Tränen sind immer das Ende, auch in dieser schmerzlich-schönen Tragikomödie, die eine eigentlich sehr traurige Geschichte erzählt und dennoch voller Lebensfreude steckt, wie schon der spielerisch doppeldeutige Titel andeutet. Die Handlung beginnt mit einer halsbrecherisch rasanten sommerlichen Radfahrt durch Hamburg. Les Sommer, die nur noch von ihren Eltern Valeska genannt wird, arbeitet für einen als Kollektiv organisierten Lieferdienst. Das Team ist eine eingeschworene Clique, der Feierabend wird traditionell mit einem gemeinsamen Bier eingeläutet. Les ist Ende zwanzig und lebt ausschließlich im Hier und Jetzt. Sie führt eine offene Beziehung mit einer Frau, hat „superselten“ aber auch mal was mit Männern, zum Beispiel mit ihrem Kollegen Tyler, einem großen Kindskopf, von dem sie schwanger ist. Sie hat zwar keine Zukunftspläne, aber ein Kind kommt darin garantiert nicht vor, ebenso wenig wie ihr Vater, doch der sitzt eines Abends, als sie heimkommt, vor ihrer Tür. Bert Sommer möchte ein paar Tage bleiben; Urlaub machen, wie er sagt. Dabei hat er seinen Frisiersalon noch nie geschlossen, um zu verreisen. Tatsächlich will er Les etwas Wichtiges mitteilen, aber erst mal kommt alles ganz anders: Als sie gegen ein Auto prallt und wegen einer Fraktur des Schlüsselbeins vorübergehend arbeitsunfähig ist, übernimmt er ihre Touren; bis er zusammenbricht.
Foto: NDR, ARD / Frizzi Kurkhaus
Vermutlich hätten auch andere diese beiden Rollen spielen können, aber mit Mala Emde und Christoph Maria Herbst sind sie perfekt besetzt. Les ist bei Bert aufgewachsen, weil ihre Mutter die Familie früh verlassen hat, doch seit ihrem Umzug nach Hamburg ist der Kontakt offenbar immer sporadischer geworden. Entsprechend wenig haben sich die beiden zunächst zu sagen. Außerdem ist sie schon bald genervt, weil Bert immer noch der Helikopter-Papa von früher ist. Dass er für sie bei den „Pedal-Piloten“ einspringt, ohne ihr Bescheid zu sagen, ärgert sie deshalb umso mehr. Ihre Beziehung ändert sich gründlich, als er endlich mit der Wahrheit herausrückt. „Nutzen Sie jeden gemeinsamen Tag“, rät der Arzt, eine kleine, aber feine Rolle für Moritz Führmann, dem das Kunststück gelingt, schlechte Nachrichten mit einem maliziösen Lächeln zu überbringen und trotzdem nicht unsympathisch zu wirken.
Foto: NDR, ARD / Frizzi Kurkhau
Das Drehbuch von Brix Vinzent Koethe basiert auf dem Roman „Pedalpilot Doppelzwo“ von Wolf Schmid; der Titel bezieht sich auf Berts Funknamen. Dass er sich regelmäßig mit „over and out“ verabschiedet, beschert dem Film eine Schlusspointe, die sehr typisch für die Haltung ist, mit der Koethe die Geschichte erzählt. „Sommer auf Asphalt“ ist der zweite Langfilm von Simon Ostermann. Sein beeindruckendes Debüt nach diversen Serienepisoden, darunter „Oh Hell“ (MagentaTV, 2022), ebenfalls mit Emde, war das ausgezeichnete ZDF-Schuldrama „Von uns wird es keiner sein“ (2025). Mit seinem Zweitwerk gelingt ihm eine eindrucksvolle Gratwanderung: Der tragische Anteil schimmert immer durch, aber der Film bleibt nicht zuletzt dank der rockigen Musik (Linda-Philomène Tsoungui) beschwingt, zumal Bert die Bürde seines Schicksals mit einer bewundernswerten heiteren Gelassenheit trägt.
