München, die „Weltstadt mit Herz“, ist für die Eingeborenen der Himmel auf Erden; kein Wunder, dass Dienstmann Alois, Ludwig Thomas „Münchner im Himmel“, nach seinem Ableben umgehend wieder heim wollte. Maximilian Brückner war als Taxifahrer in der Kinoverfilmung (2026) die perfekte Besetzung: durch und durch ein Egoist, aber auch ein charmanter Filou und daher aller charakterlichen Defizite zum Trotz liebenswert. Eine ganz ähnliche Rolle spielt er nun in „Servus Eddie“. Auch diese Titelfigur ist eher ein Antiheld: Vor drei Jahren war Polizist Eddie Kolozecik noch Kommissar im Münchner Drogendezernat, dann ist er zum Polizeiobermeister degradiert worden; nun fährt er gemeinsam mit dem älteren Partner Carlo (Gerhard Wittmann) Streife. Natürlich will er unbedingt seinen alten Job zurück, aber mit den Dienstvorschriften steht er zumeist auf Kriegsfuß. Bislang hat ihm der zum väterlichen Freund gewordene Carlo stets den Rücken freigehalten, doch mittlerweile betrachtet er Eddies Eskapaden als Bedrohung für seine nicht mehr allzu ferne Pension. Gerade erst hat der jüngere Kollege wieder Mist gebaut, als er noch vor Dienstbeginn zwei junge Dealer verhaftet hat. Uniformiert war er dabei zwar nicht, aber bewaffnet: mit der Smith & Wesson seines Vaters, der ebenfalls Polizist war. Das allein ist schon hochgradig illegal, aber es kommt noch schlimmer: Nach einem Zwischenfall mit einem Obdachlosen können die Dealer fliehen; und die Pistole ist verschwunden.
Foto: ARD Degeto / Hendrik Heiden
Das klingt nach Krimikomödie, und komisch ist „Servus Eddie“ in der Tat, aber kein Krimi, denn eigentlich erzählt der Film eine ganz andere und im Grunde dramatische Geschichte. Zweite Hauptfigur ist Adam Einmiller. Der ehemalige Zahnarzt war die letzte Rolle des im Mai verstorbenen Günther Maria Halmer. Sein Tod verleiht der Figur eine doppelte Tragik: Adam hat vor dreißig Jahren bei einem Unfall seinen kleinen Sohn verloren. Das Ereignis hat ihn komplett aus der Bahn geworfen, zumal er sich eine Mitschuld gibt. Seither lebt er auf der Straße. Einziger Fixpunkt in seinem Leben ist das Grab seines Sohnes. Mit Hilfe von Eddies Pistole will er das nötige Geld für die Verlängerung der „Ruhezeit“ auftreiben. Da die Ausflüge auf die schiefe Bahn allesamt scheitern, beschließt er, seinem Dasein ein Ende zu setzen.
Selbstredend kommt alles ganz anders, wie der Titelzusatz „Spätes Glück“ erwarten lässt, zumal sich Eddie Hals über Kopf in eine Frau (Marlene Morreis) verliebt, die ihren Vornamen nicht preisgibt und daher von ihm bloß „Schröder“ genannt wird. Auch sie ist seit der Trennung von ihrem Freund wohnungslos und hätte nichts dagegen, sich bei Eddie einzunisten, doch der lebt nicht allein, und damit ist der Film bei einer weiteren Handlungsebene: Weil Mutter Kolozecik (Jutta Speidel) seit Corona aus Angst vor Ansteckungen aller Art ihre Wohnung nicht mehr verlassen will, ist der Sohn zurück in sein Jugendzimmer gezogen. Dort tummelt sich nun immer öfter eine fremde Frau, was Maria gar nicht recht ist; womöglich ist zudem ein bisschen Eifersucht im Spiel. Dass sie ihre Angststörung überwinden muss, um der Geschichte schließlich zu einem guten Ende zu verhelfen, ist keine Überraschung.
