen Sagengestalten, mit denen Eltern einst bei ihren nichtsnutzigen Kindern Angst und Schrecken verbreitet haben. Auf Bildern erscheint sie gern janusköpfig: vorne Schönheit, hinten Hexe. Antonia Wimmer hat zwar nur ein Gesicht, aber womöglich verbirgt sich hinter ihrem ansprechenden Erscheinungsbild ja ein Abgrund an Bösartigkeit, zumal sich in ihren Schilderungen eine nicht unerhebliche Ungereimtheit auftut, weshalb die attraktive Witwe des toten Museumsdirektors selbstredend zum Kreis der Verdächtigen zählt; aber die Wahrheit ist viel komplizierter.

Formal betrachtet folgt „Schatzraub“, der fünfte Fall für den Bamberger Kommissar Konrad Behringer und seine pfiffige junge Kollegin Ela Jenning, den üblichen Krimi-Konventionen: Die Handlung beginnt mit einem Mord, es folgen Vernehmungen diverser Verdächtiger, und schließlich wird eine Auflösung aus dem Hut gezogen, die mal mehr, mal weniger überraschend ist. Allerdings erfreut Produzentin und Reihenschöpferin Berit Walch, diesmal unterstützt von Michael Grießler, mit einer Geschichte, die den Genre-Fans Respekt abnötigen wird. Das Ende ist höchst verblüffend und dennoch derart plausibel, dass sich manch’ ein erfahrenes Mitglied der Krimi-Gemeinde denken wird: Da hätte ich eigentlich selbst drauf kommen können. Davon abgesehen lebt der Film neben der Handlung von den Figuren und den ausnahmslos sehenswerten Mitwirkenden. Antoine Monot und Cosima Henman erweisen sich erneut als ein Team, das prima miteinander harmoniert und sich inhaltlich wie auch darstellerisch perfekt ergänzt, zumal die Rollen nicht so eindeutig verteilt sind, wie es zunächst wirkt; auch wenn klar ist, dass die Verfolgungen Verdächtiger ein Fall für die drahtige Ela sind, während ihr Chef eher für die Kopfarbeit zuständig ist. Zum Ausgleich hat sie ganz eindeutig die witzigeren Dialogzeilen.

Behringer und die Toten – Ein Bamberg-Krimi: SchatzraubFoto: RTL / Redseven / Yazdanfar
Darstellerisch & visuell überzeugend. Jonas Laux & Cosima Henman in „Behringer und die Toten – Ein Bamberg-Krimi: Schatzraub“

Trotzdem sind es vor allem der Schauplatz und die Geschichte, die dafür sorgen, dass „Schatzraub“ durchgehend fesselt. Der Film beginnt mit einer Haftentlassung: Achtzehn Jahre nach seiner Verurteilung ist Erik Thorscheid ein freier Mann. Er ist damals, wie eine Zeitungsnotiz mitteilt, wegen eines „tödlichen Museumsraubs“ verurteilt worden. Die Formulierung ist allerdings nicht ganz korrekt, tödlich war erst Thorscheids Flucht. Er hat eine Goldmünze gestohlen und die Tat gestanden. Diese Rolle ist mit Hendrik Heutmann besetzt worden, einem jener Schauspieler, die dank ihrer markanten Züge in vielen Krimis als Verdächtige mitwirken. Das ist hier nicht anders. Thorscheid ist noch keine 24 Stunden in Freiheit, da wird Philipp Wimmer mit einem Hirschfänger erstochen, der Direktor just jenes Museums, das Thorscheid damals beraubt hat; und erneut ist die Goldmünze verschwunden. Das Publikum ist dabei, als eine Gestalt in einer furchterregenden Perchta-Maske Wimmer erdolcht, und hört daher die rätselhaften letzten Worte des Opfers: „Ist es also so weit?“

Seine besondere Qualität verdankt das Drehbuch neben diversen Exkursen in verschiedene Mythologien vor allem der Tatsache, dass die wichtigen Nebenfiguren allesamt mehr als bloß eine Funktion haben. Museumswärter Casper (Benedict Calcher) zum Beispiel ist außerdem der Freund von Wimmers Tochter (Anna-Lena Schwing); in seinem Garten finden sich jene Pflanzen, mit deren Extrakt später ein weiterer Mann vergiftet wird. Und während das Privatleben der Team-Mitglieder anderswo mal für Spannungen, mal für Entspannung sorgt, leistet Behringers liebeskranker Neffe Ole (Maximilian Kaiser) einen ganz entscheidenden Ermittlungsbeitrag, als er beim Museumsbesuch die verschwundene Münze entdeckt. Der Film wandelt sich kurz zum nicht minder fesselnden Kinderkrimi, aber der Fall wird durch Oles Eingreifen noch komplizierter. Der gutgelaunte zweite Wärter, Julian Albers (Diyar Ilhan), erklärt ihm, was es mit der Perchta auf sich hat: Sie belohnt Fleiß und Hilfsbereitschaft, aber wer faul, verlogen und gierig ist, dem bringt sie Dunkelheit und Verderben. Diyar Ilhan, Ben Münchows famoser Co-Star in der Neo-Serie „Like a Loser“, setzt auch hier prägende Akzente. Für Wehmut sorgen hingegen die Szenen mit Wanda Perdelwitz als geschätzte Ex-Kollegin Behringers: Sie verstarb kurz vor Ende der Dreharbeiten. Regie führte Sarah Winkenstette, deren Arbeiten, darunter die Tragikomödie „Rückkehr nach Rimini“ (2022, ARD) oder die fürs Kino entstandenen Kinderfilme „Zu weit weg“ (2020) und „Grüße vom Mars“ (2025), bislang ohnehin allesamt sehenswert waren.

Behringer und die Toten – Ein Bamberg-Krimi: SchatzraubFoto: RTL / Redseven / Yazdanfar
Die beiden „Behringers“ sind Wanda Perdelwitz‘ letzte Filmauftritte; sie verstarb im Herbst 2025. Antoine Monot & Jessica Ginkel

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Reihe

RTL

Mit Antoine Monot, Cosima Henman, Oskar Keymer, Jonas Laux, Katharina Nesytowa, Benedikt Kalcher, Jessica Ginkel, Hendrik Heutmann, Maximilian Kaiser, Diyar Ilhan, Wanda Perdelwitz

Kamera: Eugen Gritschneder

Szenenbild: Cedric Kraus

Kostüm: Verena Sapper

Schnitt: Julian Cohn

Musik: Tina Pepper, Ulrich Reuter, Jens Heuler

Soundtrack: Spice Girls („Wannabe“), Johnny Cash („Hurt“)

Redaktion: Sylke Poensgen

Produktionsfirma: Redseven Entertainment

Produktion: Berit Walch, Jobst Benthues

Drehbuch: Berit Walch, Michael Grießler

Regie: Sarah Winkenstette

Quote: 2,77 Mio. Zuschauer (12,7% MA)

EA: 03.03.2026 20:15 Uhr | RTL

weitere EA: 03.03.2026 10:00 Uhr | RTL+

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