Die Szenen mit den zum Teil recht schrägen „Pedal-Pionieren“, die den neuen „Bro“ umgehend integrieren, sind ohnehin witzig. Trotzdem wird der Film nie eine reine Komödie. Selbst der stets gutgelaunte Tyler, im Grunde eine überzeichnete Comedy-Figur, bekommt dank Aaron Hilmer eine überraschende Tiefe. Les hat ihre Entscheidung in Bezug auf das Baby längst getroffen, aber als sie sieht, wie cool der Kollege mit Kindern umgeht, gerät ihr Entschluss ins Wanken; und Bert möchte unbedingt noch Opa werden. Eine Großmutter gäbe es theoretisch auch: Sonja (Jenny Schily) ist unter dem Namen Ruby Lawrence eine erfolgreiche Autorin schwülstiger Frauenromane geworden. Auch diese Rolle ist nicht ausschließlich negativ, zumal sie die Erklärung liefert, warum Les keine Kinder möchte: Sie fürchtet, der Mutter ähnlicher zu sein, als ihr liebt ist. Dass Bert sie überhaupt zu der Begegnung überreden konnte, liegt nicht zuletzt am früh geäußerten Schlüsselsatz des Films: „Wer weiß, wie viel Zeit wir alle noch miteinander haben.“ Eine zweite Botschaft ist musikalisch verpackt: Bert wünscht sich, Les ein letztes Mal die Haare schneiden zu dürfen, ein „final cut“ gewissermaßen, also mieten sie sich kurzerhand in einem Salon ein; dazu erklingt das eigens für den Film entstandene Lied „Lass los“. Ein Höhepunkt ganz anderer Art ist der nur wenige Sekunden kurze, aber sympathisch selbstironische Gastauftritt von Jan Ullrich.


5 Kommentare
Humorvoll und gleichzeitig bitterernst und hart, so wie das Leben selbst. „Sommer auf Asphalt“ zeigt uns, wie schön, aber auch gleichzeitig kompliziert und wertvoll unser Leben ist. Bitte mehr von Filmen wie diesen!
Ich wünsche mir Filme oder am Besten eine Serie über die Chronik der COVID-Pandemie, mit allen grausamen Bildern von Bergamo, von den Intensivstationen und dem Tod. Zeigen Sie auch die lustigen Momente der Pandemie, wo wir alle Klopapier kauften oder von unserem Balkon gesungen haben. Zeigen Sie in dieser Serie fiktionale Inhalte, verbunden mit der wahren Chronik der Pandemie, angefangen in Wuhan, über Webasto, Ischgl, Heinsberg, Bergamo, die Ansprache von Frau Dr. Angela Merkel, dem 1. Lockdown und den täglichen Pressekonferenzen des Robert-Koch-Instituts, dem Tönniesfall, der versuchten Erstürmung des Reichstagsgebäudes, die große Querdenkerdemo gegen das Infektionsschutzgesetz, dem 2. Lockdowm und der großem Impfhoffnung nach Weihnachten 2020. Im Sommer 2021 waren viele Menschen bereits geimpft, doch dann kam die DELTA-Variante und plötzlich standen wir im Herbst 2021 wieder bei NULL. Prof. Wieler hielt seine Brandrede und die „Operation Kleeblatt“ startete. Mit Hilfe der Luftwaffe wurden Corona-Patienten und Patientinnen innerhalb Deutschlands in freie Krankenhäuser verlegt…..bis heute mit vielen Post-COVID-Patientinnen und Patienten.
Zeigen sie in fiktionalen Filmen Themen, wie Waldbrände, wie die Flut im Ahrtal, über Ebola, über das Hanta-Virus. Zeigen Sie Filme über die Gewalt gegenüber unserer Polizei und den Rettungskräften, wie z.B. an Silvester u.V.m.
Wie „erholsam ist das“? Kein Krimi, keine Quizsendung, sondern ein echt guter, gelungener Film. Danke an die ARD, die diesen Film am Mittwoch, den 21.10. 2026 im Abendprogramm zeigt. „Sommer auf Asphalt“ zeigt die Schwierigkeiten und die Herausforderungen des Lebens. Der Tod des Vaters und der Kampf gegen seine Krankheit, den Krebs, gehört genauso dazu wie die Geburt des eigenen Kindes und den zwischenmenschlichen Beziehungen. Daher lautet auch meine Bitte: Zeigen Sie weitere Filme „aus unserem prallen Leben mit Höhen und Tiefen“. Zeigen Sie Filme wie „Heldin“ im deutschen Fernsehen. Zeigen Sie mehr Filme, wie „Aus dem Leben“ (ARD), „Die Welt steht still“ (ZDF), „Blackbird“ (ARD) und „Verschollen“ (ARD). Zeigen Sie in Filmen und in Serien (vielleicht würde sich dazu die ARD-Serie der Charité eignen) eine Chronik mit fiktionalen Geschichten in einer chronologischen Form über die gesamte Corona-Pandemie. Bitte zeigen Sie, wie Herr Prof. Drosten den ersten Coronatest weltweit an der Charité entwickelte, zeigen Sie, wie sich Prof. Wieler immer wieder bemühte uns allen klar zu machen, wie ernst die Situation ist. Zeigen Sie Frau Prof. Scheibenbogen, wie sie zu Post-COVID und zu ME/CFS an der Charité forscht. Zeigen Sie, wenn es innerhalb einer Familie einen Querdenker gibt und alle anderen für die Impfung waren. Zeigen Sie das medizinische Personal, wie sie um jeden COVID-Patienten und um jede COVID-Patientin kämpften und dabei selbst an ihre Grenzen kamen. Zeigen Sie, was es für Familien bedeutet, wenn plötzlich ein Familienmitglied, wie z.B. die Tochter oder der Sohn in jungen Jahren unter Post-COVID und unter ME/CFS leidet. Zeigen Sie, was es bedeutet, wenn plötzlich die Mutter oder der Vater mit Ende dreißig versterben.
