Tatort – Der Elektriker

Krassnitzer, Neuhauser, Silberschneider, Scherrer, Edlinger, Harald Sicheritz. Kammerspiel im Seniorenheim

14.12.2025 20:15 ARD TV-Premiere
14.12.2025 20:15 ARD-Mediathek Streaming-Premiere
14.12.2025 21:45 One
16.12.2025 00:15 ARD
Foto: ORF/Petro Domenigg
Foto Volker Bergmeister

Bibi Fellner und Moritz Eisner im „Tatort – Der Elektriker“ (ORF/Prisma Film) müssen ihren drittletzten Fall lösen – und der führt sie in ein Seniorenheim. Ein Bewohner wurde ermordet. Die Beziehungen des Opfers zu seinem Umfeld waren von ständigen Konflikten geprägt. Die Ermittlungsarbeit erfordert viel Empathie und Fingerspitzengefühl. Regisseur Harald Sicheritz zeigt in seinem Krimi-Kammerspiel das Pflegeheim als Ort, der kaum Platz für Geheimnisse lässt. Er inszeniert entschleunigt, schaut genau hin, führt die Figuren nicht vor. Er fängt diesen Mikrokosmos in all seinen Facetten ein (Personalmangel, Einsamkeit, Überforderung der Mitarbeiter) und thematisiert zudem Bereiche wie Sexarbeit im Seniorenheim und Medikamentenmissbrauch. Spannend-intensiver Krimi mit einem tragischen Hintergrund.

Feueralarm im Alten- und Pflegeheim. Minutenlang herrscht Chaos, der Strom fällt aus, dann gibt es einen Toten. Ein Pfleger (Michael Edlinger) wollte den 74-jährigen Danijel Filipovic (Roman Frankl) per Hebelift in die Wanne hieven, als die Sirene losging. Als er zurückkommt, ist der alte Mann tot: ertrunken. Für Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) und Bibi Fellner (Adele Neuhauser) ist klar: Allein konnte der ehemalige Haustechniker nicht in die Wanne gekommen sein. Und so tauchen die Wien-Cops immer tiefer in die facettenreiche Welt des Alters und der Pflege ein. Was sie zu sehen bekommen, ist ernüchternd: Danijels Tochter (Gabriela Garcia Vargas), die am Tag des Mordes auf Besuch war, hat Geldprobleme und steht mit ihrem Vater im Clinch. Ein hausinterner Fußpfleger (Aleksandar Petrovic) ist vorbestraft und wurde von Filipovich mehrfach beleidigt. Und dann sind da noch die elegante Anna (Elfriede Schüsseleder) und der gewitzte Ex-Oberkellner Fritz (Johannes Silberschneider) sowie eine charmante Pflegepatientin (Martina Spitzer), die Moritz von früher kennt. Die Ermittler müssen herausfinden, wer mit wem eine Rechnung offen hat. So kommt ein düsteres und tragisches Geheimnis ans Licht.

Fast ein Kammerspiel hat das Autorenduo Roland Hablesreiter und Petra Ladinigg geschrieben. Als Krimisetting wurde ein Seniorenheim gewählt und der überwiegende Teil des drittletzten Falls, den Bibi und Moritz lösen müssen, spielt hier. Es geht um eine Welt, in der das Personal am Limit arbeitet. Der „Tatort – Der Elektriker“ fängt den kleinen Kosmos Pflegeheim in all seinen Facetten ein: Personalmangel, Einsamkeit, Überforderung der Mitarbeiter. Und er thematisiert auch Bereiche wie Sexarbeit im Seniorenheim und Medikamentenmissbrauch. Ein Krimi im Pflegeheim mit einem tragischen Hintergrund, der peu à peu ans Licht kommt.