Foto: ARD Degeto / Hendrik Heiden
Der Freitagsfilm wirkt ohnehin ein bisschen unrund, was vielleicht mit der Genese des Drehbuchs zusammenhängt. Es stammt laut Vorspann von Regisseur Felix Karolus und einer Person namens Putzi von Adamo; das klingt verdächtig nach Pseudonym. Tatsächlich wurde bis vor Kurzem im Branchen-Netzwerk Crew United Gerlinde Wolf als Koautorin genannt. Sie hat zuletzt „Lang lebe die Königin“ (2020) geschrieben, den Abschiedsfilm von Hannelore Elsner; auch dort wirkten Morreis und Halmer mit. Morreis und Brückner wiederum haben schon in der allerdings um mindestens eine Klasse besseren Reihe „Schwarzach 23“ ausgezeichnet miteinander harmoniert. Etwas mehr vom Biss der ZDF-Krimis hätte auch „Servus Eddie“ nicht geschadet; das Tempo ist so entspannt wie der bayerische Bluesjazz von Andrej Melita. Karolus’ Beiträge zum „Polizeiruf“ vom RBB oder zur ZDF-Reihe „Der Kommissar und der See“ mit Walter Sittler waren zwar durchaus sehenswert, aber stets auch ein bisschen brav. Ein Vergnügen ist „Spätes Glück“ daher vor allem wegen des Ensembles, das Lust auf mehr macht: Die personelle Konstellation bietet beste Voraussetzungen für eine Reihe, auch wenn es für die berührenden Szenen mit Adam, der in Eddie schließlich eine Art Sohn-Ersatz sieht, natürlich keine Fortsetzung geben kann.


4 Kommentare
Servus Eddie und ich sage leise: „Servus Günther Maria Halmer, danke für die vielen Filme in denen du uns zum Lachen, zum Nachdenken und auch zum Weinen gebracht hast. Einen Charakterschauspieler, wie du es warst, den gibt es leider kaum noch. Während wir im deutschen Fernsehen fast nur noch Krimis, belanglose Komödien ohne Hintergrund und Niveau sehen, wenn eine Quizsendung auf die Nächste folgt oder wenn sogar eine Realityshow der Nächsten folgt, dann hast du mit deinen Filmen eine Ausnahme gemacht. Du warst ein Charakterschauspieler, der auch in Komödien immer eine Message hinterlassen hat, du hast vom Liebhaber bis zum Querkopf alles dargestellt und „deine Rollen hast du mehr als authentisch verkörpert“. Danke, lieber Günther Maria Halmer!“
Vielleicht gibt es bald mehr Filme, wie gestern Abend im ARD Sommerkino: „Die leisen und großen Töne“ oder vielleicht gibt es bald mehr deutsche Filme wie „Die Welt steht still“ ZDF aus dem Jahr 2021 oder von 2024 der ARD-Film: „Aus dem Leben“. Vielleicht gibt es bals Filme mit aktuellem Bezug zur Realität, so z.B. eine Chronik der COVID-Pandemie in einer Dramaserie zusammengefasst vom 1. Coronafall in Deutschland bei der Firma Webasto, über Heinsberg, die Ansprache von Frau Dr. Merkel an die Nation, über die schrecklichen Bilder von Bergamo, über den 1. Lockdown mit den täglichen Briefings des Robert-Koch-Instituts, also mit Prof. Wieler, über den Tönniesskandal, über die versuchte Erstürmung des Reichstagsgebäudes durch die Querdenker. Hierbei wurde unsere Demokratie von nur einem Polizisten verteidigt, über den 2. Lockdown und über den mRNA-Impfstoff von Biontech, über das Weihnachtsfest 2020 an dem viele Menschen an Corona verstarben, über den 2. Weihnachtsfeiertag und damit starteten die Corona-Impfungen. Im Sommer 2021 hatten wir die Hoffnung alles überstanden zu haben, doch die Hoffnung wurde enttäuscht, weil das Virus mutierte und die DELTA-Variante kam auch zu uns nach Deutschland. Im Herbst 2021 gab es die Brandrede von Prof. Wieler und kurz darauf folgte die „Operation Kleeblatt“. Hier wurden COVID-Patienten mit der Hilfe der Liftwaffe in freie Krankenhäuser innerhalb Deutschlands geflogen, weil viele Krankenhäuser bereits mit COVID-Patitenten überfüllt waren…….bis heute mit vielen jungen POST-COVID-Patitenten.
Vielleicht gibt es auch bald Filme über den Terroranschlag von Magdeburg, jetzt vom CSD in Berlin. Vielleicht gibt es bald Filme über unsere Einsatzkräfte und über die Polizei, die fast täglich angegriffen werden, aber ganz besonders an Silvester. Vielleicht sehen wir bald Filme über „unsere stillen Helden“, wie über die Feuerwehr, die, auch bei uns in Deutschland Waldbrände löschen muss. Vielleicht sehen wir, nicht nur Dokumentationen über die Flut im Ahrtal, sondern auch Spielfilme…..Vielleicht sehen wir Filme über Crans Montana und über den wahren Klinikalltag. Ich wünsche mir Filme wie „Heldin“ bald im deutschen Fernsehen sehen zu können.