Zeigen Sie Filme zu weiteren Themen, wie z.B. über Hitzetote, über Anschläge auf unsere kritische Infrastruktur (wie Anfang Januar 2026 in Berlin). Zeigen Sie Filme über ukrainische Soldaten, die in Deutschland versorgt werden und wie schwer „der Weg zurück ins normale Leben ist“, wenn man jemals wieder über ein „normales Leben sprechen kann“. Zeigen Sie Filme über weitere Krankheiten, wie z.B. über MS, über Parkinson. Zeigen Sie Filme über Armut, auch bei uns in Deutschland. Zeigen Sie Filme über Crans Montana und zeigen Sie Filme über Gewalt gegenüber unseren Einsatzkräften, den Krankenhausmitarbeiterinnen und Mitarbeitern etc. Denn Filme „sagen mehr als tausend Worte“ und man kann sich gut in die Personen hineinversetzen.
Unser Leben ist „wie eine Wundertüte“, da wird ein Mensch geboren und gleichzeitig stirbt ein Mensch an einer schweren Krankheit, wie an Krebs. Es gibt komplizierte und gleichzeitig lustige und dann wieder sehr schwierige Momente, die „alles von einem verlangen“. Der ARD Film „Sommer auf Asphalt“ beschreibt genau diese Wundertütenmischung“ und tut daher extrem gut.
Bitte produzieren Sie öfters Filme mit Aussagekraft. Auch ich wünsche mir eine Chronik mit fiktionalem Inhalt zur COVID-Pandemie (super gut würde sich hierzu tatsächlich die ARD Serie „Charité“ eignen, denn anhand der preisgegkrönten Doku „Charité Intensiv, Station 43-Sterben“ könnte man aus den wahren Geschichten eine Serie mit fiktionalem Inhalt machen. Bitte trauen Sie sich!). Ich wünsche mir Filme über Clankriminalität, über Drohnenspionage, über Angriffe auf unsere kritische Infrastruktur, wie auf unser Stromnetz im Januar in Berlin. Ich wünsche mir Filme über Angriffe auf unser Krankenhauspersonal, auf die Rettungskräfte und auf die Polizei. Ich wünsche mir Filme über den Anschlag auf den Weihnachtsmarkt in Magdeburg oder auch über den Suizid im Cockpit mit vielen toten Schülerinnen und Schülern, auch aus Deutschland von vor 10 Jahren. Zeigen Sie Filme über Krankheiten, wie über ALS, MS, über Demenz, über Parkinson. Greifen Sie die Schülerproteste in Frankreich auf und zeigen Sie das unmögliche Verhalten einzelner Gruppen gegenüber der Polizei, der Feuerwehr und der Gesellschaft. Man kann gegen alles protestieren, aber bitte friedlich!!! Zeigen Sie das Schicksal meiner Omi. Meine Omi ist 79 Jahre alt und hat als Bäckereifachverkauferin gearbeitet und 2 Kinder großgezogen. Sie ist gesund und hätte in ihrem Haus „alt werden können“. Doch jetzt kann sie bestimmte Reperaturen nicht mehr finanzieren und deshalb zieht sie nun zu uns und ihr Haus wird verkauft. Opi lebt mit Demenz im Altenwohnheim und Omi ist oft „einfach nur müde und erschöpft vom Leben“.
Weinen, lachen und dabei zu wissen wie wertvoll unser Leben, unsere Freunde und unsere Familie ist, auch dann, wenn es manchmal kompliziert wird. Denn von „heute auf morgen“ kann sich alles ändern, wie im NDR/ARD Film: „Sommer auf Asphalt“ eindrucksvoll gezeigt wurde. Ein ganz wertvoller und guter Film.
