Servus Eddie – Spätes Glück

Maximilian Brückner, Halmer, Morreis, Wittmann, Speidel, Felix Karolus. Der Himmel soll warten

30.07.2026 10:00 ARD-Mediathek Streaming-Premiere
31.07.2026 20:15 ARD TV-Premiere
Foto: ARD Degeto / Hendrik Heiden
Foto Tilmann P. Gangloff

„Servus Eddie“ könnte auch eine neue Freitagsreihe werden: Ähnlich wie in „Ein Münchner im Himmel“ spielt Maximilian Brückner in „Spätes Glück“ (Degeto / new! Move films) einen Ur-Bayern, diesmal nicht als Taxifahrer, sondern als zum Streifenpolizisten degradierter Kommissar, der sich mit seiner eigenwilligen Art immer wieder in Schwierigkeiten bringt. Die schönere Rolle (und seine letzte) hat allerdings der im Mai verstorbene Günther Maria Halmer als Arzt, den der Tod seines Sohnes vor 30 Jahren aus der Bahn geworfen hat. Die Inszenierung ist so entspannt wie der bayerische Bluesjazz, die Handlung wirkt mitunter etwas unrund, aber das Ensemble, zu dem auch Marlene Morreis, Jutta Speidel und Gerhard Wittmann gehören, macht Lust auf mehr.

München, die „Weltstadt mit Herz“, ist für die Eingeborenen der Himmel auf Erden; kein Wunder, dass Dienstmann Alois, Ludwig Thomas „Münchner im Himmel“, nach seinem Ableben umgehend wieder heim wollte. Maximilian Brückner war als Taxifahrer in der Kinoverfilmung (2026) die perfekte Besetzung: durch und durch ein Egoist, aber auch ein charmanter Filou und daher aller charakterlichen Defizite zum Trotz liebenswert. Eine ganz ähnliche Rolle spielt er nun in „Servus Eddie“. Auch diese Titelfigur ist eher ein Antiheld: Vor drei Jahren war Polizist Eddie Kolozecik noch Kommissar im Münchner Drogendezernat, dann ist er zum Polizeiobermeister degradiert worden; nun fährt er gemeinsam mit dem älteren Partner Carlo (Gerhard Wittmann) Streife. Natürlich will er unbedingt seinen alten Job zurück, aber mit den Dienstvorschriften steht er zumeist auf Kriegsfuß. Bislang hat ihm der zum väterlichen Freund gewordene Carlo stets den Rücken freigehalten, doch mittlerweile betrachtet er Eddies Eskapaden als Bedrohung für seine nicht mehr allzu ferne Pension. Gerade erst hat der jüngere Kollege wieder Mist gebaut, als er noch vor Dienstbeginn zwei junge Dealer verhaftet hat. Uniformiert war er dabei zwar nicht, aber bewaffnet: mit der Smith & Wesson seines Vaters, der ebenfalls Polizist war. Das allein ist schon hochgradig illegal, aber es kommt noch schlimmer: Nach einem Zwischenfall mit einem Obdachlosen können die Dealer fliehen; und die Pistole ist verschwunden.

Servus Eddie – Spätes GlückFoto: ARD Degeto / Hendrik Heiden
Harmonieren nicht zum ersten Mal ganz prima: Maximilian Brückner und Marlene Morreis in „Servus Eddie – Spätes Glück“

Das klingt nach Krimikomödie, und komisch ist „Servus Eddie“ in der Tat, aber kein Krimi, denn eigentlich erzählt der Film eine ganz andere und im Grunde dramatische Geschichte. Zweite Hauptfigur ist Adam Einmiller. Der ehemalige Zahnarzt war die letzte Rolle des im Mai verstorbenen Günther Maria Halmer. Sein Tod verleiht der Figur eine doppelte Tragik: Adam hat vor dreißig Jahren bei einem Unfall seinen kleinen Sohn verloren. Das Ereignis hat ihn komplett aus der Bahn geworfen, zumal er sich eine Mitschuld gibt. Seither lebt er auf der Straße. Einziger Fixpunkt in seinem Leben ist das Grab seines Sohnes. Mit Hilfe von Eddies Pistole will er das nötige Geld für die Verlängerung der „Ruhezeit“ auftreiben. Da die Ausflüge auf die schiefe Bahn allesamt scheitern, beschließt er, seinem Dasein ein Ende zu setzen.