Lieber Günther Maria Halmer,
aus deinem letzten Film mit dem Thema der Obdachlosigkeit und dem Verlust des Sohnes hätte „man mehr machen können“. Anstatt einer Komödie wäre hier ein Drama besser gewesen mit etwas mehr Tiefgang.
Dennoch möchte ich mich vor dir und vor deiner schauspielerischen Leistung verneigen und auch ich möchte dir DANKE sagen.
Ich wünsche mir mehr Filme mit Tiefgang über Themen „unseres Lebens“. Ich wünsche mir Filme über die COVID-Pandemie und über Post-COVID. Ich wünsche mir Filme über weitere Krankheiten, wie über Demenz, über MS, über Polyneuropathie. Ich wünsche mir Filme über Angriffe auf unsere Polizei und die Rettungskräfte, besonders an Silvester. Ich wünsche mir Filme über Obdachlosigkeit und über Armut. Ich wünsche mir Filme über den Ebolaausbruch und über den Hanta-Virus-Ausbruch auf dem Schiff. Ich wünsche mir nicht mehr so viele Krimis oder Quizshows oder Realityserien. Ich wünsche mir „die Realität im Fernsehen sehen zu können“. Das gilt auch für Fernsehserien wie „In aller Freundschaft“. Bitte zeigen Sie mehr vom harten realen Klinikalltag. Wir brauchen mehr Filme wie „Heldin“, „Saat des Terrors“ (ARD), „Verschollen“ (ARD), „Aus dem Leben“ (ARD) „Die Welt steht still“ (ZDF).
„Wenn die Sonne lacht, wenn es ein Gewitter gibt, dann weiß ich: Günther Maria Halmer ist im Himmel angekommen“, denn so Facettenreich wie das Wetter, so war auch der Schauspieler: Günther Maria Halmer. Seine Rollen füllte er mit seinem Charaker aus und zeigte wozu Schauspieler in der Lage sind: Einen Querulanten verkörperte er genauso wie den schrulligen „Nachbarn mit dem Dackel“. Er nahm uns mit in seine Rollen und war dabei glaubhaft und authentisch. Aus „seiner letzten Rolle“ wäre mehr herauszuholen gewesen und dennoch gab Günther Maria Halmer dieser Komödie einen ernsten Anstrich.
Ich würde mir im Fernsehen eine bessere Mischung wünschen mit ein bis zwei Krimis pro Woche, mit einer Komödie pro Woche mit einer Quizsendung, mit einer Reality-Show, aber ganz besonders würde ich mir einmal pro Woche einen Film über unsere Sorgen und Probleme wünschen. Zeigen Sie mehr Filme wie die ZDF-Serie: „Kabul-Flucht aus der Hölle“, wie „Aus dem Leben“ (ARD), wie „Die Welt steht still“ (ZDF)….
Zeigen Sie, was es bedeutet, wenn unsere Nachbarin mit ihrer Tochter aus der Ukraine vor dem Krieg floh und ihr Ehemann mit nur 29 Jahren an der Front kämpft, dort schwer verletzt wurde und bei uns in Deutschland medizinisch versorgt wurde. Zeigen Sie die Anschläge mit einem Auto, zeigen Sie eine Chronik über die COVID-Pandemie (hier wäre die ARD-Serie: „Charité“ gut geeignet), zeigen Sie, was es bedeutet, wenn junge Menschen unter Post-COVID leiden, zeigen Sie eine Krebstherapie (wie bei meinem Schwager, der mit 41 Jahren an Krebs erkrankte und seit Jahren dagegen kämpft. Er hat Familie mit 2 kleinen Kindern)……
Jetzt bist du, lieber Günther Maria Halmer oben im Himmel und wenn ich in den Himmel sehe, dann vergleiche ich das mit deiner schauspielerischen Leistung. Du hast dein Talent in jede deiner Rollen gelegt, mal sonnig, mal gewittrig, mal eiskalt und knallhart. Du warst einmalig. Ich wünsche mir „unser Zusammenleben“ im Fernsehen zu sehen. Da gab es im Januar 2026 den großen Anschlag auf das Stromnetz in Berlin. Da gibt es die Terroranschläge mit Autos, da gab es die SARS-CoV-2 Pandemie, da gibt es die Alleinerziehene, die große finanzielle Probleme hat und ihre Miete nicht mehr zahlen kann usw.