Auch wir würden uns über weitere Formate „mitten aus unserem Leben“ freuen. Bitte zeigen Sie, auch in Filmen, harte und schwere Momente. So hätte man im Film: „Sommer auf Asphalt“ ruhig zeigen können, wenn der Papa in seinem Salon zusammenbricht und mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus kommt. Oder man hätte mehr von der Krebstherapie…..zeigen können. Nehmen Sie uns, als Zuschauerinnen und Zuschauer mit „auf die Reise durch unser Leben“. Zeigen Sie in der ARD Serie: „Charité“ eine Chronik der Coronazeit. Bitte verschonen Sie uns nicht und zeigen Sie die schrecklichen Bilder von den Intensivstationen, zeigen Sie von „den ganz normalen Familien“ bis zum Querdenker alles. Zeigen Sie das RKI, die damalige Bundesregierung vom 1. Coronafall in Deutschland bei der Firma Webasto, über Ischgl, Heinsberg, die Ansprache von Frau Dr. Angela Merkel, über Bergamo, den ersten Lockdown und die täglichen Pressekonferenzen des RKI, über den Tönniesfall, über die versuchte Erstürmung des Reichstagsgebäudes durch die Querdenker. Ein einiziger Polizist verteidigte damals unsere Demokratie, dem 2. Lockdown, dann nach Weihnachten 2020 begann die große Impfaktion und die meisten von uns waren froh darüber. Im Sommer 2021 hatten wir die Hoffnung alles überstanden zu haben, doch dann kam es ganz anders, weil das Virus mutierte und die DELTA-Variante brachte alles durcheinander. Im Herbst 2021 gab es die Brandrede von Prof. Wieler und die „Operation Kleeblatt“ (Coronapatientinnen und Patienten wurden mit Hilfe der Luftwaffe in freie Krankenhäuser gebracht)…..bis heute mit meinem Neffen, der unter Post-COVID leidet und das mit nur 17 Jahren.
Zeigen Sie Filme über den Terroranschlag auf den Magdeburger Weihnachtsmarkt. Zeigen Sie Filme über weitere Krankheiten, wie über Lupus, über Alzheimer u.V.m.
Zeigen Sie Filme über Waldbrände, über Hitzetote, über die Flut im Ahrtal. Nicht jeden Tag, aber immer mal wieder. Vielleicht könnte man eine gute Mischung ins Fernsehprogramm bringen, wie: montags gibt es die Komödie, dienstags den Krimi, mittwochs die Arztserie, donnerstags einen Film „über unser Leben“, freitags die Quizsendung, samstags die Unterhaltungsshow und sonntags den Tatort….
Bunt, divers, vielfältig und dann ist da die Freude, aber auch der Verlust, manchmal übertrieben dargestellt und dann wieder sehr einfühlsam und realistisch. Danke für einen Film über 83 Millionen Menschen in unserem Land. Jeder von uns findet sich in einem kleinen Part des Films: „Sommer auf Asphalt“ wieder. Jeder von uns hat Kummer, hat Sorgen um Mitmenschen und dann gibt es doch wieder diese lustigen und fröhlichen Momente.
Roger und Over! Ach nein, da gibt es doch noch etwas.
Ich wünsche mir ebenso viel, viel mehr an Realität in Filmen und in Serien. Zeigen Sie fiktionale Filme mit wahrem Inhalt über Messerstechereien, über Angriffe auf unsere Rettungskräfte, auf die Krankenhausmitarbeitenden, auf unsere Polizei wie an Silvester. Zeigen Sie Filme über Ebola, über das Hanta-Virus und bitte zeigen Sie eine fiktionale Serien-Chronik der COVID-Pandemie. Wir brauchen mehr Filme wie: „Die Welt steht still“ im ZDF, „Aus dem Leben“ in der ARD, „Verschollen“ in der ARD, „Blackbird“ in der ARD oder auch „Das verschwundene Kind“ im ZDF oder den Kinofilm: „Heldin“.
Zeigen Sie Filme über Abschiebungen und was es bedeutet, wenn rechte Parteien an die Macht kommen und wie leicht man „uns junge Menschen verführen kann“, nämlich mit einfachen Lösungen, die aber nie funktionieren. Zeigen Sie den Terror von Links auf unsere Stromnetze. Zeigen Sie Filme über die Flut im Ahrtal, über Hitzetote, über Waldbrände, über Stürme und Tornados.