Tatort – Der ElektrikerFoto: ORF / Petro Domenigg
Heiminventar: die elegante Anna (Elfriede Schüsseleder) und der gewitzte Ex-Oberkellner Fritz (Johannes Silberschneider)

Filmisch ist der Krimi liebevoll und teilweise auch originell in Szene gesetzt. Wenn die Kommissare mit dem alten Paar im Aufenthaltsraum Karten spielen, um dabei an Informationen zu kommen, oder wenn Moritz Eisner seine alte Liebe Sandra, die im Heim an den Rollstuhl gefesselt ihre letzten Jahre verbringt, in ihrem Zimmer besucht und sie alte Fotos ansehen und sich an gemeinsame Zeiten erinnern, dann sind das sehr rührende und emotionale Momente. Regisseur Harald Sicheritz gibt denen viel Raum – wie auch der Ermittlungsarbeit anhand eines 3-D-Architekturmodells (eine Idee von Kameramann Thomas Kürzl). Im Büro ist das aufgebaut, zeigt Räume, Flure und Stockwerke im Seniorenheim. Und mittels des Modells spielen die Kommissare die Abläufe durch, benutzen dazu Gegenstände wie Glückskekse, Tesarolle, Klebestift und Tipp-Ex-Fläschchen. Eine pfiffige Idee, leicht humorvoll umgesetzt, unterstützt von Bildern des Geschehens im Heim.

Harald Sicheritz zeigt in seinem sechsten „Tatort“-Krimi das Pflegeheim als Mikrokosmos, der keinen Platz für Geheimnisse lässt. Er inszeniert sehr entschleunigt, schaut genau hin, führt die Figuren nicht vor. Das gilt auch für das Personal im Heim: unterbesetzt, unterbezahlt, überbeansprucht. Aber Sicheritz vermeidet dabei die üblichen Klischees. Unterschiedliche Realitäten und Biografien stoßen hier aufeinander, Wege kreuzen sich, Menschen, die Glücksmomente und Schicksalsschläge hinter sich haben, leben in einem Haus mit dünnen Wänden. Und alle haben Gepäck dabei … aus der Vergangenheit. Und die führt im Lauf der Handlung – wie nicht selten in Austria-Krimis – Richtung Ex-Jugoslawien.

Auch die in die Jahre gekommenen Kommissare werden konfrontiert mit der Zukunft, die auch für sie mal Pflegeheim heißen könnte. Vor allem Moritz treibt dies um, wenn er durch die Begegnung mit seiner früheren Liebe Sandra mit dem Alter und Krankheit so nah in Berührung kommt. Manches wird da im Subtext erzählt, leise, nachdenklich, beiläufig, aber stets spürbar. Und am Ende heißt es: Einer hat immer das Bummerl! Was damit gemeint ist? Anschauen! Vor allem auch wegen Johannes Silberschneider, der den Ex-Oberkellner Fritz mit so viel leisem Witz und verborgener Tragik mimt, dass das allein schon das Einschalten lohnt.

Tatort – Der ElektrikerFoto: ORF / Pedro Domenigg
Alle Hände voll zu tun haben Fellner (Adele Neuhauser) & Eisner (Harald Krassnitzer) mit Linda Filipovic (Gabriela García-Vargas).

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Reihe

ORF

Mit Harald Krassnitzer, Adele Neuhauser, Christina Scherrer, Günter Franzmeier, Elfriede Schüsseleder, Johannes Silberschneider, Martina Spitzer, Michael Edlinger, Nina Fog, Gabriela Garcia-Vargas, Aleksandar Petrovic, Roman Frankl

Szenenbild: Christine Egger

Kamera: Thomas Kürzl

Musik: Lothar Scherpe

Redaktion: Bernhard Natschläger, Kerstin Bertsch (ORF)

Produktionsfirma: Prisma Film

Produktion: Mathias Forberg

Drehbuch: Roland Hablesreiter, Petra Ladinigg

Regie: Harald Sicheritz

EA: 14.12.2025 20:15 Uhr | ARD

weitere EA: 14.12.2025 20:15 Uhr | ARD-Mediathek

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