Selbstredend kommt alles ganz anders, wie der Titelzusatz „Spätes Glück“ erwarten lässt, zumal sich Eddie Hals über Kopf in eine Frau (Marlene Morreis) verliebt, die ihren Vornamen nicht preisgibt und daher von ihm bloß „Schröder“ genannt wird. Auch sie ist seit der Trennung von ihrem Freund wohnungslos und hätte nichts dagegen, sich bei Eddie einzunisten, doch der lebt nicht allein, und damit ist der Film bei einer weiteren Handlungsebene: Weil Mutter Kolozecik (Jutta Speidel) seit Corona aus Angst vor Ansteckungen aller Art ihre Wohnung nicht mehr verlassen will, ist der Sohn zurück in sein Jugendzimmer gezogen. Dort tummelt sich nun immer öfter eine fremde Frau, was Maria gar nicht recht ist; womöglich ist zudem ein bisschen Eifersucht im Spiel. Dass sie ihre Angststörung überwinden muss, um der Geschichte schließlich zu einem guten Ende zu verhelfen, ist keine Überraschung.

Servus Eddie – Spätes GlückFoto: ARD Degeto / Hendrik Heiden
Da kommt Wehmut auf … Zwei Große ihres Fachs: Jutta Speidel und der im Mai 2026 verstorbene Günther Maria Halmer

Der Freitagsfilm wirkt ohnehin ein bisschen unrund, was vielleicht mit der Genese des Drehbuchs zusammenhängt. Es stammt laut Vorspann von Regisseur Felix Karolus und einer Person namens Putzi von Adamo; das klingt verdächtig nach Pseudonym. Tatsächlich wurde bis vor Kurzem im Branchen-Netzwerk Crew United Gerlinde Wolf als Koautorin genannt. Sie hat zuletzt „Lang lebe die Königin“ (2020) geschrieben, den Abschiedsfilm von Hannelore Elsner; auch dort wirkten Morreis und Halmer mit. Morreis und Brückner wiederum haben schon in der allerdings um mindestens eine Klasse besseren Reihe „Schwarzach 23“ ausgezeichnet miteinander harmoniert. Etwas mehr vom Biss der ZDF-Krimis hätte auch „Servus Eddie“ nicht geschadet; das Tempo ist so entspannt wie der bayerische Bluesjazz von Andrej Melita. Karolus’ Beiträge zum „Polizeiruf“ vom RBB oder zur ZDF-Reihe „Der Kommissar und der See“ mit Walter Sittler waren zwar durchaus sehenswert, aber stets auch ein bisschen brav. Ein Vergnügen ist „Spätes Glück“ daher vor allem wegen des Ensembles, das Lust auf mehr macht: Die personelle Konstellation bietet beste Voraussetzungen für eine Reihe, auch wenn es für die berührenden Szenen mit Adam, der in Eddie schließlich eine Art Sohn-Ersatz sieht, natürlich keine Fortsetzung geben kann.

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Fernsehfilm

ARD Degeto

Mit Maximilian Brückner, Günther Maria Halmer, Marlene Morreis, Gerhard Wittmann, Jutta Speidel, Ercan Karacayli, Kathrin von Steinburg, Anastasia Papadopoulou

Kamera: Wolfgang Aichholzer

Szenenbild: Christian Kettler

Kostüm: Silke Schmelzer

Schnitt: Florian Leitl

Musik: Andrej Melita

Soundtrack: Inner Circle („Laus Buam“, Abspannlied)

Redaktion: Claudia Grässel, Stefan Kruppa

Produktionsfirma: new!move films

Produktion: Christian Hofer, Luca Verhoeven

Drehbuch: Felix Karolus, Putzi von Adamo

Regie: Felix Karolus

EA: 30.07.2026 10:00 Uhr | ARD-Mediathek

weitere EA: 31.07.2026 20:15 Uhr | ARD